Linientreu bis zum Tod

Künftige Olympioniken, die für Deutschland starten, müssen zuvor ihre Linientreue beweisen müssen. Hört man. Im Deutschland 1933 bis 1945 war das unkompliziert. Herauszufinden, was die Linie ist. Der Führer und Reichskanzler war ein guter Mann und die nationalsozialistische Bewegung war das Beste, was Deutschland seit langem passiert war. In der DDR dasselbe. Die Arbeiterklasse ist die führende Kraft, die unter der Leitung der SED und des Genossen Honecker, den ersten Arbeiter – und Bauernstaat auf deutschem Boden errichtete, ein Paradies der Werktätigen. Wer das nicht verinnerlichte oder anzweifelte, der war eben nicht linientreu. Also auch nicht olympiawürdig. Um das zu vermeiden gab es ja die Organisation der Jung – und Thälmannpioniere und die Freie Deutsche Jugend der DDR. Die brachten den Kindern schon die Linie bei. Ohne große Brüche. Außer beim Tode Stalins. Die Ideologie war aber immer dieselbe.

Jetzt aber wird es kompliziert. Was ist die Linie in der Bundesrepublik Deutschland? Das hier ist ja bekanntlich und weil sie so genannt wird, eine parlamentarische Demokratie. Parteien mit verschiedenem ideologischen Inhalt streiten um die Wählergunst und die Regierung. Sollen sie jedenfalls.

Je nachdem, wer die Regierung stellt, gibt die Linie vor. Die kann aber tatsächlich alle Jahre wechseln. Je nach Wählergunst. Was heute Linie ist, kann morgen schon das Gegenteil davon sein und wer heute an den merkelgemachten Klimawandel glaubt oder daß Einwanderung uns bereichert, kann in zehn Jahren dafür durchaus als Volltrottel gelten, der es doch eigentlich hätte besser wissen müssen.

Was soll also die Linie sein, an der sich die Linientreue messen lassen muß? Das Grundgesetz? In seiner damaligen Form bei Gründung oder in dem Zustand, in den es die Parlamentarier versetzt haben? In dem es praktisch nichts mehr wert ist. Die Freiheitlich Demokratische Grundordnung? Was soll das sein? Sie wird andauernd im Munde geführt aber keiner weiß, was das eigentlich ist. Grundordnung ist ja noch vorhanden. Aber Freiheit und Demokratie? Ja, wo laufen sie denn, wo laufen Sie denn hin? Besser, wo sind sie denn geblieben?

Woran werden sich spätere Sportler also orientieren müssen? Um als Linientreu zu gelten. Und wie können sie die Linientreue beweisen, wo es in einer parlamentarischen Demokratie doch keine allgemein und für immer gültige Linie geben kann und darf, es sei denn, sie ist nur ein großes Theater um die tatsächlich vorhandene Mehrparteiendiktatur zu kaschieren. Das kann ja, meint der Blogwart, noch heiter werden. Für die Sportler.

Bild: Frauen zelebrieren soziale Gesten. In einer Diktatur ist Linientreue ganz leicht. Man jubelt dem Führer oder dem Generalsekretär zu, zeigt den Nachbarn an, weil er Westradio gehört hat oder die Junge Freiheit bezieht und solange der Diktator lebt, kann man nichts falsch machen, wenn man sich an die Linie  hält. Was aber, wenn die alle Wahljahre wechselt?

8 Antworten to “Linientreu bis zum Tod”


  1. 1 Prosemit 8. August 2012 um 12:21

    Ein interessantes Wort übrigens.

    Für Linientreue ist mir kein entsprechendes Wort im Englischen oder Französischen bekannt. Irrtum wegen Unwissenheit durchaus möglich.

    Selbst Wikipedia scheitert an der Linientreue….

    Die Frauen auf dem Bild jubelten wirklich. Mir unverständlich, aber Hitler scheint tatsächlich eine magische Wirkung auf Frauen gehabt zu haben. Die Psychologie nach der heimlich Sehnsucht nach einem Führer scheint mir zu kurz zu greifen.

    In dem Zusammenhang lesenswert die Autobiographie von Traudl Jung, Hitlers letzter Sekretärin, die einen interessanten Einblick in das Private von 1943 bis 1945 gibt.

  2. 2 Karl Eduard 8. August 2012 um 12:37

    Frauen jubelten ja auch Obama zu. Die jubeln jedem zu, der Macht hat und Autogramme geben kann. 🙂

  3. 3 ostseestadion 8. August 2012 um 13:48

    Es ist auch völlig unverständlich wie überhaupt jemand zu Olympia fahren können durfte , ohne eine Unbedenklichkeitsbescheinigung der örtlich zuständigen (Anti)Fa . Zustände sinn dis geworden, Zustände. Da wird Linksextremist_In ja himmelangstundbange.

  4. 4 eulenfurz 8. August 2012 um 22:45

    Nach der Machtübernahme der Antifantisten werden Petra Pau’s Sexismus-Leitlinien in Gesetztesform gegossen; sexuelle Kontakte sind dann bestenfalls noch mit Viertelnazis zulässig, und auch nur dann, wenn der örtliche Antifakommandant zugestimmt hat und ihm das “Recht der ersten Nacht” gewährt wurde.

  5. 5 Faber 8. August 2012 um 23:59

    Mir kommt es aber doch so vor, als ob die Frauen dem Führer Hitler ein ganz klein wenig mehr zugejubelt haben als dem Führer Honecker. Mag aber sein, daß ich als Wessi in dieser Frage etwas voreingenommen bin, das müßte der Blogwart klären.

  6. 6 Faber 9. August 2012 um 00:19

    Nein, was muß ich da lesen? Schon Honecker hatte eine „Nazibraut“? Und mußte sich dafür vor seinen Genossen rechtfertigen? Das wußte ich gar nicht. Das ist ja alles haargenau wie heute! Ich brech`ab! Wie hat er sich herausgeredet? Da könnte sich Drygalla doch was abschauen? Hahaaa…

    Seine erste Frau Charlotte Schanuel hatte Honecker während seiner Haftzeit in Nazideutschland kennengelernt. Als der gelernte Dachdecker mit einem Arbeitskommando in Berlin Bombenschäden reparieren musste, war Honecker zeitweilig in einem Frauengefängnis in der Barnimstraße untergebracht. Dort traf er seine zukünftige Frau – eine Aufseherin. 1946 gaben sich die Beiden das Ja-Wort. Aber bereits zwei Jahre später verstarb Charlotte Schanuel. Honecker selbst musste sich wegen dieser Ehe später vor seinen Genossen rechtfertigen: Wie konnte er, der kommunistische Funktionär, eine Verbindung mit einer nazistischen Aufseherin eingehen?

    http://www.mdr.de/damals/archiv/artikel92510.html

    Vielleicht wäre das sogar ein Argument, den Genossen Führer heute bei der Antifa und der Süddeutschen in Mißkredit zu bringen. Nicht zu vergessen die SED-Fortsetzer. Die sollen da keinen Spaß verstehen. Am Ende müssen die sich noch distanzieren, was für ein Spaß.

  7. 7 Karl Eduard 9. August 2012 um 06:28

    Der Blogwart kann zur Jubelintensität nichts beisteuern. Vielleicht könnte man ja Sprechchöre der FDJ – Freundinnen – „DDR – unser Vaterland“, „Frieden, Freundschaft, Solidarität“ und „Wir sind die Kampfreserve der Partei!“ als Jubel bewerten. Als mit später Geburt Begnadeter ist es ihm auch nicht möglich etwas zur Führerbejubelung zu belegen. Außer Filmen und Fotos.

    Das mit der Nazibraut ist gut. Offenbar war die ideologisch überhaupt nicht gefestigt.

  8. 8 Pecos Bill 9. August 2012 um 08:37

    Frage mich ernsthaft, ob man diesen Text heute noch in einer TV-Sendung wie NDRdry (heißt die so?) verlesen könnte.


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