Archiv für 18. Juli 2011

500 000 sind eigentlich genug

Oder?

Holocaustopfer kriegen ein U – Boot

Man hat ja immer mal gelesen, wie ärmlich manche Holocaustüberlebenden in Israel darben müssen, also Leute, die in die deutschen  Gaskammern gingen, dann aber doch lebend wieder herauskamen, kein Geld für Medikamente, die Rente ist knapp und es fehlt an allem, vor allem aber am Geld. Um so froher muß darum jeden die Tatsache machen, daß die Bundesregierung einen Kredit von 135 Millionen Euro aufgenommen hat, um den Darbenden Linderung zu verschaffen. Zwar werden die 135 Millionen Euro in einem U – Boot verbaut, das Israel in Deutschland erwirbt, aber gleich nach der Ankunft in Israel, wird jeder der Holocaustüberlebenden die Möglichkeit haben, bewaffnet mit Schneidbrenner und Eisensäge, sich ein Stück Wiedergutmachung aus dem Boot herauszusäbeln, das kann er dann in e-bay verscherbeln, sich in den Vorgarten oder die Vitrine stellen oder klein zerschrotet zum Frühstück, Mittag oder Abendbrot geniessen, ganz wie es ihm beliebt. Auf jeden Fall wird es dadurch Vielen besser gehen, wie der große Helmut Kohl einstmals richtig bemerkte. Und nur Wenigen schlechter. Und mal ehrlich, jetzt für 135 Millionen Euro Medikamente oder Essen zu kaufen, das wäre doch wirklich rausgeschmissenes Geld, wo die doch sowieso alle bald sterben.

Bild: Auch das sechste U – Boot sei Israel gegönnt, immerhin ist Israel ja der Hort der Demokratie im Nahen Osten, heißt es, und daß deutsche Wiedergutmachungsleistungen in Renten, Nahrung oder Medikamenten besser angelegt wären, das kann man nur zynisch nennen, vor allem aber menschenverachtend. 

Gefangen in Schöllstein

Geflüchtet vor Arbeit, also der Anstrengung, im Herkunftsland die eigene Existenz zu bestreiten, beglücken 90 Fremde, die lediglich am deutschen Reichtum teilhaben wollen,  einen Ort mit 71 Einheimischen. Klar, daß dadurch die Möglichkeiten zur Bereicherung der Eingeborenen sehr begrenzt sind. Alle guten Menschen, die sich für Asyl und Zuwanderung einsetzen, sind deshalb hiermit ernsthaft aufgerufen, in Schöllstein zu bauen oder sich niederzulassen, um so den 90 Asylbewerbern neue Möglichkeiten zu eröffnen und daß die eigene Frau oder Tochter dann nicht mehr im Bikini auf der Terasse liegen kann, das sind so kleine Nebensächlichkeiten, die das große solidarische Werk nicht hindern sollten.

Die Rettung der Quadriga

Hier führen fröhliche Bürger und Soldaten die Quadriga heim, die sie dem Freiheitsaktivisten Napoleon entrissen haben, der in Frankreich immer noch als Held und großer Staatsmann verehrt wird, zweifellos eine kulturell unsensible Tat, so würde Deutschland heute nicht mehr handeln, eher würde es fragen: „Die Quadriga? Darf es noch  ein bischen mehr sein?“ Deutschland hat nämlich aus seiner Vergangenheit gelernt. Insbesondere aus der zwischen 1933 und 1945 und daß es davor noch etwas gab, das muß wohl unter den Begriff Geschichtsfälschung fallen.

Jedenfalls, wenn in Deutschland eine Quadriga vergeben wird, wenn auch nur als Preis, dann nur noch an die Würdigsten der Würdigen und nur noch an Staatsmänner, oder auch an Staatsfrauen,  die ernste Prüfungen auf  Herz und Nieren über sich ergehen lassen müssen. Der Preis soll Vorbilder ehren, Menschen, deren Handeln und Denken wertegebunden ist. Schreibt Henry Lohmar von der Märkischen Allgemeinen über die abgesagte Quadriga – Vergabe an Wladimir Putin und fragt gleich nach, welche Werte wohl Putin hat. Und hier liegt der Hase nämlich im Pfeffer. Natürlich hat Putin Werte, nur sind die Werte, die Putins Handeln und Denken bestimmen, nicht die Werte der Deutschen. Das hätte man aber erkennen müssen und festlegen, der Preis soll Vorbilder ehren, Menschen, deren Handeln und Denken an deutsche Werte gebunden ist. Obwohl, das geht ja auch nicht. Deutsche Werte! Welche sollen das sein? Pünktlichkeit, Disziplin, Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit, Fleiß? Seit wir wissen, daß mit diesen Werten auch ein Vernichtungslager betrieben werden kann, haben wir uns davon getrennt und sind froh darüber. Froh auch insbesondere über das, was die Schulen verläßt und mit dieser Schulung nahtlos in die Versorgung durch die Sozialsysteme übergehen kann.

Also, welche Werte? Natürlich geht es um Freiheit, Demokratie und Menschenrechte, gerade die, für die Napoleon bis nach Ägypten losgezogen ist und französische Menschenrechtsaktivisten erst  die angestellten Schweizer Söldner, dann die Königsfamilie, dann die Adeligen zu Zehntausenden, dann die Geistlichen zu Zehntausenden, dann die Königstreuen zu Hunderttausenden und schliesslich die eigenen Schlächter der Ersten Stunde umbrachten. Im Namen von Freiheit, Demokratie und Menschenrechten. Daß Putin da nicht mithalten kann, das ist ein ernstes Versäumnis, das ihm zu Recht vorgeworfen wird. Auch ist der Verleihungsgrund, der einstige KGB-Offizier habe Stabilität geschaffen, geradezu lächerlich. Stabilität ist nämlich nichts, was sich der aufgeklärte Bürger wünscht. Zum Beispiel, wer wünscht sich schon eine stabile Währung, die seine Rente sicher macht? Oder daß Gesetze auch gelten und zwar nicht von 06.00 bis 24.00, um dann von anderen Gesetzen abgelöst zu werden? Eben noch die Zusage, daß die Kernkraftwerke laufen und – hast Du nicht gesehen – da laufen sie schon nicht mehr!

Stabilität ist Kokolores. Also Humbug.  Jedenfalls kommt sie ganz, ganz weit abgeschlagen hinter  Freiheit, Demokratie und Menschenrechten, wie wir aktuell an einigen nordafrikanischen Staaten sehen.   Wo nämlich die Stabilität zerbombt werden muß, um Freiheit, Demokratie und Menschenrechten Bahn zu schaffen. Die werden derzeit durch islamische Extremisten repräsentiert, was wieder einmal beweist, Islam ist durchaus mit Demokratie und Freiheit kompatibel, man muß nur die Augen zukneifen und ganz laut singen. Und für die Menschenrechte, da hat er sogar eine eigene Erklärung. Ist das nicht toll?

Bis aber Freiheit, Demokratie und Menschenrechte herbeigebombt sind, in Afrika, da mangelt es freilich an der Stabilität.  Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hatte in der vergangenen Woche den Rebellen brutales Vorgehen im Westen des Landes vorgeworfen: Plünderung, Brandschatzung und Überfälle auf Krankenhäuser. Schon zu Beginn der bewaffneten Auseinandersetzungen hatten türkische Bauarbeiter der BBC berichtet, sie hätten in Derna miterleben müssen, wie 80 Arbeiter aus dem Tschad von Aufständischen mit Äxten ermordet worden seien, weil diese sie für Söldner hielten. „Es gab rassistische Ausschreitungen. Häuser wurden angezündet, in denen noch Menschen waren und verbrannten“, berichtet auch ein HRW-Sprecher.

Aber Stabilität, das haben wir nun gelernt, ist nichts, was wir schätzen müssen, weil uns ja diese Instabilität nicht betrifft,  und schon gar nicht ein Grund, Putin mit einer Quadriga zu ehren. Der wird es, sind sich alle Kommentatoren sicher, auch schon irgendwie verkraften. Und das macht uns dann doch wieder alle froh. Weil wir nämlich an stabilen Beziehungen zu Rußland interessiert sind. Immerhin versorgt es uns mit Gas und Öl und einen Bürgerkrieg in Rußland, wie er in Nordafrika tobt, den könnten wir uns aus Gründen der Versorgungsstabilität nicht leisten, jedenfalls nicht, bis die Rebellen in Nordafrika eine Versorgungspipeline nach Deutschland legen werden, was sie gleich, nachdem sie   Freiheit, Demokratie und Menschenrechten zum Sieg verholfen haben, aus reiner Herzensgüte und Dankbarkeit tun werden. Ganz sicher.

Bild: Loveparade um die Quadriga. Wie man sieht, auch hier werden die Sicherheitsbestimmungen gröblichst mißachtet. Feiernde führen spitze Gegenstände mit sich, könnten unter Pferdehufe kommen oder von in die Luft geschleuderten Kränzen verletzt werden. Zeit, daß der Bürgermeister deshalb zurücktritt. Jetzt!

Auftakt zum Massenmord


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