Allerlei Nazizeugs

Fulda, 26. Febr. Die Zigeunerbande, die den Förster Romanus ermordete, beunruhigt noch immer die Gegend. Am Montag früh veranstalteten 50 Gendarmen und 50 Jäger aus Marburg eine große Streife durch die Wälder. Bei Schlitz holten in der Nacht zum Montag 12 bewaffnete Zigeuner einen Förster aus dem Bett und ließen sich ein Reh braten.

Wien, 26. Febr. Ein Orden für eine Mutter von 7 Offizieren. Kaiser Franz Josef hat soeben einer Frau eine ungewöhnliche Auszeichnung für Verdienste um das Heer verliehen. Anna von Lunzer, die Witwe des verstorbenen Generalmajor von Lunzer, erhielt nämlich von dem Kaiser den Elisabeth – Orden 2. Klasse. Bei der Verleihung wurde ausdrücklich darauf hingewiesen, daß der Kaiser damit bezwecke, eine Mutter zu ehren, die dem Vaterlande sieben Söhne geschenkt hat, von denen sechs als Offiziere im Heere dienen. Eine Mutter, die so tüchtige Kinder hat, ist in erster Reihe einer Ordensauszeichnung würdig, da sie sich um den Staat verdient gemacht hat.

London, 27. Febr. Im Unterhause gab es eine Schießaffäre. Ein in der äußeren Galerie sitzender Geistlicher sprang plötzlich auf und begann mit einem Revolver nach der Decke zu feuern. Die Halle war mit Abgeordneten gefüllt. Alle stürzten in wilder Flucht nach der inneren Halle. Mehrere Polizisten eilten herbei und bemächtigten sich des offenbar Irrsinnigen, der in größter Erregung schrie: „Heute werden alle Arbeiter ihre Werkzeuge niederlegen. Der Messias ist gekommen.“  Er wurde nach dem Polizeiamt gebracht, wo er in Haft genommen wurde. Im Inneren des Unterhauses bewirkte der Knall der Schüsse um so mehr Aufregung, als die Mitglieder bereits etwas nervös waren in Erwartung eines Überfalls des Hauses durch Suffragets.

Politik und Beamte in den Vereinigten Staaten.  Einen interessanten Beweis, wie die Politik in den Vereinigten Staaten alle Beamtenverhältnisse durchdringt – übrigens eine Erscheinung in allen Republiken – liefert der Verwaltungsbericht des Generalpostmeisters der Vereinigten Staaten, der im Februarheft der Zeitschrift des internationalen Postbueros in Bern veröffentlicht wird. Der Generalpostmeister führt dort aus, daß „ungeachtet aller Verbesserungen der letzten Zeit der höchste Grad der Leistungsfähigkeit im Postbetrieb nur dann erreicht werden kann, wenn die Tausende von Postmeistern 1. bis 3. Klasse, die jetzt lediglich aus politischen Gründen ihr Amt erhielten, künftig den Postfachbeamten entnommen und, unabhängig von jeder Politik, so lange im  Amte belassen würden, als sie ihre Obliegenheiten zur Zufriedenheit erfüllten.“

Dieser Stoßseufzer des Chefs der amerikanischen Post über die Behandlung freier Bürger im freien Amerika, klingt in unseren Augen fast unglaublich und drückt einen Zustand aus, der einer großen und freien Nation unwürdig ist.

Petersburg, 26. Febr. Hier eingetroffenen Nachrichten zufolge ist die augenblickliche Lage in Albanien wieder sehr ernst. In der Nähe der Eisenbahnlinie von Prizrend fand ein heftiger Kampf zwischen türkischen Truppen und Malisoren statt, bei dem etwa 40 Tote das Schlachtfeld bedeckten. Die Gouverneure von Skutari und Kossowo haben telegrafisch um Verstärkung ersucht. Seitens des türkischen Kriegsministeriums ist daraufhin der Befehl zur Mobilisierung von 60 000 Mann Truppen ergangen. Die städte Komanovo und Bratvo werden von türkischen Truppen belagert. Eine große Anzahl Einwohner der dortigen Gegend wurde verhaftet und ins Gefängnis gebracht. Nach der Meldung der „Nowoje Wremia“ haben die  Türken in der Stadt Kitschowo ein Blutbad veranstaltet. *Coburger Zeitung 28. Februar 1912 *

Bild: Marie Adelheid von Luxemburg, nach dem Ableben des  Großherzogs Wilhelm von Luxemburg, besteigt die 17 jährige, da der „Nassauische Mannesstamm erloschen ist“ den verwaisten Thron. Wie dem Kommentator mal jemand bei PI erklärte, ist dieser Fall der absolute Beweis für die völlige Emanzipation der Frau. Gemeint war eine weibliche Ministerin in Pakistan. Die Suffragetten hätten sich weggeschmissen vor Lachen.

2 Responses to “Allerlei Nazizeugs”


  1. 1 Sophist X 28. Februar 2012 um 08:55

    Der Blogwart bewegt sich hier auf dünnem Eis, denn allein die Wiedergabe vergangener antiziganistischer Umtriebe kann die Verleihung des Antiziganismus-Stinkstiefels durch den Blog h t t p://antizig.blogsport.d e/ zur Folge haben (absichtlich kein Link). Vor allem, wenn historische Fakten angeführt werden, ohne in einem Kommentar die nazihafte Verderbtheit der nichtziganen Bevölkerung in damaliger Zeit zu geißeln bis es qualmt.

    Anlass für den Antiziganismus-Stinkstiefel im Februar 2012 war ein Bericht des Schützenvereins Wanfried 1568, dessen Mitglieder in der Vergangenheit herangezogen wurden, um u.a. Zigeunerbanden in den Wäldern zu verfolgen:
    1705: Wiederholt wurde(n) sie zum Vertreiben von Zigeunerbanden und Marodeuren aufgeboten und mußte zu dem Zweck die umliegenden Wälder abstreifen, ja manchmal ganze Nächte hindurch unter Gewehr bleiben.

    Klare Sache, auch wenn der Betreiber des Antiziganismus-Blogs das Wort Zigeunerbanden nicht beanstandet, also schweigend als volle Möhre korrekt zur Kenntnis nimmt, kann es nicht sein, dass niemand erwähnt, dass die Zigeunerbanden damals die Opfer waren bzw. 250 Jahre später sein werden, was die dummen Schützen 1705 hätten wissen müssen und heute ja erst recht.

  2. 2 Karl Eduard 28. Februar 2012 um 09:04

    Deswegen hat er zur Sicherheit auch Nazizeugs drübergeschrieben, um die Umtriebe der Rosenbergschen Rassenlehre von 1912 ausgiebig zu geisseln. Zigeuner waren damals eine Art Wald -,Wiesen -, und Landstraßenelfen, die lediglich Schabernack trieben, wie mal Wilddieberei und Mord, kein Grund, ihnen gram zu sein. Heute sind wir toleranter. 🙂


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