Archiv für 31. Oktober 2010

Zum Reformationstag

Kanada in Angst

Furcht in Kanada vor einem Überfall der Deutschamerikaner. London, 30. Oktober. „Times“ melden aus Toronto: An der kanadischen Grenze besteht die Besorgnis, daß Einfälle der in den Vereinigten Staaten lebenden Deutschen und Österreicher versucht werden. In Fort Erie wurde eine Bürgerwehr gebildet, um solchen Einfällen  zu begegnen, die man deshalb befürchtet, weil das jenseits der Grenze gelegene Buffalo über 200 000 deutsche Einwohner hat. Eine neue Verordnung gestattet nur solchen Personen freien Zutritt über die Grenze, die seit zehn Jahren amerikanisches Bürgerrecht besitzen. Man will hierdurch ausländische Arbeiter fernhalten. Da den Deutschen und Österreichern Beschäftigung verweigert wird und diese das Land nicht verlassen dürfen, wird die Regierung vermutlich ein Konzentrationslager einrichten, um die notleidenden Untertanen der feindlichen Staaten   nebst ihren Familien zu unterhalten.   .Reichspost 31.10.1914.

Bild aus den WIENER BILDERN vom 25.10.1914: Von unseren Feinden: Der englische Thronfolger, der zwanzigjährige Prinz von Wales, soll bei den englischen Gardegrenadieren als „Kriegsfreiwilliger“ eingetreten sein, darf aber noch nicht zur Front, „da seine militärische Ausbildung noch nicht beendet ist“: Der Prinz in Felduniform bei einer militärischen Übung.

Unglaublich, wie hier die hitlerhörige Presse den Begriff des Konzentrationslagers für ihre schmutzigen Ziele mißbraucht. Unglaublich. Und natürlich kann das damalige und heutige kanadische Einwanderungssystem nicht auf heutige bundesdeutsche Verhältnisse übertragen werden. Man stelle sich nur mal vor, deutsche Steuergelder würden Deutschen zugute kommen, also, das ist ja so etwas von NAZI!

Nicht witzig!

Wem Thilo Sarrazin zu dröge und wissenschaftlich ist, sollte „Föhn mich nicht zu – aus den Niederungen deutscher Klassenzimmer“ lesen. Das Buch wird auf der Rückseite wie folgt beschrieben: „Die Leiden eines jungen Lehrers – intelligent, ironisch, witzig!“ Obwohl der Blogautor sehr oft beim Lesen laut gelacht hat, ist das Buch ganz gewiß eines nicht, es ist nicht witzig. Witzig ist es ganz und gar nicht. Auszug:

… Die Schüler wußten: Sie hatten nicht gelernt. Manche wären auch durch Lernen nicht zu besseren Ergebnissen gekommen, da sie weder über die hinreichende Lesekompetenz verfügten, um meine Aufgaben zu verstehen, noch über ein Mindesmaß an Schreibkompetenz, um diese zu lösen.

„Ihr Kind hat nicht gelernt“, das konnte ich aufgebrachten Müttern und Vätern vielleicht entgegenhalten, aber nicht : „Ihr Kind kann nicht lesen und nicht schreiben.“ Unweigerlich hätte eine solche Bemerkung zu einer der folgenden Diagnosen führen müssen: „Ihr Kind kann nicht lesen und schreiben, weil es zu Hause die ganze Zeit vor der Glotze und dem Computer abhängt. Und das tut es, weil sie als Eltern nicht genügend Zeit mit ihm verbringen und ihre Erziehungspflichten vernachlässigen.“ Oder: „Ihr Kind ist des Lesens und Schreibens nicht mächtig, weil es kein Deutsch kann. Das liegt daran, dass bei Ihnen zu Hause kein Deutsch gesprochen wird. Vermutlich glauben Sie, es reicht, wenn man nach Deutschland einwandert, dann hat man seine Schuldigkeit als Eltern getan. Doch Kinder brauchen mehr.“ Oder: „Ihr Kind ist weniger intelligent, als sie immer geglaubt haben. Sie sollten es vom Gymnasium runternehmen. Ich kann Ihnen eine gute Hauptschule empfehlen.“  …

Wie geschrieben, man muß sehr oft und laut lachen, während des Lesens, aber es ist im Grunde genommen ein sehr, sehr trauriges Buch, das die noch traurigeren Zustände an einer Berliner Schule schildert.

Merkel: Ämter zuerst für Türken!

Das forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel nach Angaben der Volksstimme. Es gebe in den Behörden „wirklich eine Unterrepräsentation“ von Migranten, sagte sie in einem auf ihrer Internetseite veröffentlichten Gespräch mit einem türkischstämmigen Polizisten. „Das muss sich ändern.“ Sie sehe das als Auftrag für den Integrationsgipfel am kommenden Mittwoch, daß statt Deutschen ohne Migrationshintergrund, mehr Deutsche mit Migrationshintergrund, oder auch Migranten ohne deutsche Staatsbürgerschaft, in den öffentlichen Dienst eingestellt werden, sofern dort erst Stellen  frei gemacht worden seien. Überhaupt würden sich Deutsche unangenehm am deutschen Arbeitsmarkt breitmachen, gab sie freimütig zu, während Türken mit und ohne deutscher Staatsbürgerschaft aus ihr unbekannten Gründen dem Öffentlichen Dienst und der Arbeit außerhalb des Obst – und Gemüsehandels fernblieben. Das wolle sie, unabhängig von Eignung und Qualifikation, schleunigst ändern, die spielten bei ihr ja auch keine Rolle. Eignung und Qualifikation.

Erdogan Yildrim, 31, Polizist aus Berlin, hatte im Gespräch mit der Bundeskanzlerin freimütig bekannt, daß viele Menschen mit Integrationshintergrund Angst vor deutschen Behördenvertretern hätten. Auf die Frage, und wie ist das, wenn man Polizist ist und einen türkischen Namen hat: Wird man da akzeptiert? Haben Sie gute oder schlechte Erfahrungen gemacht, antwortete der Mustermigrant:  Zum größten Teil, muss ich sagen, Frau Bundeskanzlerin, dass ich nur positive Erfahrungen gemacht habe. Auf der Straße – sobald Personen mit Migrationshintergrund an mich herantreten, sind sie ganz anders. Sie reden mit mir und sie sind viel vertrauter, sie haben ein besseres Gefühl. Und ich hoffe, dass es sich auch in Zukunft vermehrt, in dem Sinne, dass Migranten mehr im Öffentlichen Dienst eingesetzt werden bzw. auch unter anderem – ein Appell an die Bundes- bzw. Landesregierung – mehr Migranten in die Politik zu integrieren. Das wäre auch ein Appell.. . Vor den deutschen Kollegen würden sie meistenteils schreiend weglaufen, verstockt schweigen oder sie gar schlagen, deutsche Polizisten haben in Deutschland einfach nichts mehr zu suchen.

Warum das Gespräch kein vietnamesischer oder ein Polizist mit italienischem Migrationshintergrund führte, das kann sich wohl jeder selber denken. Wie sich die Deutschen ohne Migrationshintergrund fühlen, beim Auftauchen von Erdogan Yildrim, der sich dann überraschenderweise als Polizist ausweist,  insbesondere die, die der Bundeskanzlerin ihr Gehalt bezahlen, in dem sie noch täglich zur Arbeit fahren und dort schwer schuften, außerhalb des Obst –  und Gemüsehandels, das war nicht Teil des Gesprächs. Von denen würde Bundeskanzlerin Merkel auch nie Aufträge annehmen, da können wir sicher sein.

Bild: Erdogan Yildrim, Polizist mit türkischem Hintergrund, einer, der es in Deutschland geschafft hat, Fuß in einem Amt zu fassen. Da das Deutsche Volk der Bundeskanzlerin in letzter Zeit zu pingelig geworden ist, tauscht sie es nach und nach gegen ein bescheideneres aus.

 


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