Ist Amerika gut und Rußland böse?

 

Müssen wir stolz auf uns sein, weil wir zwischen Übeln wählen und begeistert rufen: „Ich habe aber das kleinere gewählt, was bin ich froh!“ Manche Leute wählen ja auch andauernd zwischen CDU und SPD und verweisen dann zutiefst überzeugt darauf hin, wenn jetzt nicht alle CDU wählen, dann kommt es noch viel schlimmer, als mit der CDU. Deswegen ist es, sozusagen Bürgerpflicht, die Nichtskönner im Amt zu halten, damit sie nicht von anderen Nichtskönnern ersetzt werden. Was soll das für eine Wahl sein, wo Leute sich so entscheiden und glauben, sie hätten nun Schlimmeres verhindert?

Und Amerika. Man hört ja immer, wie froh Leute sind, unter einem lässigeren Patron zu leben. Solange man tut, was man will, lässt der einen machen. Ja, merken die gar nicht, wie seltsam  das ist,  wie da die Freude über die Unterwerfung unter einen wohlwollenden Herren in jedem Satz mitklingt? Kommen diese Leute überhaupt auf die Idee, daß frei zu sein, auch eine Option ist? Nicht mehr an jemandes Kette zu liegen, die einem entweder mehr Luft lässt oder weniger? Oder seine politischen Partner danach auszuwählen, was den größten Vorteil für den eigenen Staat bringt? Kommen die überhaupt darauf? Der Blogwart meint nein.

Bild: Amerika. Unser großer Bruder, Wohltäter und Beschützer. Nicht nur, daß es auf Greuelmärchen hin auf Seiten der Entente in den Ersten Weltkrieg eingegriffen hat, nicht nur, daß es alle Versprechen seines Präsidenten Wilson brach, auf die hin die deutsche, kaiserliche Armee mit dem Kampf aufhörte (Daher auch das „Im Felde unbesiegt“) , nicht nur, daß Amerika allen Völkern das Selbstbestimmungsrecht zusprach, es den Deutschen aber verweigerte, nicht nur, daß es ohne Not im Zweiten Weltkrieg auf Seiten Englands in den Krieg eintrat, ohne daß Deutschland es jemals angegriffen hatte, nicht nur, daß es ganze  Landstriche zerbombte, Städte in Schutt und Asche legte und viele Hunderttausend Deutsche ermordete, es hat uns auch die gelenkte Demokratie gebracht und die gelenkte Presse, schlimmer hätten wir es nur mit den Sowjets treffen können.

Seither sind wir Amerika zutiefst dankbar, für alle Zerstörungen, Kriegstoten, Kaugummi und Hollywood,  und immer bereit, auf Pfiff das Stöckchen zu holen oder unsere Soldaten irgendwohin in den Tod zu schicken. Denn unter der Sowjetunion wäre es noch viel schlimmer! Die ist aber, seit 20 Jahren tot. Und zwischen Rußland und Deutschland liegt – Polen! Zeit, aufzuwachen. 

Und an dieser Stelle kommt dann immer der weinerliche Einwurf, ja, aber die verlangen Geld für ihr Erdgas und Erdöl und was, wenn die einmal nicht mehr liefern, um zu erpressen, daß  Gregor Gysi Bundeskanzler wird. Dann, meint der Blogwart, wird uns das großherzige Amerika aus der Patsche helfen und eine Tankerflotte schicken, wie es das ja auch jetzt schon immer tut. Denn seien wir doch einmal ehrlich, Erdgas und Erdöl kaufen wir den Russen doch nur wegen der Mildtätigkeit ab, nicht, weil wir es brauchen und es sonst keiner in dieser Menge und so komfortabel liefert. Außer, wenn die Ukraine mal die Rechnungen nicht bezahlt oder von unseren Lieferungen etwas abzweigt. Übrigens ist der Blogwart auch gegenüber seinem Bäcker zutiefst mißtrauisch. Was, wenn der einmal sagt, er soll seine Fenster putzen, sonst gibt es keine Brötchen mehr?  Nicht auszudenken.

5 Responses to “Ist Amerika gut und Rußland böse?”


  1. 1 eulenfurz 29. März 2012 um 06:41

    Was gut oder böse ist, entscheiden doch nur die jeweilige Propaganda und die Masse, welche diese Propaganda nachplappert.

    Dahinter stehen Macht- und Interessenkonstellationen, und wer das amerikanische Lebensmodell toll findet, vielleicht auch, weil er gar nichts anderes kennt oder sich vorstellen kann, wird auch tausend moralische Gründe zu dessen Verteidigung finden.

  2. 2 Pegnitzstrom 30. März 2012 um 13:18

    Wenn hierzulande von morgens bis abends im Radio rhythmisch-russische Musik zu hören, im Fernsehen eine spannende russische Fernsehserie nach der anderen laufen würde, die uns zeigte, wie schön doch das russische Land, wie edel die russischen Menschen und wie wunderbar die russische Kultur sei, wenn kritische Journalisten uns in den kurzen Pausen dazwischen in kritischen Sendungen immer und immer wieder offen und ehrlichen zeigen würden, wie dreckig und verkommen, wie verfilzt und korrupt, wie ungerecht und rassistisch dieses Amerika doch in Wirklichkeit ist, wie wäre dann die Sicht der Dinge in dieser Republik in zwanzig oder in vierzig Jahren?

  3. 3 Seltener Gast 30. März 2012 um 14:28

    Ich erlaube mir mal an dieser Stelle diesen Satz zu kommentieren, der zum Kommentarbereich des vorigen Artikels gehört: „Mir kommt es vor allem darauf an, wo meine eigenen Interessen liegen.“

    Schön! Wollen wir doch gleich mal diesen Satz analysieren, den Schwerpunkt heraustreichen. Und der läßt sich an zwei Wörtern festhalten: „Mir“ und „meine“.
    Diese Haltung hat man zu allen Zeiten Egpismus genannt. Wenn nun die Sowjetunion (und nicht das heutige Rußland) seine Besatzungszone besetzt hielt, so mache ich ihm deswegen keinen Vorwurf, genausowenig, wie ich den Amerikanern vorwerfe, daß sie versuchten Trizonesien nicht nur nur mit purer Gewalt, sondern auch mit Kaugummi zu unterwerfen und zu halten. Weder sind die einen „gut“ noch die anderen „böse. Es sind Weltmächte. Punkt.

    Was mich so unendlich ankotzt, ist diese „Me-myself-&-I-Haltung“. Nicht die Sowjetunion ist es „schuld“, daß sie die Ostzone besetzt hielt oder Amerika, daß sie die Bundesrepublik etwas geschickter an der langen Leine führte, sondern der „Me-myself-&-I-Deutsche“, der kaugummikauend die Befreiung von den Nazis und den Sowjets durch den lieben Ami feiert.
    Mein Großvater Nummer eins wurde von der Sowjetunion befreit, auch sein pommerscher Hof, der Großvater Nummer zwo von den Amis. Also: befreit vom Leben. Da in meiner Familie glücklicherweise Klartext geredet wird, kam bei mir nie diese unbewußte Amerikanisierung an.

    Wer mit dem Feind pa“c“ktiert (sprich: Kaugummi kaut oder Soljanka frißt) kann mich mal. Was ich interessant finde? Seit wann der Egoismus eine „Haltung“ ist, die man auch noch meint, offensiv vertreten zu müssen, ohne eine Spur von Scham? Ohne eine Spur der Empfindung dafür, daß es sich überhaupt um Egoismus handelt.
    In meiner beruflichen Tätigkeit habe ich die regelmäßige Aufgabe, hochqualifiziertes Personal einzustellen und auswählen zu müssen. Ich habe die Erfahrung gemacht, daß diese Ego-Leute, wenn es mal (in der Regel zeitlich) pressiert, zu nichts zu gebrauchen sind.

    Egoismus ist eben keine Haltung und indiskutabel.

    Mit diesem Kommentar wollte ich nicht auf Fragen der Machtpolitik eingehen, sondern nur auf die Amoralität, die uns Deutsche so leicht zum Spielball fremder Mächte gemacht hat. Unsere Selbstvergessenheit. – Diese hat allerdings eine katastrophale politische Konsequenz: Der freiwillige Verzicht auf nationale Freiheit. – Für ein paar Streifen Kaugummi.

    Nochmal zurückkommend auf den getätigten Kommentar. Die Äußernde Person hat eigentlich der Sowjetunion vorgeworfen, daß sie SELBST zu feige war, sich der Anbiederung zu entziehen.
    Als Unterprimaner habe ich in einer der klassischen „Gedenk“-Besuche in Dachau den Eintritt zu einer Touristenattraktion verweigert, als junger Soldat habe ich neukrank gespielt. Schaden? Keiner. Das war keine Heldentat, sondern der innere Wunsch, sich den Siegern nicht anzudienen, schon gar nicht, sich vor deren Macht-Symbolen zu verbeugen, sprich Gessler-Hüten zu grüßen.

    Wer den Ami lieb haben will, wie gewisse Eisbären oder Schmier-Zettel, sollen das gerne tun. Die spielen einfach nicht in meinem Team. Zur sachlichen Verständigung fehlt die kleinste gemeinsame Basis: Ein Mindestmaß an eigenständigem Charakter und Stolz. Deswegen fliegt man bei dem raus.

  4. 4 Seltener Gast 30. März 2012 um 15:19

    Noch ein Nachwort:

    Churchill wird gerne damit zitiert, daß der Deutsche einem entweder zu Füßen liege oder nach der Kehle beiße.

    Nichts davon ist wahr. Das unwahrste an dem Satz ist: „der“ Deutsche. Den gibt es so (!) überhaupt nicht, weder kulturell, noch abstammungsgeschichtlich.
    Die Deutschen stammen von zwei Hauptlinien ab, von der (indo)-germanischen und der ur-europäischen (Cro-Magnon). So unterschiedlich sind auch unsere Charakterzüge und unser Äußeres.
    Der Deutsche ist zwar natürlich über tausend Jahre aus diesen beiden Adern (bei Keltischen, Romanischen und Slawischen Völkern ist dies nicht anders) zusammengewachsen, aber die Trennlinien sind deutlich, sogar räumlich. Man fahre nach Schleswig-Holstein und direkt danach nach Schwaben.
    Churchill meint mit zu Füßen liegen die einen (man denke an den Rheinbund) und mit an der Kehle die anderen (Auf Ansbach, Dragoner!).

    Aber auch in dieser Hinsicht liegt Churchill falsch. Die Deutschen beißen nicht nach der Kehle anderer Leute und haben dies auch noch nie getan. Sie wehren sich gegen 2000jährige Versuche anderer, in unsere Kehle zu beißen.

    Wenn sich der egoistische und materialistische Feigling unter uns Deutschen als der Haupttypus durchgesetzt hätte, wäre an jedem der vielen historischem Scheitelpunkt das Ende gekommen. So war es aber nicht!

    Sollten wir etwa heute zu bequemlichen, verweichlichten Sesselfurzern verkommen sein, die ostwärts der Weser Soljanka fraßen und sich dabei nach Kaugummi sehnten oder westlich von ihr Kaugummi fraßen und sich nach Soljanka sehnten (dürften in etwa gleiche Anteile betreffen)?

    Haben wir unter dieser Teufelsauswahl des geringeren Übels vergessen, daß es eine dritte Alternative (und derer noch viel mehr) gibt, nämlich Erbswurst oder EPA für den Mutigen oder Eintopf oder sogar Grillhaxe für den weniger Mutigen? Die Alternative lautet also in Wirklichkeit, nicht nach fremden kriterien auszuwählen, sondern nach eigenen. (Dann darf man sogar mal mal Soljanka probieren bzw. Döner oder Kaugummi kauen.)

    Wir Deutschen haben in der Geschichte nur zweimal gegen äußere Feinde nachhaltig verloren. 1648 und 1945.
    Es waren quasi alle Weltmächte im Verein dazu nötig. Diese Einigkeit der Weltmächte kann ich heute nicht erkennen, statt dessen ein sich mißtrauendes Dreieck Rußland-USA-China. Seit Putin an der Macht ist und in China seit etwa zwölf Jahren hält man uns freundlich die Tür auf. Aber: Aus Amerika kommt die „freundliche“ Aufforderung, Goldman-Sachs Milliarden zu überweisen, namens der griechischen Regierung. (Damit der kleine und feige pseudo-deutsche Egomane bescheid weiß: Er, als Kleinbürger, zahlt die Zeche! Aber bloß nicht wehren! Aber das Leben einzusetzen ist ja schlimmer, als auf ein paar Kröten zu verzichten, nicht wahr? – Von diesem Geist ist Zettel beseelt. Genaugenommen entseelt. Und „deutsch“ ist daran gar nichts.)

    In der Politik gibt es keine Freunde, nur Interessen. Wo der Gallier recht hatte, hatte er nunmal recht (und deswegen war er bestimmt nicht unser Freund, so wenig wie Putin oder Sonstwer). Was haben die Interessen der Deutschen, die nicht (wenigstens nicht symbolisch) kriechen wollen (also der wirklichen Deutschen!, die anderen sind es nur nominell), mit denen von Goldman-Sachs, bzw. ihren Erfüllungsgehilfen im Weißen Haus gemein? Aber wir haben die Interessen mit all jenen auf dieser Welt gemein, die nicht vor Amerika kriechen wollen. Sollange bis Amerika uns nicht mehr bedrohen kann. Dann kommen andere, gegen deren Machtzuwachs wir uns wehren müssen.

    Die russische Demographie verspricht einen Machtverlust, unsere auch. Sie sind (derzeit!) keine Bedrohung. Aber man stelle sich mal vor, die Bundesregierung würde aus der NATO und EU, sowe aus dem Kernwaffensperrvertrag austreten, die Mark wieder einführen und Militärische Kooperation mit Rußland und/oder China anstreben, sich ökonomisch mit den BRICS zusammentun? Dann würde man ganz schnell wissen, wo der Feind sitzt. Alleine die Vorstellung, an Israel U-Boote nur noch zum Selbstkostenpreis zu überlassen, dürfte klarstellen, wer unsere „Freunde“ sind.

    Um es zu verdeutlichen: Ich sehe mich über die Interessen enger mit einem Taliban verbunden, als mit einem „deutschen“ Hosenscheißer oder Tintenpisser, der wie Zettel seinen Egoismus zum allgemeingültigen Prinzip erheben will.
    Wenn der Taliban aber hioer seine Moscheen eröffnen will, darf er sicher sein, daß ich mit ihm so wenig Dialoge führen werde, wie mit einem Russen oder Ami, der hier Besetzer spielt.

    Der Deutsche ist der gleiche, wie zuvor. Und die Krise wird ihn aus seiner TV-Werbungs-Trance aufwecken. Nur wird es diesmal kein „An mein Volk!“ geben. Das müssen wir, wie die DDR-Bürger, selbst erledigen. Ich kann mkr aber kaum vorstellen, daß es diesmal genausoi glimpflich verläuft. Der Verrat der BRD-Eliten geht weit über den offenkundigen Fremdherrschaftswillen der DDR-Satrapen hinaus. Für viele Kaugummi-Kauer ist auch die Überraschung größer.
    Und eigentlich müßte selbst ein Egoist noch soviel Selbstachtung besitzen, daß er sich fragen müßte, warum ausgerechnet ein Herr Morgan sein Geld ausgeliefert bekommen soll. Das wird spätestens dann der Fall sein, wenn Herr und rau OberstudienrätIn Probleme bekommen, den Tank des selten gebrauchten Drei-Liter-Autos noch zu bezahlen.

  5. 5 EisbärIn 30. März 2012 um 22:42

    @Pegnitzstrom: Etwa so, wie die Propaganda in der DDR?


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