Einmal werden wir noch wach

Heißa dann ist Mauertag. Marschall Konjew. Marschall der Sowjetunion Iwan Stephanowitsch Konew ist zum Oberkommandierenden der Gruppe der zeitweilig in der DDR stationierten sowjetischen Streitkräfte ernannt  worden. Am Donnerstag empfing ihn der Vorsitzende des Staatsrates der DDR, Genosse Walter Ulbricht.

Das war am gleichen Tag, als Walter Ulbricht vor 3000 Arbeitern des Berliner Kabelwerkes Oberspree ankündigte, daß, „wenn es notwendig ist, die Grenzen der Deutschen Demokratischen Republik gegenüber der westdeutschen Bundesrepublik militärisch geschützt werden, und zwar sowohl durch Truppen der Nationalen Volksarmee wie durch Truppen unser sowjetischen Freunde.“ …

Volkes Wille auf der Tagesordnung.  … Selbstbestimmung in Aktion. August Bach, Vorsitzender der CDU (der DDR), wendet sich besonders an die Christen, als er sagt: „Die christliche Ethik fordert für den Menschen auch wahre Menschlichkeit. Das aber, was in den Aktionen der Menschenhändler sichtbar wird, ist das absolute Gegenteil jeder Menschlichkeit. Für jeden Christen in der DDR ist daher der schärfste Kampf gegen den Menschenhandel ein ehernes Gebot christlicher Ethik.“ …  

Beschlüsse zum Schutz der Kinder. „Nicht länger werden wir dulden, daß selbst unschuldige Kinder den Menschenhändlern zum Opfer fallen“, fordert Charlotte Mewes, Leiterin eines Kinderheimes in Weimar, in dem unter 50 Kindern 10 betreut werden, die hilflos im Stich gelassen wurden, als ihre Eltern die Republik verliessen. „Alle diese Menschen, die durch raffinierte und vielfältig variierte Abwerbemethoden zur Republikflucht verleitet wurden, haben sich eines Verbrechens an unserem Staat und an ihren Familien schuldig gemacht“, sagt die Sprecherin  des DFD. …  

Überzeugung und staatliche Maßnahmen. „Wer heute die Deutsche Demokratische Republik verläßt und in den Bonner Staat geht, der verrät den Hort des Friedens in Deutschland, verrät damit seine ureigenste Sache, untergräbt seine eigene Sicherheit und stellt sich – ob er das will oder nicht – in den Dienst einer klerikalmilitaristischen Diktatur“, erklärt Rudolf Agsten im Namen der LDPD – Fraktion. …

Wir Arbeiterjungen sind stolz auf unseren Staat.  … Die Hennigsdorfer stellten sich aber auch auf die Bahnhöfe und tippten denjenigen auf die Schulter, die eine Fahrkarte hin und zurück gelöst hatten und ihre geistige Kost in den Westsektoren holen wollten. Die Jungen aus Hennigsdorf wissen, daß sie ein Teil der herrschenden Klasse sind, und so regeln sie  ihre Probleme. Wir sagen ganz offen: Wir sind Arbeiterjungen und wir sind stolz auf unseren Staat. Mit denjenigen, die denken, sie könnten uns beleidigen und provozieren, werden wir auch diskutieren aber eben nicht nur mit dem Mund!“ ruft er unter dem Beifall der Abgeordneten. …  *Neues Deutschland 12. August 1961*

Der Zoll – Dein Freund und Helfer

7 Responses to “Einmal werden wir noch wach”


  1. 1 Sophist X 12. August 2011 um 09:32

    So sieht es aus, wenn sich eine Regierung um ihre Bürger kümmert. Von den Parteien und Massenorganisationen bis zur Kirche und zur stolzen Arbeiterjugend, alle waren für die Bürger da. Da wurde keiner ausgegrenzt, und wer sich irrtümlich selbst ausgrenzte, der wurde wieder eingegrenzt, bei Begriffsstutzigkeit auch mal „nicht nur mit dem Mund“. Die heutigen Parteifunktionäre und Sozialexperten kriegen sicher feuchte Augen beim Gedanken an damals, als Sozialproteste wie aktuell in London undenkbar waren, denn die entstehen zwangsläufig dort, wo sich der Staat aus dem Alltag seiner Bürger zurückzieht und sie mit ausreichend Essen, einem Dach überm Kopf und einer Standardausstattung an Unterhaltungselektronik allein lässt ohne jede Perspektive, einmal noch mehr Essen, eine Villa und eine Elektronik-Premiumausstattung geschenkt zu bekommen.

  2. 2 Karl Eduard 12. August 2011 um 09:59

    Deutschland ist schon auf dem richtigen Wege dorthin. Wo die DDR einmal war.

  3. 3 Beipflichter 12. August 2011 um 10:26

    Richtig herzerfrischend ist die Diktion dieser Empörten und Entrüsteten. Da wurde noch Tacheles geredet gegen diese perfiden, infamen klerikalmilitaristischen Dunkelmänner aus dem revanchistischen, faschistischen Westen. Keine solchen kleinlauten und kleinmütigen Euphemismen, wie sie die heutigen Polit-Salbaderer verwenden. Da war noch eine deutliche „Na-wartet“-Verve heraus zu hören. Der Sozialismus war noch jung, voller Elan und Kraft, der wolte sich nicht mehr lange von dem alten, morschen, morbiden Kapitalismus auf der Nase herumtanzen lassen.
    Leider hat es dann doch am letzten Quentchen Mut gefehlt den westichen Augiasstall schon damals endgültig auszumisten. Denn wo ist denn die NVA un die Rote Armee denn all die Jahrzehnte geblieben, als der westliche Untertan die kapitalistische Ausbeutung kaum noch ertragen konnte ?

  4. 4 Karl Eduard 12. August 2011 um 10:33

    @Beipflichter

    Später ist das Neue Deutschland regelrecht langweilig geworden. Hier aber springt die Empörung noch aus allen Zeilen. Anschliessend ging man aber zur friedlichen Koexistenz über, da war so etwas nicht mehr hilfreich.

  5. 5 Blond 12. August 2011 um 12:01

    „Einmal werden wir noch wach,
    heißa, dann ist
    Dreizehnteraugusttach“
    Juhu.

  6. 6 Blond 12. August 2011 um 12:08

    Kommt da Morgen auch
    einer vom Nordpol mit nem geschulterten Sack durch den Kamin?
    Welche Farbe hat denn sein Mantel –
    auch rot?

  7. 7 Karl Eduard 12. August 2011 um 12:39

    Da kommt einer in Kampfgruppenuniform, geschulterter MPi und ner Rolle Stacheldraht und ruft: „Klappe zu. Affe tobt.“ 😉


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