Hündisch ergeben

Der Blogwart weiß nicht, wie er das sonst pietätvoller formulieren soll. Lutz Battke wird die Existenzgrundlage entzogen weil er mehrmals an der jährlichen „Ehrung“ der zwei Mörder des jüdischen Reichsaußenministers Walther Rathenau teilgenommen hatte. Nur mal zum Verständnis, dieser Rathenau wurde 1922 ermordet. Das weist darauf hin dass für ihn selbst schwerste und zudem antisemitische Straftaten billigenswert“ seien. So der TAGESSPIEGEL. Und die Richter. Die offenbar befürchten, der Herr Battke könnte beim Kaminekehren die Kunden in politische Gespräche über die Weimarer Republik verwickeln, die Massenarbeitslosigkeit, den Ausverkauf des Besitzes und der Interessen der deutschen Bevölkerung,  und Parallelen zu Herrn Rathenau und Angela Merkel ziehen. Gut, daß dem nun ein Riegel vorgeschoben wurde.

Künftig werden es sich die Leute zweimal überlegen, ob sie sich für die Kandidatur einer Partei aufstellen lassen, die derzeit völlig legal ist. Wir leben nämlich in einer Demokratie in der jeder der Meinung der Bundeskanzlerin sein darf oder der von Herrn Steinbrück oder von Petra Pau. Wer anders denkt und das dummerweise auch noch laut, der wird bei der ARGE um Brot betteln müssen. So, wie das in pluralistischen, freiheitlichen Gesellschaften üblich ist. Und sollte einmal herauskommen, daß der Hitler jüdische Ahnen hatte, dann kann sich der Stauffenberg auf etwas gefasst machen. Der Antisemit.

Am 2. Juli 1922 schreiben die Wiener Bilder zum Mord an Walther Rathenau: „Der unselige Friedensvertag hat wieder einen politischen Mord gezeitigt, der am Samstag dem 24.  d. M., der deutsche Außenminister Walther Rathenau in Berlin zum Opfer gefallen ist.“ Mit dem unseligen Friedensvertrage wurde Deutschland verpflichtet, ohne Rücksicht auf das Wohl der eigenen Bevölkerung die finanziellen und materiellen Forderungen der Kriegsgegner, die heute unsere Freunde genannt werden, weil sich das besser anhört, zu befriedigen. Besonders willfährig dabei zeigte sich der deutsche Außenminister. „Wenn man mit einem Wort die Persönlichkeit Rathenaus umschreiben wollte, so müßte man sagen: er war ein mit dem Spürsinn für alles rational wirtschaftliche ausgestatteter Wirklichkeitsmensch, der sich zugleich eine ideale Auffassung von der Wirksamkeit des menschlichen Lebens gewahrt hatte.“  Heute würde man wohl von herzlos und Machtmensch sprechen.

Bild 1: Aber nicht alles war 1922 schlecht. Unsere heutigen Freunde zerstückeln weiterhin Deutschland. In die, Deutschland verbliebenen Gebiete, dürfen deutsche Truppen zu deren Verteidigung einrücken, von den Kindern freudig begrüßt. Den Rest okkupiert Polen. Dasselbe Polen, dem der deutsche Kaiser und der österreichische Monarch zur Wiederauferstehung geholfen haben. So rächt sich die böse Tat.

Bild 2: Alljährlich gedenken Deutschlands Offizielle Menschen, die versuchten, ein deutsches Staatsoberhaupt umzubringen und das inmitten einer Krisensituation, in der sich das Land befand.  Das weist darauf hin, daß sie selbst schwerste Straftaten, wie Mord billigen. Sollte sich herausstellen, daß das Attentatsopfer jüdischer Herkunft war oder in der Ahnenreihe jüdische Gene herumdümpelten, kommt Antisemitismus strafverschärfend hinzu.

12 Responses to “Hündisch ergeben”


  1. 1 eulenfurz 8. November 2012 um 06:54

    Der Mord an Rathenau wurde nicht aus rassisch-religiöser, sondern aus politischer Motivation begangen. Dieser Tat jetzt eine antisemitische Konnotation zu verleihen, ist schon arg böswillig. Das wäre so, als wenn man dem Stauffenberg anti-österreichische Vorbehalte unterschöbe.

    Ansonsten sind Motivationen, Täterkreis, Opferzugehörigkeit, Tatwaffen … in beiden Fällen, bei Rathenau und bei Hitler, erstaunlich ähnlich, nur, daß es bei Rathenau geklappt hat. An dieses wegweisende Urteil sollte man denken, wenn man mal wieder jemanden beim Stauffenberg-Gedenken erwischt!

  2. 2 eulenfurz 8. November 2012 um 07:02

    Die schreiben:

    Der Fall hatte zusätzlich Aufmerksamkeit erregt, da Battke auch Trainer im Sportverein BSC 99 Laucha war. Ein Fußballer aus dem Verein verprügelte im April 2010 in Laucha einen jüdischen Schüler.

    Und, ist er als Mittäter oder Anstifter verurteilt worden? Das ist schon eine üble Presse-Schmiererei!

    Der Fall hatte zusätzlich Aufmerksamkeit erregt, da Battke auch Angehöriger des deutschen Volkes ist. Ein Politiker dieses Volkes organisierte im letzten Jahrhhundert den Holocaust.

  3. 3 Karl Eduard 8. November 2012 um 07:30

    Ja. Erstaunlich, welche Fäden da gewebt werden.

  4. 4 Nescio 8. November 2012 um 09:45

    „Erstaunlich, welche Fäden da gewebt werden“ – sowohl Journalisten als auch Juristen sind gerne den jeweils Mächtigen zu Diensten. Die Gesetze der Logik gelten in solchen Fällen nicht mehr. Man vergleiche auch die „Logik“ der Juristen in den Moskauer und anderen Schauprozessen und die (damals) begeisterte Berichterstattung der internationalen Journaillen darüber.

    Was kann man daraus lernen? Ohne unsere Steuergelder wären solche Juristen arbeitslos, bzw. müßten gar einen produktiven Beruf ergreifen.

    Wenn nun einem Schornsteinfeger sein Beruf untersagt wird … die konsequente Lösung aus so einer Situation wäre: Hartzen, zum Islam übertreten (natürlich nicht wie Pierre Vogel, sondern nur zu einer „gemäßigten“ Richtung, haha), mit 4 Ehefrauen entsprechend viel Nachwuchs zeugen und selbige Sippe von den verbliebenen Sheeple alimentieren lassen.

    So wie die Angehörigen des Auserwählten Volkes vor über 100 Jahren aus Nützlichkeitserwägungen massenhaft zum Christentum übertraten, dabei aber im Innersten blieben wie sie waren, so wird es auch für uns vielleicht einmal nicht bloß nützlich, sondern überlebenswichtig sein, einer der beiden Herrenreligionen anzugehören. Da die eine Religion schon lange einen Aufnahmestopp verhängt hat, bleibt wohl nur die andere übrig.

  5. 5 Prosemit 8. November 2012 um 10:58

    Zu dem fall ein lesenwerter Klassiker

    Die Berichterstattung Roths zum Ratenau Prozess.

    …Der örtliche und sachliche Mittelpunkt des zweiten Prozeßtages war die Mordwaffe, mit der Rathenau erschossen wurde. Jene Maschinenpistole, fürchterliche Erfindung unseres Jahrhunderts, die genauso schnell schießt wie ein Maschinengewehr und die jetzt, in ein Corpus delicti verwandelt, geradezu harmlos auf dem Tisch vor den Richtern liegt. Sie hat die Größe eines üblichen Karabiners, ihr Lauf
    beziehungsweise Laufschutz ist mit Löchern versehen und macht den Eindruck eines zylinderförmigen Siebes. Mit gleichgültiger Miene blicken die Angeklagten auf die Waffe, als wäre sie ein nebensächliches Küchengerät und nicht jenes Instrument, mit dem sie angeblich die Befreiung der Nation vollführen wollten. Gleichgültig erörtert Techow
    die Schnelligkeit dieser Waffe wie ein Sachverständiger im Schießfach, und um den Mund des Herrn Kapitänleutnants Tillessen liegt ein Lächeln der Verachtung für alle jene friedliche Menschen im Saal, die so gar keine Ahnung haben von Waffen und Heldentaten.

    Diese Waffe auf dem Richtertisch macht sichtlich auf alle Zuhörer und Richter und Verteidiger einen tiefen Eindruck. Die Unruhe im Saal verstärkt sich, das Publikum drängt vor. Ein Stuhlrücken fängt an, und die Aussagen des Angeklagten und die Fragen des Vorsitzenden ertrinken in der allgemeinen Aufregung…

    Aus Josepf Roth gesammelte Werke Band 1

  6. 6 Beipflichter 8. November 2012 um 12:29

    Zum zeiten Bild:
    Iss eben „moderne“ Schizophrenie. –
    Denn merke: Es gibt Dinge und Wesen, die sind gleich, es gibt jedoch welche, die sind gleicher. So gibt es zu verteufelnde faschistische Kriege versus „Befreiungen“.
    „Hexenjagden“, wenn Linke juristisch belangt werden, „Zivilcourage“, wenn Nichtlinke denunziert werden. „Atonome Demos“, wenn linke Vandalen ganze Stadtviertel verwüsten, „Aufmärsche“, wenn Nichtlinke demonstrieren. Hyperventilations-Orgasmen sämtlicher Medien, wenn sich irgendeine Rotzgöre Hakenkreuze in ihre Pelle manichelt und dafür ein Nazi-Phantom daher halluziniert, dagegen Schweigen aller Flöten oder larmoyante Migranten-Schicksal-Bejammerungen, so ein MiHiGru eine Autochthon-Kartoffel tot-schnitzt oder zum Krüppel stiefelt.

    Und es gibt Dinge, die sind es zugleich Nicht-Dinge. So gibt eigentlich keine Geschlechter (alles nur „soziale Konstrukte“), aber dennoch Männer, als Inkarnation des Pöhsen, und Frau_Innen, vollendete Lichtgestalt_Innen. Es gibt auch keine Rassen, aber dennoch pöhen, weissen Rassismus. Es gibt auch kaum genetisch übertragene Eigenschaften, aber dennoch erbliche Faschismus-Affinität in Teutonien.

  7. 7 eulenfurz 8. November 2012 um 14:18

    @Prosemit
    Einen tiefen Einblick in die Umstände des Rathenau-Mordes und -Prozesses gewährt auch der Mitangeklagte Ernst v. Salomon in seinem Buch „Die Geächteten“ – ein Werk, das auch literarisch erstklassig ist. Im zweiten Buchteil geht es fast ausschließlich um die Haftzeit, man möchte gar nicht glauben, daß E.V.S. angesichts dieses augenscheinlich drögen Themas Hunderte Seiten mit spannendem Inhalt füllen konnte.

  8. 8 Prosemit 8. November 2012 um 15:13

    Im zweiten Buchteil geht es fast ausschließlich um die Haftzeit

    Danke für den Tip, werde ich mir besorgen…

    Sie kennen das Buch wahrscheinlich.

    Für mich das mit Abstand interessanteste und beste Buch zu diesem Thema : Jammersminde. Wenn Sie es noch nicht kennen : Bitte lesen !

    http://de.wikipedia.org/wiki/Leonora_Christina_Ulfeldt

  9. 9 Rucki 8. November 2012 um 15:50

    Zitat: K.E.
    “Wenn man mit einem Wort die Persönlichkeit Rathenaus umschreiben wollte, so müßte man sagen: er war ein mit dem Spürsinn für alles rational wirtschaftliche ausgestatteter Wirklichkeitsmensch, der sich zugleich eine ideale Auffassung von der Wirksamkeit des menschlichen Lebens gewahrt hatte.” Heute würde man wohl von herzlos und Machtmensch sprechen.

    Ich ersetze Rathenau durch Karry:

    “Wenn man mit einem Wort die Persönlichkeit Karrys umschreiben wollte, so müßte man sagen: er war ein mit dem Spürsinn für alles rational wirtschaftliche ausgestatteter Wirklichkeitsmensch, der sich zugleich eine ideale Auffassung von der Wirksamkeit des menschlichen Lebens gewahrt hatte.” Heute würde man wohl von herzlos und Machtmensch sprechen.

    Sogar die jüdischen Gene sind vorhanden. Der kleine Unterschied zwischen beiden:

    Heinz Herbert Karrys Mörder wurden nie gefasst. Die Mordwaffe wurde, rein zufällig im Fahrzeug eines späteren Aussenministers der BRD transportiert.

  10. 10 Werauchimmer 8. November 2012 um 21:03

    „Das wäre so, als wenn man dem Stauffenberg anti-österreichische Vorbehalte unterschöbe.“

    Wieso anti-österreichisch. Falls du damit auf Hitlers Herkunft anspielst, Österreicher sind Deutsche und verstanden sich bis 1945 auch so, auch noch einige Jahre danach. Erst im Rahmen der Umerziehung wurde den heutigen Bewohnern der sogenannten Republik Österreich erzählt, daß sie doch eigentlich ein eigenes Volk wären.

    Ansonsten, zum Berufsverbot an sich, war ja nicht anders zu erwarten, daß der sogenannte Rechtsstaat das durchboxt. Der böse Battke aber auch…
    Ich hoffe, der Nachfolger wird politisch genehmer. Ich schlage vor, den Posten durch eine Fachkraft mit Migrationshintergrund zu ersetzen, möglichst mit Parteizugehörigkeit zu den Grünen oder der Piratenpartei und beteiligt an einer lokalen Anti-Rechts-Aktion als Aushängeschild. Ist ja üüüüberhaupt nicht politisch voreingenommen.

  11. 11 Volker 8. November 2012 um 22:18

    „Das weist darauf hin dass für ihn selbst schwerste … Straftaten billigenswert seien“

    Na, das ist doch mal eine Ansage.
    Ich freu mich drauf, wie nun alle Berufsverbot kriegen, die sich offen zum Mörder Che bekennen.
    Doch, doch, die kriegen alle Berufsverbot. Denn vor dem Gesetz sind alle gleich.
    So ist es doch. Oder? 

  12. 12 eulenfurz 9. November 2012 um 11:09

    @Werauchimmer

    …auf Hitlers Herkunft anspielst, Österreicher sind Deutsche und verstanden sich bis 1945 auch so…

    Deutsche Juden eigentlich auch, oder Sorben, Ausnahmen bestätigen in diesen drei Fällen die Regel. Nach herrschender Lehrmeinung sind Österreicher sogar eher als „fremde Ausländer“ zu klassifizieren, als in Deutschland lebende Juden.

    Zum Vergleich Stauffenberg / Rathenau-Mörder:

    Daß das Bundesverwaltungsgericht aber anhand der Totenehrung für die politischen Attentäter und dem religiösen Hintergrund des Opfers schlußfolgert, daß der Gedenkende „die geltenden Gesetze und die Grundrechte von Mitbürgern – auch von ethischen [?, sic] oder religiösen Minderheiten – nicht uneingeschränkt und verlässlich achtet“, ist schon sehr abenteuerlich.

    Dieses wegweisende Urteil bedeutet, daß auch all jenen, die an Stauffenberg oder dessen Tat gedenken, ebenso abgesprochen wird, daß diese sich an geltende Gesetze halten und die Grundrechte von ethnischen oder religiösen Minderheiten – Hitler war Österreicher und Katholik – uneingeschränkt und verläßlich achten.


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