Ach Du meine Güte!

… Die verschiedenen Religionsbekenntnisse weichen in den moralischen Grundlehren wenig von einander ab. Es kann deshalb die Religion an sich in der Kriminalstatistik einen erheblich verschiedenartigen Einfluß nicht zeigen. Zudem läßt sich nur die äußere Hinzurechnung zu einer Religionsgesellschaft statistisch erfassen, während es die innere religiöse Ueberzeugung des Verurtheilten ist, welche seine Kriminalität beeinflussen könnte. Um diesen Einfluß möglichst rein zur Darstellung zu bringen, sind früher einzelne Bezirke mit genügend großer Zahl Verurtheilter, bei welchen alle anderen kriminalstatistisch wichtigeren Faktoren gleich sind, (gleicher Beruf, gleichmäßige Vertheilung der Bevölkerung auf die verschiedenen Religionsbekenntnisse, dieselben culturellen und wirthschaftlichen Verhältnisse u. s. w.) mit Rücksicht auf den kriminellen Einfluß des Religionsbekenntnisses verglichen worden. Hierbei hat sich ergeben, daß die lediglich nach der Verschiedenheit der Religion für das Reich ermittelten Ergebnisse ihre Bestätigung keineswegs überall finden. Die Ergebnisse für das Jahr 1889 sind, daß sich auf 100 000 strafmündige Personen der Civilbevölkerung gleicher Confession oder Religion berechnen 1 017,1 evangelische, 1 214,5 katholische, 1 086,9 überhaupt christliche, 863,1 jüdische Verurtheilte.

Besonders ungünstig stellt sich für die Katholiken das Ergebniß bei gefährlicher Körperverletzung. Allein das katholische Bekenntniß hat damit nichts zu thun, sondern vielmehr der Umstand, daß die Katholiken hauptsächlich in Gegenden wohnen (Bayern und Posen), wo Raufereien und Messergeschichten zu den alteingewurzelten Fehlern des Volkscharakters gehören.

Ebenso hängt die im Allgemeinen günstige Kriminalität der Juden wesentlich mit dem allem Rohen und Gewaltthätigen abgeneigten Stammescharakter zusammen; von 100 000 strafmündigen Juden wurden nur 63,5 wegen gefährlicher Körperverletzung verurtheilt, während dasselbe Verhältniß bei den Christen 100 000:171,8 war.

Dagegen stehen die Juden sehr schlecht in der Statistik der Delictsarten Meineid, Beleidigung, Erpressung, Betrug und Urkundenfälschung. Die relativen Zahlen (das Verhältniß der Verurtheilten zu 100 000 Strafmündigen gleicher Religion) waren: bei Meineid für Christen 2,2, für Juden 4,7, bei Beleidigung für Christen 128, für Juden 195,2, bei Erpressung für Christen 1,4, für Juden 2,7, bei Betrug für Christen 49,7, für Juden 89,3, bei Urkundenfälschung für Christen 10,1, für Juden 16,6.

Diese ungünstige Stellung der Juden rührt zum Theil daher, daß die Juden hauptsächlich in Berufsarten (des Handels und Verkehrs) thätig sind, die überhaupt bei Beleidigung, Erpressung, Betrug und Fälschung durch hohe Zahlen auffallen. Außerdem ist aber wahrscheinlich auch hier bei den Juden die Eigenart der Abstammung von Einfluß. Amtspresse Preussens 6. November 1891.

4 Responses to “Ach Du meine Güte!”


  1. 1 Prosemit 26. Oktober 2010 um 14:46

    Immer diese Statistiken 😉

    Die Kriminalität der Juden war Ende des 19. Jahrhunderts ein oft diskutiertes Thema. Über Gründe will ich nicht spekulieren, sie stehen nicht zur Diskussion.

    Das Ganze wurde in Schriften bis ins Detail aufbereitet. Wen es interessiert :

    Man google nach „Die Kriminalität der Juden in Deutschland“. Das 1896 erschienene Buch war eine „Verteidungsschrift, nichts desto weniger trotzdem Statistik sehr ernsthaft in Extenso betrieben. Des Rätsels Lösung – nein, es ist kein Rätsel, es kommt schon in der Zeitung zum Anklang :

    Diese ungünstige Stellung der Juden rührt zum Theil daher, daß die Juden hauptsächlich in Berufsarten (des Handels und Verkehrs) thätig sind, die überhaupt bei Beleidigung, Erpressung, Betrug und Fälschung durch hohe Zahlen auffallen.

    Die jüdische Bevölkerung war zu einem hohen Prozent im Handel tätig, vergleicht man nicht Deutsche versus Jüdische Bevölkerung, sondern den Teil der Deutschen im Handel mit dem Teil der Juden im Handel sind beide Gruppen in den Delikten prozentual gleich vertreten.

    Habe ich schon erzählt, daß ich einen Faible für Statistik und Zahlen haben? 😉

  2. 3 Karl Eduard 26. Oktober 2010 um 14:49

    Aber die Rohheit der Katoliken ist doch sehr erschreckend.

  3. 4 Prosemit 26. Oktober 2010 um 14:52

    Karl Eduard 26. Oktober 2010 um 14:49

    Aber die Rohheit der Katoliken ist doch sehr erschreckend.

    Ja, schlimm 😉

    Allerdings waren die einfachen Schichten, ich will nicht vom „Prekariat“ reden, überwiegend katholisch.


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