Rassistisch ausgegrenzt und perspektivlos

Erschütterndes erfährt der Leser aus den ersten Tagen des deutsch – französischen Krieges, dem Krieg von 1870/71, einem der vielen Kriege, in dem Frankreich Deutschland überfiel, kein Wunder, daß nun England brennt. Augsburg, 7. Aug. Aus einem Brief aus Frankreich theilt die A. Z. Nachstehendes mit:  Wir haben stets Turcos vor der Thür. Sie bummeln den ganzen Tag über mit Kindern an der Hand, die sie sehr zu lieben scheinen, in den Straßen herum, und haben ein sehr gutmüthiges oder, wenn man lieber will, stupides Aussehen. Sie ertragen wie alle Neger (es sind deren viele darunter), unser Klima schlecht, und die Spitäler sind von ihnen angefüllt.

Herr X. Hatte in D. um Mitternacht eine Begegnung mit einigen dieses Gelichters, die nicht mehr in das (Militär-) Lager hinaus konnten, weil die Thore schon um 9 Uhr geschlossen werden. Sie verlangten ihm Geld ab, um in irgend einem Wirtshause zu übernachten. Er nahm sich die Mühe, ihnen zu explicieren, wo ein solches zu finden sei. Aber sie hingen sich an ihn wie Kletten: Du kennen Weg – Du gehen mit uns – uns zeigen! (Natürlich franz. gesprochen.) „Nein!“ antwortete der Herr, „ich will nach Haus und mich zu Bette legen!“ – „Ah! Du Haus haben, du ein Bett haben! Du schlafengehen? Wir mitgehen und bei dir schlafen!“  Er hatte alle Mühe mit ihnen, und sagte endlich, aus der Noth eine Tugend machend: „Nun, ihr könnt mitgehen; aber ihr schlaft nicht bei mir, sondern im Stalle bei den Pferden!“ Sie waren´s zufrieden und riefen immer: “ O häßlich Krieg, o häßlich Krieg! Warum arme Bruder verrecken (crever) machen?“ Mit dem armen Bruder meinten sie sich selbst. *Coburger Zeitung 11. August 1870* Der Autor ist nur froh, daß so etwas rassistisches – und menschenverachtendes kein Platz mehr in der deutschen Presse findet.

1 Antwort to “Rassistisch ausgegrenzt und perspektivlos”


  1. 1 Prosemit 11. August 2011 um 06:57

    Frankreich war immer ein Vorbild für die gelebte Égalité.

    So durften die durchaus zahlreichen Kolonialtruppen in der Regel an den gefährlichsten Platzen ganz vorne mit dabei sein, wenn es Ruhm und Ehre für La Patrie zu erwerben gab.


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