Archiv für 22. Januar 2013

Dürfen die alten Metzger bleiben?

Osram

Irgendwo im Land durften am vergangenen Wochenende die Schafe darüber abstimmen, ob die alten Metzger bleiben oder einmal neue Schlachtungsmethoden ausprobiert werden sollten. Und die Sorge der Schafe ist natürlich groß, wie es weitergeht, sollte man die liebgewordenen Schlachter für die nächste Legislaturperiode verlieren. Eines ist aber sicher, das Fell wird ihnen weiterhin über die Ohren gezogen. Und dafür sind sie dankbar. „Määäääh!“

Zur Bekämpfung des Geburtenrückganges verlangt der Deutsche Bund für Mutterschutz – schreibt  *die Coburger Zeitung vom 22. Januar 1913* –  den sofortigen Import von 5 Millionen Negern und 10 Millionen Türken, Sprach-, Kulturkenntnisse und Integrationswillen sind durchweg unerwünscht, die Deutschen müßten eben eine Willkommenskultur entwickeln, außerdem müssen  Zugewanderte und ihren Nachkommen mit einer fürstlichen Rente ausgestattet werden und hätten ein jeder  500 intensive Straftaten frei, ehe die Staatsanwaltschaft sich bei den so dringend benötigten Geburtenrückgangsbekämpfungshelfern für das Versagen der Gesellschaft zu entschuldigen hat. eine umfassende Mutterschutzversicherung. Eine Petition an den Reichstag tritt für folgende Abänderung der Reichsversicherungsordnung ein: 1. Erhöhung des Wochengeldes auf den Betrag des vollen Lohnes; 2. freie Hebammendienste, freie ärztliche Behandlung bei der Geburt und bei Schwangerschaftsbeschwerden, Stillgelder in Höhe des halben Wochengeldes und Schwangerengelder als Regelleistungen der Kassen; 3. Gewährung der vollen Wochenhilfe an die weiblichen Mitglieder aller Kassenarten: 4. Gewährung freier Hebammendienste, freier ärtzlicher Behandlung bei der Geburt und der Schwangerschaftsbeschwerden, sowie Stillgelder in Höhe des halben ortsüblichen Tageslohnes für weibliche Personen an die versicherungsfreien Ehefrauen der männlichen Kassenmitglieder.

Verhungert der Balkankrieg? Der Balkankrieg. Obwohl die Hoffnung besteht, daß die Türkei dem Verlangen der Großmächte nachgibt und den Frieden nach den Bedingungen Bulgariens schließlich unterzeichnen wird, unterläßt es die bulgarische Regierung nicht, durch verschärfte Maßnahmen einen Druck auf die Hohe Pforte auszuüben. Bulgarien ist mit seinem Menschenmaterial am Ende seiner Kräfte angelangt. Sollte im Frühjahr der Krieg noch nicht beendet sein, so müßten notgedrungen weite Strecken Landes brach liegen bleiben und eine Hungersnot wäre unvermeidlich.

Die Sorge mag in Sofia bestimmend gewirkt haben, die bulgarischen Friedensdelegierten zu ermächtigen, sich direkt mit dem Hauptquartier in Verbindung zu setzen und die Wiederaufnahme des Feldzuges zu beschließen, falls sie die Nutzlosigkeit weiterer Verhandlungen einsehen sollten. Bekanntlich müßten nach einem Abbruch der Verhandlungen noch vier Tage verstrichen sein, ehe der Krieg wieder aufgenommen werden darf.

Wie das Reutersche Büro erfährt, hat der bulgarische Premirminister Geschow die Delegierten in London ermächtigt, den bulgarischen Oberkommandierenden, General Sawow direkt telegrafisch zu ersuchen, die Feindseligkeiten wieder aufzunehmen, wenn sie meinen sollten, daß für den Friedensschluß keine Aussicht mehr bestehe. Im Zusammenhang wird darauf hingewiesen, daß die Soldaten der Balkanverbündeten bis spätestens zum Februar zur Bestellung ihrer Äcker zurückkehren müssen, da sonst eine Hungersnot unvermeidlich wäre.

Weitere ergötzliche Nachrichten findet der Leser unter obigem Link zur Ausgabe der Coburger Zeitung.


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