Verdammte Bildungsungerechtigkeit

Tanga. Wie fängt man Enten? Das Problem hat der Negerjunge, der vor kurzem einem hiesigen Restaurateur die ihm gestohlenen Enten wieder verkaufte und der neuerdings wiederum beim Entendiebstahl gefaßt wurde, wobei man auch „sein System“ kennen lernte, auf sehr sinnige Art gelöst. Er band etwas rohes Fleisch an eine Schnur und warf den angebundenen Köder den Enten zu. Nachdem die Ente den Köder verschluckt hatte, zog sie der Junge an dem übriggebliebenen Stück Schnur heran und die Ente war „verkaufsbereit“.

Nachdem er nun abermals beim Entendiebstahl abgefaßt wurde, wurde der ca. 12 – jährige Bengel zu 14 Tagen verurteilt. Nunmehr werden diese geschätzten „Sonntagsbraten – Vögel“ teurer werden, denn man kann sagen was man will: er hat seine Enten billig verkauft! Und daß er tüchtig gefangen hat, geht schon daraus hervor, daß er einem Restaurateur seit drei Monaten, bei verschiedenen anderen Häusern in Tanga im gleichen Zeiträume ebenfalls Dutzende von Enten verkauft hat!

Während die meisten „schweren Brüder“ unter den Daressalamer Einbrechern gegenwärtig hinter Schloß und Riegel sitzen, finden sich doch immer wieder neue Vertreter der Diebeszunft ein, die allerdings dank der Vigilanz der Daressalamer Lokalbehörde meist bald unschädlich gemacht werden.

So stahl vor einigen Tagen ein Neger in der Rothbletzschen Möbelfabrik zwei eichene Stühle im Wert von 36 Rp. und versilberte dieselben in der Stadt für 5 Rp..  Er erhielt 6 Monate Kette dafür. Die kleinen Bengel, die sich vor etwa einem Jahre mit Schmiere stehen als „Anfänger“ bei Einbrüchen beteiligt hatten, sind vom Bezirksamt nach Verbüßung ihrer Strafe nach der Insel Kwale verschickt worden, wo sie fleißig in den Shamben arbeiten müssen. Das beste Erziehungsmittel.  *Deutsch Ostafrikanische Zeitung 07.02.1912*

Der Blogwart meint: Während sich 1912, nur wegen ihrer Rasse und Hautfarbe, schwarze Facharbeiterlehrlinge in Afrika ein Zubrot mit Entenhandel verdienen müssen, um sich später einmal ein Lesebuch kaufen zu können, schwingen sich weiße Sprösslinge privilegierter Pilgerväternachkommen per Fahrrad und Erfindungsgeist in die Luft, wieder etwas, was der Westen den Naturvölkern angetan hat und an dem sie heute noch ausgiebig zu tragen haben. Hätte das Kaiserreich Deutsch – Ostafrika nicht kolonisiert, wo könnten die Afrikaner heute sein? Auf dem Mars. Mindestens.

13 Responses to “Verdammte Bildungsungerechtigkeit”


  1. 1 Blond 7. Februar 2012 um 11:12

    Mars?
    Mars macht doch mobil (so die Werbung).
    Wären sie also damals in Richtung Mars aufgebrochen
    und nicht von den Kolonialmächten aufgehalten worden,
    wären sie jetzt schon weiter –
    mit Mars.
    Und der Erfindungsgeist der weißen Privilegierten (igitt)
    mit dem Luftfahrrad hätte da oben auch nix gebracht –
    da oben weiter als Mars (ein Vakuumfahrrad vielleicht eher) –
    da haben die Kolonialmächte (die pöhsn!)
    die Negasse ausgebremst.
    Und mit denen auch die gesamte Menschheit.
    Wären wir doch jetzt schon auf dem Neptun,
    ach, was sag ich –
    auf Alpha Centauri.
    Hihi.

  2. 2 Karl Eduard 7. Februar 2012 um 11:39

    Sitzen auf Alpha Centauri nicht die Centauri? Oder so?

  3. 3 Sophist X 7. Februar 2012 um 11:52

    Nein, Harald Lesch wohnt da.
    ***
    Vigilanz: (lat. vigilantia „Wachheit“, „Schlauheit“), Daueraufmerksamkeit, oder Wachheit
    Shamba (Swahili), dt. Schambe, Pl. Schamben: Gemeinschaftsfarm
    Schlimm genug, dass wir bei den Lateinern ein Wort „geborgt“ haben, aber dass wir den unterdrückten Afrikanern nicht nur Kokosnüsse oder Erze stahlen, die ihnen dann im Maschinenbau fehlten, sondern sogar Wörter, ist ein starkes Stück.

  4. 4 Karl Eduard 7. Februar 2012 um 12:07

    Ah. Danke daß Du googlefaulen Lesern hilfst. 🙂

  5. 5 Prosemit 7. Februar 2012 um 12:55

    Wenn ich das richtig sehe, trägt der Radfahrer keinen Sturzhelm, das wäre heute unzulässig und daher verboten. Ausserdem fehlen Sicherungsseil, Fallschirm und DIN Verbandkasten. Kein Wunder, daß damals halb Deutschland ausgestorben war.

    Federvieh fing man damals auch mit in Alkohol getunkten Brotbröckchen…

  6. 6 Prosemit 7. Februar 2012 um 13:00

    Das beste Erziehungsmittel. *Deutsch Ostafrikanische Zeitung 07.02.1912*

    Ich bin in einigen Fällen ein überzeugter Anhänger der Scharia. Beim „Hand ab“ sinkt nachweiwslich die Wiederholungsgefahr bei Diebstählen ganz dramatisch.

  7. 7 Karl Eduard 7. Februar 2012 um 14:26

    Siehe „Max und Moritz“.

  8. 9 Prosemit 7. Februar 2012 um 15:28

    Tips für Wilderer …

    Alkohol getränktes Körnerfutter für Fasane in „Handwörterbuch der Kriminologie“ :

    http://books.google.de/books?id=7ejBfC2HCacC&pg=PA230#v=onepage&q&f=false

  9. 10 Vitzliputzli´s Oma 9. Februar 2012 um 00:25

    hi karli,

    ich verabschiede mich.

    wordpress hat mich – nachdem ich das blog ohnehin völlig entschärft hatte – erneut gelöscht.

    gruß an alle, die meinen blog gelesen haben.

    wir gehen harten zeiten entgegen.

    gruß
    vp

  10. 11 Vitzliputzli´s Oma 9. Februar 2012 um 01:17

    btw:

    vermutlich wäre es taktisch besser gewesen, ich hätte mein zensurgeschrei beibehalten.

    nur mal zum überlegen für zukünftige blogs.

    mich haben sie komplett gesperrt.

  11. 12 Karl Eduard 9. Februar 2012 um 05:20

    Das tut mir leid. Aber genieße die Auszeit. Und es gibt noch andere Bloganbieter, die man wegen der Zensur beschimpfen kann und auffordern: „Löscht mich doch!“ Aber deine Kommentatorenberechtigung haben sie wohl nicht … .

  12. 13 Prosemit 9. Februar 2012 um 07:26

    wordpress hat mich – nachdem ich das blog ohnehin völlig entschärft hatte – erneut gelöscht.

    Hmmmmm, es geht nicht u Blogentschärfung, sondern um möglichst völlige Unterdrückung jeglicher Kritik.


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