Archiv für 2. Juli 2012

Europa ist gelebter Antifaschismus

Es ist aber eine Voraussetzung für den Bestand dieses am Ende gerade in der Vielgestaltigkeit seiner Kulturen so eigenartigen Kontinents, daß er nicht denkbar ist ohne das Vorhandensein freier und unabhängiger Nationalstaaten. Es mag jedes europäische Volk überzeugt sein, daß es den größten Beitrag zu unserer abendländischen Kultur gestiftet hat. Im ganzen wollen wir uns aber nichts wegwünschen von dem, was die einzelnen Völker gegeben haben, und wollen daher auch nicht streiten über das Gewicht dieser ihrer einzelnen Beiträge, sondern müssen nur erkennen, daß aus dieser Rivalität der europäischen Einzelleistungen ohne Zweifel die Spitzenleistungen stammen auf den verschiedensten Gebieten menschlicher Kultur. So sehr wir daher bereit sind, in dieser europäischen Kulturwelt mitzuarbeiten als freies und gleichberechtigtes Glied, so hartnäckig und eigensinnig möchten wir aber das bleiben, was wir sind. *Freiburger Zeitung 8. März 1936*

Deutschland soll Europa und die Welt wiederaufrichten

Artikel aus der *Freiburger Zeitung vom 2. Juli 1932*. Lausanne, 1. Juli. Die fünf Hauptgläubigermächte haben in einer langen Sitzung auf englische Anregung (!) der deutschen Delegation einen neuen und, wie es heißt, endgültigen Vorschlag für die Regelung der Reparationen – und Finanzfragen vorgelegt. In diesem Vorschlag wird nicht mehr von Reparationen und auch nicht mehr von dem Gemeinschaftfonds gesprochen, sondern Deutschland aufgefordert, sich darüber zu äußern, ob es bereit sei, eine Summe, die noch nicht näher festgelegt ist, die sich aber auf fünf Milliarden Goldmark belaufen wird, zur

wirtschaftlichen Wiederaufrichtung Europas und der Welt (!)

zu zahlen. Durch diese Formulierung soll ausgesprochen werden, daß diese Summe sowohl für die wirtschaftliche Wiederaufrichtung Europas als auch zur Zahlung eines etwa verbleibenden Schuldenrestes an die Amerikaner dienen soll. Dieser Vorschlag ist ein Rahmenvorschlag, der noch näher ausgearbeitet werden muß. Mit dem Verzicht auf die ausdrückliche Erwähnung der Reparationen und der Bezeichnung „Beitrag Deutschlands zur wirtschaftlichen Wiederaufrichtung Europas und der Welt“, wobei die von Frankreich verlangte Schlußklausel gegen die amerikanische Schuldenforderungen nicht mehr ausdrüpcklich erwähnt wird, nähert er sich früheren Vorschlagen, die bereits die Streichung der Reparationen von der Zahlung einer Summe von fünf Milliarden Goldmark abhängig machten.

Die Summe von fünf Milliarden

die im Einzelnen noch nicht feststeht, sondern erst zwischen den Gläubigern ausgehandelt werden muß, soll in Form einer Obligationsanleihe aufgebracht werden. Die Obligationen sollen auf die Deutsche Reichsbahn und deutsche Industrieunternehmungen lauten und von Deutschland bei der BIZ. in Basel hinterlegt werden. Der Zinsendienst für diese Obligationen und ihre Amortisierung sollen nach einem mehrjährigen Moratorium (man spricht von fünf Jahren) und zwar nach Feststellung der deutschen Zahlungsfähigkeit durch einen Ausschuß, in dem auch Deutschland vertreten ist, aufgenommen werden. Die Laufzeit der Obligationen wird sich, je nach dem Ausgabetermin, auf etwa zwanzig Jahre bemessen. Ein Teil der Obligationen, etzwa vier Fünftel, soll je nach der Höhe der amerikanischen Schulden – Restforderung auf die Vereinigten Staaten übertragen und der verbleibende Betrag von etwa einem Fünftel auf die Gläubiger  je nach ihren Ansprüchen und Kapitalbedürfnissen verteilt werden. Dabei soll Rücksicht auf die besonders notleidenden Gläubigerländer genommen werden.

Bild: *Wiener Bilder 17. Juli 1932* „Am 9. Juli wurde im Hotel Beaurivage in Lausanne der denkwürdige Vertrag unterzeichnet, demzufolge die Reparationssumme,  die Deutschland noch zu zahlen hat, mit drei Milliarden Mark begrenzt wird. Die Verhandlungen, die nach wechselvollem Verlauf dank der staatsmännischen Geschicklichkeit Macdonalds (England), Herriots (Frankreichs) und von Papens (Deutschlands) zu einem befriedigenden Abschluß führten, endeten mit der feierlichen Unterzeichnung des Paktes durch die Delegierten der auf der Konferenz vertretenen Staaten. Unser Bild: Herr von Papen, der deutsche Reichskanzler unterschreibt mit der historischen goldenen Feder.

Der Blogwart meint, zur Ehre des Herrn von Papen sei angemerkt, Deutschland war Schuldner, nicht wie heute Gläubiger. Und die Schuldensumme war begrenzt. Heute ist Deutschland Gläubiger und hat sich bereit erklärt, für alle Schulden seiner Schuldner in Zukunft aufzukommen, so lange die Europäische Gemeinschaft existiert. Und solche vollkommen Bekloppten und Verbrecher repräsentieren das Deutsche Volk. Darauf die nächste Diätenerhöhung. Wohl bekommts.


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