Geht doch!

Im vorletzten Artikel wies der Abgeordnete Dietz 1912 im deutschen Reichstage auf das Zigeunerunwesen hin und auf das Edikt Friedrich Wilhelm I. Hier,  gekürzt, die Übersetzung aus „Nazischrift“:

Edikt. Daß die Zigeuner, so im Lande betreten werden, Und 18. Jahre und darüber alt seyn, Ohne Gnade mit dem Galgen bestrafet und die Kinder in Waisenhäuser gebracht werden sollen. Wir, Friedrich Wilhelm, von Gottes Gnaden, König von Preußen, Markgraf zu Brandenburg (es folgen weitere Titel) …tun kund und fügen hiermit zu wissen: Ob wir wohl verhoffet, es würden unsere vielfältige wider das Zigeuner Volk ergangene Verordnungen, insonderheit Unser unterm 24. Novembris a. p. wider dieselbe publiciertes, erneuertes, und geschärftes Edict denselben zur Warnung gedienet haben, sich nicht weiter in Unseren Landen betreten zu lassen; So müssen wir dennoch höchst-mißfällig vernehmen, daß dieses Volk bisher an alle Unsere wider dasselbe ergangene Verordnungen, Edicta und Mandata sich nicht gekehret, sondern ungeachtet deren an ihnen exequierten Landesverweisungen mit Staupen – Schlägen und Brandmarken, auch andere schwere Leibesstrafen, sich dennoch teils einzeln, teils rottenweise hier und da in unseren Landen wieder einfunden, und wider unsere getreuen Untertanen vielen Frevel und Mutwillen verübet haben.

Alldieweilen Wir aber solchem Unwesen nicht länger nachzusehen keines Weges gemeinet, sondern vielmehr Unser ernster Wille ist, das dieses ruch- und gottlose, auch nur vom Raub und Stehlen sich ernährende Zigeunergesindel mit Stumpf und Stiel gänzlich aus allen unseren Landen vertilget und ausgerottet werde, allmaßen dasselbe auch schon durch die von mehr als zweien Seculis her verschiedentlich promulgierte Reichsabschiede vor vogelfrei deklarieret und ihnen gänzlich ausgeboten worden; Als ergehet demnach an alle Unsere Regierungen, Krieges- und Domainenkammern, Beamten, Magistraten in Städten, Gerichtsobrigkeiten und Befehlshabern in unserem Könireich, Provinzen und Landen Unser gnädigster und daher ernster Befehl, Wille und Weisung,

daß, wofern von dato an, einige Zigeuner, sie seien Mannes- oder Weibes- Personen, einzeln, oder rottenweise sich in Unserem Landen betreten lassen, wann sie 18. Jahr und darüber alt, ohne Unterschied, sie mögen in einem Delicto oder Verbrechen, wie es Rahmen haben möge, ergriffen werden oder nicht, wann sie auch gleich zuvor niemals in Unseren Landen gewesen, oder derselben verwiesen worden, oder auch Pässe vorzuzeigen hätten, ohne einzige Entschuldigung und ohne alle Gnade mit dem Galgen bestrafet, die KInder aber so bei ihnen gefunden werden, in die nächste Waisenzucht oder Spinnhäuser gebracht und sofort von UNSEREN Regierungen, Kammern, Magistraten in den Städten, oder unseren Ämtern und Gerichtsobrigkeiten auf dem Lande, allwo solche Leute aufgegriffen und eingezogen, auch summariter über ihr Verbrechen abgehört worden, die Akten und Registraturen an Unser allhiesiges Kriminalkollegium zur Abfassung eines Urteils sofort eingesendet werden sollen.

Damit auch über solches wiederholte scharfe Edikt das Zigeunervolk sich um destoweniger einer Unwissenheit halber zu entschuldigen Ursach haben möge; so soll dasselbe nicht nur an allen Grenzorten in Unseren Provinzen, und wo die Zigeunergalgen aufgerichtet sind, öffentlich angeschlagen, sondern auch dasselbe in den Städten, wo Garnision ist, beim Trommelschlage, desgleichen sowohl in Städten, als auf dem Lande in den Dörfern von den Kanzeln zu unterschiedlichen Zeiten nacheinander öffentlich verlesen und verkündet werden. … 5. Oktober 1725

Bild: Zu Zeiten Friedrich Wilhelm I. war das Leben rauh für Verbrecher und Tagediebe. In der Freiheitlich Demokratischen Grundordnung hingegen haben sie die Möglichkeit, sich voll zu entfalten. Weswegen sie auch als schützenswert gilt. Die Freiheitlich Demokratische Grundordnung.

3 Responses to “Geht doch!”


  1. 1 Prosemit 24. Mai 2012 um 08:45

    Schrecklich Karl-Eduard, es ist ein Fluch wenn man Nazi Schrift entziffern kann. Und es war ein Fehler, das zu entziffern.

    Die „Macher“ von Wikipedia können zum Glück keine Nazischrift lesen, so ist der Artikel über Friedrich Wilhelm den Ersten noch einigermaßen neutral gehalten. Ich fürchte, sein Rassenhaß und seine Fremdenfeindlichkeit wird jetzt in Wikipedia erneut zum Thema gemacht.

    Ich habe zum Glück alte Versionen zum Vergleich (ich schrieb darüber)

  2. 2 Karl Eduard 24. Mai 2012 um 08:49

    Möglich, daß es ein Fehler war, zumal der Übersetzer sich nicht vom Text distanziert hat. Wie sich das heute gehört. 🙂

  3. 3 Sophist X 24. Mai 2012 um 10:33

    Nach diesem neuen Skandal um Friedrich-Wilhelm möchte der Kommentator nahelegen, alle verbliebenen Friedrich-Wilhelm-Straßen in Sinti-und-Roma-Straße, oder in Opfer-des-biodeutschen-Rassismus-Straße oder in Straße der Migrationsbereicherung umzubenennen.


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