Archiv für Juni 2012



Meinungsfreiheit ist Scheisse

meint Herr Broder hier zu Recht. Es kann nicht einfach jemand einen Diskussionsraum öffnen, wo es zu geht wie im Puff, also Leute dafür bezahlt werden, daß sie sich ficken lassen und niemand kassiert die miteinander Diskutierenden ab! So muß man sich einen Park vorstellen, ein Gelände, mit der Aufschrift „Die Gedanken sind frei“, wo sich die Büttel unter die Menschen mischen und bei unliebsamen Themen oder Äußerungen gibt es einen mit dem Knüppel. Aber ansonsten ist kein Thema tabu und es darf freiweg miteinander gesprochen werden. Wenn es die richtigen Themen sind.

Andererseits kann es aber auch einfach nur Neid sein, der Herrn Broder treibt. Neid auf 5000 Facebook – Freunde, die eben nicht die 5000 Freunde von Herrn Broder sind. Der Blogwart hingegen beneidet Herrn Polenz nicht. 5000 Freunde. Die alle Geburtstag haben und gewiß auch Gratulationen, wenn nicht gar Geschenke erwarten. Da mag er gar nicht daran denken.

Bild: Um 5000 Freunde zu gewinnen, benötigt es ganz schöner Anstrengung. Außer bei Facebook. Da genügt schon eine Mouseklick, um einen neuen Freund zu haben. Ob der einem aber auch beim Sandburgenbau hilft, das ist eine ganz andere Geschichte.

Quartiermacher aus Tansania in Deutschland

Die Häuser sehen gut aus, alle haben Strom. Die Quartiermacher aus Tansania, die nach Hindenburg gekommen sind, um die besten Unterbringungsmöglichkeiten für weitere Afrikaner zu erkunden, die mit Sicherheit schon auf dem Weg zu uns sind, sind begeistert. Die Orte sind sauber, kaum jemand wird auf offener Straße erschlagen, die Häuser haben trotz Klimawende immer noch Strom für Fernseher und Kühlschrank. Ein Paradies, schätzen die Erkunder die Lage ein. Da in Tansania für junge Leute nach der Schule eine weitere Ausbildung oft an den fehlenden finanziellen Mitteln scheitert, wohingegen Schulabgänger in Deutschland erst einmal vom Staat geschlossen in die Orte „Saus“ und „Braus“ verfrachtet werden, wo sie an Milch – und Honigbächen lagern und ihnen die gebratenen Tauben ins Mäulchen fliegen, bleibt ihnen nur der lange und beschwerliche Weg nach Deutschland. Dort, so weiß man in Tansania, arbeiten die Deutschen, wie einst die Heinzelmännchen in Köln, für das Wohl und das Glück der ganzen Welt, ohne sich selbst zu schonen. Solidarität ist eben die Zärtlichkeit der Völker.

Bild: Auch Deutschland war nicht immer hell, sauber, freundlich und voll von elektrischem Strom für jedes Haus.  Um das zu verändern, verließen die Männer viele Stunden am Tag ihr Heim, um einer Arbeit nachzugehen. Die Weibchen hingegen blieben zurück und wehrten die Überfälle von Bären, Wölfen, Finanzbeamten oder Politikern demokratischer Parteien ab. In noch späteren Zeiten beteiligten sich Frauen an der Erwerbsarbeit. Kein Weg für Tansania. Meint der Blogwart.

Ehrenmord ist Ehrensache

Unglaublich und empörend, wie viel Häme über den Innenminister ausgegossen wird, das hat der nicht verdient, denn dem Hörensagen nach hält er sich für einen Patrioten.  Also für jemanden, der sein Land liebt, seine Menschen, seine Kultur und der darum alles tut, damit es ihm besser geht, dem Land und seinen Menschen. Also Deutschland und den Deutschen. Immerhin ist er ja deutscher Innenminister und nicht der von Kamerun oder Indonesien.

Patriot zu sein heißt für ihn also, möglichst viele illegal Eingereiste nicht verfolgen zu lassen, ausländische Straftäter mit Samthandschuhen behandeln zu lassen und dafür zu sorgen, daß kriminielle Banden ungehindert die deutsche Staatsgrenze passieren können, wo sie dann am Eigentum der Deutschen teilhaben, ihre Gesundheit ruinieren oder ihnen das Leben nehmen. Das zeichnet den patriotischen Innenminister aus, daß er aus Liebe zu Deutschland, alles daran setzt, Deutschland abzuschaffen und den Deutschen größtmöglichen Schaden zuzufügen zu lassen. Wie gesagt, er ist der Innenminister und hält sich für einen Patrioten. Der seine Taten aus Liebe zu Deutschland begeht. Das ist ihm eine Ehre. Und die sollte ihm keiner mit boshaften Bemerkungen abschneiden.

Darauf wollte der Blogwart nur einmal verweisen, der voll hinter unserem Innenminister steht. Und wenn der sagt, jeder ausländische Klempner, der für Geld in Deutschland arbeitet, ist ein Deutscher, wie auch jeder Hottentotten –  Fußballer, der für das Balltreten entlohnt wird, Deutscher ist, dann ist daran nicht zu rütteln. Schließlich haben wir diese „Blut – und Boden – Ideologie“ überwunden, wonach Deutscher ist, der von Deutschen abstammt. Daß nun all die Rußlanddeutschen, die über Jahrhunderte hinweg in Rußland lebten, also praktisch Russen sind, wieder aus Deutschland ausreisen müssen, das steht aber nicht zu befürchten. Wir sind schließlich weltoffen.

Bild: Herkunft ist „Nazi“, wie auch Gene „Nazi“ sind. Mindestens aber Autobahn. Den Rassenbegriff abzuschaffen, dürfte es „Blut und Boden“ -Fanatikern künftig erschweren über bunte Menschen zu lästern und ihnen die deutsche Herkunft abzusprechen.

Der kleine Esel ist ein Pferd!

Jetzt muß der Blogwart mal für den CDU – Innenminister Friedrich eine Lanze brechen. Natürlich ist der Nachkomme zweier Esel ein Pferd, wenn er ein amtliches Dokument besitzt, das ihm bescheinigt, ein Pferd zu sein. Daran gibt es nichts zu rütteln. Auch wenn er nur „Iih Ah“ ruft, sein Fell grau ist und die Ohren über das Pferdemaß hinausgehen. Er ist ein Pferd. Alles andere wäre rassistisch und eselverachtend.

Schnipp schnapp schnurre

Unterhaltsames aus der *Coburger Zeitung von 22. Juni 1912*: Unliebsame Verwechslung. Ein amerikanisches Blatt erzählt: Walter L. Fischer, der Sekretär des Innern, hatte bei einem Bankett eine Dame als Tischnachbarin, die er für Frau P. hielt, deren Gatte nach den Philippinen abkommandiert war. Es war Hochsommer und die unerträglich heiße Witterung gab Stoff zur Unterhaltung. „Gnädige Frau, wir sollten uns nicht über die Hitze beklagen, wenn wir das bedeutend heißere Klima bedenken, in dem sich Ihr Gatte jetzt aufhält.“ Die Dame errötete und kehrte dem Sprecher entrüstet den Rücken. Herr Fischer wußte nicht, womit er seine Nachbarin beleidigt haben konnte, bis ihm seine Tischdame zur LInken zuflüsterte: „Sie scheinen Ihre Nachbarin nicht zu kennen; das ist Frau R., die Gattin des Obersten R., der vor einem Jahr gestorben ist.“

Sie „weiß es“. Aus dem Leserkreise wird der „Deutschen Ztg.“ geschrieben: Unser Mädchen für alles, Hulda – eine schwarzlockige, rotwangige Provinzsächsin – erfreut sich der besonderen Anhänglichkeit unseres Jungen (2. Vorschulklasse D.) und sucht sich durch gelegentliche Hilfe bei seinen kleinen Nöten und Beschwerden dafür erkenntlich zu erweisen. Neulich war ich vom Nebenzimmer Zeuge folgender Unterhaltung zwischen ihr und dem Jungen, der sich am Fenster mit seinen Schularbeiten abquälte; die Sonne lachte und lockte draußen und er konnte oder mochte seine Gedanken, die immer wieder auf die Straße eilten, nicht mit der nötigen Aufmerksamkeit seiner schriftstellerischen Tätigkeit zuwenden; er war sozusagen denkfaul.

Heinz: „Hulda, schreibt man eigentlich den Genitiv von „die Bank“ groß oder klein?“  – Hulda (nach einigem Überlegen): „Ja, Heinzchen, was Jentiff is, weiß ich nich, sonst aber kommts drauf an: wenn Du „der“ Bank meinst, wo Du drauf sitzt, so schreibt mans groß; meinst Du aber: „mich is bang“, so schreibt man es lieber klein.“

Über die Schülerselbstmorde veröffentlicht Dr. R. Hennig in der „Umschau“ einen sehr lesenswerten Artikel, in dem es u. a. heißt: „unendlich viel mehr als die eigentlichen Schulereignisse trägt das Verhalten bornierter Eltern die Schuld an der Zunahme der Schülerselbstmorde! Wenn man heute in der Großstadt „moderne Kindererziehung“ sich etwa in der Weise betätigen sieht, daß nahezu in jeder Vorstellung von „Frühlings Erwachen“, „Sodoms Ende“ und ähnlichen Theaterstücken 14-, 12 -, und selbst 10jährige Kinder neben ihren Eltern im Theater sitzen, wenn halbwüchsige Jöhren im teuren Ballkleid die halbe Nacht durchtanzen und Sonntag mittag Lebe – Babys in kurzen Hosen und kurzen Röckchen ihre „Spazierbummel“ in den gleichzeitig von den „Damen der Straße“ bevorzugten Straßen unternehmen, wenn gewissen Eltern dulden, daß ihre schulpflichtigen, „höheren Töchter“ in Kleidung und Benehmen den Damen vom horizontalen Gewerbe zum Verwechseln ähneln, so kann man sich nicht wundern, wenn aus solchen Pflanzen wurmstichige Individuen hervorwachsen, die auf jeden energischen Versuch, sie in der Schule auf den Pfad der Pflicht zurückzuführen, mit den im Theater und im „Kino“ gelernten Sensationshandlungen antworten.

An den Schülerselbstmorden sind fast immer die Eltern und ihre „modernen“ Erziehungsmethoden schuld, höchst selten die Schule. Aber eben solche Eltern sind dann zumeist geneigt, die „Überbürdung“ der Schüler im Unterricht für alle Verrücktheiten und Narreteien ihrer Sprößlinge verantwortlich zu machen! Und die Schulbehörden lieben es zurzeit nun gar zu sehr, jedem derartigen kindischen Lamento nachzugeben, die „Überbürdung“ der „nervösen“ Kinder  immer mehr einzuschränken und die Folgen des „gekränkten Ehrgeizes“ dadurch aus der Welt zu schaffen, daß man den Ehrgeiz in der Schule überhaupt abtötet und die fleißigen Schüler mit den schlechten – pardon! mit den „nervösen“ tunlichst über einen Kamm schert. Die Folgen dieser Erziehungsmethode werden auf Dauer sicher nicht ausbleiben. Aber sie werden sich nicht in einer Abnahme der Schülerselbstmorde und der Nervosität äußern, sondern in einem steten Sinken der Gesamtleistung unserer Schulen.

Nachtrag:Lehrerselbstmord *Mit Rute, sagt der Blogwart, wär das nicht passiert.

Eine Ehrung für den Gelehrten Robert Koch. Eine Gedächtnisfeier für den verstorbenen deutschen Bakteriologen Professor Dr. Koch fand, der „Weser Ztg.“ zufolge am 27. Mai auf dem Gelände des Laboratoriums für Infektionskrankheiten in Tokio statt. Unter den Anwesenden sah man die Witwe des verstorbenen Gelehrten, die auf einer Besuchsreise in Japan weilt, den deutschen Gesandten und das Personal der Gesandschaft, zahlreiche Vertreter wissenschaftlicher und medizinischer Körperschaften.  Die Feier wurde vor dem Gedächtnisschrein, der für Professor Koch dort errichtet wurde, abgehalten und wurde nach dem Shinto – Ritus geleitet. Zahllose Opfergaben wurden auf dem Schrein niedergelegt. Der Schrein ist aus Zypressenholz angefertigt, mit einem kupfernen Dach versehen und enthält eine Photographie und eine Locke des Gelehrten.

Bild: Canadische Radfahrerinnen, um 1900, werden in voller Fahrt von Schlangen überfallen. Nur zu verständlich, Schüler, die sich im Elternhaus solcher Presse ausgesetzt sehen, werden nervös, reifen zum wurmstichigen Individuum heran und taugen schliesslich nur noch zum Volksvertreter.

Kriegsbrandstifter

Bei nachfolgendem müssen wir uns nur immer sagen, die Bilder aus Syrien, die sind nur schwer zu ertragen und was damals Rudolph Scharping inszenierte, das blieb für ihn folgenlos. Damals waren, wie auch heute, ohne Zweifel die Menschenrechte in Gefahr. Und was sind schon Menschenleben, wenn sie im Namen von Freiheit, Demokratie und westlichen Werten genommen werden müssen? Gar nichts.

Und wäre dieser Scharping ein Nazi, würde man ihn wegen Verhohnepiepelung und der Entfesselung eines Krieges um den ganzen Erdball jagen, bis man ihn zur Strecke gebracht hätte. Da er aber Sozialdemokrat ist und ehemaliges Regierungsmitglied einer Bundesregierung hat er nur zum Wohle des deutschen, wie auch des serbischen Volkes gehandelt. Das ist doch wohl klar. Oder nicht?

18 Flaschen Bier

Ein Gewittersturm hat in Mittel- und Westmissouri großen Schaden angerichtet. 26 Personen sind umgekommen, der Materialschaden ist bedeutend. Die Städte Merwin, Adrian, Leason, Sedalia sind stark beschädigt. In Jonesville (Ohio) ist der Glockenturm der katholischen Kirche durch einen Tornado während des Gottesdienstes eingestürtzt. 3 Personen wurden getötet, darunter der Priester, der nach dem ersten Schreck den Gläubigen befahl, zu flüchten, während er selber blieb, um die letzten Sacramente zu spenden.

Köln, 18. Juni. Der Rhein ist in seinem Oberlauf über 2 Meter gestiegen. In Beuggen und Winseln sowie in Kleinlaufenburg herrscht Hochwasser. Vielfach mußten die unteren Stockwerke der Häuser geräumt werden. Voraussichtliche Witterung. Fortdauer des feuchten kühlen Wetters.

Selbstbewußte Burschen. Das Schöffengericht in Meinigen verurteilte einen Hausdiener zu 14 Tagen Gefängnis, der am Musterungstag in den Straßen gelärmt hatte und, als Polizeibeamte ihn zur Ruhe aufforderten, antwortete: „Ihr Schafsköpfe, Ihr habt uns gar nichts zu sagen; wir sind Sozialdemokraten!“

Ein gerichtliches Nachspiel zur Reichstagswahl. Die Reichstagsstichwahl in Mansfeld hatte ein gerichtliches Nachspiel vor der Strafkammer in Halle. In Biesdorf, wo man als Wahlurne eine schmale Kakesbüchse benutzte, die genau die Reihenfolge der Wahlkuverte festhielt, so daß bei insgesamt nur 54 Wählern das Wahlgeheimnis sehr gefährdet schien, verlangte der sozialdemokratische „Wahlkontrolleur“ Mädel, daß die Wahlkuverte vor Feststellung des Ergebnisses gemischt würden. Als der Wahlvorsteher das verweigerte, griffen Mädel und neun sozialdemokratische Arbeiter zu, entrissen dem Wahlvorsteher die Kuverte und mischten sie. Dabei zerrissen sie eine Anzahl Wahlzettel. Von der Strafkammer wurden Mädel und der Arbeiter Hoffmann zu je vier Monaten Gefängnis verurteilt, die anderen aber freigesprochen, weil sich nicht nachweisen ließ, wie weit sie sich schuldig gemacht hatten.

Unzulässige Vermerke auf Drucksachen. Neuerdings ist festgestellt worden, daß mit der Post Drucksachen verschickt worden sind, die auf der Außenseite Vermerke wie: „Nicht an Minderjährige abzugeben“, „Bitte diese Sendung nicht auszuhändigen, falls Adressat unter 16 Jahre alt ist“ und dergleichen. Solche Sendungen sind nach einer Entscheidung des Reichspostamts von der Beförderung auszuschliessen, da es nicht zu den Aufgaben der Postbeamten gehört, vor Aushändigung einer Postsendung Ermittlungen darüber anzustellen, ob der Empfänger oder der nach den Vorschriften der Postordnung zum Empfang Berechtigten ein bestimmtes Alter erreicht hat. *Coburger Zeitung 19. Juni 1912*

Portugal kolonisiert Angola durch israelitische Auswanderer. Berlin, 18. Juni W.) T.). Die portugiesische Kammer genehmigte einstimmig das Gesetz über die Kolonisation des Plateaus von Angola durch israelitische Auswanderer.

Tabora. Man schreibt uns:  „Einen Beweis dafür, wie wenig die Europäer hier seitens der Gerichte Unterstützung finden, gibt nachstehender Vorfall:

„Am 25. Mai ev. abends bemerkte ich, daß mein Boy betrunken war. Da ich die Suahelisprache noch nicht genügend beherrsche, bat ich zwei anwesende Herren, den Boy zu befragen, wo er sich betrunken habe. Nach einigen Ausflüchten gab er zu, mir 18 Flaschen Bier entwendet zu haben. Ich schickte den Boy an jenem Abend nach Hause. Die beiden nächsten Tage erschien er nicht zur Arbeit. Entlassen habe ich ihn nicht. In meinem Besitz befand sich seine Uhr, welche er mir übergeben hatte, um sie reparieren zu lassen, und sein Dienstbuch. Am dritten Tage brachte mir mein Wasserträger (den Boy habe ich überhaupt nicht zu Gesicht bekommen) einen Zettel des Gerichtes Tabora folgenden Inhalts:

Herrn Rieger

Ihr Boy Ali möchte seinen Lohn, seine Uhr und sein Arbeitsbuch haben. Er behauptet, von Ihnen entlassen worden zu sein. Ev. wird er Klage erheben. Tabora, 28. Mai 1912. gez. Wentzel, Sekr. des Kais. Bezirksgerichts.

Jeder dem Boy begegnende Europäer konnte Einsicht in den Zettel nehmen und es konnte dadurch der Anschein erweckt werden, daß ich meines Boys Uhr trüge und ihn entlassen hätte, ohne ihn gelöhnt zu haben. Lohn hatte der nicht mehr zu beanspruchen, da er für 12 Tage bereits über 6 Rp Vorschuß erhalten hatte. Am nächsten Tag kam der Boy selbst zu mir und ließ ich ihn durch einen Askari nach der Boma bringen. Dem Askari gab ich nachstehend angeführte Briefe für das Bezirksgericht und das Bezirksamt mit.

Tabora, den 28. Mai 1912. An das Kaiserliche Bezirksgericht Tabora.

Auf den Inhalt des mir von Ihnen zugestellten Zettels erwidere ich, daß ich das Kaiserliche Bezirksamt gebeten habe, meinen ehemaligen Boy Ali zu bestrafen: Abschrift dieses Briefes erhalten Sie in der Anlage zur Kenntnisnahme und weiteren Veranlassung.

Bei dieser Gelegengheit möchte ich darauf hinweisen, daß mir in Zukunft Mitteilungen Ihrerseits nicht auf einem offenen Zettel, sondern wie überall üblich, in einem verschlossenen Kuvert zugestellt werden. Hochachtungsvoll J. Rieger.

Tabora, den 28. Mai 1912.  An das Kaiserliche Bezirksamt Tabora.

Das Kaiserliche Bezirksamt bitte ich ergebenst, meinen Boy Ali, dessen Dienstbuch und Uhr ich hier beifüge, wegen Diebstahls zu bestrafen. Er entwendete mir am Sonnabend 18 Flaschen Bier, was er selbst zugestanden hat: Zeugen sind die Herren Schwieger und Pollaschek.

Lohn hat der Boy nicht mehr zu beanspruchen, da er für 12 Tage bereits über Rp. 6,00 Vorschuß erhalten hat. Vom Gericht erhielt ich die Mitteilung, daß der Boy evtl. Klage gegen mich erheben würde. Ich werde das Gericht bitten, den Boy an das Kaiserliche Bezirksamt zu überweisen.  Hochachtungsvoll J. Rieger. P. S. Die Uhr hatte mir der Boy übergeben, damit ich sie ihm reparieren lassen sollte. –

Von dem Gericht wurde mir nach einigen Tagendurch den Zustellungsbeamten folgender Brief in verschlossenem Kouvert zugeschickt:

Kaiserliches Bezirksgericht  Muansa, Amtstag Tabora.

Auf Ihr Schreiben vom 28. Mai 1912 teile ich Ihnen mit, daß nach Angabe von Herrn Sekretär Wentzel kein Grund vorlag, Ihnen die Mitteilung, welche Ihnen Ihr Boy persönlich überbracht hat, verschlossen zugehen zu lassen. Um in Zukunft entsprechende Korrespondenzen zu vermeiden, habe ich die Gerichtsschreiberei angewiesen, künftig Klagen Eingeborener gegen Sie entgegenzunehmen, ohne vorher den Versuch zu machen, die Sache gütlich beizulegen.

Tabora, den 30. Mai 1912. Dr. Radlauer.  Herrn Jakob Rieger Tabora.

Ich darf sie bitten diesen Fall, in ihrem geschätzten Blatt zur Sprache zu bringen. Jakob Rieger“. Ein Kommentar zu Vorstehendem ist eigentlich überflüssig. Die Art und Weise des Vorgehens des Kaiserlichen Bezirksrichters in Tabora ist unseres Erachtens jedenfalls nicht geeignet, das Vertrauen der deutschen Bevölkerung im Schutzgebiet in die Rechtsprechung zu erhöhen, und dieser Fall zeigt wieder auf das Deutlichste, wie notwendig es ist, daß die Bezirksrichter genau mit Land und Leuten vertraut sind.

Wir können nur hoffen, daß das Kaiserliche Bezirksamt in Tabora einsichtiger gewesen ist und den Ali außer wegen Diebstahls noch exemplarisch wegen wissentlicher Falschanschuldigung eines Europäers bestraft hat. Wird gegen den Mißbrauch der Gerichte durch haltlose Klagen und Verdächtigungen verlogener Eingeborener nicht bei Zeiten Front gemacht, so wird das bald schlimmste Folgen zeitigen. Der Europäer ist dann fast immer der Geschädigte, da er sich nur in den seltensten Fällen wegen der erlittenen Zeitversäumnis und der ihm entstandenen Kosten an dem Eingeborenen wird schadlos halten können.

Also entweder vorherige Prüfung der wahrscheinlichen Berechtigung der Eingeborenenklage, sei es durch das Bezirksamt oder durch das Gericht selbst, oder zum mindesten sofortige und exemplarische Bestrafung im Falle haltloser und böswilliger Klagen. *Deutsch Ostafrikanische Zeitung 19.06. 1912*

Bild: Deutschland kolonialisiert Deutsch – Ostafrika mittels Eisenbahnen und Beamten. Letztere gehen unbarmherzig gegen die Unterdrückung durch weiße Kolinalherren vor, die ihr Bier mit der eingeborenen Bevölkerung nicht teilen wollen. Teilhabe ist keine Erfindung neuzeitlicher Linker.


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