Der Tag für die Verliebten

Heute ist Valentinstag und auch die Freiburger Zeitung ist gerührt, da fällt der Tag mit dem Sonntag zusammen, alle eilen los, um die Blumen – und Pralinenindustrie zu erfreuen, trotz des Krieges im Norden.

Hamburg, 12. Febr. Heute eingetroffenen Nachrichten  zufolge fand am Mittwoch ein blutiges Vorpostengefecht bei Atzbüll statt. In Kopenhagen erklärte der Minister Monrad, es sei der Entschluß der Regierung, die Düppeler Schanzen und die Insel Alsen auf´s äußerste zu verteidigen. Hamburg, 12. Febr. Die preussischen Verstärkungen kommen an; die österreichischen sind erwartet. Die Österreicher und Preußen rüsten zahlreiche Boote, um auf der Insel Alsen landen zu können. In Schleswig haben Kroaten mehrere Häuser geplündert(?). In Flensburg wurde der Herzog von Augustenburg proklamiert. Die dänische Reiterei hat sich nach Jütland zurückgezogen.

Newyork, 30. Jan. Nachdem des Rebellengenerals Longstreet Verstärkungen eingetroffen, haben die Gefechte am Tennesse begonnen. Die Beschiessung von Charlston dauert fort. Goldagio 57. Ein Mitglied des Kongresses zu Washington beantragte zu erklären, daß die Errichtung einer Monarchie in Mexiko Amerika gefährde. Außerdem wurde beantragt, die Transaktionen in Gold mit einer Taxe von 2 Prozent zu belegen.

Schwein gehabt.  Den „Hamb. Nachr.“ wird geschrieben: „Major v. Jena stand am 2. Febrauar vor Missunde, als ihm der Lieutenant Graf Gröben vom 3. Husarenregiment eine Meldung machte. Der Letztere wurde während der Meldung von einer platzenden Granate, welche ihm durch den Unterleib gegangen, in die Luft gehoben und fiel dann platt zur Erde todt darnieder, der Major v. Jena wurde gleichzeitig vier Schritte weit fortgeschleudert, überschlug sich und blieb besinnungslos liegen, sein hinzuspringender Adjutant und einige Offiziere seines Bataillons hoben ihn auf und fanden sein Gesicht voll Blut und Sand, bei dem Falle zerquetscht. Bald erholte sich derselbe jedoch von seiner Betäubung und wurde nach dem Verbandplatz geführt. Nachdem ihm Blut und Sand abgewaschen war, fühlte er sich so kräftig, daß er sein dort stehendes Pferd besteigen konnte und, zwar mit geschwollenem Gesicht und steifen Gliedern, doch wieder kampfesmutig unter maßlosem Jubel an der Spitze seines Bataillons erschien. *Freiburger Zeitung 14.02.1864*

Nebenbei: Trotz intensiven Flehens der Inneren Stimme des Autors, heute nicht zur Arbeit zu fahren, hat sich der Autor, zivilcouragiert, wie er nun einmal ist, entschlossen, alles Bitten und Drängen zu ignorieren und sich, Gefahren verachtend, an seinen Kampfplatz für den Frieden zu begeben. Ein kleiner Zivilcouragepreis für ihn sollte deshalb auf jeden Fall drin sein. Wenn nicht sogar das Bundesverdienstkreuz.

3 Responses to “Der Tag für die Verliebten”


  1. 1 Prosemit 14. Februar 2011 um 07:02

    Zu den interessanten Beiträgen, die der Blogwart dankenswerter Weise aus der Nazischrift ins Hochdeutsche übersetzte, von mir noch eine Übersetzung aus derselben Zeitung. Ein Beispiel bodenlosen Rassismus, der heute glücklicherweise vorboten ist :


    Schleswig-Holstein
    Wir danken der verehrlichen Liedertafel von ganzem Herzen für die uns gestern gemachte Zusendung der ausserordentlich schönen und geschmackvollen Pendule (Tischuhr mit sichbarem Pendel – Prosemit), die wir als Hauptgabe unserer Lotterie mit Stolz den übrigen Geschenken beifügen werden, hoffend, daß ein ächt patriotischer Deutscher der glückliche Gewinner derselben sein möge.
    Freiburg d. 12. Feb 1864. Das Frauen Komité.

  2. 2 Sophist X 14. Februar 2011 um 12:52

    „…, daß er sein dort stehendes Pferd besteigen konnte und, zwar mit geschwollenem Gesicht und steifen Gliedern, doch wieder kampfesmutig unter maßlosem Jubel an der Spitze seines Bataillons erschien.“
    …wonach Mannschaft und Pferde geschlossen zur Traumatherapie in die nächstgelegene psychologische Betreuungstelle des Preußischen Heeres marschierten. In der Presse wurden Vorwürfe erhoben, dass der ums Leben gekommene Gröben nicht diensttauglich gewesen sei und sonst der Granate hätte ausweichen können. Bis die Presse weitere Details berichtet, enthob der Oberbefehlshaber den Kommandeur vorsorglich seines Amtes.

  3. 3 Karl Eduard 14. Februar 2011 um 14:22

    Und wo waren die Sicherheitsabsperrungen?


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