Archiv für 24. Februar 2012

Wer ist gemeint?

*Danzers Armeezeitung vom 22. Februar 1912* schreibt: … So sind wir …  ein Volk unverbesserlicher Lügner, ein Volk, in dem die Mehrzahl der gebildeten Leute beständig sich selber und die anderen belügt. Je allgemeiner und energischer ein politischer, moralischer oder sozialer Grundsatz von unseren herrschenden Schichten betont wird, um so berechtigter ist man zu der Voraussetzung, daß niemand an denselben glaubt.

Wenn man mit politischen Männern aller Parteirichtungen spricht, seien es Sozialdemokraten, Radikale oder Konservative, so urteilen sie leidenschaftslos, klar und orginell über die Führer und ihre Verhältnisse bei ihrer eigenen oder bei den anderen Parteien. Wenn man sie aber auf der Rednertribüne, in ihrer Eigenschaft als politische Männer wieder sieht, so sind sie von neuem Sklaven derjenigen konventionellen Lüge, die bei ihrer Partei als Wahrheit proklamiert worden ist. Man weiß nicht, ob dieses leichtfertige Spiel mit Gewissensfragen eine Art moralische Bewußtlosigkeit oder die Höchste Kunst der Heuchelei ist….

Indianer schmeissen mit Steinen

*Kavallerie zieht ab* Natürlich, natürlich, 50 Mann auf des toten Moslems Kiste? Johoho! Und ne Buddel voll Rum! Geht ja gar nicht. Meint der Blogwart. Oder gar 55 Tage ausharren, in Peking, umbrandet von Millionen aufgebrachter Chinesen, bis Entsatz naht, oder von 30 000 moderaten Taliban, die zu verteidigen die Bundeswehr einst auszog.

Da ist es taktisch klüger den Außenposten aufzugeben. Gut, das mag jetzt aussehen, als zöge die tapfere Bundeswehr den Schwanz ein, was sie faktisch auch tut, das ist aber nur ein Manöver, um den Feind, die afghanische Bevölkerung, in Sicherheit zu wiegen, um sie dann blitzschnell und unerwartet mit dem Bau neuer Brunnen, Brücken und Wege aus dem Hinterhalt zu überraschen. Ick bin eben allhier, ruft der Igel. Danke an Prosemit.

Bild: Fürchten Gott und sonst nichts auf der Welt. Nicht einmal räudige Steineschmeisser. Das waren aber auch des Kaisers Soldaten. So etwas wollen wir nie wieder haben!

Messer, Gabel, Schere, Licht …

Fulda, 22. Jan. Das alte Lied. In der Villa Völker des Besitzers des Basaltwerkes in Bacha a. d. Werra hatte das junge Kinderfräulein den verhängnisvollen Einfall mit dem Gewehr seines abwesenden Herren zu spielen und es in Gegenwart der Hausmagd scherzhaft auf sich selbst anzulegen. Ein Schuß ging los und verletzte die unvorsichtige Dame so schwer, daß sie alsbald im städtischen Krankenhause verstarb.

Plauen, 21. Jan. Selbstmord am Grabe.  An dem Grab ihres Freundes, eines hiesigen kürzlich verstorbenen Fabrikanten, erschoß sich gestern die zuletzt in Leipzig wohnhafte, von ihrem Ehemanne getrennt lebende Kaufmannsgattin Redlich. Sie führte bei sich zwei Briefe, einen an ihren Ehemann, den anderen an die Polizei, die über den Beweggrund ihres Todes Auskunft geben.

Kiel, 22. Jan. Ein blutiges Liebesdrama hat sich am Lankersee bei Kiel abgespielt. Dort fand man am Montag früh die Leiche des Obermatrosen Freimuth von dem kleinen Kreuzer „Dresden“ und dessen Braut mit durchschossener Schläfe tot auf. Nach den bisherigen Ermittlungen hat Freimuth seine Braut erschossen und dann sich selbst entleibt. Das BKA würde heute zum gegenteiligen Schluß kommen, also, daß Freimuth sich zuerst selbst erschoß, dann einen Abschiedsbrief schrieb und anschließend seine Braut zum Tode beförderte.  Das Motiv soll in unüberwindlichen Ehehindernissen zu suchen sein. Die Erschossene war ein Fräulein Martha Brandt aus Berlin.

Von Mädchenhändlern entführt wurde die bei einem Fabrikanten in Reschwitz an der Elbe bedienstete 18jähr bildschöne Else Wacker aus Bühlau bei Dresden. In Moskau erschoß sich die bekannte Schauspielerin Schrjenikova vom Künstlerischen Theater, nachdem sie von einem Kostümball  bei Dr. Baschenow nach Hause zurückgekehrt war. Im ganzen Land fanden keine Schweigeminuten statt, weder für die Opfer inländischer noch migrantischer Gewalttäter. Schwachköpfe und Narren wurden damals nicht für Regierungsämter zugelassen. Heute ist das zwingend Bedingung. *Coburger Zeitung 24. Februar 1912  *

Bild: Obwohl genügend Menschen 1912 Schußwaffen zum Opfer fallen, versäumt es der deutsche Reichstag sich bei den Opfern der Schußwaffengewalt zu entschulden, insbesondere deutsche Waffen sind für ihre mörderische Zweckmäßigkeit geradezu berühmt. Untraumatisiert träumen deutsche Buben folgerichtig davon, wie es wäre, ein Gewehr oder eine Pistole zu besitzen. So ist der erste Weltkrieg nicht mehr aufzuhalten.


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