Klatsch und Tratsch

Der russische Adel gegen die Juden. Der in Petersburg tagende Kongress der Vertreter des russischen Adels hat eine Resolution angenommen, worin der bedingungslose Ausschluß der Juden, selbst wenn sie die Konfession gewechselt haben, von allen Staatsämtern, von der gesetzgeberischen Tätigkeit sowie vom Militärdienst gefordert wird. Der Antrag, die Juden als Ausländer anzusehen, wurde abgelehnt. Die Judenausweisungen im Gouvernement Tschernigow. Die Massenausweisungen von Juden in Tschernigow nimmt immer größere Dimensionen an. Es wurden neuerdings insgesamt 2000 Personen, meist jüdische Getreidehändler, ausgewiesen. Das dortige Börsenkommitee petitionierte bei Stolypin um Auflösung der Ausweisungsbefehle. Hierfür müssten wir nun nicht in alle Ewigkeit Scham verspüren, wie der Bundespräsident der Deutschen Türken  meint, weil das aber ein Klacks ist, zu unserer sonstigen Schuld, nehmen wir es mit dazu. Auf zwei, drei Jahre Ewigkeit mehr, kommt es auch nicht mehr an.

Die eingefrorenen Instrumente einer Militärkapelle. Petersburg 25. Februar. Bei dem gestrigen Leichenbegängnis des Gardekavalleriegenerals Fürsten Wolkonsky ereignete sich ein eigentümlicher Zwischenfall. Als die den Leichenkondukt begleitende Militärmusikkapelle den üblichen Trauermarsch anstimmen sollte, brachte sie zur allgemeinen Verwunderung keinen einzigen Ton heraus, da die Musikinstrumente infolge des heftigen Frostes vollständig eingefroren waren. Die Musikanten bliesen mit aller Gewalt in ihre Instrumente hinein – aber alle Bemühungen blieben vergeblich und die eingefrorenen Instrumente gaben keinen Ton von sich. Der hohe Militär mußte also gegen alle Tradition ohne Musik auf den Friedhof geleitet werden. Als im Mannschaftsquartier die Instrumente allmählich auftauten, sollen sie aber alle Töne wiedergegeben haben, die die Musiklanten dort vorher auf dem Wege zum Friedhof und auf demselben hineingebliesen hatte. BILD war dabei.

Furchtbare Schneefälle in Rußland. St. Petersburg, 28. Februar. Aus allen Landesteilen treffen Nachrichten über noch niemals beobachtete Schneefälle ein. In vielen Gegenden Rußlands liegt der Schnee mehrere Meter hoch und ganze Dörfer und Städte wurden von den unglaublichen Schneemassen begraben. In Ssuchum schneit es ununterbrochen seit acht Tagen und liegt der Schnee bis auf die Dächer der Häuser von der Erde an. Nur mit Mühe konnten sich die Bewohner Ausgänge verschaffen. Viele Einwohner sind in ihren Häusern erstickt oder wurden durch die von den Schneelasten einstürzenden Häuser erschlagen. Die ganze Krimküste gleicht einem furchtbaren Schneefeld. Von vielen Orten ragen nur die Turmspitzen der Kirchen aus dem Schnee hervor. Vom Verkehr ist überhaupt keine Rede. Im Gouvernement Kutais schneit es seit drei Wochen und erreicht die Höhe des Schnees bereits zwölf Meter! Die Not unter den Bauern ist eine furchtbare. Fast sämtliches Vieh ist auf den Winterweiden im Schnee erfroren. Insider munkeln, der Schnee sei auf eine Verschwörung der Schneeräumgeräte – und Streusalzindustrie zurückzuführen, mehrere Schneeschieberverkäufer wurden vom Volkszorn im Schnee erstickt. Das ramponierte Schellnhuberinstitut, bekannt für seine Orakel, erklärte, dieser starke Schneefall wäre ein untrügliches Zeichen für die Erderwärmung, erst fiele der Schnee, um dann wieder zu tauen. Letzteres dürfte nicht auf die leichte Schulter genommen werden, außerdem benötigten er, Herr Professor Schellnhuber und seine Mitarbeiter, dringend einen neuen Wellnessbereich. Für die Folgen ausbleibender Forschungsgelder würde er keine Garantie übernehmen.

WARNHINWEIS: Für Kinder unter 18 nicht geeignet! Und für Leute, die gerade essen. Gräßliches Verbrechen an einer Leiche. Dem „Piccolo“ wird aus Mailand folgender grauenhafter Vorfall berichtet: In Arosio war die 22jährige bildschöne Genoveva Galli, welche mit einem Holzbildhauer verlobt war, an Lungenentzündung gestorben und auf dem Ortsfriedhofe begraben worden. Tags darauf bemerkten die Kinder des Totengräbers die Türe der Leichenhalle offen. Sie riefen den Kirchendiener herbei, der in die Leichenhalle eintrat, wo sich ihm ein schauerlicher Anblick darbot. In einer Ecke lag der vollkommen entblößte Leichnam des ermordeten Mädchens in gräßlichem Zustande. Die Untersuchung ergab, daß der Leichnam zuerst mißbraucht und dann in geradezu furchtbarer Weise durch unzählige Messerstiche verstümmelt worden war. Die Eingeweide lagen rings um die Leiche auf den Boden zerstreut. Im ersten Augenblicke lenkte sich der Verdacht, die schreckliche Tat einem Anfalle von Nekrophilie begangen zu haben, gegen den Verlobten der Verstorbenen, den Bildhauer Eigidio Consonni, von dem man wußte, daß er das Mädchen überaus gern gehabt hatte, doch stellte sich bald sie völlige Unschuld desselben heraus. Auf dem Felde fand man die Stücke einer blutbefleckten Hose und an einem Stocke ein der Toten gehöriges Skapulier, doch schwebt über dem Täter noch völliges Dunkel. *Volksblatt für Stadt und Land, 05.03.1911*

Grässlich!

 

2 Responses to “Klatsch und Tratsch”


  1. 1 Prosemit 5. März 2011 um 18:45

    Die eingefrorene Kapelle ist eine nette Geschichte. Eigentlich müssten den Bläsern die Lippen an den Mundstücken festgefroren sein..

    Und die Jidden wurden schon damals bevorzugt. Sie durften noch vor der Revolution ausreisen. Dazu ein Witz aus dem nachrevolutionären Russland …

    Bei einem Metzger in der Kleinstadt wird Fleisch erwartet.
    Obwohl es klirrend kalt ist, steht eine lange Schlange Menschen frierend vor dem Eingang. Nach zwei Stunden kommt der Metzger heraus und sagt:

    »Es wird nicht für alle reichen, wie ich höre. Also, die Juden gehen schon mal wieder nach Haus.«

    Nach weiteren zwei Stunden, leichter Schneefall hat eingesetzt, tritt der Metzger wieder vor die Tür und sagt: »Es wird noch viel
    weniger sein, als wir geglaubt haben. Jetzt gehen Letten, Esten und Ukrainer wieder nach Haus.«

    Es vergehen weitere drei Stunden. Ein eisiger Wind weht über die
    Straßen. Endlich öffnet der Metzger wieder seine Türe: »Es ist alles noch viel schlimmer. Es wird gar kein Fleisch kommen. Ihr könnt alle heimgehen. Auch die Russen.«

    Da sagt einer der Anstehenden zum andern: »Siehste, wie die
    Juden wieder bevorzugt werden!«

    Ach ja, noch einer aus der DDR zum Thema Metzger..

    Warum sind die Metzgereien nachts dunkel?
    Damit die Leute nicht glauben, da würden Fliesen verkauft.

  2. 2 Karl Eduard 5. März 2011 um 19:05

    Das mit den Fliesen war gut.


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