Archiv für 21. Oktober 2010

Brände und Brandbekämpfung

In Arad hat der Glockengießer Friedrich König eine heizbare Feuerspritze erfunden, welche in jeder Beziehung die Beachtung der Kommunalvorstände verdient. Diese Spritze hat vor den bisher im Gebrauche stehenden nicht allein den Vorteil voraus, daß sie im strengsten Winter verwendet werden kann, da sie in kaum 5 Minuten geheizt und so das Zufrieren des Wassers verhindert wird, sondern sie kann durch Anwendung des Schwungrades statt des bisherigen Drucksystems viel leichter und schneller operieren, so daß bei derselben 1 Mann mehr leistet, als bei den gewöhnlichen Spritzen 40 zu leisten vermögen. Diese kurzen Andeutungen mögen genügen, den Wert dieser Erfindung zu konstatieren. Nur wollen wir noch bemerken, daß die Anschaffungskosten dieser neuen heizbaren Spritzen, wenn man ihre Leistungsfähigkeit mit denen der bisher verwendeten vergleicht, nicht auffallend höher wie bei diesen zu stehen kommen. WIENER ZEITUNG 20.10. 1861.

Preußen. – (Der Brand in Königsberg.) Über diesen schon erwähnten zweiten Brand, der während der Krönungsfeste in Königsberg ausbrach, wird Nachfolgendes geschrieben: In einer der Speicherquergassen am Roßgärter – Markt entstand nämlich am 16. gleich nach 12 Uhr Feuer. Bemerkt wurde dasselbe zuerst durch drei Mitglieder des königl. Domchores, die in den langen, winkligen und ganz menschenleeren Gassen verirrt, schon seit einer Stunde ihre Wohnung vergebens suchten. Dieselben rannten mit Hilfe einer Deichselstange die Tür des brennenden Gebäudes, (eines Pferdestalles mit Futter auf den Böden) ein, lösten die dort untergebrachten Militärpferde und brachten sie außer Bereich der Gefahr. Dann wurden mehrere, die Straßen sperrenden Kutschen fortgezogen, um der Feuerwehr Platz zu machen, die leider erst kam, als das eine Gebäude in lichten Flammen stand. Das Feuer machte rasche Fortschritte, bald brannte außer dem Nebenhause auch das gegenüberliegende und das hintenanstoßende, der anderen Speicherquergasse gehörige. Kurz, zehn Häuser sind ein Raub der Flammen geworden. Zweihundert Ohm Spiritus lagerten in einem Nebengebäude, welche man auslaufen ließ, die Gefahr war furchtbar. DAS VATERLAND 20.10.1861.

Brünn, 19. Oct. (Brände.) Der ärmste Teil in dem Städtchen Drahotusch ist niedergebrannt; in wenigen Minuten stand gegen Mittag die ganze lange Gasse in Feuer und trotz der von allen Seiten herbeigeeilten Hilfe war eine ausgiebige Rettung nicht möglich. Man sah manch wackeren Bewohner von Weißkirchen kräftig Hand anlegen, wo es Not tat; eine besonders rühmenswerte, von den Herren Offizieren geleitete Tätigkeit bewies die Hausmannschaft der k. k. Artillerie – Akademie und der Batterie. Die Feuerspritze der k. k. Artillerie – Akademie war von den fremden Spritzen die erste auf dem Feuerplatze und wurde doch nicht etwa von Pferden, sondern von der Mannschaft des Akademiehausstandes unter lebhafter Beteiligung der Chargen in vollem Jagen nach dem eine halbe Stunde entfernten Brandorte gezogen, dort von den Wackern mit Wasser versehen und bedient, und auf den dringensten Punkten verwendet. Man sah die Herren Stabsoffiziere die Gefahr überall aufsuchen, um ihre Bekämpfung zweckmäßig zu leiten. Selbst der k. k. Akademiedirektor und General war in dieser Absicht anwesend. Die Zahl der abgebrannten Bauobjekte, Wohnhäuser und Scheunen zusammen dürfte sich auf 45 belaufen. Die Zahl der ersteren ist die bei weitem größere. Auch in Großkuntschitz ist der Pfarrhof sammt Kirche vollständig abgebrannt, das Feuer war so heftig, daß sogar die zwei Glocken schmolzen. DAS VATERLAND 20.10.1861. Hier hat es wieder einmal die Ärmsten der Armen getroffen, was für ein Jammer.

Unterstützung für Sarrazin

kommt aus dem Westen. Dort bekräftigt 1 – Euro – Jobber Peter Audehm, der völlig ohne Kopftuch  schwer in den Grünanlagen seiner Stadt schuftet,  die kruden und verquasten Eugenik – Theorien (Güner Balci) Thilo Sarrazins, der hatte menschenverachtend behauptet:

„Es ist in erster Linie gar nicht so wichtig, was man arbeitet und was man dafür bekommt, entscheidend für das Selbstgefühl und die persönliche Zufriedenheit ist das Bewußtsein, den eigenen Unterhalt und den der Familie bestreiten zu können, und der Zwang zur disziplinierten Lebensführung, der sich aus regelmäßigen Pflichten und einem strukturierten Tageslauf ergibt.“

Von Hartz IV allein könnte ich nicht leben“, sagt Peter Audehm schlicht. Und dann gehe es ja nicht nur ums Geld, sondern um eine Aufgabe im Leben. „Wenn ich die Wege alle geharkt habe, dann wird meine Leistung sichtbar.“ Und das wird wohl niemand bestreiten.

Krude und verquast

Demokratie liest

Diktatur nicht! Am kommenden Wochenende planen Hitlers Helfer in Neustrelitz aufzumarschieren, offenbar sind sämtliche Verwaltungsgerichte bereits wieder fest in der Hand neuer Freislers, die so etwas durchgehen lassen, aber wie immer, mit dem gratis Heldenmut der Neustrelitzer haben die neuen Auschwitzplaner nicht gerechnet, die ganze Woche bereits fuhr der Lautsprecherwagen der SED – Kreisleitung durch den Ort und erinnerte die Bürger daran, am Samstag pünktlich zum Widerstand herauszutreten, etwas, was die Gemeinden im undemokratischeren Teil Deutschlands inzwischen wie ein liebgewordenes  Ritual zelebrieren, das den Ersten Mai, den internationalen Kampftag der Arbeiterklasse, und den 7. Oktober ersetzt hat, Hauptsache, es gibt Bockwurst und Bier dabei und das Pionierblasorchester spielt.

„Unsere Stadt bleibt bunt“ , so prangt es von vielen Fassaden, was das heißen soll, ahnen nur die wenigsten Neustrelitzer, die bis 1989 gar nicht bemerkten, daß ihr Leben grau war, so völlig ohne Schwarze, Blonde oder Braune,  und es heute auch noch nicht begreifen können. Die Angst, jemand könnte ihnen die schönen haltbaren Farben wieder von den Hauswänden abkratzen, die sie nun seit 1990 käuflich im Handel erwerben können, hält eine ganze Stadt in Atem.

Die NPD, um die es wieder geht, keine illegale, verbotene Partei übrigens, will gegen Kinderschändung und Kindesmißbrauch ihre undemokratische Stimme erheben, das macht vor allem Kirchenvertreter besorgt, die zuletzt im Ruf standen, massenhaft Kinder hinter Altären oder in Heimen zu schänden, kein Wunder, daß so ein Thema sie sensibilisiert, das keinesfalls den Nazis überlassen werden darf, eher schon Frau von Guttenberg beim Unterschichtensender RTL 2. Zur Aktion gegen Kindesmißbrauch durch die NPD, die dieses Thema ausnutzt, wie sie überhaupt jedes Thema für ihre teuflischen Zwecke ausnutzt, nicht wie DIE LINKE , die SPD, die Grünen oder die CDU, werden im diakonisch-kirchlichen Zentrum Borwinheim über 60 Vertreter aus Vereinen, Verbänden, christlichen Gemeinschaften, Parteien, Verwaltungen und Privatpersonen jeweils fünf Minuten aus humanistischen Texten lesen. Damit soll dafür sensibilisiert werden, sich für eine Kultur des Lebens, der Demokratie und der Menschlichkeit einzusetzen. Zudem wird es die Möglichkeit zum Gespräch geben. Aber keinesfalls mit den Faschisten, die ihr Kommen angekündigt haben, so weit geht die Gesprächsbereitschaft dann doch nicht.

Die Beschwörungen, gegen das Böse, das dann am Samstag in der Stadt tobt, steht unter dem Motto „Demokratie liest“, das sollte uns besorgt machen um die Demokratie, wo die Lesekompetenz immer mehr schwindet, in den Schulen, und „Demokratie hört“, unterm Einsatz von Hörbüchern gegen den Mißbrauch der Mißbraucher zu parteipolitischen Zwecken, das geht schon gar nicht, weil das so an „Alles hört auf mein Kommando“ erinnert.

Welche humanistischen Texte das übrigens sein werden, zum Beispiel ein Auszug aus dem Grundgesetz, das die Grundrechte auf Meinungs – und Versammlungsfreiheit enthält, das Buch von Thilo Sarrazin, der Koran oder ein Kapitel aus Harry Potter, das wollten die Initiatoren nicht verraten. Seien wir also gespannt.


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