Archiv für 9. Juli 2012

Berufswichser

Ja, tut mit leid, aber ein anderes Wort fällt dem Blogwart zu dem menschlichen Unrat nicht ein, der aus ganz Deutschland anreiste, um ein Dorf zu terrorisieren. Bei Transparenten, wie, „Scheiß – Drecksnest“, könnte man meinen, es handele sich um eine enttäuschte Reisegruppe, die mit dem Service im Dorf nicht zufrieden ist. Das Wasser kalt, die Betten hart und das Frühstücksei nicht weich genug. Aber nein, keiner dieser Leute hat irgendeine Beziehung zum Ort. Hier geht es lediglich um die Unantastbarkeit von Mörder- und Vergewaltigerwürde, wenn demnächst irgendein Nazi einem dieser Berufswichser den Schädel einschlägt, wird der Blogwart daran denken und sich sagen, die Würde auch eines Mörder – Nazis, die ist unantastbar. Soviel Freiheit muß sein.

Meine Vorhaut gehört mir

Und das ist wirklich skandalös! Nachdem ein Kölner Gericht jetzt aber endlich Diebstahl zur Straftat erklärt hat, ist die Empörung unter den Dieben groß. Einer der prominentesten Vertreter der Diebesgilde sprach die bitteren Worte: „Das Urteil entspricht einer Vertreibung der Diebe aus Deutschland.“ Nun ja, meint der Blogwart. Das stimmt ja nicht so ganz. Es untersagt lediglich den Diebstahl, also die unrechtmäßige Aneignung fremden Eigentums. Wenn das aber das Auswandern sämtlicher Diebe aus Deutschland bedeutete, weil woanders Stehlen erlaubt ist, hier aber nicht mehr, dann Adieu. Die Zeit war schön mit Euch, doch nun wollen wir einfach mal ausprobieren, wie es ist, nicht andauernd bestohlen zu werden.

Bild: Chantalle Marie Meyer ist entsetzt. „Deutschland ohne Diebe? Kann ich mir nicht vorstellen! Und Vertreibung? Ja, wenn es mir an einem Ort nicht mehr gefällt und ich ziehe weg, ist das dann Vertreibung?“ Der Blogwart meint, Chantalle mag ja hübsch sein aber an die Intelligenz eines Herrn Broder, da reicht sie nimmer heran.

Vor 100 Jahren

Einer der Goethe noch gesehen. In der Nacht zum Sonntag verschied in Weimar Amtsgericht Leopold Walther, der als Gymnasiast noch Goethe gekannt hat, im 95. Lebensjahr. Der Marktort Biberbach in der Lechtalebene bei Augsburg wurde durch einen Wolkenbruch überschwemmt.

Kleider aus Papier. Eine große Fabrik der Londoner City ist augenblicklich, wie englische Blätter erzählen, mit Versuchen, Kleider aus Papier herzustellen, beschäftigt, und verspricht sich davon ein sehr günstiges Ergebnis, das eine Art von Umwälzung auf dem Gebiete der Mode herbeiführen würde. Für uns Deutsche ist beachtenswert, daß jene Firma die Anregung zu ihren Versuchen dadurch empfangen haben will, daß in Deutschland längst allerhand Gegenstände aus Papier gefertigt werden, die zwar nicht unmittelbar zur Kleidung dienen, aber doch mit ihr in einem gewissen Zusammenhang stehen, insofern, als sie zum Schutz und zur Pflege des Körpers bestimmt sind.

Papierne Servietten findet man ja auf den Tischen unzähliger deutscher Gasthäuser und Wirtschaften. Daß aber in Deutschland auch die Herstellung von papiernen Gegenständen in Blüte steht, dürfte Vielen bekannt sein. Und die Hüte aus Papier, die vor einigen Jahren als Ersatz für Strohhüte auf dem deutschen Markt erschienen, haben, unseres Wissens, noch ein kürzeres Leben gefristet als die vielverspotteten Papierkragen.

Der wichtigste Grund jedoch, aus welchem man papierner Kleidung in England eine Zukunft voraussagt, besteht in dem Umstande, das jenseits des Kanals das Waschen gebrauchter Kleidungsstücke immer teurer und immer schlechter geworden ist, so daß das Tragen von papierner Unterwäsche, von Oberhemden usw., die man nach dem Gebrauch einfach fortwürfe, sich, angeblich, billiger als das von Leinenwäsche stellen würde.

Ein Oberhemd würde z. B. nur 50 Pfennige deutschen Geldes kosten, ein Schlips und ein Taschentuch nicht mehr als je 1 Pfennig, und für Kleidung kleiner Kinder würde sich, namentlich im Sommer, die Ersparnis ganz besonders vorteilhaft gestalten. hauptsächlich aber würde der allwöchig wiederkehrende Ärger über die mangelhafte und ruinöse Behandlung aller waschbaren Kleidung ein für allemal aus der Welt geschafft werden … Die Botschaft hör`ich wohl, allein mir fehlt der Glaube.

Ehrung des Freiherrn von Marschall. London, 9. Juli. Zu Ehren des neuen deutschen Botschafters gab der Präsident des deutschen Athenaeums, Dr. Ernst Schuster, gestern ein Diner, zu dem über 100 Mitglieder der deutschen Kolonie geladen waren.  … Der Botschafter sprach seine Befriedigung über die schöne große Aufgabe aus, die deutsch – englischen Beziehungen zu pfflegen. Er betonte, daß es sich darum handle, die eigenen Interessen zu wahren und die anderen Interessen nicht anzutasten … .

Paris, 9. Juli. Das Echo de Paris schreibt zu dem russischen Communiquè über die Kaiserzusammenkunft in Baltisch – Port: „Die Worte des Communiquès sind sorgfältig abgewogen und ihre Deutung ist die, daß Rußland und Deutschland, ohne ihr Bündnissystem zu sprengen, entschlossen sind, in einer offenkundigen Gemeinschaft der Anschauungen und Ideen zu leben, und das kann uns trotz alledem nicht gleichgültig lassen.“ *Freiburger Zeitung 9. Juli 1912*

Bild: Barbarische Bräuche in Paris. Findelkinder werden am Glücksrad vergeben. Wer Pech hat, bekommt so einen Tunichtgut, wer Glück hat, eine Stütze im Alter.


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