Gefallen in freundlichem Feuer

Nichts ist so erholsam, als in alten Zeitungen zu blättern und zu wissen, die Sache ist ausgestanden und Vergangenheit, während wir hier noch auf das dicke Ende warten, das unweigerlich kommen muß. 1864 in Schleswig Holstein hat der Krieg seinen Schwung verloren, die Dänen hocken hinter den Düppeler Schanzen und warten auf den Sturm der Deutschen und darauf, ob England oder Frankreich beschliessen, sich am Krieg zu beteiligen. Die Österreicher und Preußen ihrerseits bereiten den Sturm vor. Währenddessen fängt die Journaille an, herumzukritteln, die weiß es, wie immer, besser. Nur hatten damals noch keine Praktikanten das Schreiben und man mußte noch selber an den Ort des Geschehens, statt über Fernsehen orginal dabei zu sein. Mangels aktueller Ereignisse wärmt man die zurückliegenden auf und zitiert den Konkurrenten.

Rinkenis, 24. Febr. Der Köln. Ztg. wird von hier geschrieben: Ich muß noch einmal auf die Recognoszierung vom 22. zurückkommen. Auf dem linken Flügel, d. h. nach Satrup hinauf, avancierten Truppen der 13. Division (53. und 55. Reg.); daran gewissermaßen im Centrum Truppen der 12. Brigade (24, 64. Reg.) nach dem rechten Flügel hin ein Bataillon von dem 35. Reg. und das 3. Jäger – Bataillon. Auf dem linken Flügel, wie schon erwähnt, rückte man, durch unklares Wetter verführt, bis auf 600 Schritte vor die Schanzen, und wird die Behauptung aufrecht erhalten, daß neben anderen Verlusten eine Kompagnie des 55. Regiments durch den jüngsten Offizier aus dem Feuer geführt worden sei, da die anderen vier verwundet wurden.

Der Unglücksfall vom Erschiessen zweier Jäger des 3. Bataillons durch Leute des 35. Regiments bestätigt sich leider schon durch einen heutigen Divisionsbefehl, der mit Hinweis auf diesen Vorfall auf die Notwendigkeit größerer Vorsicht hinweist. Die Getödteten waren bildschöne junge Männer, deren feine Wäsche auf mehr als gewöhnliche Herkunft schließen ließ.  Letzteres ist besonders tragisch und wir können nur hoffen, daß es damals so edle Männer wie heute den Herrn von und zu Guttenberg gab, die auf Betreiben einer Zeitung den Kommandeur des 35. Regiments sofort ablösen und vor ein Kriegsgericht stellen lassen, noch ehe sie den Vorfall untersucht haben. Der Wahrheit übrigens die Ehre zu geben (Lest! Lest!), trägt die Anordnung des Anstreichens der Adler an den Käppis der Jäger und der Lederüberzug über denselben bei den Offizieren, wie das Fehlen der Feldbinden (Als Kennzeichen Freund – Feind sollte eine weiße Binde am Arm getragen werden.) den weit größten Teil der Schuld. Die 7. Kompagnie des 35. Regiments erbeutete eine Kompagniefahne. … *Freiburger Zeitung 01.03.1864*

1 Response to “Gefallen in freundlichem Feuer”


  1. 1 Prosemit 1. März 2011 um 09:18

    Danke für die interessanten Berichte von der Front.

    Ich kann nur jedem das Beispiel des Blogwarts empfehlen, einfach jeden Tag zumindest die Schlagzeilen – einer der mitllerweile zahllosen Zeitschriften Online aus vergangener Zeit zu lesen. Aber Geduld, erst nach einigen Wochen kommt die wirkliche Neugier auf die Fortsetzung. Man kann wunderbare in vergangene Jahre eintauchen – auch die weniger spektakulären Jahrgänge sind reizvoll.

    Heute als unfreiwilliger Humor betrachtet :

    Die Getödteten waren bildschöne junge Männer, deren feine Wäsche(*) auf mehr als gewöhnliche Herkunft schließen ließ.

    Die Standesunterschiede waren im Gegensatz zu heute noch an der (Unter-)Wäsche deutlich sichtbar. Wer kennt heute zum Beispiel Zimmerli?

    (*)In dem Fall ist Wäsche alles, was man unter der Uniform trug. Also auch die Hemden.


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