Heute schon gereutert?

Was sich  wie Klagen liest, aus dem Ersten Weltkrieg, aus der Weimarer Republik oder wie das Wettern Hitlers gegen die  Presse des  „perfiden Albion“, stammt in Wahrheit aus dem Jahr 1864. Aber auch damals konnte man schon etwas mit dem Begriff „reutern“ anfangen.

Wien, 8. Oktober. Die Ereignisse auf dem amerikanischen Kriegsschauplatze sind endlich auf einem Punkte angelangt, wo sich ein Ziel, ein Ende, und zwar ein erfreuliches Ende dieses seit drei Jahren wütenden Riesenkampfes mit einiger Sicherheit voraussehen läßt. Wem die planmäßige Falschmünzerei, welche von London aus seit Jahr und Tag mit den amerikanischen Nachrichten getrieben wird, nicht das politische Urteil getrübt und verwirrt hat, der konnte freilich keinen Augenblick darüber im Zweifel sein, daß das klingende Gold, mit welchem die Vertreter der südlichen Conförderation, die Herren Mason und Sliddel, ihrer Sache die zweifelhafte moralische Unterstützung der telegrafischen Quellen – Vergiftungsanstalt der Herren Reuter und Compagnie in London, und durch diese eines namhaften Teiles der englischen und französischen Presse erkauft haben, die Richmonder Regierung vor dem schließenden Untergange nicht retten werde.

Was eine wohlgeleitete Propaganda für eine Sache zu leisten im Stande ist, das ist von London aus geleistet worden. Das Bureau der Herren Reuter und Compagnie hat seine rührigen Agenten in Newyork, Halifax, Cap Race und Liverpool. Diese Agenten waren unermüdlich bestrebt, consequent südstaatlich gefärbte Berichte über die Vorgänge auf dem Kriegsschauplatze mit den schnellsten Dampfern nach Liverpool zu experdieren. Von dort aus wurden die ausführlichen und tendenziösen Berichte nach London und Paris telegrafiert und die dort erscheinenden Journale mit dem Allerneuesten aus Amerika überflutet. Die großen Baumwoll – Spekulanten von Liverpool, die Londoner City, das Cabinet von Saint – James und jenes der Tuilerien konnten eine solche planmäßige Nachrichtenfälschung nur begünstigen: die Baumwoll – Spekulanten, weil ihr Geschäft in dem Maße emporblühte, als die Lage der Vereinigten Staaten sich verschlimmerte, die englische Regierung, weil England vor der Macht der amerikanischen Union zitternd, in dem Siege der Conförderierten das Mittel sieht, den Zerfall, und somit die Ohnmacht der großen transatlantischen Regierung herbeizuführen; Frankreichs Regierung endlich hatte wegen ihrer Einmischung in Mexiko das größte Interesse, die Sache der Conförderation zu fördern.

Uneingedenk, daß Rochambeau und Lafayette mit Washington die Unabhängigkeit der vereinigten Staaten begründet; vergessend, daß es von jeher zu einer der edelsten Traditionen der französischen Politik gehörte, die Vereinigten Staaten zu unterstützen, hat man die französische Regierung im Bunde mit England unter dem Scheine einer heuchlerischen Neutralität für die Secession conspirieren gesehen, und das Cabinet, das es sich zur Ehre anrechnet, das neue Seerecht geschaffen zu haben, ließ auf französischen Werften Schiffe bauen für südstaatliche Freibeuter, und gestattete, daß dieselben aus französischen Arsenalen und Magazinen mit Kanonen, Munition und Mundvorrat versorgt wurden.

Es gibt keine größere Apostasie als die amerikanische Politik des Tuilerien – Cabinets und es ist kein Wunder, wenn die öffentliche Meinung in Europa, durch eine wohlorganisierte Nachrichtenfälschung irregeführt, durch die für die Sache der südlichen Conförderation fanatisierten  Auseinandersetzungen der Londoner Times falsch berichtet, dem Impuls folgte, der ihr von den Regierungen Frankreichs und Englands gegeben wurde, und allmälig den Sieg der südlichen Conförderation als feststehend, die Niederlage, Demüthigung, ja Vernichtung des  Nordens als eine ausgemachte Sache betrachtet. Die feilen Advokaten jeder politischen Niedertracht sah man denn auch allerorten aus ihren Lasterspelunken und Spielhöllen hervorkriechen und mit empörter Frechheit demonstrierten sie der Welt vor, daß jenseits des Oceans wieder einmal ein großer Staat an der demokratischen Krankheit zu sterben auf dem Punkte stehe, und schon secierten sie die Leiche der großen Republik, die ihrer Freibeuter – Logik zufolge in zwanzig ohnmächtige, elende, einander wie wilde Bestien zerfleischende Gemeinwesen zersplittern müsse … *Neue Freie Presse 9.10.1864*

 

8 Antworten to “Heute schon gereutert?”


  1. 1 Prosemit 9. November 2010 um 07:11

    Ein interessanter Beitrag. Danke!

    Die zeitgenössischen Parallelen sind überdeutlich. Nachricht als tendenziöse Meinung. Damals wahrscheinlich weniger ausgeprägt als heute, die Nachricht als Erziehungs- und Bildungsinstrument zu mißbrauchen. So wie heute sich die Presse nicht nur als Propagandainstrument versteht, sondern glaubt, einen Erziehungsauftrag leisten zu müssen. Vom Klimaschutz über Finanzpolitik bis hin zur korrekten Sicht der Wissenschaften in Bezug auf die Gefährlichkeit von Atom und Schweinegrippe.

  2. 2 Prosemit 9. November 2010 um 07:26

    Die sogenannten Experten melden sich wieder zu Wort. Diesmal schweigt zwar der Große Vergessliche aus Potsdam, dafür freuen sich Andere, dümmliche Kommentare in BILD veröffentlichen zu dürfen :



    So eiskalt wird der Winter!

    Wie berechnen Meteorologen solche Langfrist-Trends?

    Dominik Jung: „Unsere Langfrist-Modelle werden im Computer berechnet. Grundlage sind die folgenden Angaben:

    • Das aktuelle Wettergeschehen – allein in diesem Jahr waren fünf Monate kälter als das langjährige Mittel.

    • Die Wetterdaten der vergangenen 100 Jahre.

    • Weltweite Aktivitäten wie Meeresströmungen und Vulkanausbrüche (z. B. der Merapi in Indonesien).

    • Das biologische Verhalten von Tieren (z. B. Wanderungen der Zugvögel und frühes Winterfell bei Wildtieren).

    Es gibt schlichtweg keine im Computer berechenbare die Realität abbildenden Langfristmodelle. Es gibt Simulationen, die beliebig richtig oder falsch sein können. Beliebig! (Chaotisches System)

    Aus den Wetterdaten der vergangenen hundert Jahre (welche eigentlich?) die Zukunft berechnen zu wöllen, gleicht dem Versuch, die nächsten Lottozahlen aus den vergangenen Ziehungen zu extrapolieren. Und außerdem… wieso sollte es eigentlich kälter werden, wo doch die Wetterdaten der vergangenen hundert Jahre angeblich beweisen, daß es immer wärmer wird?

    Interessant der Hinweis, daß in diesem heißesten Jahre aller Zeiten („Hat die Erde Fieber?“) fünf Monate kälter als das lingfristige Mittel gewesen sein sollen. Hat man davon bisher gehört?

    http://www.bild.de/BILD/news/2010/11/09/jahrhundertwinter/so-eiskalt-wird-er.html

  3. 3 Prosemit 9. November 2010 um 10:22

    Ich mag den einen oder anderen langweilen, aber ich gehe noch einmal auf die Glaubensgrundlage der Church of Global Warming ™ ein.

    1) Das Klima wird vom CO2 gesteuert.

    2) Jede zusätzliche Tonne CO2 in der Atmosphäre erwärmt diese um einen definierten Bruchteil eines Grades zusätzlich.

    3) Der Mensch ist für diese ständig steigende CO2 Konzentration verantwortlich.

    4) Bis 2050 dürfen daher nur noch 750 Gigatonnen CO2 in die Atmosphäre verbracht werden, damit sich die Welt nicht um mehr als 2.0 Grad aufheizt.

    Argumente dafür oder dagegen spare ich mir. Sie sind eine Beleidigung für jeden serösen Wissenschaftler. Aber es ist wichtig, sie im Kopf zu behalten.

    Da der CO2 Gehalt immer noch ansteigt, KANN es per Definitiom keine kälteren Winter geben. Es MUSS jedes Jahr wärmer werden. Eine „Pause“ in der zunehmenden Klimakatastrophe widerspricht dem Glaubensgrundsatz der Church of Global Warming ™, da ja jede Tonne CO2 zusätzlich …

  4. 4 Karl Eduard 9. November 2010 um 11:50

    Irgendwo auf der Erde wird es mit Sicherheit wärmer werden. Das ist dann der Beweis. Wenn es woanders kälter wird – nicht.

  5. 5 Wilhelm Entenmann 9. November 2010 um 18:03

    Apropo Confederate States of America und Heritage – hier etwas, das manchen Leuten kognitive Dissonanz verschaffen dürfte.

  6. 6 Karl Eduard 9. November 2010 um 18:10

    Du bist so negertiv.

  7. 7 Wilhelm Entenmann 9. November 2010 um 18:22

    „negertiv“, wassen das jetzt für ein Neudeutsch wieder?

  8. 8 Prosemit 10. November 2010 um 07:26

    Karl Eduard 9. November 2010 um 11:50

    Irgendwo auf der Erde wird es mit Sicherheit wärmer werden. Das ist dann der Beweis. Wenn es woanders kälter wird – nicht.

    Ich sehe, Du hast das Prinzig der Propheten der Chruch of Globale Warming ™ verinnerlicht.

    Aber für den, den es interessiert noch einmal „echte“ Daten. Obwohl dieses Jahr das „wärmste Jahr aller Zeiten“ war, die „globalen“ Temperaturen (Anomalien) sagen schlichtweg

    1.) NEIN und
    2.) Die Temperatur bleibt seit 15 jahren mit einer leichten Tendenz zur Abkühlung konstant, obwohl es nach dem ERSTEN GLAUBENSGRUNDSATZ der Church of Global Warming ™ immer wärmer werden muß

    Zu der Graphik. Man findet dieses offiziellen Daten eher selten 😉


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