Narretei für einen Tag

Im Bild der Woche präsentiert sich der Prominente, H. M. Broder, nicht nur mit einem durchaus ansehnlichen Broder – Girl, sondern er trägt dabei auf dem Kopf ein Käppi der Angehörigen der Nationalen Volksarmee der Deutschen Demokratischen Republik, Wehrmacht eines Staates, der im Jahr 1953 seine Bauarbeiter niederschiessen ließ, 1961 die DDR zu einem Freiluftgefängnis machte und 1968 half, den Prager Frühling niederzuschlagen.

Der Blogwart könnte das gut verstehen, daß jemand so eine militärische Kopfbedeckung trägt, weil er selbst einmal in diesen Streitkräften diente, ein Spätgeborener ist, der glaubt, die DDR war die bessere gesellschaftliche Alternative oder, daß er sich gar nichts dabei denkt.

Ob es nur der erste Schritt ist, sich mit Uniformstücken von Diktaturen zu behängen, wie mit Trophäen, die man selbst erbeutete und wann Herr Broder anfängt, Kleidungsstücke der deutschen Wehrmacht der Zeit von 1933 bis 45 zu tragen, das bleibt noch abzuwarten.

Bild: Die Korkade der Arbeiter – und Bauernmacht steht ihm gut. Wie wäre es nun mit dem Totenkopf der deutschen Panzertruppen aus dem II. Weltkrieg? (Das Bild stammt als Screen – Shot von der Achse des Guten. )

5 Responses to “Narretei für einen Tag”


  1. 1 Sophist X 24. August 2011 um 11:01

    Die Gedanken sind frei. Und Gedankenlosigkeit?

    Das Ministerium für Nationale Verteidigung [der DDR] schloß mit u.a. folgenden 16 Staaten bzw. Organisationen Verträge zur Ausbildung der dortigen Militärs ab:

    Afghanistan
    Äthiopien
    Jemenitische Volksrepublik
    Kambodscha
    Volksrepublik Kongo
    Kuba
    Laos
    Lybien
    Mosambik
    Nikaragua
    KDVR (Nordkorea)
    Palästina
    Tansania
    Guinea
    Syrien
    Vietnam

    aus: Bundesarchiv – Militärarchiv, Bestand DVW 1, MfNV, Band: Verträge, bearbeitet von Albrecht Kästner, Freiburg 1999
    http://home.snafu.de/veith/konflikt.htm

  2. 2 Karl Eduard 24. August 2011 um 11:06

    Alles sogenannte Volksdemokratien oder nationale Befreiungsbewegungen. Wie das damals hieß. Schön, wenn sich jemand heute mit dem gerechten antiimperialistischen Befreiungskampf des von Israel unterdrückten palästinensischen Volkes identifizieren kann und das auf solche Art auch zum Ausdruck bringt. 🙂

  3. 3 uwanni 24. August 2011 um 22:17

    Ich bin selbst in den 90ern mit einer GST-Jacke durch die Kneipen gezogen. Ganz einfach, weil es mir gut tat auf diese Art und Weise meinen unsäglichen Arbeiter- und Bauernstaat in den Arsch zu treten und mich über ihn lustig zu machen. Das zweiwöchige zwangsweise Tragen dieser Uniform in meiner Berufsschulzeit war für mich Demütigung genug. Die dazugehörigen Schiessübungen konnte ich noch verweigern, aber das Ablehnen der Uniform hätte mich wohl meine Lehrstelle oder noch mehr gekostet. Broder hat meine volle Sympathie.

  4. 4 Karl Eduard 25. August 2011 um 04:56

    @uwanni

    Und Du hattest Erfolg mit Deinem Widerstand durch das Tragen der Uniform der Gesellschaft für Sport und Technik. Bald danach ist die DDR zusammengebrochen.

    Herr Broder muß nicht mehr fürchten, bei Ablehnung des Tragens des NVA – Feldmützchens, daß ihm eine Lehrstelle verweigert wird. Aber daß er damit Widerstand leistet, das war mir so nicht klar. Herr Broder ist ein Held unserer Zeit. Er traut sich ungeahnte Sachen zu sagen. An mittelalterlichen Höfen soll es auch solche Leute gegeben haben, die hatten sogar eine Planstelle dafür. 😉

  5. 5 Beipflichter 25. August 2011 um 07:55

    Stimmt irendwie schon. Als Angehöriger des Volkes der absolut Unkritisierbaren, eher im Gegenteil der Kotau-Reflex-Auslöser, könnte Herr Broder sich Eskapaden abstrusester Art herausnehmen. Aus der Obermenge bundesdeutscher, subalterner Kriecher, fände sich gewiss eine genügend grose Teilmenge von Claqueuren, die jenne, wie immer geartete Eskapaden, als Grossereignisse des Esprit bejubelten.


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