Jung geblieben mit 74

 

Frau berufstätig, das Kind krank. Was tun? „… ein anderes Mal ist es so: Michael hat die Röteln, nichts Besorgniserregendes, sagt der Arzt. Leichtes Fieber, ein wenig Ausschlag, eine Kinderkrankheit ohne besondere Gefahr. Doch in den Kindergarten darf Michael nicht. Der Arzt rät der Mutter, der Lehrerin, zu Hause zu bleiben. Und während sie dem kleinen Kranken Geschichten erzählt, wandern die Gedanken zu den Kindern in ihrer Klasse. Die versäumen heute wieder Rechnen, gerade jetzt, da sie mit der Geometrie begonnen haben. Ausgefallener Unterricht, schwächere Leistungen, schlechtere Zensuren. Unruhig guckt sie zur Uhr. Was die Rangen jetzt wohl anstellen? Ob sie Vertretung haben? – So schwankt die junge Frau Berth hin und her zwischen zwei Pflichten, die ihr beide teuer sind. … “ *Neues Deutschland 22.07.1961*

8 Responses to “Jung geblieben mit 74”


  1. 1 Prosemit 22. Juli 2011 um 06:13

    Heute ist der Staat die Oma. Mit einem kleinen Unterschied, kränker, schwächer, hinfälliger und von völliger Demenz befallen, allen voran die unfähige Krankenpflegerin an der Spitze, die sich für den/ie ChefArztIN hält.

  2. 2 netzwerkrecherche 22. Juli 2011 um 06:32

    Es hieß also: Omas in die Produktion! Und dann mußten die Ostomas im Westfernsehen die frischfrohen Westomas sehen, deren Leben mit 66 Jahren erst anfing. Ein Jammer das!

  3. 3 Karl Eduard 22. Juli 2011 um 06:43

    @netzwerkrecherche

    Natürlich wird heute daselbe propagiert, Leihomas usw.

    Und wie unschwer erkennbar ist, handelt es sich um Freiwilligkeit. Daß die Oma ins Heim abgeschoben wurde, bei Vorhandensein von Kindern und Enkeln, ist wiederum dem sozialen Wohnungsbau der DDR geschuldet, da war manche Oma froh, aus ihrer alten Bude mit Plumsklo rauszukommen, während die Kinder und Enkel glücklich waren, überhaupt eine annehmbare Wohnung zu haben. Und es ist ja auch immer so, nicht jede Schwiegertochter kommt mit ihrer Schwiegermutter aus.

  4. 4 netzwerkrecherche 22. Juli 2011 um 06:58

    Natürlich wird heute daselbe propagiert

    Es sagt auch niemand, daß mit der Wende inhaltlich etwas anders geworden wäre, nur, daß der flotte Werbespruch mit dem Lebensanfang mit 66 auf heute 69 Jahre ausgelegt sein dürfte, wobei es bei der heutigen Rente auch nicht mehr so ein fettes Rentnerdasein wie vor 20 Jahren sein kann.

    Immerhin zahlen die Kartoffeldeutschen nun auch dafür, daß griechische Staatsbeamte mit 55 in Rente gehen konnten / können. Um dafür zu maluchen zu dürfen, verzichten sie gern auch auf eigenen Nachwuchs.

  5. 5 tintagel 22. Juli 2011 um 07:14

    Ich bin äusserst dankbar für diesen erhellenden Artikel, denn hiermit erschliesst sich mir natürlich auch die Bedeutung des enormen Wildwuchses an zukünftigen Omas bei den heutigen Pensionssicherungsanwärtern.

    Es wird Omas und Opas in Hülle und Fülle geben, Schwestern, Onkel, Brüder, Cousinen und Cousins, Tanten, Urstrumpfomas und Schwippschwager.

    Wenn Mama Fatma unterrichten gehen muss und Papa Achmed gerade im Labor wegen seines neuen Forschungsprojekts unabkömmlich ist, dann übernimmt doch gerne Oma Hülya die Pflege von Klein Mohammel, der an den Masern laboriert. Wie es der Zufall will, ist Hülya nach 50 anstrengenden Arbeitsjahren in den wohlverdienten Ruhestand getreten und kann den siechen Enkel aufopfernd bis zur Genesung pflegen.

    Damit das kleine Prinzchen zwischenzeitig den Anschluss nicht verliert, erkundigt sie sich täglich in der Schule nach dem durchgenommenen Stoff und den Hausaufgaben. Neben Geschichtenvorlesen, Bekochen, Beten und Spielen vermittelt sie ihm wie nebenbei das neue Wissen.

    Und klein Mohi kommt nach drei Wochen entmasert und entspannt zurück in die Klasse, ohne etwas nacharbeiten zu müssen, sein Vorzugsnotendurchschnitt ist gerettet.

  6. 6 Blond 22. Juli 2011 um 07:43

    Wenn Mama Fatma unterrichten gehen muss und Papa Achmed gerade im Labor wegen seines neuen Forschungsprojekts unabkömmlich ist, dann übernimmt doch gerne Oma Hülya die Pflege von Klein Mohammel … Hülya nach 50 anstrengenden Arbeitsjahren in den wohlverdienten Ruhestand getreten … Damit das kleine Prinzchen zwischenzeitig den Anschluss nicht verliert … Neben Geschichtenvorlesen, Bekochen, Beten und Spielen vermittelt sie ihm wie nebenbei das neue Wissen … ohne etwas nacharbeiten zu müssen, sein Vorzugsnotendurchschnitt ist gerettet.

    ymmd
    😀 😀 😀

  7. 7 Waffenstudent 22. Juli 2011 um 08:32

    Ein jeder kehre vor seiner eigen Tür:

    Meine Erstschwiegertochter, verbeamtete Studienrätin im Mutterschutz und Ehefrau eines verbeamteten Studienrates braucht ständig stundenweise insgesamt 5 Personen um im gemieteten Haus ihr Kleinkind zu „stiefeln“

    Meine Zweitschwiegertochter Sekretärin im Mutterschutz und Ehefrau eines Topverdieners braucht ganztägig ihre Mutter oder Schwiegermutter plus weitere Hilfskräfte um im eigenen Innenstadthaus einen Säugling zu „stiefeln“

    Klar, daß meine 88-jährige Mutter das nicht glauben will, wenn man ihr das erzählt. Damals, als sie ihre Kinder bekam, da gab keine Wasch- und Spülmaschinen, keine Wäschetrockner und Staubsauger. Auch ein elektrischer Herd war nicht vorhanden. Dafür hungrige Mäuler, Vieh, einen Garten und kein Geld. Ach ja, da gab es noch eine ganz freiwillige Gesinnungspolizei, welche ständig bei uns herumschnüffelte, und die meine Mutter und Oma bei den Franzmännern anzeigte, weil diese bei der Arbeit so gerne “ Alten Ihre Lieder“ aus der BDM-Zeit sangen.

  8. 8 Karl Eduard 22. Juli 2011 um 09:00

    Erstaunlich, wie die Mütter das damals hinbekommen haben. Bei der Schwester des Autors und dem Autoren selbst half die Mutter des Vaters oder auch mal die Nachbarin. Seither weiß er, daß Angina zu haben, nur Vorteile bringt, denn da gibt es leckere Puddingsuppe von der Nachbarin.


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