Archiv für 12. Februar 2011

Merkel mahnt – Demonstrationen müssen gewalttätiger werden!

Und sie gehören verboten. Kein Radau an den Pyramiden? Zu wenig splitterndes Glas? Bundeskanzlerin Angela Merkel ist empört. Der Sprecher der Bundesregierung, Steffen Seibert, forderte die Ägypter auf, so richtig die Sau rauszulassen. Die Bundesregierung sei sehr besorgt, dass die Proteste friedlich bleiben und weiter zugelassen werden. Offenbar bestehen auch in der Bundesregierung erhebliche weibliche Defizite, die unbedingt gefördert werden sollten. *Die Anmerkung*

Demokratie für Deutschland erkämpft

 

… Der 3. Senat des Sächsischen Oberverwaltungsgerichts hat mit zwei Beschlüssen vom 11. Februar 2011 – 3 B 27/11 und 3 B 28/11 – die Verlegung von zwei Demonstrationen am 13. Februar 2011 auf die Neustädter Elbseite bestätigt.

Die Beschwerden gegen die Entscheidungen des Verwaltungsgerichts Dresden wurden zurückgewiesen. Die Partei Bündnis 90/Die Grünen hatte eine Versammlung „Tu was gegen rechts – Demokratie stärken“ auf dem Rathausplatz an dem Denkmal für die Trümmerfrau in der Dresdner Altstadt angemeldet.

Die Landeshauptstadt Dresden ordnete die Verlegung in die Hauptstraße/Ecke Ritterstraße in der Dresdner Neustadt an. Die Versammlungsbehörde begründete dies mit den Erfahrungen der letzten Jahre, insbesondere den Blockaden der von der Jungen Landsmannschaft Ostdeutschland (JLO) angemeldeten Versammlung. Eine konsequente Trennung der gegnerischen politischen Lager sei unabdingbar.

Die Stadt durfte darauf abstellen, dass von früheren Versammlungen Störungen der Versammlung der JLO ausgegangen waren. Auch hatte sich einer der Anmelder, ein Mitglied des Landtages, an einem Aufruf zur Blockade der Veranstaltung der JLO beteiligt. Gegen Geschichtsverfälschung kann auch an dem Versammlungsort in der Nähe der Dreikönigskirche mit gleichem Effekt demonstriert werden. Da die Anmelder eine Vorverlegung auf den Vormittag vorgeschlagen hatten, kam es ihnen offenbar nicht entscheidend darauf an, dass die Teilnehmer des Aufzuges der JLO ihre Demonstration unmittelbar wahrnehmen können. Da zu befürchten ist, dass von der Veranstaltung Blockadeaktionen ausgehen sollen, ist der Verweis der Stadt auf das Trennungskonzept der Polizei nicht offensichtlich fehlsam.

…Nach Ansicht der GRÜNEN steckt hinter allem die in Dresden unsägliche Tradition, die Bürgerschaft in „gute und böse Demonstranten zu spalten. . „Man kann nicht eine Demo, und auch die Menschenkette ist eine solche, um 14:00 erlauben und eine andere an fast gleicher Stelle um 14:30 untersagen. Ich hoffe, das Bundesverfassungsgericht ist bereit, das Demonstrationsrecht als zentrales Gut der Demokratie auch vor der restriktiven Praxis in Dresden und der Rechtsprechung der Verwaltungsgerichte in Sachsen zu schützen,“ so der GRÜNEN-Sprecher. Politisch bewerten die GRÜNEN das Agieren der Stadt als „Teilkapitulation vor den braunen Antidemokraten, so Schmelich. „Wer den Nazis den Weg frei räumt und Gegendemonstranten aus ihrer Sicht- und Hörweite verbannt, ist keine Repräsentant eines kämpferischen Demokratie, die sich mit ihren Feinden unter Wahrung der rechtlichen Normen auseinandersetzt,“ so Schmelich.  …

Den Autor würde mal interessieren wie die Reaktionen wären, würde jemand eine Menschenkette gegen grüne Realitätsverfälschungen zeitgleich zu einem grünen Aufmarsch gegen die Ansiedlung von Arbeitsplätzen organisieren. Heuchelbande, elende.

Danke Ägypten!

Winter in Norddeutschland

Achtung, dieser Text enthält Schilderungen, die sensible Seelen auf Lebenszeit traumatisieren könnten, diese werden gebeten den Text nur mit geschlossenen Augen zu lesen oder besser gar nicht und sollten sie es dennoch tun, anschliessend mit ihrem Haustier eine ordentliche Runde zu knuddeln, bis der Schmerz abgeklungen ist. Der Autor versichert, daß keinem der Pferde tatsächlich ein Leid geschehen ist, Ähnlichkeiten mit bestehenden Land- oder Völkerschaften, Städten oder Personen, sind unbeabsichtigt. Die Kommentare des Erzählers geben nicht die Meinung des Blogautors wieder.

Streifzüge auf dem Kriegsschauplatze. Einige ergreifende Szenen schildert der Berichterstatter der Voss. Ztg. aus Schleswig, 7. Februar, indem er erzählt:  Heute Früh, etwa 1 Uhr, ertönten Trommeln und Hörner, die zum Sammeln riefen. Es rückten Artillerie und andere Truppen auf der Straße nach Flensburg ab. Es wurden die Bürger aufgefordert, beim Abladen der unaufhörlich zu Wagen kommenden Verwundeten – Preußen, Österreicher, Dänen – und ihrer Unterbringung in Schloß Gottorf behilflich zu sein. Wir hier anwesenden  Fremden schlossen uns natürlich freiwillig gern diesen an.  Es war ein trauriges, herzerschütterndes Geschäft. Meinen alten Reiserock werde ich als blutig gewordene Erinnerung an diese Nachtstunden aufbewahren.

So weit nur noch irgend transportfähig, waren die Schwerverwundeten zuerst hierhergebracht. Ohne in sentimentale Klagen zu verfallen, muß ich doch gestehen, daß wir uns beim Anblick dieses Jammers nicht der Tränen enthalten konnten. Einzelne  der armen, größtenteils jungen Leute waren schrecklich zugerichtet. Am ruhigsten benahmen sich die österreichischen Blessierten. Bekannte habe ich nicht gesehen oder wenigstens nicht erkannt. Menschen mit zerschmetterten Beinen und Armen, klaffenden Kopfwunden oder Kugeln in der Brust gleichen in ihrem Antlitz auch wohl sich selbst nicht mehr. Dazu in dunkler Nacht die Beleuchtung der Szene  mit Laternen und Fackeln – es war ein unheimliches Schauspiel.

Heute bei noch dunklerem Morgen benützte ich mit einem Reisegefährten einen Bauernwagen, der sich seiner traurigen Ladung von Blessierten entledigt hatte, um auf blutigem Strohsitz nach dem Schlachtfeld zu fahren. Das war eine traurige Fahrt. Wir hatten Mühe, den uns entgegenkommenden – ebenfalls wieder mit Leidenden beladenen – Wagen auszuweichen. Einzelne Jammergestalten, denen noch Kraft geblieben, schleppten sich zu Fuß den schneebedeckten Weg entlang. In den Dörfern, die wir passierten, ein ungeheures militärisches Gewühl.

Während wir die drei Meilen durchfuhren, war der Tag angebrochen. Der Schnee  stiebte naßkalt nieder. In den Chausseegräben und auf den angrenzenden Koppeln Menschen und Tiere sich in Qualen windend, die ihnen willfährigst zukommende Hilfe kaum erreichend. Hin und wieder erblickten wir fernab vom Wege aus dem tiefen Schnee hervorragende Gegenstände, die noch eine leise Bewegung erkennen liessen, dann aber immer mehr unter dem großen weißen Leichentuch verschwanden, das vom Himmel in kleinen weißen Flocken niederfallend, sich zur stillen Decke wob. Dazwischen über die weite Fläche sich bewegende Soldaten, Ärzte, Landleute, die mit unermüdlichem Eifer Hilfe brachten, die freilich nur zuvörderst im leichten Verbande, in Einflößung von Stärkung an die, die schon seit dem gestrigen Abend hier stöhnten – dann Transport der Aufgehobenen nach den Wagen bestand, wozu sich namentlich auch die von vier Personen gehaltenen ausgebreiteten Mäntel eigneten.

Wir, die wir längst unsern Wagen verlassen und uns den Helfenden angeschlossen, taten, was in unseren Kräften stand. Die geistige gewaltsame Erregung stärkte uns fieberhaft, obgleich der tiefe Schnee leichtere Beweglichkeit hemmte. Es gelang mir, einen österreichischen Jäger, dem der linke Fuß am Knöchel zerschmettert war, der sich gestern Abends aber hinter einem Knigg (bekanntlich die niederen, strauchbesetzten Erdwälle, die Ackerstücke abgrenzen) selbst verbunden und, wie er sagte, sogar ein paar Stunden geschlafen hatte, auf dem Rücken ein paar hundert Schritte nach dem Transportwagen zu tragen. Trotzdem, daß ihm unzweifelhaft die Amputation des Fußes bevorstand und seine Schmerzen „sacramentarisch“ – sein eigener Ausdruck – bewahrte der junge Steirer doch einen wahrhaft heroischen, natürlich mit Flüchen gegen die „Höllenhund´von Dänischen“ gewürzten Humor. Jedenfalls war der Dank, den mir der arme Bursche am Wagen abstattete, ein orgineller: „Küß die Hand! Wann´s mi amal brauchen, dann schaffens nur! Ich helf Ihnen auch!“ Gott gebe, daß ich nicht in die Lage komme, ähnliche Hilfe anzunehmen.

Was menschliche Hilfe für die armen Brüder – auch die zerfetzten Dänen wurden in jenen Stunden als solche behandelt – nur leisten konnte, geschah. Ich bin ein Tierfreund, und als solcher hat mir das jammervolle Leiden verwundeter Pferde, die ihrem Schicksal überlassen waren, wirklich das Herz zerrissen. Wer von den Anwesenden im Besitz eines Gewehrs war, erlöste die armen Geschöpfe von ihren Leiden durch einen Gnadenschuss. Ich habe dazu drei Revolverschüsse benützt, bei einem ungarischen Husarenpferde, dem eine Kartätschenkugel den Unterkiefer fortgerissen, und bei zwei anderen Tieren, von denen dem einen ein Hinterfuß zerschmettert, während dem anderen die Eingeweide aus dem aufgerissenen Leib getreten. Es lag in dem Stöhnen und in dem Blick des mühevoll erhobenen Hauptes der edlen Tiere eine wahrhaft rührende Bitte, sie von ihrem Leiden zu erlösen.  *Die Presse 12.02.1864*

Orginal und in Farbe

 


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