Der Fluch der bösen Tat

Die Franzosen im Ruhrgebiet 1923Am 14. Januar 1923 wird in Freiburg der nationale Trauertag anläßlich der Invasion des französischen Heeres in das Ruhrgebiet begangen. Auf ihr hält der badische Arbeitsminister Dr. Engler eine Rede. Die *Freiburger Zeitung* schreibt: … Der Versailler Vertrag sei unerfüllbar und ein Dokument brutalster Gewalt, auf das man das Wort Schillers anwenden könne, vom Fluch der bösen Tat, die fortlaufend nur böses gebären kann, das immer wieder den Franzosen Gelegenheit gäbe, „absichtliche Verfehlungen Deutschlands“ bei Erfüllung der überhaupt niemals restlos einzuhaltenden Forderungen zu konstruieren und gewaltsam gegen Deutschland vorzugehen. So hat man uns Kohlelieferungen auferlegt, die für das deutsche Wirtschaftsleben unerträglich sind. Allen ist bekannt, wie schwer die deutsche Industrie durch Beschneidung der äußerst notwendigen Kohlenmengen leidet, und daß es auch für viele Privatpersonen ein unerschwinglicher Luxus geworden ist, sich ein geheiztes Zimmer zu leisten.

Frankreich, das auf Grund des Versailler Vertrages nur soviel Kohle zu beanspruchen hat, als der Ausfall der Förderung der nordfranzösischen Gruben ausmacht, verlangt heute von Deutschland viel mehr Kohle, als es verbrauchen kann. Die Franzosen verkaufen die uns zum billigen Inlandspreis abgepresste Reparationskohle zum Weltmarktpreis wieder an andere Länder, liefern andererseits der französischen Industrie sehr billiges Brennmaterial und können für sie günstige Konkurrenzverhältnisse auf dem Weltmarkt schaffen.

Genauso verhält es sich mit den Holzlieferungen. Wenn wir die gesamten Holzanforderungen Frankreichs erfüllen wollten, so würde in den deutschen Wäldern bald kein Baum mehr stehen. Und trotzdem hat Deutschland erfüllt, was im Rahmen seiner Leistungsfähigkeit möglich war.

Mit den Kohlenlieferungen sind wir mit einem Fünftel im Rückstand und der Rest der Kohlenlieferungen ist so gering – neunzehn Zwanzigstel haben wir erfüllt – daß es kaum der Rede wert ist. Während Frankreich im Überschuß an Material schwelgt, leidet die deutsche Wirtschaft bitterste Not.

Zum Verständnis für die heutige Generation, damals mußte das Sozialsystem finanziert werden, aus dem Steueraufkommen,  und bei den Abgaben, die dem deutschen Staat zur Begleichung der Forderungen des Versailler Vertrages abgepresst wurden, blieb für die Wohlfahrt praktisch nichts übrig. Heute steht ein Goldesel im Keller des Kanzleramts, und unterm Dach ein „Tischlein deck Dich!“, Lebensmittel wachsen im Supermarktregal, wo sie mit vollen Händen an DIE TAFELN abgegeben werden, damals war das nicht so. Wenn die Wirtschaft keine Arbeitsplätze anbieten konnte, mußte der arbeitslose Mensch hungern. Sich aus der Mülltonne zu bedienen, war keine alternative Lebensform, sondern Massensport. Nur, um einmal die Situation zu begreifen.

Der Versailler Vertrag glich etwa dem Vertrag, den ein Räuber und sein Opfer abschliessen. Der Räuber verspricht dem Opfer, es nicht weiter mit Fäusten und Messer zu traktieren, wenn es ihm nur regelmäßig Schutzgeld zahlt. Also eine faire Sache. Das ist der Nährboden, auf dem die krude Ideologie eines Adolf Hitler gedeiht, der meint, Deutschland müsse wieder so stark werden, daß es keiner ungestaft herumschubsen kann.  Zur Not gibt es eben eins auf die Nase. Daß so ein Denken nie wieder aufkommen darf, das versteht sich ja von selbst. Unsere Regierungen lassen uns gerne herumschubsen. Und wir sind froh darüber. Sonst würden ja nicht immer dieselben hervorragenden Persönlichkeiten gewählt.

Und trotzdem ist Frankreich unzufrieden und ergreift wegen geringer angeblicher Verfehlungen Deutschlands sogenannte wirtschaftliche Maßnahmen mit einem riesigen, bis an die Zähne bewaffneten Heer und besetzt weite Gebiete deutschen Bodens. Derartige Gewaltmaßnahmen, wie sie in der Besetzung des Ruhrgebietes ihren Ausdruck finden, sind nie und nimmer weder völkerrechtlich noch gemäß dem uns aufgezwungenen Versailler Diktat zulässig.

Aber Frankreich will ja nicht Reparationen, es verfolgt ganz andere, nämlich politische Ziele und erstrebt die Verwirklichung alter, schon seit Ludwig XIV. gehegter Pläne, nämlich die Losreißung des Rheinlandes von Deutschland. Den Rhein als natürliche Grenze Frankreichs und zur Sicherung dieser Grenze die Besitzergreifung weiterer rechtsrheinischer Gebiete. …

Redner ging dann dazu über, die in der deutschen Presse erscheinenden ausländischen Blätterstimmen zu kritisieren, die zu der optimistischen Auffassung verführen, daß uns vielleicht das Heil von Amerika oder von einer anderen Ententemacht, die den Vormarsch ins Ruhrgebiet nicht mitgemacht habe kommen könne. Diese Auffassung sei irrig. Niemand werde Deutschland helfen, denn jeder trachte, aus Deutschland soviel als möglich herauszuholen, wenn auch mit verschiedenen Methoden …

Bild: 1923. Unsere französischen Befreier besetzen Essen. Viele Essener leiden dadurch Einbuße in ihrer Lebensqualität aber im Namen deutsch – französischer Freundschaft ist ihnen kein Opfer zu groß. Recht so, meint der Blogwart. Der Demokratie Amerika ging diese Völkerrechtsverletzung übrigens am Allerwertesten vorbei, weshalb sie heute auch unserer engster Freund ist.

2 Responses to “Der Fluch der bösen Tat”


  1. 1 Post-Achtundsechziger 15. Januar 2013 um 17:26

    Ja, die „Goldenen Zwanziger“, da war einfach was los. Noch heute schwärmen PI-ler und andere von dieser Blütezeit der deutschen Kultur, da sie mit Sicherheit „Hitler verhindert“ hätten. Schließlich hatten wir seit 1918 die Demokratie! Aber was hilft die beste Demokratie, wenn im Kanzlerbunker ein Dukatenesel steht, der für unsere Freunde auf Zuruf Mittel für einen „Stabilitätsmechanismus“ absondert, wenn sie – unverschuldet wie immer – in Not geraten? Den zu füttern, meint seine Besitzerin, ist einfach alternativlos – wegen der Freunde, Demokratie hin, Demokratie her.

  2. 2 eulenfurz 16. Januar 2013 um 07:52

    @Post-Achtundzechziger
    Es gab schon einige, für die waren die 20er tatsächlich golden: Schieber und Spekulanten und Devisenschacherer.


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