Archiv für 5. Juli 2011

Lügenabwehrstelle eingerichtet

Unglaubliches findet man in den Archiven. Während 100 000 Berliner Arbeiter im Juli 1932 den griechischen Weg gehen, nämlich so lange zu demonstrieren, bis die Speisekammer voll ist, die Arbeitslosigkeit beseitigt und der imperialistische Krieg gegen die Sowjetunion abgewehrt wurde, die, wie wir wissen, der Hort der überlebenden fortschrittlichen Menschen der Welt ist, richtet die KPD eine Lügenabwehrstelle ein, in der klassenbewußte Arbeiter und Arbeiterinnen all die Lügner  zur Anzeige bringen sollen, die Lügen über die Kommunistische Partei verbreiten oder von denen sie meinen, sie würden Lügen über die kommunistische Partei verbreiten. Es war eben nicht alles schlecht. In der Weimarer Republik.

Polnische Unternehmer in Deutschland

machen Dampf. Von polnischem Unternehmertum können sich deutsche Arbeitslose wirklich eine Scheibe abschneiden.

 … Die Bundespolizei hat am Wochenende zwei in Hamburg gestohlene Autos nahe der polnischen Grenze beschlagnahmt. … Da der polnische Fahrer (44) keinen Führerschein vorzeigte, wurde er wegen Verdachts auf Diebstahl, Hehlerei und Fahren ohne Führerschein angezeigt. Bereits am Freitag stießen Polizisten bei Krackow auf einen gestohlenen BMW Coupé. … Den wollten zwei polnische Kleinunternehmer ins Nachbarland transferieren, der deutsche Amtsschimmel hinderte aber diese löbliche Eigeninitiative, wie so oft scheitert das glückliche Zusammenleben in Europa an verkrusteten Strukturen. Eine Schande ist das. Eine Schande.

Andrea Dernbach weiss es

Rassismus bezeichnet eine Ideologie, die Menschen aufgrund physiognomischer oder kultureller Eigenarten oder aufgrund ihrer ethnischen, nationalen oder religiösen Zugehörigkeit in angeblich naturgegebene Gruppen – so genannte Rassen – einteilt und diese hierarchisiert. Menschen werden nicht als Individuen, sondern als Mitglieder solcher pseudoverwandtschaftlicher Gruppen mit kollektiven, weitgehend als unveränderbar betrachteten Eigenschaften beurteilt und behandelt. … Rassendiskriminierung ist jede Praxis, die Menschen aufgrund physiognomischer Merkmale und/oder ethnischer Herkunft und/oder kultureller Merkmale (Sprache, Name) und/oder religiöser Zugehörigkeit Rechte vorenthält, sie ungerecht oder intolerant behandelt, demütigt, beleidigt, bedroht oder an Leib und Leben gefährdet.

Demzufolge sind auch Angriffe auf Deutsche, nur, weil sie Deutsche sind, in den Augen Andrea Dernbachs auch kein Rassismus, sondern wir sollten es Kaffeetrinken, Blumenpflücken oder vielleicht nur Teilhabe nennen. Jedenfalls irgendwie anders, auf keinen Fall Rassismus.

Auch Mannesmann fällt über Marokko her

Der geschützte Kreuzer Berlin, der den Panther vor Agadir ablöst, hat eine Besatzung von 286 Mann einschliesslich der 10 Offiziere. Die Armierung besteht aus zehn 10,5 Zentimeter Schnellfeuergeschützen von 40 Kaliberlängen, zehn 3,7 Zentimeter Maschinenkanonen und 4 Maschinengewehren. Das Schiff hat 5 Zentimeter – Deckpanzerung und 2 Torpedolancierrohre. Kommandant ist Fregattenkapitän Löhlein. …  In diesem Hafen, der in der Nähe von Mogador gelegen und Südwestmarokko vorgelagert ist, zeigt nunmehr der deutsche Kreuzer die deutsche Flagge.

In der näheren und weiteren Umgebung dieses Hafens sind dank der Bemühungen weitblickender und patriotischer deutscher Marokko – Interessenten  in der Tat in der letzten Zeit erhebliche neue deutsche Interessen geschaffen worden zu den bisher schon vorhandenen. Vor allem hat das unglaublich einseitig nach französischen Wünschen zurecht geschnitzte neue marokkanische Berggesetz, in dessen Verhandlungen die deutschen Vertreter mit geradezu schuldhafter Unkenntnis und mit der vollendeten Fahrlässigkeit und eleganten Gleichgültigkeit des Systems Schoen hineingestiegen waren, dazu gezwungen, zu den vorhandenen Minenkonzessionen auch die Landoberfläche in weitestem Umfang zu erwerben, um jeder schikanösen Verhinderung des Abbaus begegnen zu können. Da das Land außerdem fruchtbar ist, da es Obst und Getreide liefert, da das Wollschaf dort gezüchtet und selbst Baumwolle in jenen Gegenden angebaut werden kann, macht sich ein Landkauf auch schon in sich nutzbar.

So viel wir wissen, hat  das Marokko –  Minen – Syndikat unter der Führung der  Brüder Mannesmann auch immer den Standpunkt vertreten, daß um die Bedürfnisse der deutschen Volkswirtschaft willen an Roheisen und Kupfer die Aussichten Deutschlands in Südwest – Marokko niemals preisgegeben werden dürften, um irgendwelcher privaten Vorteile und Konzessionen willen in anderen Teilen Marokkos – und wären es selbst die eigenen. *Freiburger Zeitung 05.07.1911*

Paris, 4. Juli. Der ehemalige Marineminister Lauessan schreibt im Siècle: Diejenigen Blätter, welche seit einigen Jahren am lebhaftesten zur Besetzung von Marokko durch Frankreich gedrängt haben, tragen heute das größte Erstaunen und die größte Entrüstung über das Vorgehen Deutschlands, nach Agadir zu ziehen, zur Schau. Sie vergessen,  daß wir Franzosen in Casablanca und im Schaujagebiet sitzen wie Leute, die keine Lust haben, fortzugehen. Unsere Diplomaten in unserer Unwissenheit und ihrem Ehrgeiz schickten sich schon an auf das Kapitol zu steigen, als Spanien sich Nordmarokkos bemächtigte. Nun, angesichts des Schauspiels, wie Deutschland die Hand auf den Süden Marokkos legt, stürzt das ganze Kapitol zusammen. Das französische Volk wird die erforderliche Kaltblütigkeit und den Frieden bewahren, welchen die Ignoranz und der Ehrgeiz seiner Diplomaten so schwer gefährdet haben.  *Freiburger Zeitung 05.07.1911*  Bild: Hafen von Agadir 1911

Von 2006


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