Archiv für 12. Juni 2012

Kauft nicht bei

Judenkundgebung in Neuyork. Neuyork, 23. März. (WTB.) Jüdische Kriegsteilnehmer und andere Personen, insgesamt etwa 20 000  Mann, veranstalteten am Donnerstag unter Mitführung jüdischer und amerikanischer Fahnen und Militärmusik einen Protestumzug durch den stark bevölkerten östlichen Stadtteil nach Cityhall, wo Oberbürgermeister Obrien in einer Ansprache erklärte, daß jede Regierung, welche rassenmäßige oder religiöse Intoleranz zur Grundlage ihrer Politik mache, die moralische Opposition der ganzen Welt gegen sich haben werde. Anschließend überreichte die Abordnung dem englischen Generalkonsul eine Entschließung mit der Forderung, die aus Deutschland geflüchteten Juden in Palästina aufzunehmen. *Freiburger Zeitung 25.03.1933*

Berlin, 25. März. (WTB.) Auf eine telegrafische Anfrage der deutsch – amerikanischen Handelskammer in Neuyork betreffend angebliche Übergriffe gegen ausländische Geschäftsinteressen und sonstige Ausschreitungen hat Vizekanzler von Papen heute in einem ausführlichen Kabel geantwortet, daß diese Nachrichten jeder Begründung entbehrten. Das Geschäftsleben verlaufe durchweg normal und irgendwelche Klagen über Beeinträchtigungen amerikanischer Interessen seien auch von der hiesigen amerikanischen Handelskammer nicht gemeldet worden. Vizekanzler von Papen nimmt dann weiter scharf  Stellung gegen die im Auslande verbreiteten Greuelmeldungen und betont, daß die nationale Revolution, deren Ziel es sei, Deutschland von kommunistischer Gefahr zu befreien und die Verwaltung von minderwertigen Elementen zu säubern, sich in bemerkenswerter Ordnung vollzogen habe. Gewiß seien einige beklagenswerte Übergriffe vorgekommen, die aber nach der scharfen Erklärung des Reichskanzlers vom 12. März unterblieben seien. Hunderttausende von Juden lebten in Deutschland völlig unbehelligt und der Betrieb zahlreicher jüdischer Geschäfte und Verlagshäuser verlaufe normal und ungestört. Die in Amerika verbreiteten gegenteiligen Nachrichten stammten offenbar aus Quellen, die ein starkes Interesse daran haben, die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Amerika zu vergiften und die nationale Regierung, obwohl sie sich auf die Mehrheit des deutschen Volkes stütze, bei dem amerikanischen Volke systematisch zu diskreditieren. *Freiburger Zeitung 27. 03.1933*

Die Rückwirkungen der Auslandshetze. München, 27. März. (Eig. Meld.) Wie die Nationalsozialistische Parteikorrespondenz soeben erfährt, wird nunmehr die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei den Abwehrkampf gegen die internationale jüdische Greuel – und Boykotthetze gegen Deutschland in schärfster Form aufnehmen. Es verlautet, daß bereits am Dienstag die Anordnungen für die Organisation einer gewaltigen Volksbewegung zur Bildung von Boykottkomitees gegen jüdische Geschäfte in Deutschland als Antwort auf die Boykottdrohungen des internationalen Judentums ergeben. Gleichzeitig soll in einer ungeheuren Propagandawelle der Forderung nach Einführung des numerus clausus für die Beteiligung des Judentums an bestimmten akademischen Berufen und öffentlichen Einrichtungen Ausdruck gegeben werden. *Freiburger Zeitung 28.03. 1933*

Bild: „Juda erklärt Krieg an Deutschland, boykottiert alle deutschen Waren!“ lautet die Aufschrift auf einem Propagandaauto, das durch die östlichen, zum größten Teil von Juden bewohnten Londoner Stadtviertel fährt. Seit Tagen ist das Ausland mit einer Flut von Lügenmeldungen über angebliche Greueltaten und Judenverfolgungen überschwemmt worden, so daß eine planmäßige Hetze gegen Deutschland und den Import deutscher Waren eingesetzt hat. Glücklicherweise ist von Seiten der deutschen Regierung alles geschehen, um dieser, dem deutschen Ansehen schadenden Greuelpropaganda, sofort wirksam entgegenzutreten. *Freiburger Zeitung 27.03.1933*

Der Blogwart meint, Neuyorks Oberbürgermeister Obrien hat natürlich Recht, die rassenmäßige Intoleranz in Amerika anzuprangern und die Weltgemeinschaft aufzurufen, dagegen aufzustehen. Und, was war nun zuerst da? Das Ei oder die Henne? Also finster blickende SA – Kerle, die die Kunden vor jüdischen Geschäften in Deutschland vergraulen oder ein ausländischer jüdischer Boykott deutscher Waren, von ausländischen Juden organisiert, die mit den innenpolitischen Maßnahmen der deutschen Regierung unzufrieden waren.

Und ist es dann nicht falsch, bei Boykottaufrufen israelischer Produkte, immer auf die fiesen SA – Leute zu verweisen? Und jetzt haut sich der Blogwart wegen dieses Artikels ein paar Mal in die Fresse. Nazisau, der!

Das mit der Mehrheit des deutschen Volkes, auf die sich die Regierung Hitler stützt, nach Aussage von von Papen, darf man im übrigen nicht so eng sehen. Das Regime Merkel wird ja ebenfalls, nach dessen Ansicht, von einer Mehrheit des deutschen Volkes getragen.

Hatz auf Andersdichtende

Hm, da klagt doch Tapfer im Nirgendwo darüber, daß von regierungsoffizieller Seite keine sichtbaren Schritte unternommen werden, um aufgehetzten Lynchmob davon abzubringen, einen Andersdichtenden umzubringen. Wie es scheint, ist dieser Shahin Najafi , um den es sich dreht, weder verurteilter Frauenschänder noch ein Mörder, gehört also auch nicht zu der Gattung Mensch, für die deutsche Abgeordnete auch schon mal todesmutig ihr Leben in die Schanze werfen würden. Außerdem hat er anscheinend auch noch den Islam beleidigt, was ihn  definitiv als Rassisten ausweist. Solchen Leuten darf man in Deutschland einfach keine Unterstützung angedeihen lassen. Schliesslich haben wir aus unserer Vergangenheit gelernt.

Bild: 1938 wimmelte es in Deutschland von Tapferen, die ohne zu zögern, Menschen wie Shahin Najafi vor aufgehetzten Bartträgern geschützt hätten, allerdings mangelte es ihnen an Frohsinn und Lebensfreude. Seither meiden wir Tapferkeit wie die Pest und wenn wir uns freuen wollen, fragen wir uns, ob wir das dürfen und was die Toten des Holocaust dazu sagen würden, sollten wir lachen,  oder all die anderen Opfer deutscher Massenmorde, wie den an den Indianern oder den Buckelwalen zum Beispiel.

Lebensmittel- und andere Skandale

Jena, 10. Juni. Zu einem ergötzlichen Auftritt kam es in der Wiesenstraße. Ein Schutzmann ließ die unverkennbare Absicht durchblicken, den Inhalt einer Kanne einer Milchfrau etwas näher zu untersuchen, worüber diese aber fuchsteufelswild wurde.

Hier muß der Blogwart für die im bundesdeutschen Bildungssystem Aufgewachsenen erklären, daß Schutzmänner die damaligen Polizisten waren, die sich in Ermangelung von Streifenwagen und zugewanderten Fachkräften, aus Afrika oder dem großartigen Islam,  zu Fuß und im Bewußtsein ihrer Autorität auf den Straßen und Plätzen der Dörfer und Städte völlig frei bewegten und Recht und Gesetz vertraten. Man kann sich das heute kaum vorstellen. Nicht wahr? Daß Polizisten zu Fuß unterwegs sind und das auch noch einzeln. Auch, daß die Milch, unpasteurisiert, einfach so auf der Straße verkauft wurde.

Als der Hüter des Gesetzes seine Prüfung dennoch fortsetzen wollte, ergriff die geärgerte Milchhändlerin plötzlich ihre heldenmütig verteidigte Kanne und – goß den gesamten Inhalt in die nächsterreichbare Straßengossen. Der Beamte war zunächst baff, machte dann aber einen energischen Vorstoß auf die zweite Milchkanne. Das bekam ihm aber schlecht; die erboste Milchdame packte das wohlgefüllte Blechgefäß, ein kühner Schwung – und im nächsten Moment ergoß sich ein weißer Strahl über den hartnäckigen Angreifer. Schallendes Gelächter der Zuschauer! Die tapfere Offensive der robusten Milchhändlerin wird ihr sicher manche Unannehmlichkeiten einbringen, auch wird sie trotz ihres Sträubens den offenbaren Verdacht des Schutzmannes entkräften müssen: daß die Milchkannen zu nahe an der Wasserleitung gestanden. Die Milch also gepanscht war.

Bonn a. Rh., 11. Juni. Ein 26jähriger Lehrer hat sich im Juni v. J. am k. Gymnasium in Münster für einen 29jährigen Schüler ausgegeben und legte für für diesen die Reifeprüfung ab, die vorzüglich ausfiel. Der Schüler verriet aber später aus Angst den Betrug. Die Strafkammer verurteilte gestern Schüler und Lehrer wegen gemeinschaftlicher Urkundenfälschung zu je drei Monaten Gefängnis.

Kein SkandalFriedrichshafen, 10. Juni. Luftschiffe mit Poststationen. Nach Mitteilungen der Luftschiffwerft Friedrichshafen werden sämtliche Delagschiffe jetzt mit Poststationen versehen werden. Der jeweilige Verwalter einer Delagstation wird zum Postverwalter ernannt. Der Stempel erhält die Aufschrift „Luftpost“ und den Namen des betreffenden Luftschiffes und Datum. Die verschiedenen Luftschiffpostämter werden der Oberpostdirektion Frankfurt a. M. unterstellt. Außerdem werden nunmehr sämtliche Zeppelinluftschiffe mit drahtloser Telegrafie ausgerüstet.

Vermischtes. Die kluge Witwe. Im Anschluß an die Tatsache, daß Frau Astor, die, wie bekannt, auf Grund des Testaments ihres bei der „Titanic“ – Katastrophe umgekommenen Gatten nur dann in den Genuß der gesamten Erbschaft gelangt, wenn sie sich nicht mehr verehelicht, erzählt die „Pall Mall Gazette“ von einem ähnlichen Falle, der aber eine andere, als die vom Erblasser beabsichtigte Wendung nahm. Ein Londoner Börsenagent, der in etwas vorgerücktem Alter eine junge Miß von 18 Jahren geheiratet hatte, hinterließ  seiner Witwe ein Vermögen von 75 Millionen Francs, unter der Bedingung, daß sie sich nicht wieder verheiraten würde. Andernfalls sollte das Geld dem Neffen des Verstorbenen zufallen. Was tat die Witwe? Sie heiratete den Neffen. *Coburger Zeitung 12.06.1912*

Bild: Nicht die lustige Witwe. Sondern Victoria Luise von Preußen, die 1912 20 Jahre alt sein wird. Hier zum 18. Geburtstag.


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