Archiv für 11. Juli 2012

Schneewittchen darf nicht sterben

Bangen in Deutschland um das Leben der schönen Julia Timoschenko, die von den ukrainischen Machthabern brutal eingekerkert wurde, wegen Lappalien, für die nicht mal eine deutsche Bundeskanzlerin zurücktreten würde. Man munkelt, diese, also die schöne Julia, hätte ihr Amt missbraucht, die Interessen des ukrainischen Volkes verraten und sich schamlos bereichert. Alles Lügen. Und in europäischen Demokratien stinknormal. Alltag. Sozusagen. Da hackt eine Pastorentaube der anderen kein Auge aus, sonst hätte der Kohl den Schmidt inhaftieren lassen müssen, der Schröder den Kohl und die Merkel den Schröder, aber so etwas macht natürlich niemand. Bei uns werden die Politiker frei gewählt und bleiben dann auf freiem Fuß und das ist auch gut so. Weil das sonst ja unser Vertrauen in die Demokratie erschüttern würde und die Nachfolger der Vorgänger vorsichtiger agierten. Wüßte die Bundeskanzlerin, beispielsweise, ihr derzeitiger Hochverrat hätte einen Hochverratsprozess  als Folge, da würde sie doch niemals hochverraten, wo nicht mal mehr Kuba sicher ist. Vielleicht noch Nordkorea. Aber wer will dahin, nur, um nicht ausgeliefert zu werden?

Jedenfalls ist die Julia ein Präzedenzfall, weshalb wir mit bangen Herzen dem Drama zusehen. Wird diese mißverstandene, schöne, nicht mehr ganz so junge Frau, der wütenden Rache des Pöbels ausgesetzt, die sie um all das Zusammengeraubte bringen könnte, um kostbare Lebenszeit und Gesundheit, gar ums Leben? Das kann keiner wollen, außer das ukrainischen Volk natürlich, aber was schert uns das? Nichts.

Hier reckt die Ärmste dem Betrachter ihren zarten Unterarm entgegen, der gezeichnet ist von etwas, das wie Pusteln aussieht, Mückenstiche vielleicht, eventuell Injektionen mit Plutonium. So haben sie ja damals auch den guten alten Arafat umgebracht, die Schlawiner, und deshalb ist es auch richtig, daß die Berliner Charité die Untersuchung der ukrainischen Ärzte überprüft, die ein Stethoskop nicht von einer Ente unterscheiden können. Diese Halbwilden. Und bei all den Asylsuchenden, die wir täglich so aufnehmen MÜSSEN, da ist doch für die Julia auch noch ein Plätzchen frei. So viel Menschlichkeit muß sein. Oder nicht?

Vor 100 Jahren

Ertrunken. In Tegelort ertrank im Tegelersee ein Monteur aus dem Rheinland bei dem Versuche, seine in einen Strudel geratene 17 jährige Tochter und eine Verwandte zu retten. Er wurde von den beiden Ertrinkenden, die sich fest an ihn klammerten, in die Tiefe gezogen. Die Leichen wurden geborgen. – Im Scharziger See bei Betsche (Posen) ertranken zwei Gymnasiasten.

Goldregen in Berlin N. Eine nicht alltägliche Szene spielte sich am Dienstag in der Nähe des Weddings ab. Dort hatte sich an einer Ecke ein Mann aufgestellt und gab jedem, der nicht wie ein Millionär aussah, eine Reichsmark und mehr mit dem Bemerken, er hätte in der Lotterie gewonnen und werde auch andere glücklich machen. Natürlich schwoll der Strom derer, die „auch glücklich“ werden wollten, bald so an, daß ein Schutzmann, dem das nicht gefiel, den Spender als „Ruhestörer“ zum Weitergehen aufforderte. Ein paar Hundert Mark ist der glückliche Gewinner aber doch losgeworden.

Die desertierten Schweizer des Papstes. Gionale d`Italia meldet, daß die Mehrheit der Mannschaften der päpstlichen Schweizergarde desertiert sei. Der Grund sei Unzufriedenheit infolge der allzustrengen Disziplin unter dem neuen Gouverneur.

Zusammenstoß zwischen Schiff und Walfisch. Nach einem Telegramm der Agentur Loyd von St. Johns (Neufundland) ist die schiffbrüchige Mannschaft des Schoners Empire bei Kap Broyle gelandet. Am 30. Juni war das Schiff mit einem Walfisch zusammengestoßen und dabei so schwer havariert, daß die Mannschaft vier Tage später in Rettungsboten das Wrack verlassen mußte. Ein vorüberkommender Dampfer nahm die schiffbrüchige Mannschaft auf, nach dem sie drei Tage in den Rettungsbooten zugebracht hatten.

Eine furchtbare Veranstaltung haben nach den Hamb. Nachrichten die Einwohner von Potschefstroom in Südafrika über sich ergehen lassen müssen. Der dreiundzwanzigjährige Pianist William Bendell hatte es unternommen, den Weltrekord für Klavierspielen zu brechen. Dieses Vorhaben ist ihm in der Tat gelungen. Der Barbar hat es fertiggebracht, vierundsiebzig Stunden lang ununterbrochen am Klavier zu sitzen. Eine ungeheure Volksmenge füllte den Platz vor dem Saal und stimmte begeistert in das „Rule Britannia“ ein, mit dem der Klavierrekord – held seine Vorführung beendete.

Mittwochabend wurde von dem Artillerieregiment Nr. 28 in Koblenz, das an einer nicht geschlossenen Schranke vor Braunbach über die Eisenbahn ritt, von einem Eilzug der letzte Reiter erfasst. Das Pferd wurde getötet und der Artillerist tödlich verletzt.

Mord in Deutsch – Neuguinea. Berlin, 10. Juli. Aus Deutsch – Neuguinea meldet ein Telegramm des Gouverneurs, daß auf Kaiser – Wilhelmsland der Paradiesvogeljäger Petersen mit drei farbigen Arbeitern von Eingeborenen in der oberen Gogolebene ermordet worden ist. Eine Strafexpedition ist bereits unterwegs. Die Mordtat trug sich in einem unerschlossenen, dem Einfluß der Verwaltung bis jetzt noch nicht zugänglichen Gebiet im Innern des sogenannten Festlandes Neuguineas zu.

Wieder ein Bankkrach. Breslau, 11. Juli. (D.-B. H) Über das Bankhaus Knappe u. Thomas in Jauer wurde Konkurs eröffnet. Der Firmeninhaber Kommerzienrat Knappe ist plötzlich gestorben, angeblich infolge einer Salmiakvergiftung durch eine Flaschenverwechslung. Sein Kompagnon, Kommerzienrat Thomas, war vor kurzem ebenfalls plötzlich gestorben. Durch den Zusammenbruch sollen besonders kleine Geschäftsleute geschädigt sein.

Die Hitze in Amerika. Newyork, 11. Juli. (D.-B. H) Die Temperatur betrug gestern 96 Grad Fahrenheit  (35,5 Grad Celsius). In Chicago sind gestern 42 und in Philadelphia 36 Personen durch die Hitze umgekommen.  *Freiburger Zeitung 11. Juli 1912*

Bild: Schon damals schlug die Gentrifizierung hart zu. Wer keine Miete zahlen konnte, wurde auf die Straße gesetzt. Gottlob gibt es heute HARTZ IV, das irgendwie vom Himmel fällt, so lange es die Kommunen und der Staat noch zahlen können.

Wer nicht fragt bleibt dumm

So sehr das Studium der Geschichte die eigenste Sache der Fürsten ist, ihren Wert hat sie nicht minder für den Bürger. Da sie die Kette der Begebenheiten aller Jahrhunderte bis auf unsere Tage darstellt, so gibt sie dem Rechtsgelehrten, dem Staatsmann und dem Krieger, der sie zu Rate zieht, Aufschluß über den Zusammenhang der Vergangenheit mit der Gegenwart. Lob und Ehre aller, die ihrem Lande treu gedient haben, finden sie in der Geschichte, ebenso den Fluch, der auf dem Namen derer lastet, die das Vertrauen ihrer Mitbürger getäuscht haben. So gewinnen sie hier eine Erfahrung, wie sie sonst das Leben erst später zur Reife bringt. Wer den Umkreis seiner Anschauungen und Begriffe nur auf seine vier Wände einschränkt, wer seine Kenntnisse nicht erweitern mag über den Bereich seiner häuslichen Pflichten, der verkümmert und verblödet in gröbster Unwissenheit. (Friedrich II.)

Das ist immer dasselbe: anstatt relevante Fragen wie wirtschaftliche Themen zu diskutieren wird mit Historie angefangen, dabei gibt es nichts irrelevanteres! Was bei den Linken das Sozialpädagogen-Gequatsche ist, ist bei den Rechten das Gesülze von der Geschichte. Eines so dämlich und unnötig wie das andere!

… Wer nichts beitragen kann nimmt sich die Geschichte (oder was er dafür hält) und schwadroniert dann großartig herum! Konservative müssen mit einem Verbot belegt werden über Geschichte zu schwadronieren, dann bleibt aber nicht viel über!

Der Blogwart meint, es gibt den Typen Kosmopolit, den sogenannten Weltbürger, der überall da Zuhause ist, wo sich ihm der beste Nährboden bietet. Der empfindet weder Loyalität zur Heimat, noch Liebe, denn Heimat, das kennt er nicht. Heute hier und morgen dort. Hier ein wenig abgeschöpft und dort ein wenig abgeschöpft und wenn der Boden zu heiß wird, dann zieht er eben woanders hin, um die Bevölkerung am neuen Ort mit seiner Weisheit zu beglücken. Und seinen phantastischen Geschichten. Ein vaterlandsloser Geselle. Klar, daß den nicht interessiert, warum die Leute so leben, wie sie leben und wie sie dazu gekommen sind. Heimatlos und bindungslos. Sehr traurige Gestalten.

Bild: Marketenderin bei den kaiserlich – österreichischen Manövern vor 1900. „Schlage die Trommel und fürchte Dich nicht und küsse die Marketenderin…“


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