Die Selbstmordstatistik 1909

Eine Selbstmordstatistik 1909 ist im neuen Vierteljahrsheft zur Statistik des Deutschen Reiches enthalten. Darnach sind in diesem Jahre auf 100 000 Einwohner des Reiches 22,3 Selbstmorde entfallen. Diese Verhältniszahl ist die höchste seit dem Jahre 1893. Im Jahre 1908 waren auf 100 000 Einwohner 21,3 Selbstmorde entfallen, eine Zahl, die in den Jahren 1903 und 1894 mit 21,7 ziemlich erreicht war. Am niedrigsten stellte sich die Verhältniszahl während des angegebenen Zeitraumes in den Jahren 1898 und 1899 (also in den Jahren besonders günstiger wirtschaftlicher Entwicklung) mit 19,9 und 19,5; für die übrigen Jahre schwankt die Verhältniszahl zwischen 21,4 und 20,2. Preußen bleibt mit 21,4 ein wenig unter dem Reichsdurchschnitt.

Innerhalb Preussens steht nicht Berlin mit 32,7, sondern die Provinz Brandenburg mit 35,0 am ungünstigsten da; es folgen Sachsen mit 32,2, Schleswig- Holstein mit 29,9 und Schlesien mit 23,3. Die wenigsten Selbstmorde innerhalb Preussens haben die Provinzen Posen mit 12,3, die Rheinlande mit 13,1, Westphalen mit 14,3, Westpreußen mit 13,7, Ostpreußen mit 15,6 aufzuweisen.  In Pommern entfielen auf 100 000 Einwohner 18,0, in Hohenzollern 20,1, in Hannover 21,6 und in Hessen – Nassau 21,7 Selbstmorde.

Was die übrigen Bundestaaten anbelangt so beträgt die Verhältniszahl für Bayern 15,6, für Sachsen 32,0, für Württemberg 20,2, für Baden 22,1, für Hessen 23,6, für Mecklenburg – Strelitz 27,8, für Oldenburg 30,3, für Braunschweig 32,5, für Sachsen – Meiningen 29,4, für Sachsen – Altenburg 40,6, für Sachsen – Koburg – Gotha 52,5, für Anhalt 38,6, für Schwarzburg – Rudolstadt 20,1, für Waldeck 15,1, für Reuß ä L. 26,8, für Reuß i. L. 36,5, für Schaumburg Lippe 18,0, für Lübeck 28,9, für Bremen 40,5, für Hamburg 36,0, für Elsaß – Lothringen 15,2. Im Verhältnis wurden also weitaus die meisten Selbstmorde in Sachsen – Koburg – Gotha, einigen anderen sächsisch – thüringischen Bundesstaaten und in den Hafenstädten Bremen und Hamburg begangen. *Freiburger Zeitung 25.03.1911*

Wir wissen nicht, was die Leute damals dazu getrieben hat, Selbstmord zu begehen, sicher waren es keine Mobbingseiten, eine drohende radioaktive Wolke und auch nicht Goethes Werther. Die Welle war lange vorüber.  Es sei aber jedem Selbstmordwilligen angeraten, sich vorher über das finanzielle Desaster Gedanken zu machen, das er mit seinem Selbstmord bei Eltern, Geschwistern oder anderen Verwandten anrichtet, weil, hinterher geht ja nicht mehr.

 

1 Response to “Die Selbstmordstatistik 1909”


  1. 1 Prosemit 25. März 2011 um 13:13

    Ein Problem der Selbstmorde war immer die reale oder scheinbare wirtschaftliche Aussichtslosigkeit. Die Statistik bildet häufig die wirtschaftlichen Verhältnisse ab.


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