Archiv für 15. Februar 2011

Ich sehe tote Menschen

Von der Idstedter Heide … Man hatte mir gesagt, ich würde noch mehrere hundert Tote liegen sehen; ich blickte aber vergebens um mich und fing schon an zu glauben, daß die Berichte über die Schlacht sehr übertrieben wären, als ich plötzlich, bei einer Biegung des Weges 30 – 40 Gefallene im Chausseegraben liegen sah, lauter Österreicher, die, soweit ich es im Vorbeifahren unterscheiden konnte, alle in den Kopf geschossen waren. Schaudernd wendete ich mich ab – aber wohin ich blickte, überall lagen menschliche Leichen; hier einzelne, dort ganze Reihen – alle in den Kopf geschossen. In einem Walde, westlich des Weges mußte heftig gekämpft worden sein, denn die Erde war an Stellen mit Toten bedeckt, der Schnee an anderen Stellen mit Blut getränkt.

Hinter dem Wege liegt eine Wiese von 300 – 400 Fuß Breite; hinter der Wiese läuft ein Zaun, hinter welchem die Dänen festen Fuß gefaßt zu haben schienen, denn ganze Reihen von Österreichern lagen unmittelbar vor dem Zaune, ganze Reihen von Dänen lagen dahinter. Das Terrain steigt jetzt und bildet eine Höhe, die etwa fünfzig Fuß erreicht und fast senkrecht nach Süden abfällt. Zahlreiche Leichen österreichischer Jäger beweisen, daß sie einen harten Stand gehabt, ehe sie den steilen Abhang erstiegen und den Feind zum Weichen gebracht haben; nördlich der Höhe ist das Terrain wieder flach und die gefallenen Pferde, die Dolmans und Husarenkäppis geben Zeugnis für den Kampf der braven Liechtensteiner.  So geht es fort bis Flensburg; überall liegen Gefallene, die unter der Schneedecke doppelt geisterhaft aussehen, überall sieht man klaffende Köpfe, grässlich entstellte Gesichter.

Ich sah einen Österreicher vom Regiment König der Belgier, dessen ganzes Gesicht zerrissen und vom Pulver verbrannt war, und als ich einen Offizier dieses heldenmütigen Regiments nach der Ursache der vielen Kopfwunden fragte, erhielt ich zur Antwort: „Wir sind 3 1/2 Meile im Laufschritt marschiert und haben den Feind angegriffen, ohne einen Schuß zu tun. Er gab sein Feuer auf fünf Schritt Distanz ab, und unsere Leute hieben ihn mit dem Kolben nieder!“ Jetzt war mir  Alles erklärlich. Deswegen lagen die Österreicher in Reihen vor dem Zaune auf der Wiese, deswegen lagen Reihen von Dänen hinter dem Zaune!  Anderthalb Stunden ist mit entsetzlicher Erbitterung gefochten worden; in anderthalb Stunden verloren die Österreicher vom Regiment König der Belgier 600 Mann und von den Jägern 700 Mann. Eine Jäger – Compagnie zählte nach der Schlacht 26 Mann, ein Kadett, ein junger hübscher Mensch, der mir auf dem Krankenwagen begegnete, hatte es mit drei Dänen aufgenommen. Sie fehlten ihn alle drei; er erschoß einen, stieß den anderen nieder, und da ihm das Gewehr entfiel, schlug er mit der Faust den dritten zu Boden.

In dieser Weise müssen Alle gekämpft haben, sonst wäre der ungeheure Verlust der Dänen, der doppelt so groß als der der Österreicher, nicht zu erklären. … *Die Presse 15.02.1864*

Aus den Kolonien

Die zahlungsfähigen Farbigen. Unter dem 31. Dezember 1910 hat das Gouvernement eine Verfügung erlassen, die die Zahlungsfähigkeit der Farbigen zum Gegenstand hat und in der folgendes bestimmt wird.

„Die Farbigen, von denen bekannt oder den Umständen nach anzunehmen ist, daß sie im Dienste von Europäern oder wohlhabenden Farbigen stehen, ist Zahlungsfähigkeit in der Regel nicht als vorliegend anzunehmen.“

Diese amtlich festgestellte Tatsache wollen wir hiermit den Dienststellen ins Gedächtnis rufen die in die Lage kommen, das „Armenrecht“ zu erteilen. Fast jeder hergelaufene Schwarze , der mit seinem Herrn die geringsten Differenzen hatte, (Lohndifferenzen) oder eine Tracht Prügel gerecht verabfolgt bekam, schwarze Bengels von 12- 14 Jahren, erhalten, wenn sie auf Gericht erscheinen, ohne weiteres das „Armenrecht“ zugebilligt, um den Europäer verklagen zu können. Man vergegenwärtige sich, wie schwer  es in Deutschland ist, das „Armenrecht“ zu erhalten und welche Bescheinigungen dazu notwendig sind. Und dann vergegenwärtige man sich, welche Mühe, Arbeit und Schreibereien sich die Gerichte ersparen könnten, wenn sie vor Annahme der Klage eines Farbigen gegen einen Europäer stets einen Teil der Kosten einforderten.

Sadani. Giraffen und Telegraph. Man schreibt uns: Infolge der fortwährenden Zerstörung der Telegraphenlinie in der Nähe Sadanis durch Giraffen hat sich endlich das Gouvernement dazu aufgerafft, die Erlaubnis zum Abschuss dieser Tiere zu erteilen. Hiernach ist der Abschuss der Giraffen bis  zu 2 Kilometer Entfernung zu beiden Seiten der Telegraphenlinie Sadani – Lissauke bis zum 01. Mai freigegeben. Ob hiermit viel erreicht wird, ist abzuwarten, jedenfalls ist das Abschuss – Gebiet, – 2 Kilometer zu beiden Seiten der Telegraphenlinien – zu eng begrenzt, um einen wirklichen Erfolg zu versprechen. Es hätte hier ruhig etwas mehr Spieraum gegeben werden können.

– Die Telegraphenleitung nach Aruscha ist wieder in Ordnung; desgleichen funktioniert die Südleitung Kilwa – Mikindani wieder. Letztere Meldungen stehen übrigens in keinem Zusammenhang. *Ostafrikanische Zeitung 15.02.1911*


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