1932 ist nicht 2012

Der Reichshaushalt 1932 vom Reichsrat angenommen. Berlin. 28. Juni. (W.T.B.) Der Reichsrat erledigte in seiner heutigen Sitzung den Haushaltsplan für 1932. Generalberichterstatter, Ministerialdirektor Dr. Brecht wies darauf hin, daß der Fehlbetrag aller Vorjahre jetzt mit insgesamt 1690 Millionen RM. (Reichsmark) in einer Summe ausgewiesen werde. Die fundierte Reichsschuld habe am 31. März 1932 10,4 Milliarden RM. betragen. Hinzu kämen noch rd. 1,7 Milliarden schwebender Schulden. Weitere große Schulden in Milliardenhöhe habe das Reich außerdem an die Länder, namentlich infolge der Übernahme der Eisenbahnen. Bei der schweren Lage der von den Reserven entblößten Länder hätten die Reichsratausschüsse in das Haushaltsgesetz die Bestimmung gebracht, daß 70 Millionen RM. Vorzugsaktien für die Übertragung der Eisenbahnen an die zu entschädigenden Länder verteilt werden sollen.

Die vom Reich übernommenen Bürgschaften beliefen sich auf 1,5 Milliarden RM. oder rund 880 Millionen RM. mehr als im Oktober 1930. An Herriot erteilte der Berichterstatter dahingehend eine Antwort, daß es irrig sei zu glauben, daß Deutschland durch Verringerung seiner inneren Schulden durch Inflation und minimale Aufwertung eine Vorzugsstellung im internationalen Wettbewerb haben würde.

Das Reich sei zwar als Schuldner entlastet worden, jedoch die Bevölkerung in genau demselben Maße finanziell verarmt. Deutschland habe seinen äußeren Gläubigern sechs- bis achtmal soviel bezahlt wie seinen inneren. Die Ausgaben für 1932 seien gegenüber 1930 um 20 Prozent gesenkt worden.

Von den Nettoausgaben des Reiches mit insgesamt 8,178 Milliarden verblieben nach Abzug für Liquidation des Krieges, den Schuldendienst und die Versorgung noch 4,956 Milliarden, von denen 2,961 Milliarden an Länder und Gemeinden gingen einschl. der 652 Millionen für Wohlfahrtsbeihilfen. Für die eigentlichen Sachausgaben des Reiches verblieben danach nur noch 1,995 Milliarden. … *Freiburger Zeitung 29.06.1932*

Der Blogwart meint, damals haben die deutschen Demokraten das Volk verarmt, aus Angst vor fremder militärischer Besetzung durch Frankreich, England oder Belgien. Heute verarmen sie es, weil sie das für eine gute Idee und ihrer Karriere förderlich halten. Das Wohl des deutschen Volkes ist das allerletzte, das sie kümmert. Weshalb der Blogwart das demokratische System der Bundesrepublik Deutschland für eine hervorragende Sache hält. Das muß hier mal klargestellt werden.

2 Responses to “1932 ist nicht 2012”


  1. 1 Prosemit 29. Juni 2012 um 14:39

    Die fundierte Reichsschuld habe am 31. März 1932 10,4 Milliarden RM.

    Die Arbeitslosenunterstützung betrug 1932 für eine dreiköpfige Famile 51 Reichsmark im Monat. Reale Kaufkraftverhältnisse sind immer bekannt schwer zu ermittel – aber man kann grob die 1932er Reichsmark mit 6-8 Euro multiplizieren. Man vergleiche das mit heute

  2. 2 silver account 29. Juni 2012 um 23:55

    Sitzung des NS Lehrerbundes (Gau Hamburg) im Curiohaus, vermutlich aus Anlass des „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“. Das Gesetz trat am 7. April 1933 in Kraft und richtete sich auch gegen sozialdemokratische, kommunistische, pazifistische und jüdische Lehrkräfte. Es enthielt den „Arier“paragraphen. Der Redner ist vermutlich Wilhelm Schulz. Schulz sah seit Februar 1933 in Absprache mit Kaufmann seine Hauptaufgabe darin, die bisherigen Hamburger Lehrerverbände unter nationalsozialistische Kontrolle zu bringen und ihr Aufgehen in den NSLB voranzutreiben. Im Vordergrund stand der Plan, die mit Abstand größte Hamburger Lehrerorganisation, die Gesellschaft der Freunde, zu übernehmen, auszuhöhlen und als Nazi-Organisation weiterzuführen, nicht aber, sie offen zu zerschlagen. Schulz schien damit den Hoffnungen des bisherigen Küchler-Vorstandes der Gesellschaft der Freunde entgegenzukommen, der die Vermögenswerte der alten Gesellschaft der Freunde schützen und durch Anpassung, Selbstzensur und durch geräuschlose Mitarbeit das angeblich Bestmögliche für die Hamburger Lehrerschaft erreichen wollte. Er irrte sich gründlich. Schulz zerstörte nur wenige Tage nach der außerordentlichen Hauptversammlung alle Hoffnungen des Küchler-Vorstandes, als er sagte: „Es gibt keine Synthese zwischen nicht nationalsozialistischen und nationalsozialistischen Gedanken.“ Die gleichgeschaltete Gesellschaft der Freunde entwickelte sich unter seiner Führung bis Mitte Juli 1933 zügig zu einer nationalsozialistischen Lehrerorganisation. Sie wurde zugleich seine Machtbasis. Dann erst wurde die bisherige „alte“ Führung des NSLB gänzlich ausgeschaltet oder (teilweise) mit Posten abgefunden.


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