Archiv für 29. August 2011

Amboss oder Hammel sein

Hier zeigt sich wieder das völlig menschenverachtende und zynische in der Argumentation des schlimmsten deutschen Diktators seit Dschingis Khan, der einfach an seinen Gegenüber die Frage stellt „und was, wenn es Euch beträfe?“ So kann man aber nicht argumentieren, es ist diese intellektuelle Kälte, die einen frösteln läßt, dieselbe, die uns auch frieren macht, wenn dieser Sarrazin emotionslos Zahlen herunterrasselt.

Das Versailler Diktat war untragbar. Kein Franzose von Ehre, auch sie nicht, Herr Daladier, hätte in einer ähnlichen Lage anders gehandelt als ich. Ich habe nun in diesem Sinne auch versucht, die allerunvernünftigste Maßnahme des Versailler Diktates aus der Welt zu schaffen.

Ich habe der polnischen Regierung ein Angebot gemacht, über das das deutsche Volk erschrocken ist. Kein anderer als ich konnte es überhaupt wagen, mit einem solchen Angebot an die Öffentlichkeit zu treten. Es konnte daher auch nur einmalig sein. Ich bin nun zutiefst überzeugt, daß, wenn besonders von England aus damals statt in der Presse gegen Deutschland eine wilde Kampagne loszulassen, Gerüchte von einer deutschen Mobilmachung zu lancieren, Polen irgendwie zugeredet worden wäre, vernünftig zu sein, Europa heute und auf fünfundzwanzig Jahre den Zustand des tiefsten Friedens genießen könnte. So wurde aber erst durch die Lüge von der deutschen Aggression die polnische öffentliche Meinung aufgeregt, der polnischen Regierung die eigenen notwendigen klaren Entschlüsse erschwert und vor allem durch die dann folgende Abgabe des Garantieversprechens der Blick für die Grenze realer Möglichkeiten getrübt. Die polnische Regierung lehnte die Vorschläge ab.

Die polnische öffentliche Meinung begann in der sicheren Überzeugung, daß ja nun England und Frankreich für Polen kämpfen würden, Forderungen zu erheben, die man vielleicht als lächerliche Verrücktheit bezeichnen könnte, wenn sie nicht so unendlich gefährlich wären. Damals setzte ein unerträglicher Terror, eine physische und wirtschaftliche Drangsalierung der immerhin über  1,5 Millionen zählenden Deutschen in dem vom Reich abgetretenen  Gebieten ein. Ich will hier nicht über die vorgekommenen Scheußlichkeiten sprechen. Allein auch Danzig wurde mit fortgesetzten Übergriffen polnischer Behörden eigens zum Bewußtsein gebracht, daß es scheinbar rettungslos der Willkür einer dem nationalen Charakter der Stadt und Bevölkerung fremden Gewalt ausgeliefert ist.

Darf ich mir nun die Frage erlauben, Herr Daladier, wie würden Sie als Franzose handeln, wenn durch irgendeinen unglücklichen Ausgang eines tapferen Kampfes eine ihrer Provinzen durch einen von einer fremden Macht besetzten Korridor abgetrennt würde, eine große Stadt – sagen wir Marseille – verhindern würde, sich zu Frankreich zu bekennen, und die in diesem Gebiet lebenden Franzosen nun verfolgt, geschlagen, mißhandelt, ja bestialisch ermordet würden?

Sie sind Franzose, Herr Daladier, und ich weiß daher, wie Sie handeln würden. Ich bin Deutscher, Herr Daladier. Zweifeln Sie nicht an meinem Ehrgefühl und an meinem Pflichtbewußtsein, genau so zu handeln. Wenn Sie nun dieses Unglück hätten, das wir besitzen, würden Sie dann, Herr Daladier, verstehen, wenn Deutschland ohne jede Veranlassung dafür eintreten wollte, daß der Korridor durch Frankreich bleibt, daß die geraubten Gebiete nicht zurückkehren dürfen, daß die Rückkehr Marseilles nach Frankreich verboten wird? Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, Herr Daladier, daß Deutschland aus diesem Grunde gegen Sie kämpfen würde. Denn ich und wir alle haben auf Elsaß – Lothringen verzichtet, um ein weiteres Blutvergießen zu vermeiden. Um so weniger würden wir Blut vergießen, um ein Unrecht aufrecht zu erhalten, das für Sie untragbar sein müßte, wie es für uns bedeutungslos wäre.

Alles, was Sie in Ihrem Brief, Herr Daladier, schreiben, empfinde ich genau so wie Sie. Vielleicht können gerade wir uns als alte Frontsoldaten auf manchen Gebieten am leichtesten verstehen, allein ich bitte Sie, verstehen Sie auch dies: Daß es für eine Nation von Ehre unmöglich ist, auf fast zwei Millionen Menschen zu verzichten und sie an ihren eigenen Grenzen mißhandelt zu sehen.

Ich habe daher eine klare Forderung aufgestellt: Danzig und der Korridor müssen an Deutschland zurück. Die mazedonischen Zustände an unserer Ostgrenze müssen beseitigt werden. Ich sehe keinen Weg, Polen, daß sich nun im Schutz seiner Garantien unangreifbar fühlt, hier zu einer friedlichen Lösung bewegen zu können. Ich würde aber an einer ehrenvollen Zukunft verzweifeln, wenn wir unter solchen Umständen nicht entschlossen wären, die Frage so oder so zu lösen.

Wenn das Schicksal nun dadurch unsere beiden Völker wieder zum Kampfe zwingt, dann würde doch in den Motiven ein Unterschied sein. Ich, Herr Daladier, kämpfe dann mit meinem Volke um die Wiedergutmachung eines Unrechtes, und die anderen um die Beibehaltung desselben. Dies ist um so tragischer, als viele der bedeutenden Männer auch ihres eigenen Volkes den Unsinn der damaligen Lösung ebenso erkannt haben wie die Unmöglichkeit seiner dauerhaften Aufrechterhaltung.

Ich bin mir im klaren über die schweren Konsequenzen, die ein solcher Konflikt mit sich bringt. Ich glaube aber, die schwersten würde Polen zu tragen haben, denn ganz gleich, wie auch ein Krieg um diese Frage ausgehe, der polnische Staat von jetzt wäre so oder so verloren. Daß dafür nun unsere beiden Völker in einen neuen blutigen Vernichtungskrieg eintreten sollen, ist nicht nur für Sie, sondern auch für mich, Herr Daladier, sehr schmerzlich. Ich sehe aber, wie schon bemerkt, von uns aus keine Möglichkeit, auf Polen in einem vernünftigen Sinne einwirken zu können zur Korrektur einer Lage, die für das deutsche Volk und das Deutsche Reich unerträglich ist. Gez. Adolf Hitler. *(Neuigkeits) Welt Blatt 29.08.1939*

Bild: Es ist 1920 und ein Franzose nimmt die Argumentation Hitlers aus dem  Jahre 1939 willig  auf. Da muß einen doch der Ekel überkommen. Oder nicht?

Für die Minderbemittelten

Sparautomaten sind die jüngste Errungenschaft der modernen Nationalökonomielehre. Die „Hermes“, Wechselstuben – Aktiengesellschaft in Budapest, eine Gründung der Ungarischen allgemeinen Kreditbank, will die Bevölkerung der ungarischen Hauptstadt in eigenartiger Weise zum Sparen veranlassen. Das Institut stellte nämlich in verschiedenen belebten Straßen Automaten auf, in die jedermann beliebige Beträge einwerfen kann. Der Einleger, oder richtiger gesagt Einwerfer, bekommt von dem selbsttätig registrierenden Automat dann eine Bestätigung über den geleisteten Betrag heraus, die sowohl als Einlagsschein, als auch als Zinsen – Kontrollkupon angesehen wird. Allabendlich werden diese Automaten entleert und ihr Inhalt an die Hauptkassa des Instituts abgeführt, das die Einlagen nach Nummern registriert und einer für Einleger und Bank nutzbringenden Verwertung zuführt.

Die kollossalen Vorteile, die ein solches Sparsystem besonders für die minderbemittelte Bevölkerungsschicht hat, sind nicht zu unterschätzen. Wie viele Leute gibt es, die sich doch früher einen Sparpfennig zurücklegen würden, wenn gleich jemand in einer guten Stunde des redlichen Willens zur Stelle wäre und ihnen diese löbliche Absicht auch sofort ermöglichen könnte. Für viele Arbeiter, die bei Tag angestrengt beschäftigt sind und erst abends über ihre Zeit frei disponieren können, ist der Weg ins Sparinstitut unmöglich gemacht, da um die Zeit ihrer Feierstunde die Banken und Sparkassen bereits geschlossen haben. Viele halten das kleinweise ersparte Geld auch zurück, weil sie mit so geringen Beträgen nicht in die Sparkasse laufen wollen und geben die Ersparnisse in Stunden der Verlockung schnell wieder aus. Dem beugen die Apparate wieder vor. Keine falsche Scham vor dem Schalterbeamten wegen geringer Einlagen, keine Extrabemühungen ins Sparinstitut und oft halbstündiges Warten bis zur Abfertigung – nichts weiter als ein Einwurf, die Entgegennahme eines im gleichen Momente schon ordnungsgemäß ausgefüllten Bestätigungsscheines und der Sparer kann seinen Weg ohne weiteren Aufenthalt fortsetzen. Hoffentlich bekommen auch Wiener bald dieses ebenso orginelle, als zweckdienliche Sparsystem per Automaten. *Wiener Illustrierte Zeitung 29. August 1911*

Bild: Sparautomat. Minderbemittelte, die sonst das Geld mit vollen Händen herauswerfen, ohne an Morgen zu denken, sollen so animiert werden, zu sparen. Für deutsche Parlamentarier wäre das freilich nichts. Selbst bei größter Verschwendungssucht, eine entsprechend lange Verweildauer im deutschen Parlament vorausgesetzt, ist ihre Altersvorsorge, im Gegensatz zum Arbeiter,  fürstlich gesichert.


August 2011
M D M D F S S
« Jul   Sep »
1234567
891011121314
15161718192021
22232425262728
293031  

Blog Stats

  • 2.188.910 hits

Archiv