Dies und das

 Bild: Vom Kriegsschauplatz in Tripolis: Eine interessante Aufnahme von dem letzten Vorgehen der Italiener in Tripolis in der Gegend von Ainzara. Wir sehen auf unserem Bild die Schützenlinien verstreut in den Sanddünen und können daraus die Schwierigkeit der Kriegsführung und das Vorgehen in diesen endlosen Sandwüsten bedeutend besser erklären.

Man muß es den Italienern lassen: Sie verstehen zu lohnen und verstehen zu strafen. Die englischen und die deutschen Kriegsberichterstatter, die aus Tripolis zwar wahre, den italienischen Truppen aber abträgliche Berichte in die Welt sandten, wurden in heiligem Zorn aus dem gelobten Tripolis verbannt. Ja, man hat sich sogar damit nicht begnügt und auch die römischen und die Mailänder Korrespondenten ihrer Blätter aus Rache des Landes verwiesen.

Aber die Italiener verstehen auch Dienste, die ihnen geleistet wurden, mit Großmut zu lohnen. Herr Carrére von der Pariser „Temps“ ist in Tripolis von einem Unbekannten überfallen worden, angeblich wegen seiner italienfreundlichen Berichte. Der leichtverwundete Korrespondent beschloß daher, sich wieder nach Hause zu begeben. Die Fahrt gestaltete sich zu einem Triumphzug für  Carrére.  In Neapel wurde er bei der Landung zum Ehrenbürger der Stadt ernannt, der Zug, der ihn nach Rom brachte, erlitt eine namhafte Verspätung, weil die Bevölkerung dem italienfreundlichen Journalisten Ovationen darbrachte und in Rom selbst erwarteten ihn 100 000 Menschen. Das lebensgefährliche Gedränge auf dem Perron, wird berichtet, steigerte sich bei der Einfahrt des Zuges derart, daß viele Menschen ohnmächtig wurden und nur mit Mühe gerettet werden konnten.

Carrére wurde mit endlosen Evvivas empfangen und zu seinem bereitstehenden Automobil getragen. Man empfing ihn mit der Marseillaise, gab ihm das Geleit bis zu seiner Wohnung und ruhte nicht eher, bis er vom  Balkon aus eine Rede an das versammelte Volk hielt. Ja, die Italiener verstehen es, Dienste zu belohnen. Blasser Neid verzehrt die ausgewiesenen Kriegskorrespondenten, wenn sie  Carréres Schicksal betrachten .. Ehrenbürger von Neapel, das ist schon ein paar schöngefärbte Berichte wert. *Österreichs Illustrierte Zeitung 24.12.1911*

Kritisch muß der Blogwart anmerken, daß die Begeisterung für schöngefärbte Berichte in den letzten 100 Jahren stark nachgelassen hat. Wann wurden, zum Beispiel Maria Böhmer, Claus Kleber oder Christian Wulff, für ihre schöngefärbten Berichte auf Händen getragen, daß sie von 100 000  Menschen sehnsüchtig erwartet werden, daß kann er sich schon vorstellen, nur nicht, um sie dann zu ihren Automobilen zu tragen. Und das findet er schade.

9 Responses to “Dies und das”


  1. 1 Sophist X 28. Dezember 2011 um 07:47

    Das waren noch Zeiten. Heute kriechen Legionen von Journalisten allen möglichen Regierungen und Interessengruppen in den A*, aber für so ein Hallo langt’s nichtmehr, höchstens mal für ein Sprecherpöstchen bei Freunden in Politik oder Wirtschaft.

  2. 2 Prosemit 28. Dezember 2011 um 08:22

    Es wird Zeit, daß man endlich den Zugang zu diesen unkritischen alten Zeitungen wieder sperrt. Das Internet begünstigt leider diese nicht redaktionelle korrigierten Berichte, die in Teilen der Bevölkerung zu so vielen Mißverständnissen beitragen.

    Unser aller verehrter Herr Bundespräsident, Wulff der Große, weiß davon ein Lied zu singen.

  3. 3 Neuland 28. Dezember 2011 um 12:24

    Der derzeitigen Berichterstattung muss wenn sie Arbeitstechnisch überleben will seinen Worten sehr geschickt heraussuchen bzw. aufgeben. Macht sie das nicht kann sie ein neues Handwerk Knall auf Fall zwangsläufig nachgehen. Unabhängigenjournalismus ist eingeengt bei „Big Brother“ speziell in der EUdSSR wo die Zeichen auf Unterdrückung und Aufsicht stehen. Das alles auf dem freisten Boden in der deutsche Geschichte. Gut gemacht Demokraten!

  4. 4 Blond 29. Dezember 2011 um 09:46

    Neulich hier mal als Thema (Sicherheit in der bunten Hauptstadt Berlin) –
    und nun das:
    Wie ’sischa‘ Berlin inzwischen ist:
    Bei PI -http://www.pi-news.net/2011/12/berlin-9730-wohnungsaufbruche-in-11-monaten/#more-228248-
    schrieb Kommentator #8 HaGanah (29. Dez 2011 08:57)
    Besonders interessant wird es aber, wenn man sich im Detail ansieht, welche Bereiche der Kriminalität in welchen Polizeiabschnitten besonders stark angestiegen sind – zB. Tötungsdelikte in Kreuzberg/Neukööln – siehe die Aufstellung am Ende des Artikels:
    Dramatischer Kriminalitätsanstieg in Berlin

    http://www.haolam.de/index.php?site=artikeldetail&id=7403
    [AUSZUG]
    „27.12.2011
    Unterschiede in der Entwicklung werden sichtbar, wenn man einen Blick auf die einzelnen Polizeidirektionen wirft:
    Polizeidirektion 5 (Friedrichshain-Kreuzberg-Neukölln): Hier betrug der Kriminalitätsanstieg insgesamt 6,3 Prozent – den größten Anstieg gab es bei Mord und Totschlag: + 39,1 Prozent. Bei Wohnungseinbrüchen betrug die Steigerung 34,1 Prozent.
    Im Bereich der Polizeidirektion 4 (Tempelhof-Schöneberg) stieg die Zahl der Wohnungseinbrüche um 77,9 Prozent, die Kriminalität insgesamt stieg hier um knapp über 10 Prozent.
    Und auch in der vielgerühmten Mitte (Polizeidirektion 3) sieht es nicht besonders gut aus. Hier stieg die Kriminalität um 9,8 Prozent – höchste Steigerungsrate bei sexuellem Mißbrauch von Kindern + 47,6 Prozent), gefolgt von Trickdiebstählen (+ 42 Prozent).
    Im Bereich der Polizeidirektion 2 (Spandau-Charlottenburg-Wilmersdorf) stieg die Kriminalität um 4,1 Prozent- Herausragend: Die Trickdiebstähle stiegen um 171,4 Prozent und die Brandstiftungen stiegen um 61,1 Prozent.
    Im Bereich der Polizeidirektion 6 (Lichtenberg, Marzahn-Hellersdorf, Treptow-Köpenick) stieg die Kriminalität um fast 6 Prozent. Höchste Steigerungsraten: Wohnungseinbrüche (+ 44,6 Prozent), versuchter Mord und Totschlag (+ 36,4 Prozent).
    Zur traurigen „Routine“ gehören in Berlin inzwischen auch brutale Angriffe von schwerkriminellen Tätern auf Fahrgäste in den Berliner U- und S-Bahnen – alleine in der Nacht zu Heiligabend kam es zu 5 solcher Attacken. 2011 wurden mehrere Menschen von zumeist jugendlichen Verbrechern entweder ins Koma geprügelt – zumeist mit schweren Kopfverletzungen – oder in den Tod gehetzt.“

    Diese Stadt ist absolut empfehlenswert –
    für Masochisten und Suizid-Feiglinge –
    und natürlich für
    Chuck Norris
    😀

  5. 5 Hessenhenker 29. Dezember 2011 um 12:22

    Um geliebte deutsche Schreiber oder Politiker zum Galgengerüst auf Händen zu tragen, würden sich die Hunderttaussend schon finden.
    Aber zum Glück gibt es ja das Grundgesetz, das die Todesstrafe ausschließt.

  6. 6 Antifo 29. Dezember 2011 um 13:02

    Aus den Weißen Blättern vom Mai 1938 (Mosaik der Zeit, S. 149):

    Auf dem Reichslehrgang der Gaufachbearbeiter für Vor- und Frühgeschichte in Bayreuth wurden folgende Einheitsbezeichnungen festgelegt: Statt „vor und nach Christi Geburt“ ist zu sagen „vor und nach der Zeitrechnung“; statt „vor-, nach-, provinzialrömisch oder kaiserzeitlich“ sind zur Bezeichnung germanischer Zeitabschnitte und Kulturzustände die Ausdrücke „ur- und großgermanisch“ zu verwenden; statt v ist in germanischen Worten w einzusetzen, z.B. in Wandaler, Ariowist; lateinische Ableitungsformen sind zu vermeiden, also ist zu sagen Karlinger statt Karolinger, Merwinger statt Merowinger; statt ostdeutscher „Kolonisation“ soll es heißen ostdeutsche Landerschließung, Rückgewinnung, Wiederbesiedlung, Rodezeit.

  7. 7 Vitzliputzli´s Oma 29. Dezember 2011 um 13:38

    @ HH

    aber EU-regelungen lassen die einführung wieder zu.

    wir können froh sein, daß sich der letzte ehrliche handwerker noch bereithält 😀

  8. 8 Hildesvin 29. Dezember 2011 um 22:51

    @Prosemit: Treibt Dich die Sorge um, daß die Goyim „schiech“ werden könnten? Da sei getrost, das kommt nicht als nächstes.

    Der Blogwart meint: @Hildesvin, jemanden wegen seines Kommentatornamens anzumachen zeugt von Dämlichkeit. Der Kommentator Prosemit hat hat dem Blogwart wiederholt und oft wertvolle Hinweise gegeben, infolge derer sich das Geschichtsbild des Blogwarts erheblich änderte. Im Zweifel liegen seine Sympathien also eher bei @Prosemit, der die Leute nicht wegen ihrer Namen vollnölt oder ihrer vermuteten Stammeszugehörigkeit. Solch ein Verhalten kann er nicht tolerieren und will es auch nicht.

  9. 9 Hessenhenker 30. Dezember 2011 um 04:05

    Vitzliputzli´s Oma:
    Wirklich? Die EU erlaubt die Todesstrafe wieder?
    Dann verdiene ich ja bald endlich prächtig . . .


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