Die Blütenrevolution in Mexiko

Alles jubelt, alles strahlt, insbesondere die auf Dauerfreigang befindlichen westeuropäischen Politiker, von denen sich die Deutschen im Irrwitz besonders hervortun. In Mexiko tobt die Blütenrevolution gegen den Präsidenten Diaz, sie bildet den Hintergrund etlicher Western, es wird hin – und hergemetzelt aber wir wissen es, es geht um Demokratie, Freiheit, Menschenrechte, eben all die Dinge, die in Deutschland im Entschwinden sind, weshalb sie Kanzlerin und  Außenminster im Ausland so vehement einfordern. Da müssen dann auch schon mal die Waffen sprechen.

Mexiko und die Vereinigten Staaten. Die Situation zwischen den Unionsstaaten und Mexiko nimmt einen immer bedrohlicheren Charakter an und die revolutionäre Bewegung in Mexiko beschränkt sich nicht nur mehr auf die nördlichen Provinzen, sie greift auch schon gegen Süden hinab und in den Oststaaten um sich. So ist am 13. d. M. auch in Veracruz ein Aufstand ausgebrochen, bei dem ein Amerikaner getötet wurde. Die Truppenkonzentrationen Nordamerikas entlang des Rio Grande del Norte dauern an und gehen bereits weit über eine noch immer behauptete „Probemobilisierung“ hinaus. Auch zur See dauern die Rüstungen Uncle Sams gegen den mexikanischen Bundesstaat fort, wenn auch die amerikanischen Kriegsschiffe über Protest des Präsidenten Diaz die mexikanischen Häfen verlassen haben; sie kreuzen jetzt einfach in den Außengewässern oder liegen bei Kuba oder Galveston auf der Lauer. Eine Abschwächung der Revolution und deren Schrecken (Damals wußten Journalisten noch, daß Revolutionen immer mit Blut und Mord und Schrecken einhergehen.) im Innern Mexikos hat aber bisher die Manöverdemonstration der Union nicht gebracht und will Nordamerika eine Einmischung anderer Mächte – Englands und Japans – verhüten, so wird es wohl selbst zur bewaffneten Intervention in Mexiko schreiten. Ein Einmarsch der Amerikaner aber in mexikanisches Gebiet würde zu sehr gefährlichen Komplikationen – ja eventuell zum Kriege mit Mexiko führen, auf den es übrigens Uncle Sam, trotz aller Friedensbeteuerungen vielleicht abgesehen hat. Nachstehend die eingesandten Telegramme.

Mexiko, 15. März. Vorgestern vormittags ist in Veracruz ein  Aufstand ausgebrochen. Ein Amerikaner wurde getötet, sechs Polizeibeamte verwundet. Aus dem Gefängnisse, dessen Tore geöffnet wurden, sind 70 Gefangene entwichen. Ein im Hafen liegendes Kriegsschiff und Marinesoldaten unterstützen die Zivil – und Militärbehörden. Die französischen Interessen wird ein französisches Kriegsschiff wahrnehmen.

Die amerikanische Mobilisierung. Neuyork, 15. März. Trotz der von Washington ausgehenden Dementis erhält sich die Meldung, daß die an die mexikanische Grenze entsandte Armee binnen Monatsfrist auf 40 000 Mann erhöht werden soll. Alle Vorbereitungen hierfür sind bereits im Gange. Die Kriegsschiffe, die infolge eines Protestes des Präsidenten Diaz von den mexikanischen Häfen zurückgezogen wurden, blieben bis auf weiteres teils in der Nähe der Flottenstation Guantanamo auf Kuba, teils in Galvestone.  Sieben weitere Kavallerieabteilungen sollen die drei bereits an der Grenze patrouillierenden Abteilungen ergänzen, um dem Waffen und Munitionsschmuggel ein Ende zu machen.

Der mexikanische Finanzminister beschuldigt die Amerikaner. Neuyork 15. März. Der mexikanische Finanzminister Limantour erklärte gestern, daß Amerikaner an der mexikanischen Insurrektion, namentlich an der Beraubung von Eisenbahnzügen und Fabriken tätigen Anteil nehmen. Die in den Reihen der Insurgenten gefangen genommenen Amerikaner dürfen nicht mehr auf den Schutz ihrer Flagge rechnen. Die Amerikaner allein, die neben Madero als Führer fungieren, halten die Revolution am Leben; ohne sie wäre die Revolution längst niedergeworfen.

Hinrichtung der 15 gefangenen Amerikaner. Neuyork, 15. März. Die 15 gefangenen Amerikaner, welche mit General Madero gegen die Rebellen kämpften, wurden bereits erschossen. Die Rebellen behaupten, daß sie 12000 Mann unter Waffen hätten. Glaubwürdigen Nachrichten aus Mexiko zufolge haben die Aufständischen der Regierung die Niederlegung der Waffen angeboten, falls ihnen Amnestie gewährt und im Kabinette einige Änderungen vorgenommen werden. Das Angebot geschah mit der Begründung, daß alle Patrioten einig sein müßten gegenüber der Mexiko drohenden Gefahr einer nordamerikanischen Invasion. Wie weiters gemeldet wird, besteht jedoch Präsident Diaz darauf, daß sich die Aufständischen bedingungslos unterwerfen. *Die neue Zeitung 16.03.1911*

Lybische Revolution kommt gut voran

Kann Uncle Sam wieder einmal die Demokratie, Freiheit und die Menschenrechte retten? Und wo sind die Massenvernichtungswaffen Gaddafis, die uns bedrohen müssten, hätte uns Japan nicht längst verstrahlt? Kann sich die deutsche Marine noch heraushalten, das schwimmende „Essen auf Rädern“ für die Geplagten der Welt? Und mögen Rebellen überhaupt Labskaus? Nie wieder Auschwitz!

 

 

1 Response to “Die Blütenrevolution in Mexiko”


  1. 1 Prosemit 16. März 2011 um 05:48

    Mit Revolutionen ist da so eine Sache. Am jeweiligen Nationalfeiertag kann man hinterher bestens sehen, welche Gruppe gewonnen hat, wer also die Guten und die zu bekämpfenden Bösen waren. Dem Zeitzeugen ist das häufig sehr unklar.


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