Archiv für 23. Januar 2011

Was der Uropa noch wußte – Tote im Dienst

Zum Unfall des Unterseebootes U 3 heißt es in den Mitteilungen des Deutschen – Flotten – Vereins: Auch unsere Marine hat jetzt dem tückischen Meer für den Versuch, es im Unterseeboot zu meistern, seinen Zoll entrichten müssen. Wenn es auch gelungen ist, den größten Teil der aus 31 Personen bestehenden Besatzung von U 3 zu retten, dank der vorzüglichen Organisation und dank den auf der Höhe liegenden Einrichtungen des Bootes, über die jetzt zum ersten Male etwas in die Öffentlichkeit dringt, so haben doch drei brave Seeleute, der Kommandant, der Wachoffizier und der Rudergast, ihren Tod gefunden. Gerade diese im Turm befindlichen Personen hätten sich ohne Zweifel zuerst in Sicherheit bringen können, aber nur auf die Rettung ihrer Kameraden und ihres Bootes bedacht, sind gerade sie zum Opfer gefallen. Man hat sie deswegen mit Recht als Helden gefeiert. Wenn ihr Mund nicht für immer stumm geworden wäre, so würden sie wohl nichts anderes zu sagen haben als: „Wir haben nur unsere Pflicht getan.“ (Wie die Soldatin auf der Gorch Fock übrigens auch. Die dann aus der Takelage gestürzt ist.) Das sind wir von jeher an unserer Marine gewöhnt: Bereitwilligste und kaltblütigste Pflichterfüllung unter Einsetzung des eigenen Lebens, bescheidene Abwehr jeder besonderen Anerkennung dafür.

Katastrophen wie die vorliegende lassen ganz besonders zu tage treten, welche Opfer der Marinedienst fordert, man darf dabei jedoch nicht übersehen, daß auch der harte, wenn auch nach außen hin unscheinbare tägliche Dienst ununterbrochene und schwerwiegende Anforderungen stellt. Auch hier gibt es Opfer, wenn sie auch nicht nebeneinander auf der Bahre liegen. Wie groß ist die Zahl derjenigen, die in jungen Jahren durch die Beschwernisse des Seedienstes, durch Tropen- und andere Krankheiten dahingerafft werden oder, vielleicht nach jahrelangem Siechtum ihr Leben hinschleppen müssen? Ist das Vaterland sich dessen stets bewußt? Gewiß, es herrscht in weiten Kreisen des Volkes das Bewußtsein, daß wir eine Marine besitzen, auf die wir in der Stunde der Gefahr zählen können und auch die schweren Lasten, die die Flotte unserer Volkswirtschaft auferlegt, werden in Anerkennung ihrer Notwendigkeit getragen. … (Jetzt folgen Beschwerden über die Beratungen zu den Kürzungen der Bordzulagen durch den Deutschen Reichstag.)

Es ist ein Zufall, daß gerade in dem Augenblick, wo im Reichstage über die Kürzung der Bordzulagen beraten wurde, das Unglück im Kieler Hafen vor Augen führt, daß es sich hier um Leute handelt, die im Interesse des Vaterlandes einen gefahrvollen Beruf ausüben und die jeden Augenblick einem jähen Tod ausgesetzt sind. (Nicht mal das wissen die Zeitungsschmierer und Politiker von heute noch! Oder geben vor, es nicht zu wissen, um ihre ganz privaten politischen Süppchen zu kochen.) Denn was sich heute auf einem Unterseebot ereignet (Oder auf der Gorch Fock.), kann morgen auf einem Linienschiff oder einem Kreuzer eintreten. Es braucht nur noch an das große Unglück auf der Brandenburg erinnert zu werden, das vor 17 Jahren (16. Februar 1894) stattfand und bei dem 47 Menschen den Tod fanden, um daran die Hoffnung und den Wunsch zu knüpfen, der Reichstag möge, ohne darum zu feilschen, die Bordzulagen in unserer Flotte, vor allem aber die der Heizer, in ihrer vollen Höhe bestehen lassen. *Freiburger Zeitung 23.01.1911*

Bild: 1914 – Aufnahme des Unterseebootes „U 9“, das nach der Kriegserklärung Englands gegen Deutschland 3 englische Kreuzer vernichtete.


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