Archiv für 22. Februar 2012

Das ist ja gar nicht mehr deutsch hier

Es fällt immer mehr Leuten auf. Schlimm ist aber, daß die anderen Fahrgäste, die freie Meinungsäußerungen hörten wie „Scheißtürken“, „Türkenpack ab nach Auschwitz“ und „sollte man vergasen“ sich weder vom Manne verhetzen liessen, der vom Rechte derselben Gebrauch machte, es unterließen, das  „Türkenpack ab nach Auschwitz“ zu chauffieren, um es dort zu vergasen, offenbar ahnten sie, daß die Vorrichtungen dazu außer Betrieb sind,  aber auch nicht Sprechchöre anstimmten wie „Bunt statt Braun!“, „Deutschland den Türken, Ausländer rein“ oder ganz einfach den Kerl windelweich prügelten und aus der fahrenden Bahn warfen.

Dieser Mangel an Zivilcourage macht den Blogwart empört, betroffen, aber auch ein Stück weit traurig. Insbesondere die Rolle der Bahn muß hier kritisch beleuchtet werden, half sie doch in der Vergangenheit bereits Millionen und Abermillionen nach Auschwitz zu fahren und nun weigerte sich der Zugführer polizeiliche Maßnahmen zu ergreifen! Vielleicht überschritt das seine Befugnisse oder er hatte genügend Erfahrung mit Menschen mit Migrationshintergrund aber all das kann sein politisches Versagen natürlich nicht entschuldigen. Wir werden uns also für die Zukunft eines weiteren „Zugs der Erinnerung“ erfreuen können müssen, in dem fotodokumentarisch Menschen mit Migrationshintergrund von ihren unglaublichen Demütigungen in Deutschland berichten, einem Land, in dem es sich super von den Sozialleistungen leben läßt, die die Einheimischen für sie erarbeiten und das sie deshalb nicht verlassen werden. Trotz aller Demütigungen.

Versagt haben aber auch die Lehrer. Hier hätten sie gleich die Situation nutzen müssen, um zu klären, was ein Nazi ist. „Das, liebe Kinder“, hätten sie sagen müssen, „das ist ein Nazi. Jemand, der Angst vor Überfremdung hat, der sich im eigenen Land überrannt fühlt, von Menschen mit Migrationshintergrund und der kein Recht hat, sich so über Euch zu äußern, denn das, was er sagt, das ist Faschismus, der bekanntlich keine Meinung ist, sondern ein Verbrechen. Er ist ein Meinungsverbrecher, der abgeurteilt gehört.“ Ja, das haben sie verpasst. Die Lehrer. Oder vielleicht haben sie es auch getan, nur schreibt die Zeitung nichts darüber. Und das ist doch traurig. Denn es hätte den Zustand des Landes etwas erhellt.

Wieder Ausländer ermordet

Homburg, 20. Febr. Ein Eisenbahnunglück ereignete sich heute morgen auf der Eisenbahnstrecke Homburg – Friedberg in der Nähe der Station Rodheim. Der Personenzug 920 fuhr in eine Rotte italienischer Arbeiter, von denen einer getötet, zwei schwer und mehrere leicht verletzt wurden. Eine dreizehnjährige Heldin. In Weiltingen (Bayrisch – Schwaben) hat die dreizehnjährige Landwirtstochter Auguste Lutz zwei fünf und sechs Jahre alte Kinder aus dem Treibeis der Wörnitz mit eigener höchster Lebensgefahr vom Tode gerettet.

Der „Storch“ im Flugapparat. Es ist heutzutage nichts Seltenes mehr, schreibt die „Frankf. Ztg.“, daß sich junge Erdenbürger die neuesten Verkehrsmittel zur Stätte ihres Erscheinens auf dieser Welt aussuchen. Das modernste Kind ist doch wohl der junge Sohn des Bankiers Fulton in Neuyork, denn dieser junge Zeitgenosse suchte sich einen Flugapparat aus, um darin, gleichsam im Fluge, das Licht der Welt zu erblicken. Am 13. Januar machte der amerikanische Flieger Bothner einen Passagierflug, an dem der Bankier Fulton und seine Gattin teilnahmen. Der Flug gelang vorzüglich und führte bis zur Höhe von 150 Metern. Plötzlich aber wurde der Flieger veranlaßt, das Flugzeug zur Erde zu lenken, denn seine Begleiterin fühlte, daß ein erst in einiger Zeit erwartetes freudiges Ereignis jetzt schon eintrete. Kaum hatte sich das Flugzeug zur Erde niedergelassen, als der junge Erdenbürger mit freudigem Geschrei das Licht der Welt erblickte. Der Flieger konnte die Bemerkung nicht unterdrücken, daß er zwar schon allerlei Vögeln auf seinem Fluge begegnet sei, sich aber nicht erinnere, jemals einen „Storch“ angetroffen zu haben.

Düsseldorf, 21. Febr. Hier ist es während der Karnevalstage mehrfach zu Ausschreitungen gekommen. In verschiedenen Fällen setzte es blutige Köpfe. Auch Messerstechereien waren vielfach zu verzeichnen. Im Polizeigewahrsam waren während der letzten Tage weit über 100 Personen untergebracht worden. *Coburger Zeitung 22. Februar 1912  *

Der Blogwart meint: Kein Wunder, wenn der Lokomotivführer die Italiener für eine Rotte Sauen gehalten hat, daß er nicht anhielt. Dennoch muß diese Tat ganz eindeutig der Statistik der Morde, begangen aus politischen Motiven, zugeordnet werden, wobei diese Motive nicht in der Errichtung der besseren Welt des Kommunismus liegen können, die bringen ja bekanntlich nur das Gute und Schöne hervor.

Auguste Lutz, eine Heldin unserer Zeit, aber – hätte sie sich 50 Phantomnazis entgegengeworfen, die die beiden Kinderlein unterm Eise hätten ertränken wollen, die Auszeichnung für Zivilcourage wäre ihr sicher gewesen und eine bis ans Lebensende andauernde Vortragsreise durch Kindergärten, Schulen und vor den Bundestag, wo sie als Überlebende von Naziterror hätte berichten müssen. So hat sie vielleicht einen Schnupfen bekommen, oder eine Lungenentzündung, die Mißbilligung der Eltern und einen kleineren Betrag Münzen durch wohlmeinende Mitbürger, mit den Worten: „Bist ein braves Mädchen, Auguste.“ Pech gehabt!

Einen unbequemeren Platz zur Entbindung hätte die Bankiersgattin sich kaum aussuchen können. Wieder ein Kind, privilegiert im Flugzeug und mit goldenem Löffel im Mund geboren, worauf der Neuyorker Arbeitsmann mit den Worten Brechts ausruft: „Wäre ich nicht arm, wärst Du nicht reich.“ Und Brecht gilt heute immer noch als großer Literat, weniger als sozialistischer Simpel, den auch Kommissar Ehrlicher immer mal im Munde führt. Aber ohne Flax, im Kaiserreich wurden all die Dinge entwickelt, die für uns heute zum alltäglichen Leben gehören und sind sie einmal fort, mangels Elektroenergie, wird es an intelligenten Menschen fehlen, die so etwas wieder zu erfinden vermögen. 

Damals mußten in Düsseldorf noch die Deutschen aufeinander einstechen. Heute müssen sie das nicht mehr. Dank der planmäßigen Zuwanderung von Facharbeitern in Messerstecherei, sind sie von dieser schmutzigen Arbeit entlastet. Höchstens, daß sie abgestochen werden. Dann freuen sie sich über die Arbeit ihrer Politiker, die ihnen diese schöne Erfahrung ermöglicht hat. 


Februar 2012
M D M D F S S
« Jan   Mrz »
 12345
6789101112
13141516171819
20212223242526
272829  

Blog Stats

  • 2.156.442 hits

Archiv