Wir erleben zur Zeit ein neues Ungarn

Das Kräfteverhältnis und die Spekulation über die CSSR. Die Feinde des Sozialismus in Bonn und anderswo sind vor Begeisterung aus dem Häuschen. Sie sehen die sozialistische Ordnung in der CSSR erschüttert und knüpfen an ihre Intervention weitreichende Hoffnungen. … Nach diesem Rundblick können wir mit Sicherheit sagen: … „Wir werden niemals zulassen, daß der Imperialismus auf friedlichem oder unfriedlichem Wege, von innen oder von außen eine Bresche in das sozialistische System schlägt und das Kräfteverhältnis in Europa zu seinen Gunsten verändert.

Vatikan zieht Parallele zu Ungarn. Vatikanstadt (ADN) Enge Parallelen zwischen der offenen Konterrevolution 1956 in Ungarn und der schleichenden Konterrevolution zum gegenwärtigen Zeitpunkt in der CSSR hat der stellvertretende Direktor des Vatikan – Organs „lÓsservatore Romano“, Federico Alessandrini gezogen. Alessandrini erklärte in dem Blatt „lÓsservatore della Domenica“, einem anderen Vatikan – Organ: „Wir erleben zur Zeit ein neues Ungarn, auch wenn die äußere Erscheinungsform anders ist.“

Preiserhöhungen in der CSSR Prag (ADN-Korr.). Wie „Rudé Právo“ am Donnerstag meldet, sind seit dem 1. August in der CSSR Veränderungen bei den Kleinhandelspreisen eingetreten. Die Veränderungen umfassen Preiserhöhungen im Umfang von jährlich 484,7 Millionen Kronen. Der größte Teil davon betrifft Lebensmittel in Höhe von 300 Millionen Kronen. In geringerem Maße sind Industriewaren mit ungefähr 136  Millionen Kronen und in geringem Umfang Kleidung betroffen. Die Preissenkung für einige Warengruppen dagegen beträgt jährlich 54,7 Millionen Kronen.

Bei Lebensmitteln werden Fische und Fischprodukte, Honig und Produkte aus Obst und Gemüse teurer. Bei Industriewaren werden die Preise von ungefähr 5500 Positionen geändert. Teurer werden Fotochemikalien, einige Arten Geschirr, Beleuchtungskörper und einige Lederwaren. Billiger sind einige Kosmetika aus der DDR und aus Polen, Staubsauger, Plastgeschirr usw. Beim Kleidungssortiment sind Knirpse, Mäntel und Regenmäntel aus Plast im Preis heruntergesetzt. *NEUES DEUTSCHLAND 2. August 1968*

Bild: Sozialistische Arbeiter trotzen dem Klassenfeind. Obwohl die Staatliche Plankommission für dieses Jahr keine Schäden an Erntemaschinen und Mähdreschern eingeplant hatte, zeigen die Angriffe der Feinde des Sozialismus dennoch Folgen. In Stolzenhagen wurden an diesem Abend zwei Mähdrescher instand gesetzt, die daraufhin mit donnernden Motoren wieder an der Ernteschlacht teilnehmen konnten.

Erschütternd. Kaum weichen die Genossen der KPC von der sowjetischen Linie ab, da werden die Arbeiter in Hunger und Elend gestürzt. Preiserhöhungen, die nicht einmal mit den Sommerferien oder anhaltend schönem Wetter begründet werden können. So etwas wollen wir in der Deutschen Demokratischen Republik auf keinen Fall. Hier sind es einmal nicht die furchtbaren Mineralölkonzerne, die die Gewinne des Staates an der Mineralölsteuer nach oben treiben wollen, sondern kluge Marxisten, die die sozialistische Ökonomie mit Löffeln gefressen haben. Wenigstens ist die Florenacreme nun billiger.

3 Responses to “Wir erleben zur Zeit ein neues Ungarn”


  1. 1 Prosemit 2. August 2011 um 07:22

    In Stolzenhagen wurden an diesem Abend zwei Mähdrescher instand gesetzt, die daraufhin mit donnernden Motoren wieder an der Ernteschlacht teilnehmen konnten.

    Der Begriff der Ernteschlacht war passend. Überall konnte man die Invaliden Maschinen, Opfer dieser Schlacht, bewundern.

  2. 2 Prosemit 2. August 2011 um 07:30

    Aus „Genosse Don Camillo“ des unsterblichen Guareschi :

    Schließlich langte man am Ende des Fließbandes an, und man konnte die versandbereiten Traktoren sehen. Allda blieb Don Camillo wie vom Blitz getroffen stehen und rief Peppone zu, nachdem er mit verzückten Augen ein funkelnagelneues Stück bewundert hatte:

    »Genosse Senator, das ist ja der gleiche Traktor wie die wundervolle Maschine, die von der Sowjetunion der von dir geschaffenen landwirtschaftlichen Genossenschaft geschenkt worden ist!«

    Peppone hätte Don Camillo gerne gevierteilt, der ihn durch die Blume an den verfluchten Traktor erinnerte, der um keinen Preis gehen wollte und das Gelächter der gesamten Provinz hervorgerufen hatte. Aber was ihn am meisten giftete, war der Umstand, daß er lächeln und mit Begeisterung von dem famosen Traktor sprechen mußte, als handelte es sich um einen lieben Bekannten.

    Doch der Mechaniker, der in ihm döste, ließ seine Stimme hören, und während die andern den Rundgang fortsetzten, nahm er einen der Techniker, die den Besuchern beigesellt waren, beim Ärmel, zeigte ihm einen bestimmten Teil der Benzinpumpe und versuchte ihm mit seinen Fingern zu erklären, daß das Ding aus diesem oder jenem Grunde nicht funktionieren konnte.

    Der Techniker starrte ihn interessiert an; dann hob er die Schultern. Zum Glück kam die Genossin Petrowna dazu, der der Techniker kurz berichtete.

    »Er sagt«, erklärte die Petrowna dem Peppone, »daß er dich verstanden hat. Man wartet, bis die Erlaubnis kommt, das Stück zu ändern.«

    Der Techniker sagte kichernd etwas anderes zu der Genossin; sie runzelte die Stirne und blieb einen Augenblick in Gedanken verloren. Dann entschloß sie sich und teilte Peppone halblaut mit, ohne ihm ins Gesicht zu blicken: »Er sagt, die Erlaubnis müsse von einem Jahr zum andern eintreffen.«

  3. 3 netzwerkrecherche 2. August 2011 um 08:59

    Die Konterrevolution hat in Ungarn jüngst wieder zugeschlagen, in den bundesdeutschen Medien (vor allem DRadio-Kultur) kann man derzeit eine Klage nach der anderen hören, daß die ungarischen Medien jetzt auf regierungstreu getrimmt werden, Journalisten Selbstzensur üben müßten und oppositionelle Zeitungen mit Boykott staatlicher Anzeigen rechnen dürfen. Hört, hört!

    Wie gut geht es da in der BRD, dort ist alles so wunderdemokratisch und frei!


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