Aus den Kolonien

Die zahlungsfähigen Farbigen. Unter dem 31. Dezember 1910 hat das Gouvernement eine Verfügung erlassen, die die Zahlungsfähigkeit der Farbigen zum Gegenstand hat und in der folgendes bestimmt wird.

„Die Farbigen, von denen bekannt oder den Umständen nach anzunehmen ist, daß sie im Dienste von Europäern oder wohlhabenden Farbigen stehen, ist Zahlungsfähigkeit in der Regel nicht als vorliegend anzunehmen.“

Diese amtlich festgestellte Tatsache wollen wir hiermit den Dienststellen ins Gedächtnis rufen die in die Lage kommen, das „Armenrecht“ zu erteilen. Fast jeder hergelaufene Schwarze , der mit seinem Herrn die geringsten Differenzen hatte, (Lohndifferenzen) oder eine Tracht Prügel gerecht verabfolgt bekam, schwarze Bengels von 12- 14 Jahren, erhalten, wenn sie auf Gericht erscheinen, ohne weiteres das „Armenrecht“ zugebilligt, um den Europäer verklagen zu können. Man vergegenwärtige sich, wie schwer  es in Deutschland ist, das „Armenrecht“ zu erhalten und welche Bescheinigungen dazu notwendig sind. Und dann vergegenwärtige man sich, welche Mühe, Arbeit und Schreibereien sich die Gerichte ersparen könnten, wenn sie vor Annahme der Klage eines Farbigen gegen einen Europäer stets einen Teil der Kosten einforderten.

Sadani. Giraffen und Telegraph. Man schreibt uns: Infolge der fortwährenden Zerstörung der Telegraphenlinie in der Nähe Sadanis durch Giraffen hat sich endlich das Gouvernement dazu aufgerafft, die Erlaubnis zum Abschuss dieser Tiere zu erteilen. Hiernach ist der Abschuss der Giraffen bis  zu 2 Kilometer Entfernung zu beiden Seiten der Telegraphenlinie Sadani – Lissauke bis zum 01. Mai freigegeben. Ob hiermit viel erreicht wird, ist abzuwarten, jedenfalls ist das Abschuss – Gebiet, – 2 Kilometer zu beiden Seiten der Telegraphenlinien – zu eng begrenzt, um einen wirklichen Erfolg zu versprechen. Es hätte hier ruhig etwas mehr Spieraum gegeben werden können.

– Die Telegraphenleitung nach Aruscha ist wieder in Ordnung; desgleichen funktioniert die Südleitung Kilwa – Mikindani wieder. Letztere Meldungen stehen übrigens in keinem Zusammenhang. *Ostafrikanische Zeitung 15.02.1911*

3 Antworten to “Aus den Kolonien”


  1. 1 Prosemit 15. Februar 2011 um 07:19

    Die Telegraphendrähte waren sichtbar noch nicht in Giraffensicheren Höhen angebracht und den Tieren war das Vorhandensein von Drähten in Halshöhe noch neu. Eine nette Meldung… ebenso wie das „Armenrecht“, das einen unverstellten Blick auf das ausbeuterische Kaiserliche Kolonialsystem zur Unterdrückung der armen Schwarzen gibt.

  2. 2 Karl Eduard 15. Februar 2011 um 07:26

    Ähnlichkeiten zum Sozialrecht im heutigen Deutschland sind unbeabsichtigt und völlig frei erfunden.

  3. 3 Karl Eduard 15. Februar 2011 um 07:30

    Für die Generation PISA muß man wohl erklären, daß es damals noch keine Handys in der heutigen Form gab, sie hatten die Größe von Umzugskartons und meterhohe Antennen und mußten gefahren werden. Wer also mal ein Schwätzchen halten wollte, mußte über Draht telegraphieren und dann auf Antwort warten. Waren die Leitungen zerrissen, konnten einem die Freunde nicht den neuesten Klatsch übermitteln. Telephone in den Telephonzellen sind eine Seitenlinie der Telegraphie.


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