Archiv für 5. März 2012

Essen kommt aus dem Kühlregal

In Das Wichtigste vom Tage schreibt die *Coburger Zeitung vom 05.03.1912* : Die sozialdemokratischen Gewerkschaften überwiesen dem englischen General – Streikkomitee als erste Unterstützungsgabe 500 000 Mark. In London haben die fanatischen Frauenrechtlerinnen für 100 000 Mark Fenster zertrümmert. (Zum Vergleich: 1 Brathahn russischen Mastgeflügels wird zu 1,75 Mark gehandelt. Ein Suppenwürfel von Maggi, ausreichend für 2 – 3 Teller Suppe, für 10 Pfennige. 2000 Mark die Ergreifung der Zigeuner Ernst – und Wilhelm Ebender wegen Mordes am königlichen Förster Romanus aus Niesig.)

Ausland. Christiana, 2. März. Die Leitung der Fabrik Borregard in Sarpsborg stellte heute sämtlichen Arbeitern, 2000 an der Zahl, die vierzehntägige  Kündigung zu, da die Fabrik wegen Kohlenmangels, der durch den Kohlenarbeiterstreik in England verursacht wird, außer Stande ist, den Betrieb aufrecht zu erhalten. Daß diese Leute wegen der 500 000 Mark Spende der deutschen Gewerkschaften entlassen wurden, ist reine Spekulation.

Berlin, 2. März. Wieder einer. In Spandau hat sich der Bankier Baethge, der Inhaber eines in der Grunewaldstraße belegenen Bank – und Inkassogeschäfts nach Veruntreuung von 3/4 Million Mark erschossen. London, 2. März. Da werden Weiber zu Hyänen. Bei der gestrigen Demonstration wurden von den Suffragetts für 100 000 Mark Fenster zertrümmert. Ein Teil der Fälle wurde heute vor dem Polizeigericht verhandelt. Frau Pankburst bekam zwei Monate Gefängnis. Eine Anzahl der Verhafteten wird jedoch nicht mehr vom Polizeirichter abgeurteilt, sondern der Jury überwiesen werden.

Chinesischer Frühling kommt gut voran. London, 4. März. Das Reutersche Buero meldet aus Tientsin: Aufrührerische Soldaten plünderten und brandschatzten gestern abend, unterstützt vom Pöbel, die Läden und Banken in allen Hauptstraßen. Sie unterhielten ein ständiges Feuer und versetzten die ganze innere Stadt in Schrecken. Der deutsche Arzt Schroeter wurde, als er versuchte, seinen deutschen Freunden zu Hilfe zu eilen, beim Betreten des Stadtinnern von den Aufständischen erschossen.Peking, 4. März. … Im Laufe des gestrigen Tages wurden wieder mehr als hundert Hinrichtungen vorgenommen. Unter den Hingerichteten befanden sich auch eine große Anzahl Frauen und Beamte, die jedoch nicht in ihrer Uniform dem Tode übergeben wurden, weil man befürchtete, daß dies die aufrührerischen Soldaten noch mehr reizen könnte. Die Leichname der Hingerichteten liegen auf den Straßen.

Bild: 1912 soll das Völkerschlachtdenkmal eingeweiht werden. Es wird an die fremdenfeindlichen Ausbrüche in und um Leipzig erinnern. Völlig überraschend wurden dort vor 100 Jahren Tausende Franzosen ermordet und verstümmelt. Obwohl die Franzosen damals unbestritten zu Deutschland gehörten. Eine Tatsache. Wie Harald Martenstein schreiben würde. Der Schoß ist fruchtbar noch.


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