Archiv für 28. Juli 2011

Wir sind alle Norweger

Vorhin, als der Autor im Lidl war, der seinen Azubis jeden Tag neue und abwechslungsreiche Abenteuer verspricht, hat er einen Blick auf BILD geworfen. Das Titelblatt war voller junger Menschen und gleich hat er gedacht, haben sich da wieder welche bei der Loveparade gegenseitig totgetreten und nun muß der Bürgermeister gehen? Nein, es waren alles Norweger, obwohl viele gar nicht so aussahen aber Bild zeigte die Todesopfer und wir trauern mit ihnen. Schreibt BILD. Seit dem Tag sind wir alle Norweger.  Wie sich das aber damit verträgt, daß wir seit 9/11 alle Amerikaner sind, das weiß er auch nicht.

Nachruf

Am 26.07.2011 ist der Vater des Autors gestorben. Im Alter von 82 Jahren. Er hatte kein leichtes Leben, wie auch sein Tod nicht leicht war. Seit längerem war er bettlägerig und in den zwei Wochen vor seinem Tode jammerte und stöhnte er herzzerreißend, bis der Arzt mit der nächsten Morphiumspritze kam. Seine Patientenverfügung war eindeutig und seine Ehefrau und Kinder hielten sich daran und ohne die Schwestern der Sozialstation hätten sie es nicht geschafft. Sterben ist keine lustige oder leichte Sache. Jedenfalls nicht für den, der stirbt. Als die Angehörigen wieder nach dem Vater schauten, der Tod war von einer Pflegeschwester angekündigt worden, da war er bereits nicht mehr da. Nur noch der Körper. Der verwesliche Leib, wie die Kirche sagt. Ob er gelitten hat, in den zwei letzten Tagen, in denen er ruhig schlief und atmete, wer weiß das schon? Auch weiß niemand, was er im Moment des Todes dachte oder fühlte.

Der Vater hatte eigentlich alles getan, was ein Mann tun soll. Er hat mehrere Bäume gepflanzt, mit seiner Ehefrau ein Haus gebaut und einen Sohn hat er auch gezeugt, nach einer über alles geliebten Tochter.

Geboren wurde er in Postiz 1929, in einem Haushalt, man würde heute sagen, daß er zu den Ärmsten der Armen gehörte, keinen Flachbildfernseher, keinen I – Pod, aber die gab es damals ja nicht. Im Winter, erzählte er oft, wachte er manchmal im Bett morgens auf und die ganzen Zimmerwände waren bereift, also mit Eis überzogen. Geheizt wurde mit Holz, das vorher gesammelt wurde, auf einen Holzschein, zu beantragen beim Förster.

Viel erzählt hat er nicht aus seiner Kinderzeit. Außer, daß sie sich mal mit Luftgewehren gegenseitig beschossen, wegen der Sicherheit trug man dabei Stahlhelme aus dem Ersten Weltkrieg, es hat aber keiner sein Augenlicht verloren. Und daß Weihnachten ein besonderes Fest war, es gab Äpfel und Nüsse, wir überlassen heute so etwas den Vögeln. Der Weihnachtsbaum aber war immer das Schönste, auch in den Jahren, als er längst ein erwachsener Mann war und eigene Kinder hatte.

Mit 16 Jahren wanderte er mit seiner Einheit vom Reichsarbeitsdienst durchs Gelände, um den anrückenden Feind aufzuhalten, zum Glück kam dann die Kapitulation und der Hauptmann, der die Truppe führte, ließ die Einheimischen nach Hause gehen. Die Gefahr war auch nun nicht mehr bei den Russen, sondern jeder Tscheche entdeckte jetzt seine widerständlerische Seite, erklärte sich zum Partisanen und überfiel einzelne Deutsche, ob Wehrmachtsangehörige oder nicht, das war egal.

Die Eltern des Vaters hatten Glück, sie bekamen sowjetische Einquartierung, der Haushalt galt als sozialdemokratisch und der Leutnant sorgte dafür, daß Übergriffe unterblieben. Der Vater berichtete oft von einem Sowjetsoldaten, der furchtbar im Hof des Anwesens zusammengeschlagen wurde, weil er gestohlen hatte. Glück hatte die Familie auch, daß sie nicht gleich vertrieben wurde, sie wurden zur Arbeit herangezogen, auf dem Bau, sie bekam aber mit, was mit den Deutschen in Aussig passierte und der Vater seufzte später, „solche hübschen jungen Mädchen, alle zuschanden gemacht.“ Es wurden damals auch willkürliche Razzien unter den Deutschen veranstaltet. Von den Tschechen. Es wurde jeder gegriffen, der aussah als könne er arbeiten, auf LKW verladen und irgendwohin gebracht. Als der Vater von einem LKW sprang, da pfiffen ihm die Kugeln um die Ohren, so sehr wurde seine Arbeitskraft damals geschätzt.

Wenige Jahre später war es dann vorüber mit der Duldung. Die letzten Deutschen mußten ihre Heimat verlassen. Auf Elbkähne durfte wenig Gepäck verladen werden und das war sehr viel mehr als die mitnehmen konnten, die der ersten Säuberungswelle zum Opfer fielen. In einer Kleinstadt kam die Familie unter, der Wohnraum war elend und die Tagesfragen drehten sich nicht um Klimawandel oder CO2 – Ausstoß, sondern darum, wo bekommt man etwas zu Essen und zum Heizen her. Kann man Zuckerrübenschnitzel essen? Offenbar. Und auch erfrorene Kartoffeln schmecken, wenn nichts anderes da ist und wenn auch der eiserne Ofen qualmt, daß die Augen tränen, vom grünen Holz, Hauptsache, die Stube wird warm. Kohlen hat der Vater auch geklaut, war aber nicht sehr erfolgreich damit, denn die Züge waren gut bewacht. Unmöglich, sich heute so etwas vorzustellen, man bekommt als Wochenration ein Brot. Eine Scheibe Brot für jede Mahlzeit, wer sich nicht zügeln kann, der hungert den Rest der Woche,  bis es wieder neues Brot gibt.

Seine einzigen stabilen Schuhe zerriss sich der Vater beim Weidenschneiden, aus den Weidenzweigen wurden Körbe geflochten, schneidet man Weidenzweige aber ab, so hat man ziemlich gefährliche scharfe Stummel, die sich auch durch das beste Leder bohren. Bald schon lernte der Vater seine spätere Ehefrau kennen, die kam von einem Bauernhof, der sich nicht einmal Pferd oder Kuh leisten konnte aber Hunger mußte da niemand leiden und so reichte es immer zu einigen lecker belegten Broten.

Weidenschneiden war nun keine Option mehr, eine ARGE gab es auch nicht, auch keine Tafeln, also mußte gearbeitet werden. Denn wer nicht arbeitete, der hatte auch nichts zu Essen. Nicht einmal das Anzünden von Mülltonnen oder Geschäften hätte geholfen satt zu werden. Der Vater fing also beim Roten Kreuz an, in der Verwaltung. Eine seiner Schnurren war diese:  Ein Mitarbeiter, dem man im Krieg die Zähne herausgeschossen hatte, trug nun Dritte. Er war für die Arbeit am Schalter zuständig. Der Vormittag war lang, der Magen knurrte, gerade keine Kundschaft, also war Zeit zu essen. Der hungrige Mann hatte gerade seinen ersten Bissen getan, da tauchte der nächste Antragsteller auf, wutentbrannt riß der Angestellte sich die Zähne aus dem Mund, schob das angebissene Brot dazwischen und rief: „Dann friß gefälligst alleine weiter!“

Nebenbei fuhr der Vater für die URANIA durchs Land, um die rückständigen Bauern über die hervorragenden Fortschritte der sowjetischen Genossen auf allen Gebieten der Wissenschaft und Technik zu unterrichten, wie er in die Orte kam, war ihm überlassen, eines Nachts stürzte er schwer mit einem Moped, ab da ließ seine Leidenschaft, nachts über die Dörfer zu eilen, um das Licht des Wissens zu verbreiten, erheblich nach.

Die Wohnungssituation hatte sich bisher nicht verbessert und seine spätere Ehefrau, die keinen Hausstand im eigenen Elternhause gründen wollte, setzte knallhart die Bedingung, daß erst geheiratet wird, wenn eine eigene Wohnung da ist. Glücklicherweise fügte es sich so, daß die Arbeiterwohnungsgenossenschaft (AWG) den Bau mehrerer Mehrfamilienhäuser plante, dort konnte jeder einsteigen, der bereit war, am Bau Hand anzulegen. So entlud das junge Paar Baustoffe am Güterbahnhof , führte allerlei Hilfsarbeiten durch und sorgte im Winter für Wärme auf der Baustelle, neben seiner regulären Arbeit in Fabrik und DRK.

Dann wurde die Tochter geboren und das Leben war schön, das Einkommen hätte aber besser sein können, also beschloss der Vater zu studieren, Lehrer wollte er werden und das bei seinen schrecklichen Erlebnissen in der Schule, wo der Lehrer drohte, die Mandelzäpfchen der Schüler mit dem Säbel abzuschneiden, wenn jetzt nicht ordentlich gesprochen würde. Irgendwann trat er auch in die Partei ein, der Sohn hat ihn nie gefragt warum, aber man wird es ihm angetragen haben. Und warum sollte er nicht? Immerhin war sie ja die führende Kraft, sagte die Partei, die die Arbeiterklasse auf fette Weiden führen würde und sie war für „Nie wieder Krieg“ und das war der Vater auch.

Das Geld schaffte jetzt die Ehefrau heran, während der Vater in der Ferne studierte. Sie arbeitete in einer Fabrik im Schichtsystem, zum Glück half die Schwiegermutter manchmal aus, wenn die Tochter alleine war und dann waren da ja noch die Nachbarinnen, die sich bereitwillig um die Kinder kümmerten, wenn Not an der Frau war.

Während des Studiums erblickte der Autor das Licht der Welt, wenige Monate vorm Bau des Antifaschistischen Schutzwalls, und er schämt sich noch heute, daß er nur laut geschrien hat, aus Protest dagegen,  und der legte sich dann schnell, wenn es Milch gab. So bestechlich ist der Mensch.

Der Vater, der sich nun stolz Lehrer nennen durfte, erhielt eine Anstellung in einer der Polytechnischen Oberschulen, brachte es dann über den Stellvertretenden bis hin zum Direktor und das Leben hätte seine gewohnten Bahnen ziehen können, zwischen Arbeit, Partei und Familie, wäre da nicht die Wende gewesen, die der Vater zum Glück schon als Pensionär erlebte, die Arbeit hatte ihn krank gemacht. Damit war er  dann wirklich vom Glück begünstig. Das bescherte ihm nebenbei auch drei liebe Enkel und verjüngte ihn quasi noch einmal aber so etwas hält ja nicht ewig.

Glücklich schätzen konnte sich der Vater insofern, als er nun nicht als Beschuldigter erleben mußte, wie die Lehrer in den Schulen sich gegenseitig der Spitzelei bezichtigten. „Warum hat der einen Ferienplatz bekommen, damals und ich  nicht?“ „Warum ist der befördert worden und ich nicht?“ Der Autor schämt sich noch heute für seine Lehrer. Alle die Faulen und Dummen suchten plötzlich die Erklärung für ihr Versagen in den Akten der Gauck – Behörde.

Da jetzt der Kapitalismus einzog, mit all seiner überbordenden Kriminalität, rüstete der Vater auf und legte sich mehrere Gaspistolen zu, eine für jede Hand und einige als Ersatz. Und verstärkte die Fenster im Keller mit Gittern. Seine Freizeit verbrachte er mit dem Sammeln von Holz im Wald und dem Schreiben von Leserbriefen, in denen er die neue Gesellschaft kritisierte. Oder den Bürgermeister, was auf dasselbe hinauslief. Daneben bot der Garten noch allerlei zu tun, auch das Haus, und die Nachbarn waren immer für einen Streit gut. Hauptlektüre blieb das Neue Deutschland und die Memoiren verbitterter DDR-Prominenz. Als ihm sein Schwiegersohn ermöglichte, seinen Geburtsort zu sehen, aus dem er damals vertrieben wurde, ging ein sehr lange gehegter Wunsch in Erfüllung. Im Haus seiner Eltern lebten nun fremde Menschen, der Vater akzeptierte das, es war eben so.

Mit der Gesundheit ging es  immer mehr bergab. Erst ein Lasern gegen den Star, eine Operation an der Prostata inklusive Feststellung von Krebs, der aber nur mit Medikamenten behandelt werden sollte, so des Vaters Wille, das Leben ist grausam und schrecklich gemein aber was will man da tun? Gar nichts kann man  tun. Einmal war es  schon fast so weit, der Tod saß auf dem Rand des Krankenhausbettes und schwang seine Sense, aber die Ärztin meinte, es fehle nur Blut, also wurde die Patientenverfügung mißachtet, zum Wohle der Familie. So lebte der Vater  noch zwei Jahre. Die Kräfte verfielen. Erst das Laufen mit einer Krücke, dann mit zweien, schliesslich war das Gehen gar nicht mehr möglich. Nur noch Liegen, Lesen, Fernsehen, Radio hören und mit den Schwestern flirten. Flirten, das war es, was noch klappte. Wenn man dann aber in die Phase eintritt, in der der Mann gewindelt werden muß, dann ist auch das Flirten vorüber. Wer flirtet schon, wenn er in Windeln liegt und das Zimmer nach seinem Kot riecht?

Und nun ist er tot. Hinterlassen hat er eine Ehefrau, die es mit ihm nicht leicht hatte, zwei Kinder, drei Enkel, die am Telefon Rotz und Wasser heulten, Kollegen und jede Menge Schüler, von denen die meisten sich gerne an ihn erinnern. Und mehr kann man sich ja wohl als Verstorbener nicht wünschen. Oder?

Schnell reagiert

Der Club der Osloer Revolverhelden hat nach dem Attentat in Norwegen zügig reagiert und ihrem Mitglied Anders Behring Breivik die Mitgliedschaft entzogen. „Künftig“, so ein Sprecher des Clubs, in dem das Schießen auf wehrlose Scheiben geübt wird, „muß sich Anders Behring Breivik einen anderen Club suchen, um sich für die Ermordung anderer Leute fit zu machen“, außerdem würde seine Tat nicht der Clubsatzung entsprechen. Man empfehle dem ehemaligen Mitglied die Ausbildungslager von Hamas oder Al Kaida, die hätten einen ziemlich guten Ruf und der Besuch wäre, so deutsche Rechtssprechung, noch nicht einmal strafbar. Wie es mit der norwegischen aussähe, könne man im Moment nicht sagen, die Wahrscheinlichkeit wäre aber hoch, daß die Rechtslage ähnlich sei.

Der Club der Osloer Pistoleros warnte indes vor einem Generalverdacht gegen Pistolenschützen oder Clubangehörige. Viele Bodyguards, gab man zu bedenken, wären mit Faustfeuerwaffen ausgestattet, wenn die Regierung nicht einmal ihren Leibwächtern vertraue, dann sei die Lage wirklich hoffnungslos.  Andererseits könne man sich auch eine Ausstattung mit Panzerfäusten vorstellen,  Amokläufe mit Panzerfäusten wären in der Vergangenheit nur sehr selten vorgekommen, das wäre eine echte Alternative.

Pistoleros – ein unkalkulierbares Risiko

Auch Pakistan fordert Geld

Nicht nur Griechenland, Portugal oder Spanien wollen unser Geld, nein, auch Pakistan meldet wieder Bedarf an, seit Pakistan gelernt hat, daß der immer wiederkehrende Monsunregen Wasser vom Himmel und Geld aus dem Ausland bringt, ist es höchste Zeit, die nächste Hilfsaktion vorzubereiten. Pakistan besitzt zwar die Atombombe, was Deutschland nicht tut, seine Regierung hat aber kein Interesse, sich um die einheimische Bevölkerung zu sorgen, worin sie wieder der deutschen Bundesregierung gleicht. So werden die, die schon vom letzten Monsun weggeschwemmt wurden und immer noch darauf warten, daß jemand kommt, um an selber Stelle das Häuschen wiederaufzubauen, erneut betroffen werden, wir alle freuen uns bereits auf die Berichterstattung über jammernde und klagende Menschen, deren Hab und Gut abgesoffen ist, wie vor einem Jahr, dem Jahr davor und dem Jahr vor dem Jahr davor. Dann werden wir unsere Geldbeutel zücken und hineinsehen und feststellen, daß in ihnen dieselbe Ebbe herrscht, wie in der Staatskasse, das wird uns aber nicht abhalten zu spenden, immerhin haben die pakistanischen Menschen so viel für Deutschland getan, dem Autor fällt jetzt gerade nicht ein, was sie getan haben, aber was sie getan haben, das sollte uns zu höchster Spendenbereitschaft animieren.

Inzwischen gilt es aber, den verhungernden somalischen Piraten und Gotteskriegern Hilfe angedeihen zu lassen. Die Bundesregierung  wird dazu Flugzeuge bereitstellen und eine Großstadt, die muß zuvor natürlich von den Einheimischen geräumt werden, ausgelost wird sie unter Ausschluß des Rechtsweges, die Auslosung wird von der ARD ausgestrahlt, mit einer hohen Quote wird gerechnet, die Werbeeinnahmen der Sendung fliessen ganz unseren griechischen Freunden zu, das haben sie sich verdient.

Das löst Afrikas Probleme

Afrika leidet an mangelnder Intelligenz mit all den daraus resultierenden Problemen, nun istallieren umtriebige Entwicklungshelfer  tickende Zeitbomben mitten in die Dörfer, hoffen sie so, das Bevölkerungsproblem zu lösen?  Natürlich, mit den Händen im Kuhdung herumzurühren, das mag Europäern etwas unhygienisch vorkommen, aber schon Oma sagte, daß Dreck den Magen reinigt. Wenn auch die fröhlichen Neger, die hier primitive Biogasanlagen betreiben, in der Mittagshitze mit Biogas kochen können und nicht mehr Holz sammeln brauchen, sondern nur Kuhdung, fehlt es dann doch immer noch am Essen. Aber das ist eine andere Geschichte.


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