Hoffnung auf ein Happy – End

Bundeskanzlerin Angela Merkel, die mit Besorgnis auf den derzeit laufenden Prozess in der Ukaraine gegen die ehemalige Regierungschefin Timoschenko geblickt hatte, reagierte erleichtert auf die Intervention Moskaus. Timoschenko ist in der Ukraine wegen Amtsmissbrauchs angeklagt. Ihr wird unter anderem vorgeworfen, in ihrer Amtszeit als Ministerpräsidentin den aktuell geltenden Gasvertrag mit Russland zu Ungunsten ihres Landes ausgehandelt und damit der Ukraine einen beträchtlichen Schaden zugefügt zu haben. Frau Merkel erklärte vor ihrem versammelten Hofstaat: „Wenn Ukrainer so mit ihren Regierungsoberhäuptern verfahren, die der Ukraine beträchtlichen Schaden zugefügt haben, dann heißt das nicht, Deutschland müsse das jetzt auch tun.“ Außerdem wäre sie ja noch nicht Ex. Es erleichtere sie aber ungemein, daß sich bereits etliche russische Firmen gemeldet hätten, die nach ihrem Ausscheiden aus dem Regierungsamt Wert auf ihre kompetente Mitarbeit als Gallionsfigur legen würden. „Es muß ja nicht immer Gazprom sein.“ Fügte sie hinzu. Der Autor ist auch ganz froh, denn was heißt schon Schaden? Gut, die Bundeskanzlerin hat Milliarden und Milliarden € Geld verschleudert, das ihr niemals gehörte,  und die staatliche Souveränität nach Brüssel abgegeben, sie hat die Kinder mit ihrer Klimalügnerei geistig vergiftet, aber das ist doch noch lange kein Grund, ihr rechtsstaatlich den Prozess zu machen. Wir sind schließlich keine Ägypter, Ungarn oder Ukrainer. Wir sind zivilisiert!

9 Responses to “Hoffnung auf ein Happy – End”


  1. 1 Prosemit 7. August 2011 um 06:28

    OT zu Merkel, aber OnTopic zu einem häufigen Thema dieser Runde.

    Erster Weltkrieg. Lesenswert die Reiseberichte von Bierbaum.

    1903 Eine empfindsame Reise im Automobil (Reisebericht)

    Sein 1903 erschienenes Reisebuch Eine empfindsame Reise im Automobil schildert eine Fahrt, die das Ehepaar Bierbaum 1902 mit einem Cabrio der Marke Adler von Deutschland über Prag und Wien nach Italien (und auf der Rückreise via die Schweiz) unternahm. Es gilt als erstes Autoreisebuch der deutschen Literatur. Bei der erwähnten Fahrt überquerte Bierbaum als erster den Gotthardpass mit einem Auto.

    1909 Yankeedoodlefahrt (Reisebericht)

    Aus dem zweiten Bericht einer Schiffsreise, Gedanken, die 1908 dem Schriftsteller kamen :

    Man verzeihe mir die längeren Zitate :

    Doch ich habe mehr erzählt, als ich in diesem Zusammenhange beabsichtigte. Ich wollte auf ein Wort hinaus, das ich an diesem Tage immer wieder hörte: »Der Erbfeind ist geschlagen.« Mein Vater, der es gerne gesehen hätte, daß ich die Bedeutung dieses Siegeseinzugs (1870er Krieg – Prosemit) erfaßte, versuchte, mir das Wort klarzumachen, indem er etwa so zu mir sprach: »Das deutsche Volk hat immer nur einen Feind gehabt: das französische. Das haben wir nun besiegt. Es muß Ruhe halten. Nun können wir ganz ruhig sein; niemand wird uns mehr angreifen. Die Franzosen können nicht mehr, und alle anderen Völker sind unsere guten Freunde.«

    Zugegeben, daß mein Vater kein großer Politikus war. Er war wohl zu gutmütig dazu. Aber es gab solcher guten Leute viele, und ich hörte, solange ich Kind war, immer dieselbe Meinung. Auch später, als ich selber Zeitungen las, vernahm ich das gleiche. Und so wurde auch in mir die Meinung fest: für Deutschland könne es nur einen Krieg geben: mit Frankreich. Als ich dann, zu meinem großen Mißvergnügen, im Hofe der Pleißenburg zu Leipzig ein Jahr lang zum Krieger dressiert wurde, sagte mein Feldwebel, wollte er mich zu exakteren Wendungen, schöneren »Griffen«, hinreißenderem Stechschritt anfeuern: »Dadrrmit wärn Se Buhlangern nich imbonieren!« Es war die Zeit, wo General Boulangers Name als Wetterwolke figurierte. Aber auch nach dessen Tode, der viel mehr nach Liebe als nach Rache Durst gelitten hatte, blieb die Meinung bestehen, daß für Deutschland nur ein Krieg mit Frankreich in Betracht käme. Wir überdies, die Generation, die den Krieg mit Frankreich als Kinder erlebt hatte, wuchsen immer mehr in die Zuversicht hinein, daß überhaupt an keinen Krieg zu denken sei. Wir sind, je älter wir wurden, immer friedenszuversichtlicher geworden, da uns Zeichen genug dafür aus Frankreich gekommen sind, daß die dort heraufsteigende Generation Wichtigeres ins Auge faßt als das Loch in den Vogesen. Wenn aber, so fragten wir uns, die Franzosen nicht mehr mit uns anbinden wollen: wem sonst sollte das einfallen?

    Ich war daher nicht wenig erstaunt, als ich vor ein paar Jahren zum erstenmal in einer Zeitung dem Gedanken begegnete: England sei der Feind

    Aber siehe: die Mondkälber traten herdenweise auf. Und, wie bei uns, so bei den Briten. Ich hätte das immer noch nicht ernst genommen (weil meine Bewunderung für die anonymen Lenker der Weltgeschichte in den Zeitungen reichlich mit Skepsis untermengt ist), wenn ich nicht eines Tages von der erlauchten Stiefelsohle des vortrefflichen Poeten Rudyard Kipling einen Tritt gegen die Magengegend erhalten hätte. Die Grobheit, mit der der Verfasser des Dschungelbuchs uns »Teutonen« als Barbaren und Schlimmeres anbrüllte, gab mir zu denken. Wenn es in einem englischen Gehirne, dem für Phantasien der üppigsten Art ganz Indien zu Gebote steht, so daß es also gewiß nicht an Stoffmangel leidet, so aussieht, muß wirklich etwas los sein, das besser fest wäre, und sei es nur eine Zerebralschraube, kalkulierte ich. Die politischen Redakteure der großen Tageszeitungen mögen das Gras wachsen hören: aber das ist ein Vorgang, dessen Phonetik so schwach ist, daß auch die sensibelste Akustik in einem Redakteurgehirn sich täuschen kann. Die Gedanken eines rassigen Poeten aber sind sozusagen das Gras selber. Schießt das in so bedenkliche Halme, dann muß man wohl acht geben.

    Ich tat’s, und es dauerte nicht lange, so war auch ich in das große Netz von Fühlfäden eingesponnen, die jetzt zwischen Deutschland und Großbritannien, mit recht fataler Elektrizität geladen, hin und her gehen. Wird Kurzschluß eintreten? Oder werden Onkel und Neffe, die allem Anschein nach eine Weile auch reichlich geladen waren, noch rechtzeitig den Funkenstrom ausschalten können? Wird das schwarze Meer von Tinte einem roten von Blut Platz machen, oder werden wir in ein paar Jahren den Heroismus unserer politischen Schriftsteller, die hüben wie drüben sogar die großen Batterien dröhnender Kriegsromane in die Gefechtslinie rasseln ließen, so vergessen haben, wie uns jetzt Held Buhlanger in Vergessenheit geraten ist?

    Notwendigkeiten entgeht kein Mensch, kein Volk: auch dann nicht, wenn Mensch und Volk scheinbar ohne Not Notwendigkeiten vor sich aufrichten. Wenn zwei Bauernburschen ein Mädel haben wollen, so ist die Wahrscheinlichkeit gering, daß sie sich einigen: heute nacht du, morgen nacht ich. Viel größer ist die Wahrscheinlichkeit, daß jeder auf einen günstigen Moment lauert, wo der andere mit möglichst großer Aussicht auf Erfolg an der Gurgel zu packen ist. Oder sie werden so wütig, daß sie bei erstbester Gelegenheit aufeinander losfahren. Manchmal gehen sie auch taktisch vor: warten irgendeine Kirchweih oder sonst ein Fest ab und sichern sich vorher Spezis zu Hilfe und Rückhalt. Was ist bei alledem die Notwendigkeit? Daß jeder allein genießen – herrschen will. Auch spricht cavalleria rusticana mit. Wer zurücktritt, gilt dem anderen als Lapp, und es hilft ihm nichts, wenn er beteuert, er habe ein anderes, ebenso gutes oder besseres Mädel gefunden, eine aus der Nachbarschaft. Es wäre bloß vernünftig, wenn er die andere nähme. Es könnten dann zwei gleich große Bauern nebeneinander sitzen, so dick im Fett, als es nur möglich ist, es auszuschöpfen, und sie könnten sich mit ihren Weibern Sonntags zum Kaffee besuchen und über die anderen lachen. Ich frage aber alle Verfasser von Bauernstücken, ob sich aus solcher Vernunft ein rechtschaffenes Drama machen läßt. Nein, es läßt sich nicht! Schon weil Vernunft unwahrscheinlich ist. Denn es sitzt die Notwendigkeit in den Bauernburschen, zu raufen. Sie wird als Liebe und Ehre empfunden: was ist dagegen zu machen? Und sie führt zu prachtvollen Aufregungen, die stärker und verlockender sind als alle Vernunft. Denn: wohin führt die schließlich? Ins Fett? Gewiß! Aber im Fett ist die Langeweile, und so dick ist kein Bauernblut, daß es nicht einmal schäumen möchte.

    Zwischen Deutschland und England scheint die Sache ähnlich zu liegen; nur kommt als verschärfender Umstand hinzu, daß England das Mädel schon sicher zu haben glaubt und über alle Begriffe erstaunt ist, kurz vorm Kirchgang einen Rivalen auf dem Plan erscheinen zu sehen, der bisher für einen zwar kräftigen, aber etwas einfältigen Knaben galt.

    Bierbaum erkennt hier ganz deutlich das Interessengemenge Jahre vor 1914…

    Diese Betrachtungen scheinen mit dem Thema der Yankeedoodlefahrt nicht das geringste zu tun zu haben, hängen aber durchaus damit zusammen. Denn jede Seereise führt irgendwie nach England und damit zu den Fragen, die heute als Holzpapierwürmer durch die Zeitungen rascheln. Die Grundfrage ist wohl die: hat England ein Monopol auf die alleinige Beherrschung der Meere? In welchem Grade es die Vorherrschaft zur See besitzt, lehrt der Augenschein auch im Mittelmeer, wo die Engländer eigentlich gar nichts zu suchen hätten – hätten sie nicht ein paar recht derbe Brocken dort schon – gefunden. Im Finden und Behalten haben sie bisher den höchsten Rekord aufgestellt – dank ihrer Flotte. Und nun macht sie der Gedanke höllisch nervös, es könnte auch ein anderer zum Suchen flottmachen. Schon die kanonenlosen Schiffe à la Yankeedoodle sind ihnen recht sehr zuwider. Denn ein wie nobles Volk sie sonst auch sein mögen – sie sind geschäftsneidisch. Auch der adlige Kaufmann wird eklig, wenn Konkurrenten kommen. Und wenn’s gar ein sogenannter Vetter ist, einer aus der Verwandtschaft, dem man bisher mit einigem Wohlwollen sein Budikchen gönnen durfte, dann wird’s bös. Unter Cousins sind Eifersuchten am gefährlichsten.

    Es läßt sich wohl begreifen, daß den Briten die schwarzweißrote Fahne (von der Kriegsflagge gar nicht zu reden) auf See ein unerwünschter Anblick ist, zumal wenn sie, wie im Mittelmeere, fast ebenso häufig auftritt wie die englische. Die deutschen Schiffe haben den englischen bereits fühlbar Abbruch getan. Amerikaner scheinen überhaupt nur unter den schwarzweißroten Streifen zu reisen.

    Es lohnt sich, das ganze Buch zu lesen :

    http://gutenberg.spiegel.de/buch/5017/1

    Noch einen schönen Sonntag!

  2. 2 Karl Eduard 7. August 2011 um 07:31

    Danke für den schönen Beitrag. Wir sind ja heute wieder in einer Phase, wo Deutschland von Freunden, die alle nur unser Bestes wollen, umzingelt ist, und ein Krieg in Europa, also im Kerneuropa, der ist ja völlig ausgeschlossen.

  3. 3 Karl Eduard 7. August 2011 um 07:34

    Habe mal kurz reingelesen und verlinkt, für später. Liest sich sehr unterhaltsam.

  4. 4 Prosemit 7. August 2011 um 08:04

    Wenn jemand einen eBook Leser hat.

    Hier sind beide Reiseberichte von Bierbaum als epub Dateien :

    http://tinyurl.com/44nx8rj

    Und gleichzeit ein Hinweis auf diesen absolut einfachen Upload and Share Service.

  5. 5 Waffenstudent 7. August 2011 um 10:44

    HELLSEHEREI?

    Geschrieben von Baldur der Ketzer am 04. Januar 2007 04:06:58:

    ……

    Nie hätte sie gedacht, daß es einmal so ausgehen könnte. Niemals im Leben nicht.

    Obwohl die letzten Wochen und Monate keinen Zweifel zuließen, was da auf sie zukommen sollte, war es doch irgendwie unglaublich, undenkbar, irreal irgendwie. Als ob sie Beteiligte und Zuschauerin gleichermaßen sei.

    Das mürrisch anmutende Antlitz war noch etwas stärker verdüstert, als sonst, auch die Frisur hatte nicht mehr den peppig erscheinenden abgestuften Schnitt wie früher zu orangenen Zeiten, sondern glich wieder dem aus früheren Zeiten bekannten Doof-Haarschnitt, als ob man ihr einen Topf über den Kopf gestülpt und dann am Rande entlang herumgeschnipselt hätte.

    Früher sah es nur so aus, als ob, aber jetzt hatte man. Genau das. Mit einem Topf. Ihrem Topf. Dem Nachttopf, den sie in ihrer Zelle hatte. Oder besser gesagt, dem Blecheimer.

    Wie konnte es nur dazu kommen ? Es hatte doch alles so vielversprechend angefangen. Helmut, ihr Mentor, der ihr immer zuflüsterte, wenn ihr flau wurde, Du, Kleines, das widd allles gudd, mach nur, was ich Dir sage……….plötzlich war das Faß in der Brandung weggespült und sie mußte sich alleine durchschlagen auf dem Thorn, der ihr gefühlte hundert Nummern zu groß war.

    Daß sich George charmant benahm, ach, wie fühle frau sich doch groß und stark und unbesiegbar.

    Gut, daß ihr haarungefärbter Vorgänger angeheitert ihr den Spiegel vorhielt, und sagte, was auch Strauß über Kohl feststellte, das wird mit der nie was, das tat ihr schon weh. Monatelang. Nein, es saß, wenn sie ehrlich war, ganz tief in ihrer Seele.

    Der Tag ihres größten Triumphes. Erste Frau im Amte Bismarcks, Erhards, Hitlers, Adenauers zu sein, und natürlich war auch ihr fetter Ziehvater einmal dort, das war schon etwas, das hatte etwas, Etwas EPOCHALES.
    Alice Schwarzer war ein Nichts gegen sie. Sie schien auf einer Stufe mit der eisernen Lady Margaret aus England, immerhin, auch sie haßte Deutschland und tat, was sie konnte, um es zu schädigen.

    Und dann kommt er, der Ex-Juso im Großkotz-Anzug, und macht sie runter. Entblößt sie vor der gesamten Nation zu dem, nun ja, was sie war, objektiv gesehen. Eine gescheiterte Kandidatin mit dem Anspruch auf den großen Preis. Den sie eben nicht gewonnen hatte. Ja, er auch nicht, aber, eben, ihr zur Schau gestellter Anspruch, Siegerin zu sein, zerbröckelte im Angesicht des münteferigen Franzes aus dem Glück-Auf-Land. Der ward ihr zur Seite gestellt als Aufpasser und Bremser.

    Wieso nur ?

    Sie war doch nun die mächtigste Frau der Welt, wie ein Boulevardmagazin der Ostküstenpresse euphorisch titulierte. Oder ejakulierte. Je nach Standpunkt. Und jetzt…..dieses…..

    Klar, am Bundeswehreinsatz im Ausland trug sie nicht die Alleinschuld, auch der irrtümlich von Jagdfliegern über Zwiesel abgeschossene Jumbojet mit 370 Passagieren ging nicht auf ihr Konto, dafür trug der gnomenhafte Innenkollege die Verantwortung, aber sie war nun mal die Richtliniengeberin, und außerdem saß der Unterzeichner des Gesetzes, der präsidiale Quergeist, der sich damals auch hier erst einmal weigerte, bis man ihn zur Unterschrift unter das Gesetz zwang, in der Nebenzelle.

    Es hätte doch niemand gedacht, wie sehr sich als humanitär dargestellte Einsätze in reinste Katastrophen verwandeln können. Die paar zehntausend im Kampfhandlungen gefallenen toten Soldaten wären ja nicht so schlimm gewesen, auch die Milliardenschäden an zerstörtem Kriegsmaterial waren Peantus, man hatte ja auch vorher schon Milliardenwerte verschenkt, aber daß durch die Rückkehrer aus dem Kongo das Ebola-Virus nach Brandenburg eingeschleppt wurde, in den Geschichtsbüchern wird man ihr das kaum anlasten können, so hoffte sie inständig.

    Was die Angehörigen der Toten vor der Tür irgendwie anders betrachteten, zumindest klang es so. Es klang unversöhnlich. Eindeutig. Sie skandierten Sätze, die man besser nicht niederschreibt.

    Und die Wirtschaftskrise, was konnte sie denn dafür, daß in der führenden Weltmacht alles zusammenkrachte. Und der Export zusammenfiel wie ein Souffle an einem kalten Wintertag. Sie hatte sich immer bemüht, ihr bestes zu geben. Immerhin, ja, gut, zwölf Millionen Arbeitslose, das bedeutete andererseits aber, daß noch mehr als 20 Millionen in Lohn und Brot standen. Aber das dankte ihr niemand mehr.

    Der weiß-blaue Kondolenz-Blumenstrauß vom bayerischen Ministerpräsidenten, aus dieser ewigen Widersacherburg in den Bergen, die plötzlich nach dem Wechsel dort mit ihr wundersam an einem Strang zog, der war gut gemeint, verkörperte er doch die Farben des Staates, der als Landkarte in ihrem Büro hing, um dessen Wohlergehen sie sich immer vorbildlich einsetzte, bedingungslos, selbstaufopfernd, was den von ihr repräsentierten Staat anbelangte.

    Die Panzerlieferungen, die Übergabe der halben Bundeswehr für den Überlebenskampf im Krieg gegen den Iran, das war doch wohl Ehrensache. Aus ihrer Sicht. Und so dankte ihr der ferne fränkisch-bayerische Kollege stellvertretend für die von ihr übernommene, fremde Sache. Wie es hieß, befand auch er sich auf der Flucht vor den Gebirgsschützen, die ihn wie Bruno den Bären jagten, aber diesmal mit Motivation, was einfach war, da die ortsansässigen Altbayern im Oberland seinen Putsch gegen seinen weißhaarig-gatzend-stammelnden Vorgänger nicht guthießen.

    Im Vergleich aber setzte sich der durch, der die stärkeren Ziehväter auf seiner Seite hatte, und das war trotz der Demutsbekundungen mit Kippa nicht der senile Weißhaargatzer, das war sein fränkischer Nachfolger mit dem verschlagenen Chinesenblick und dem Haarfraß am Kopfe. Gerade den fand sie immer ulkig, weil es sie an ihre eigenen Haarprobleme erinnerte.

    Nun ja, er war jetzt irgendwo in der bayerischen Wäldern untergetaucht, und sie wußte nicht, ob sie ihn beneiden sollte oder bemitleiden. Sicher würde es sich nur um Tage handeln, bis er sich ebenfalls hier in ihrer Situation befinden würde.

    Gut, das mit dem Euro und der nachfolgenden Finanzkatastrophe war auch nicht ihre Schuld, das hatte ihr verfetteter Vorvorgänger in die Welt gesetzt wie einen stinkenden Haufen, den niemand mehr wegräumen wollte. Aber daß die Leute gleich durchdrehen, nur weil ihre Ersparnisse jetzt halt weg sind, das ist doch nichts typisch deutsches, oder ?
    Die Russen hatten sich damals nicht so angestellt und haben es mannhaft ertragen. Die Argentinier auch. Wieso drehten die faulen doofen Deutschen durch ? Das konnte niemand vorhersehen.

    Ach, ja, die Russen. Sie hatte gedacht, ihr präsidiales Ggenüber hätte Humor, und außerdem sei er einer Belehrung zugänglich, denn Menschenrechte, das war ja etwas, das es hochzuhalten galt. Auch wenn man sie selber nicht beachtete, nachdem damals Rudolf, Deckert, Gauweiler, Hohmann und Menuhin als regimefreindliche Elemente eingesperrt wurden. Aber in Rußland, da war alles viiiieeel schlimmer, hatte man ihr gesagt. Damals.

    Daß der russische Präsident unvermittelt aufstand, sich wortlos umdrehte, einfach ging, und am Tag danach schlicht den Gashahn abdrehen ließ, da konnte sie doch nichts dafür. Wirklich nicht. Sie hatte nur ihre demokrattische Pflicht getan, obwohl, über Gaza und die anderen Palästinensergebiete, da hatte sie immer geschwiegen, schließlich will man keine Freunde verletzen.

    Es war klirrend kalt. Ihre Zehen waren schon gefühllos, denn man hatte ihr die Schuhe ausgezogen. Das schwarze Halstuch war insoweit angenehm, aber den Zweck erfüllen, sie zu wärmen, konnte es nicht. Sie wußte, was geschehen würde. Es war nicht zum Wärmen gedacht.

    Der kleine Raum, die vermummten Gestalten um sie herum, und vor ihr ein Geländer, die Falltür, und ein Seil, das von der Decke herabhing, und zu einer Schlinge zusammengebunden war.

    Die Augen hatte sie nicht verbunden, denn die doofe Frisur tat schon genügend dazu.

    Ein Umstehender hielt sein Handy in die Höhe und filmte ungeniert. Man würde es tags darauf im Internet zu sehen bekommen, also, reiß Dich zusammen, dachte sie. Unter den Beobachtern waren Angehörige von Bundeswehrsoldaten, die bei den Einsätzen in Angola, in Indonesien, in Saudi-Arabien, Pakistan, Kongo, Bangladesh und im Kaukasus gefallen waren. Auch Vertreter der Initiative Brot für Mittellose und Deutschland den Deutschen.

    Sie riefen haßerfüllte Parolen, die sie nicht mehr wirklich verstand. Jetzt wurde es ernst. Jemand setzte ihr noch eine Kippa auf den Kopf. Eine blaue. Dabei paßte das gar nicht zu ihrem grauen Kostüm, das man ihr für diesen anlaß gegeben hatte.

    Es war ja wie ein Witz der Geschichte, daß sich ein Familienangehöriger des ehemaligen RAF-Terroristen Rolf Heissler fand, der den Vorsitz im neuen Volksgerichtshof übernommen hatte, Und so hieß der Richter, der sie hierher geschickt hatte, Roland Heissler. Nicht zu fassen. Ob die Geschichte Humor hat ? Einen schwarzen ?

    Die Henker erzählten ihr, daß vorhin ein Seil gerissen sei, bei einem ihrer Bekannten, den man aus dem Wolfgangsee gefischt hätte, wo er versucht hatte, unterzutauchen, das sei aber am Körperfett gescheitert, er blieb oben treibend.

    Das Seil hätte man ersetzt, und weil es den vorher ausgehalten hätte, würde es auch sie tragen.

    Sie wurde nach vorne zur Falltür geführt, ihre Hände versuchten, ins Leere nach Halt zu greifen, schließlich waren sie auf den Rücken gebunden, ein Adrenalinschub durchfuhr ihre Glieder, sie dachte an Mecklenburg und an die FDJ, an die evangelische Kirche ihres Vaters, und dann packten sie rüde Hände, drückten sie nach vorne, und….

    ….sie erwachte schweißgebadet um 3.47 Uhr. Wie ihr Wecker am Nachttisch offenbarte.

    Sie setzte sich auf, fuhr sich durch die Haare, die doch gar nicht so schrecklich aussehen konnten, wie sie sie im Traume empfunden hatte, und griff zum Glas Wasser, das am Bette stand.

    Langsam kam ihr Blutdruck zurück, und sie überlegte sich, ob sie morgen mal mit Wolfgang sprechen sollte…..

    Hier noch ein wenig praktisches Anschauungsmaterial:

    http://www.deutsche-armee.com/blog/2008/09/28/hinrichtungen-durch-die-amerikaner/

  6. 6 Bernd 7. August 2011 um 20:25

    @Waffenstudent
    „Nie hätte sie gedacht, daß es einmal so ausgehen könnte. Niemals im Leben nicht.“
    Könnte man fast Glauben! Wollen wir mal das „Unklärbare erklären“ und das „Unfassbare anfassen.“
    Die Körper der Opfer waren noch nicht erkaltet, als in Deutschland interessierte Kreise in kaum zu überbietender Pietätlosigkeit öffentlich verlautbaren ließen, nicht Anders Breivik, sondern die in merkwürdige Sippenhaft genommenen heterogenen Milieus von Rechtspopulisten, Islamkritiker, christliche Fundamentalisten seien die eigentlichen Schuldigen, da jene Gruppen – so die gedankliche Hinführung – ein Klima des Hasses, der Menschenverachtung, der Ausgrenzung geschaffen haben; kurzum, jene veröffentlichte Meinungs-Saat des Bösen habe den Amokläufer durch eine Art amoralische Medienwirkung quasi automatisch zu seiner Tat getrieben:

    http://freie-waehler-frankfurt.de/artikel/index.php?id=142

    Hervorragender Aufsatz, der das Paradoxon der PC auf den Punkt bringt: Sie ist aus sich heraus nicht kritikfähig, da sie sich sonst von selbst auflösen würde.

  7. 7 Waffenstudent 7. August 2011 um 22:35

    @ Bernd

    ……DIE BONNER REDNERSCHULE:

    „Wer nichts zu sagen hat, der sage es um so eindringlicher“ – So lautete der unausgesprochene Leitspruch den man in der bonner Colmantstraße fortan dem politischen Nachwuchs buchstäblich eintrichterte. Natürlich waren die Dozenten alle Mitglieder des Besatzungspersonals. Und die Reden, mit denen die Deutschen umerzogen, äh geschult wurden, das waren ursprüngliche angloamerikanische Texte, welche wiederum andere Mitglieder des Besatzungspersonals, die eigentlich nie richtig deutsch sprechen gelernt hatten, dann ins Deutsche übertrugen, ohne dabei zu merken, daß man grammatikalischen Schwachsinn zu produzierte. Wenn Sprachschulen den Deutschen bis 1968 dazu dienten, zum Beispiel Englisch zu erlernen, so brachten derartige Anstalten danach die Besatzungskinder dazu, ihr gutes Deutsch zu verlernen. Schließlich quasseln die derart Umerzogenen ein Deutsch, welches aus einer Kombination von englischer Grammatik und englischen Redewendungen zusammen mit deutsche Vokabeln besteht. Hierzu ein Beispiel: Ein Deutscher Bursche sagt zu seiner Maid „Ich geh mich baden“! Ein Umerzogenes Bürschlein würde bemerken: „Ich möchte gerne ein Bad haben“! Dabei hat er die englische Version: „I would like to have a bath“ gedankenlos mit englischem Satzbau und deutschen Worten benutzt. Und dabei hat er gleichzeitig seiner Aussage im Deutschen eine ganz andere Bedeutung gegeben. Genau diese Situation erlebte ich 1966 in London. Mit einem Kameraden besuchte ich einen Bekannten in einer Sprachschule. Als wir ihn aufforderten, spontan mit uns auf so etwas Ähnliches wie eine Sauftour zu gehen, erwiderte der prompt: „Ich mochte gern ein Bad haben!“ „Erst geh wir saufen, Dein Bad kannst Du auch morgen noch kaufen!“ meinte mein Kamerad zu unserem gemeinsamen Bekannten. Dieses Erlebnis macht deutlich, falsch, das ist nämlich derselbe sprachliche Umerziehungsdreck, den ich zuvor anprangerte , es verdeutlicht; denn nur das ist Deutsch, die große Bedeutung einer Kultursprache.

    Wenn man den Sonntagsreden unserer parlamentarischen Kollaborateure genau zuhört, dann merkt man schnell, wer hier sprachlich verbildet wurde. Fast der ganze SPD- und FDP-Nachwuchs durchlief diese Gehirnwäsche. Aber auch ein Großteil der restlichen Parlamentarier und so mancher Gewerkschafts- und Verbandstünnes holte sich hier den sprachlichen Amischnitt. Als Ergebnis entfallen seit dem die anspruchsvollen Debatten, zu denen das politsche Urgestein der BRD dereinst beigetragen hatte. Heute erzählen alle fast nur noch dasselbe. Da war der Einzug der SBZ-Abgeordneten anno 1989 in den Bundestag durchaus eine große sprachliche Bereicherung. Aber auch das ist nun leider vorbei. Nachzutragen ist noch der Hinweis, daß man den Rednerschülern in der Bonner Colmantstraße jegliche Individualität ausgetrieben hat, und sie alle auf einen einzigen gemeinsamen politischen Standort eingeschworen wurden. Die Bonner Rednerschule sorgte dafür, daß die ehemals in Deutschland vorhandene politische Vielfalt zur politischen Einfalt, äh Einheit verkam.

    Hier drängt sich die Erinnerung an Carl Schmitt auf. Er lehrte, daß die Unterscheidung von Freund und Feind die Elementar-Operation des Politischen sei, und ein Volk das zu dieser nicht mehr fähig sei, als ein schwaches und geschlagenes Volk aus Geschichte ausscheide. Und genau dieses politische Fernziel verfolgte die Bonner Rednerschule von Anfang an: Es gab unter dem BRD-Politikernachwuchs nur noch Lumpereien, äh Freundschaften!

  8. 8 Prosemit 8. August 2011 um 05:55

    Bierbaum zum Islam mit der klaren Sicht von 1909:

    Dazu das Glück, eine Religion zu haben, deren Maß und Schnitt nach ihren Seelen genommen ist. Ihnen wird der Sozialismus wohl kaum je beikommen können. Aber auch unsere mehr spirituellen Freiheitstendenzen werden keine Bresche in die Mauer des Islam brechen. Die Jungtürken werden das vermutlich erfahren, wenn nicht von den Osmanen, so von den Arabern. Diese östlichen Völker sind zu jeder Art Knechtschaft geeignet, die ihrem Wesen entspricht, das insbesondere äußeren Zeichen der Untertänigkeit leicht Eingang gewährt, aber nicht zur Knechtschaft unter fremde Ideale, die, auch wenn sie Freiheiten ausrufen, doch immer eine andere Freiheit meinen, als die, die der Mensch dieses Ostens braucht und wesentlich hat. Mohammed ist unter den großen Religionsstiftern der ärmste an idealem Gehalt, aber weitaus der reichste an nationalpsychologischer Vernunft. Man darf es Napoleon glauben, daß es ihm nicht schwer gefallen wäre, zum Islam überzutreten. Denn dies ist die Religion der realen Macht. Ich glaube nicht, daß diese Macht ausgespielt hat.

  9. 9 Bernd 8. August 2011 um 18:46

    @Waffenstudent
    Erstmal ein herzliches Dankeschön dafür! Echt stark Ihre Schilderungen, wenn nicht Haargenau auf den Punkt gebracht. Vom feinsten! Musste es genüsslich ein paar Mal durchlesen, da sieht man erst mal was einem alles entgangen ist. Und als Student 1966 in England, da könnte unsereiner ja richtig neidisch werden (das Jahr meiner Kommunion 6.6.66). Hab mir erlaubt ein Plagiat zu machen, nur für mich, hoffe es geht in Ordnung?


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