Archiv für 21. August 2011

Fußball auf Kreuzungen künftig gestattet

Wenn es eine Konsequenz gibt, aus dem friedlichen Schanzenfest in Hamburg, bei sich wohl zwei Polizisten durch zu ausgelassenes Feiern selbst verletzten, dann ist es die, daß künftig Fußball zu spielen, auf Kreuzungen, und das Anzünden von ungenehmigten Feuern erlaubt sein wird, nur zu hoch dürfen die Feuer nicht lodern, ansonsten sei das aber völlig o.k., so ein zufriedener Einsatzleiter der Polizei. Der Bundestag wird noch in der nächsten Woche in einer Sondersitzung darauf dringen, daß die Länder und Kommunen entsprechende Regelungen erlassen, Hamburg habe wieder einmal gezeigt, das Chaos ist gar nicht so schlimm, wenn man es zur Normalität erklärt. Diese Sonderregelungen betreffen natürlich nicht das Abbrennen von Gartenabfällen, Osterfeuer, Sonnenwendfeuer oder auch Feuer für St. Martin, diese bedürfen weiterhin einer Genehmigung, Zuwiderhandlungen werden strengstens bestraft.

Bild: Hier werden Müllcontainer aus nachwachsenden Rohstoffen verbrannt, deren Inhalt zuvor fachgerecht ausgelagert wurde. Die Container bestehen aus einer Pressmasse verschiedenster aromatischer Kräuter, die beim Abbrand Wohlgerüche aber kein CO2 verbreiten. 

Grenadiere im Schnee

Die Kälte steigt auf 27 Grad. Wrede in Slobodka (6 – 8. Dezember). Unglück und Glück von Moskau zurückkehrender Bayern. Spät Abends am 6. Dezember traf Wrede in Slobodka ein. Auch seine Krieger erlagen fast der Kälte, welche den Tag über fortwährend gestiegen und in der Nacht einen fürchterlichen Grad erreichte. Mehr als 30 Soldaten starben in dieser Nacht auf der Stelle, und über 300 Offiziere und Soldaten erfroren Füße, Finger, Nasen und Ohren. Vorpostenwachen wurden von den Ablösungen erstarrt angetroffen. Der Tod hatte sie bereits abgelöst von dem letzten Wachdienste im Leben. „Sie blieben,“ sagt Hofreiter, „in ihrer Berufspflicht in der engsten Bedeutung des Wortes. Wohl ihnen, sie sind dem Elende der kommenden Tage entgangen.“ – Das polnisch – französische Regiment Amour, noch vor Kurzem 2035 stark, hatte sich jetzt schon ganz aufgelöst. Vorzüglich schmolz die französische Reiterei, denn Roß und Mann erfroren in Zeit von wenigen Stunden. Der bayrische Feldherr durfte es nicht mehr wagen, Reiterabteilungen auf Rekognoszierungen auszusenden, denn trafen solche mit feindlicher Cavallerie zusammen, so zogen sie den Kürzeren, weil sie sich vor Kälte nicht auf den Pferden halten konnten.

Dessen ungeachtet, und nur um den Resten des Victorschen Corps Zeit zum Rückzug zu schaffen und von den Nachzüglern des Heeres zu retten, was noch zu retten war, entschloß sich General Wrede, seine Stellung auch am 7. Dezember zu behaupten.

Freilich war Victors Heerteil, wie wir bereits gehört haben, im elendsten Zustande. Als der Marschall am 7. Dezember bei Tagesanbruch seine Leute unters Gewehr treten ließ, sammelten sich kaum noch 200 Mann; der Rest hatte sich zerstreut, stak noch in den wärmenden Häusern oder hatte ausgelitten. Mit diesen Wenigen erreichte Victor Oszmiana.

Diese Stadt war ganz mit Leichenhaufen angefüllt, und die Straßen wie besät mit Toten und Sterbenden; denn der 7. Dezember räumte gewaltig auf in den  Überbleibseln der großen Armee; der Tag war noch kälter als die vergangene Nacht. Heute fielen die Pilgrime des aufgelösten Heeres, die doch manche Kälte durchgemacht hatten, wie vom Froste erfasste Fliegen, und die ganz neu eingekleideten, noch ziemlich wohlgenährten Ersatz – Soldaten, welche in einzelnen Schaaren fortwährend der fliehenden Armee sich anschlossen und die geringe Zahl der Waffentragenden auf einige Zeit wieder verstärkten, brachen eben so häufig und plötzlich unter der Kälte zusammen, als die alten, matten Krieger, die sich von Moskau bis hierher geschleppt hatten.

So war, um ein Beispiel zu anzuführen, ein württembergisches Ergänzungs – Regiment, 1360 Mann stark, am 5. Dezember zu Smorgony angekommen. Dasselbe wurde sogleich dazu verwendet, den kaiserlichen Schatz von genanntem Orte nach Wilna zu eskortieren. Als es mit dem Schatze dort eintraf, waren noch  60 Mann in Reih und Glied, obwohl es dem Regimente keinen Augenblick an Lebensmitteln gefehlt hatte.

In Slobodka war es auch, wo die Bayern und ihre Waffengefährten erfuhren, daß Napoleon ganz in der Nähe von ihnen (Smorgony ist nur 4 Meilen von Slobodka entfernt) ohne Abschied die Armee im allgemeinen Elend verlassen. Und gleichwie ihm, dem Urheber davon die Verwünschungen der Zurückgelassenen bei den Trümmern des Hauptheeres gefolgt waren,  (brummte doch selbst die bisher mit aller möglichen Aufmerksamkeit behandelte alte Garde!) so war auch zu Slobodka sein Name der letzte Fluch von Vielen, die an demselben Tag noch der tödlichen Kälte erlagen, welche jetzt einen Grad erreicht hatte, wie er selbst in diesen Eisfeldern selten ist. … *Geschichte der bayerischen Heeresabtheilung im Feldzuge gegen Rußland 1812* Wer kann, sollte diese Rückzugspassagen lesen, was sich damals abgespielt hat, ist heute gar nicht mehr vorstellbar, selbst beim besten Willen nicht. Der Autor meint:  Unglaublich, was diese Menschen damals ausgehalten haben.


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