Berechtigte Forderungen in anderen Ländern

 

Washington, 24. Februar. In einer gestrigen Versammlung der Flottenliga hielt Präsident Taft eine Ansprache, in der er erklärte, er sei für den Bau zweier neuer Schlachtschiffe in diesem Jahr und werde beim Kongreß einen entsprechenden Gesetzesentwurf unterbreiten. Er versicherte weiter, daß er für eine tüchtige und starke Flotte eintrete, die die amerikanische Nation in den Stand setze, ihre Stellung zu wahren und ihren berechtigten Forderungen in anderen Ländern Achtung zu verschaffen. Er halte die Zeit, bei Flottenausgaben zu sparen, erst dann für gekommen, wenn der Krieg abgeschafft sei. Man müsse sich nach der politischen Lage richten und ein Land lasse Vorsicht und gesunden Menschenverstand vermissen, wenn es in dieser Sache versage. *Freiburger Zeitung 26. Februar 1912 *

Über das Bombardement von Beirut veröffentlicht das türkische Ministerium des Innern folgende Mitteilung aus Beirut, 24. Februar. Heute früh 7 Uhr erschienen zwei italienische Panzer (schiffe) und zwei Transportschiffe vor Beirut und verlangten die Übergabe des Kanonenbootes Ain Illah und des Torpedobootes Angora. Die türkischen Schiffe machten sich unverzüglich kampfbereit, während die Behörden über die von dem italienischen Kontreadmiral gesandte Note beratschlagten. Noch bevor die von den Italienern gesetzte Frist abgelaufen war, begannen die italienischen Kriegsschiffe mit dem Bombardement. Die türkischen Schiffe verteidigten sich tapfer. Das Kanonenboot wurde von mehreren Kugeln getroffen und fing Feuer. Ein Kessel explodierte, und die Mannschaft wurde mit den Waffen so schnell wie möglich ausgeschifft. Nachdem sowohl die Ain Illah wie die angora zum Sinken gebracht worden waren, entfernten sich die feindlichen Schiffe und kehrten zwei Stunden später wieder zurück. Sie bombardierten die treibenden türkischen Schiffe von neuem. Ein Geschoß schlug in das Gebäude der Banque Ottomane ein und beschädigte es. Sodann entfernten sich die italienischen Schiffe. …  *Freiburger Zeitung 26. Februar 1912 *

Bild: Um den berechtigten Forderungen der westlichen Staaten  in anderen Ländern Geltung zu verschaffen, bauen sie Kriegsschiffe und besetzen fremde Küsten, wie hier die Italiener vor Tripolis. Alleine der übersteigerte Nationalismus des deutschen Kaiserreiches wird aber 1914 den Ersten Weltkrieg entfachen in einer bis dahin rundum friedlichen Welt. So jedenfalls lernen es die heutigen Silkes und sie sind zufrieden damit.

5 Responses to “Berechtigte Forderungen in anderen Ländern”


  1. 1 Prosemit 26. Februar 2012 um 09:27

    Sie bombardierten die treibenden türkischen Schiffe von neuem

    Ja gibt es denn sowas! Bombardieren, statt sich um die Schiffbrüchigen und Verletzten zu kümmern? Gut, daß heute die Welt friedlicher und besser geworden ist.

    Aber wieso lagen eigentlich türkische Schiffe dort? Ich dachte, das Land gehört den Libyern, die die jetzt so heldenhaft den Frühling vorzeitig ins Land brachten und den Schlächter von Tripolis vorzeitig in die Hölle mittels rektaler Eisenstange…

    Geschichte ist immer so verwirrend, je tiefer man versucht die Zusammenhänge zu verstehen.

    Da ist unser gewesenes Präsidentchen schon einfacher gestrickt…

    Christian Wulff muss erklären, wer zwei Sylt-Reisen für ihn und seine damalige Freundin Bettina nach Sylt bezahlte. Nach SPIEGEL-Informationen verteidigt sich der ehemalige Bundespräsident damit, dass die Mutter seiner Freundin das Geld geschenkt habe.

    Nur zur Erinnerung, damals war dieses Männnchen der Ministerpräsidentdarsteller und muss sich Geld für einen, zwei Sylt Urlaub(e) schenken lassen, diesmal von der Mutter der Freundin. Vor längerer Zeit stellte ich die für mich grundlegende Frage :

    „Wieso braucht so etwas überhaupt fremdes Geld???“

    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,817607,00.html

  2. 2 Karl Eduard 26. Februar 2012 um 09:54

    Schön ist aber auch, daß wegen der Bombardierung durch Italiener gleich die Fremden gelyncht werden, in Beirut. Ein Russe hat es nicht überlebt.

  3. 3 Prosemit 26. Februar 2012 um 10:08

    Schön ist aber auch, daß wegen der Bombardierung durch Italiener gleich die Fremden gelyncht werden, in Beirut.

    Kulturelle Eigenart. Gehört dazu. Letzte Woche habe ich die Orientbeschreibung der Hahn-Hahn zu Ende gelesen. Nun, ich bin zwar durch Wikipedia gewarnt worden, aber, was sie über ihre Reise schreibt istg nun doch zu, wie soll ich sagen, voreingenommen ?

    Zu mindest in dem Jahr, in dem sie reiste, bekämpften sich mal wieder allle Stämme im Nahen Osten gegenseitig, wurden lebendig begraben oder schnitten Köpfe ab. Ich habe das Gefühl, daß sich zumindest dort, wo die Israelis nicht für Ordnung sorgen, seit 1843 die Lage eher verschlechtert hat.

  4. 4 Prosemit 26. Februar 2012 um 10:18

    Hahn-Hahn im Original :

    . Hier sollte Tribut gezahlt werden; aber man wollte nicht, und suchte die Einforderer desselben zu vertreiben – wie es schien mit Glück, denn der jauchzende Zugharit der Weiber übertönte schrillend Flintenschüsse und Getöse. Ich bin aber schon ganz blasiert über arabische Aufstände. Seit Beirut höre ich nichts anderes. Die Schüsse störten nicht meinen Schlaf.

    http://gutenberg.spiegel.de/buch/1650/28

  5. 5 Karl Eduard 26. Februar 2012 um 11:35

    Lass mich mal wieder meine Dankbarkeit zum Ausdruck bringen, für die Erschliessung all der wunderbaren Quellen. Und wenn ich auch nicht auf jeden Deiner Kommentare eingehe, Du hast Dich sehr um meine Bildung verdient gemacht. 🙂


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