Archiv für 6. Februar 2011

Hordorf wird geböhmert

Hordorf, ein vergessener Ort in Sachsen – Anhalt, verschrien als Hort der Unmenschlichkeit, in der Nachbarn sich gegenseitig den Roten Hahn aufs Dach setzen, kleine Kinder würgen, schlagen oder beides, keine Katze, kein Hund war vor den Bestien in Menschengestalt sicher, die Post umging diesen Ort seit Jahrzehnten, die Volkssolidarität strich ihn aus den Listen und UNO – Blauhelme, die sich an der libanesisch – israelischen Grenze vom strengen Dienst bei Hordorf erholten, spähten mit wachsamen Blick nach dieser Wohnstatt des Grauens, jederzeit bereit, den UNO Generalsekretär um sofortige militärische Intervention und eine A – Bombe zu bitten, sollte ein Hordofer es wagen, die Blaue Linie, die die übrige Welt und Humanität von Hordorf trennt, zu überschreiten. Als Carsten Uwe Heye von No – Go – Areas sprach, da hatte er Hordorf im Sinn!

Nun ist alles anders seit dem schwersten Eisenbahnunglück, seit Politikergedenken, bei der Trauerfeier um die Opfer einer verfehlten Politik, den Individualverkehr von der Straße auf die Schiene zu bringen, sprach der Präsident des Landes Sachsen – Anhalt  Böhmer Hordorf von allen Sünden frei und selig:

Böhmer dankte auch den zahlreichen Helfern, die sich nach dem Unglück engagiert hatten. Insbesondere im Ort Hordorf habe es eine große Welle der Hilfsbereitschaft gegeben, die tief beeindruckt habe, sagte Böhmer. Hordorf sei daher nicht nur ein Ort des Erschreckens. „Es ist auch zu einem Ort gelebter Mitmenschlichkeit geworden„, sagte Böhmer.

Ein großer Tag für die Hordorfer, die, nach dem Eisenbahnversagen, nun zur gelebten Mitmenschlichkeit zurückgefunden haben, statt sie nur im Munde zu führen, um ahnungslose Wanderer anzulocken. Gleich nach Bekanntwerden dieser Rede, kamen etliche Schwerlasttransporter mit nichtausgelieferter Post nach Hordorf und auch der Weihnachtsmann hat versprochen, nun aber die gesammelten Geschenke für die  Hordorfer nach Hordorf zu bringen, gemeinsam mit dem Osterhasen,  etliche Empfänger dürften das nicht mehr erleben, freuen sich aber trotzdem darauf. Ob Hordorf weiterhin ein Ort gelebter Mitmenschlichkeit bleibt, das bleibt abzuwarten, falls nicht, könnte demnächst ein Flugzeug dort abstürzen müssen, um die Hordorfer auf den Weg der Besserung zu bringen.

menschliche Wärme zieht in Hordorf ein

Liveberichte aus Kiel und Rendsburg

Kiel, 4. Febr. Gestern haben die Österreicher Wedelspang und Burgdorf mit Sturm genommen. Sie hatten alsdann noch eine Schanze vor sich. Heute vernimmt man Kanonendonner. Rendsburg, Donnerstag, 4. Febr. Gestern Nachmittag stürmten die Regimenter Martini und König von Preußen nebst dem 18. Jägerbataillon von der Condrecourt´schen Brigade Jagel und den Königsberg und rückten im heftigsten Kugelregen bis zum Dannewerk vor. Die Österreicher verloren gegen 500 Mann. Oberst v. Benedeck ist verwundet. Die Österreicher machten viele Gefangene. Die Dänen kämpften aufs Tapferste. Die Wege sind grundlos. Berlin, 4. Febr. Laut Wtrangels Rapport aus dem Hauptquartier Damendorf ist die österreichische Avantgarde unter persönlicher Anführung des Feldmarschalllieutenants von der Gabelenz und die Avantgarde der preussischen Gardedivision am Mittwoch gegen Schleswig vormarschiert. Die Condrecourtsche Brigade warf mit dem dritten Bayonettangriff die zwischen Lottorf und Geltorf aufgestellten Dänen, stürmte den Königsberg bei Oberselk und erbeutete ein gezogenes Geschütz; sie drang bis unter die Kanonen des Danewerks vor. Ihre Verluste sind nicht unbeträchtlich. *Freiburger Zeitung 06.02.1864*

Bild: So stellte sich der Maler die Erstürmung des Königsbergs bei Oberselk vor.

 

Schweinegrippe wütet weiter

Man macht sich ja gar keine Vorstellungen davon , wie uns die Schweinegrippe im Würgegriff hat, deretwegen sich die Kanzlerin sogar öffentlich vor Hunderttausend Berlinern impfen liess, um sie zur Nachahmung zu bewegen, letztens soll sogar ein ganzer Bauer daran verstorben sein, wenn man nicht solche erschröcklichen Meldungen aus China liest.

Die Pest in China. Charbin, 4. Februar. (W. B.) Der vorgestern an der Pest erkrankte Arzt Dr. Michel ist gestorben. Gestern erlagen der Seuche 40 Personen, darunter zwei Europäer . Im Chinesenviertel Fudsjadjian sterben täglich 150 Personen, so daß die Einwohnerschaft von 40000 auf 6000 zusammenschmolz. Die chinesischen Behörden verbrannten etwa 2000 Leichen. Der Verbrennung harren noch 4000.  Die Meldungen aus anderen Städten schildern die Lage nicht weniger schrecklich. In dem Hulan haben sich Berge von Leichen angesammelt. Ein Teil von ihnen ist auf dem Eise des Hulan und seinem Nebenflusse Sungar aufgehäuft, offenbar in der Absicht, sie mit Eisgang im Frühjahr forttreiben zu lassen. * Freiburger Zeitung 06.02.1911*

Bild: So stellt sich der Zeichner der Wiener Bilder das Geschehen in China vor. Umweltfreundlich werden die Pesttoten entsorgt, unter Verwendung von Bioalkohol, denn nichts liegt uns näher als daß es dem Klima gut gehen möge.


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