Ist doch völlig Wurscht

Bella war ganz alleinJa, da freuen wir uns doch. Die Holocaustgedächtnisseite Yad Vashem ist nun auch deutschsprachig im Internet zu besuchen. Wenn das nicht einen Jubel wert ist. Der Standard, der die erfreuliche Meldung verbreitet, schreibt von wissenschaftlichen Informationen zu der Ermordung von sechs Millionen Juden durch die Nazis, während die Zentrale Datenbank der Namen der Holocaustopfer die der Artikel netterweise verlinkt, von rund 4,2 Millionen Opfern weiß, die mit Namen und Daten erfaßt sind. Aber die Dunkelziffer ist bekanntlich immer viel, viel höher und da ist es völlig egal, ob 1 Milliarde, 6 Millionen, 4,2 Millionen, 1 Million, 500 000, 70 000, 8563 oder vielleicht nur 50, wichtig ist doch, daß dieses unfassbare Verbrechen, sich in dieser einen Form nie wiederholt, höchstens in einer anderen.

Aber da kann man bekanntlich den Anfängen nicht wehren, weil man sie nicht erkennt, wohingegen auch das deutsche Kleinkind schon weiß, wie der Holocaust angefangen hat.

Holocaust beginnt immer mit der gesellschaftlichen Ausgrenzung und Ächtung von Menschengruppen, ob das nun die Raucher sind, die Falschparker, die Hausfrauen, sexuell belästigte Spitzenjournalistinnen, Verkehrsrowdys, Übergewichtige oder Demokraten, die wegen ihrer parasitären Lebensweise vom Wähler schief angesehen werden, immer fängt es so an und endet dann irgendwann mit zentralen Gedenkstätten, in die nur exclusive Opfer hineinkommen, der Rest muß draußenbleiben.

Und, sagt der Blogwart, es ist schön, wenn ein Volk etwas hat, an dem es sein Selbstbewußtsein aufrichten kann, und sei es nur, die Ermordung von unglaublich vielen, vielen Angehörigen, deren Zahl von Jahr zu Jahr zunehmen muß, rechnet man mal die vielen Ungeborenen hinzu, die ja eventuell hätten geboren werden können, hätten sich Mann und Frau getroffen, sexuell miteinander verkehrt und alle Umstände gepasst, von denen wir annehmen müssen, sie hätten zur Zeugung eines Kindes geführt, das nicht abgetrieben worden wäre. Und deren Kinder und Enkel und Urenkel und und und. Was ist da die lächerliche Differenz von 1,8 Millionen Toten? Erdnüsse!

Bild: 1913. Eben noch war die investigative Starreporterin Bella investigativ drangewesen, am Abgeordneten, als ihr dieser seine Tanzkarte offerierte. Weil sie sich nicht anders zu helfen wußte, schoss sie ihn nieder. Dieser Herr Brüderle sollte froh sein, daß diese Zeiten vorüber sind. Heute wird in Jahresfrist gemeuchelt. Mit der Druckerpresse.

11 Responses to “Ist doch völlig Wurscht”


  1. 1 Blond 29. Januar 2013 um 12:40

    Zu den:
    Was ist da die lächerliche Differenz von 1,8 Millionen Toten? Erdnüsse!

    „Erdnüsse, engl. Peanuts, ist auch in der deutschen Umgangssprache ein Ausdruck für Kleinigkeiten oder unbedeutende Geldsummen.
    Es wurde 1994 zum Unwort des Jahres erklärt.
    Ein Vorstandssprecher der Deutschen Bank AG benutzte den Ausdruck „Peanuts“ im Zuge der Insolvenz eines Unternehmers für offene Handwerkerrechnungen im Wert von 50 Millionen DM.
    Diese Zahl wurde nämlich in Relation zu den gesamten Forderungen in Höhe von 5 Milliarden DM gesetzt.
    Die Tarifverhandlungen im Jahr 1996 für die Beschäftigten im Bank- und Versicherungsgewerbe stellte die damalige Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen in Anspielung auf Koppers Äußerungen unter das Motto „Peanuts für alle, bar auf die Kralle“.“
    Laut Wiki.
    Jawoll.
    Dann wäre das auf dem Bild oben Gezeigte noch weniger als die Schale – evtl. ein Stückchen Faser.
    Und da regen sich die Leute immer so auf, wenns knallt.
    Völlig unverständlich.

  2. 2 Meschuggener Goj 29. Januar 2013 um 12:45

    Im Fernsehen, ja sogar in Kindersendungen, sagt man seit einiger Zeit: MEHR ALS SECHS MILLIONEN J.

    Ich besitze noch ein Schulbuch, herausgegeben in den 1970er Jahren vom österr. Unterrichtsministerium, worin steht: 5 Mio. Ju. plus eine Million sonstige Regimegegner (Sintiroma, Bolschewisten, Zeugen Jehovas, Wehrdienstverweigerer …).

    Wir dürfen uns wohl auf eine weitere Aufwärtsentwicklung der Opferzahlen einstellen. Auch um im Vergleich zu Stalins und Maos Opferzahlen nicht zu sehr zu verblassen.

  3. 3 Beipflichter 29. Januar 2013 um 12:49

    Besonders erbaulich ist an diesem Beitrag it, dass hier gleich zwei singulärer Opfergruppen erwähnt werden, auf daß unsere feigen sich permanent der ewigen Schuld entziehen wollenden Narzisstenseelen, mal wieder kräftig eingenordet werden. Nämlich die sexuell und ethnisch Belästigten. Nur schade, dass die kürzlich so brüderlelich Belästigte nicht auch Angehörige der seit Jahrtausenden so heftig ethnisch Belästigten ist, da hätte sich die hyperventilatorisch herumjapsende Medienhype doch wenigstens gelohnt.

    Aber besieht man sich das Psychogramm des Bundes-Hanswurschts, so könnte man es der armen Kreatur einfach nicht antun seine Glaubensgrundsätze zu nehmen oder auch nur der ätzenden Säure des Zweifels auszusetzen? – Wie könnte man die brav blökende Herde von Bundeschafsnasen aus dem warmen Bett ihrer heiligsten Überzeugungen reißen? –

    Was wäre das Bundes-Ober-Schaf ohne seine Selbstgeissel-Devotionalien, seine täglichen Schuldmantras, seine Buß-Katechismen, seine periodischen Medien-Hypen ?-

    Welche ungeheure metaphysische Leere hinterließe doch:

    Der Abfall vom Holo-Glauben, von der Klima-Religion, von den Frauenunterdrückungs-Lehren, von der NSU-Saga, von der MuKu-Ideologie, von der omnipräsenten Faschismus-Hype, vom Waldsterben-Mythos und vom pöhsen HIV=AIDS-Schrecken in solch einem armen Schafs-Cephalus?

    Sämtliche ‚spirituellen Fundamente‘ auf denen Bundes-Würschtchens singuläre Existenz ‚ruht‘, mit einem Schlag anihiliert, eine erschröckliche Vorstellung, der ‚horror vacui‘ in Reinstfrom

    Nicht auszudenken, welche Massendepressionen da ausbrächen. – Der komplette Zusammenbruch stünde bevor, übler als sämtliche €-Blasen-Kollapse, oder was auch immer. – Das darf nimmer geschehen !

  4. 4 Post-Achtundsechziger 29. Januar 2013 um 14:46

    Ja, ja, der Standard hätte sich ja der „Holo-Leugnung“, äh, „Wiederbetätigung“ oder wie das Dingsbums dorten heißt, schuldig gemacht, wenn er die Zahl von Yad Vashem einfach so übernommen hätte. Vom „Selbstbewusstsein“ ganz zu schweigen, das nun mal heutzutage auf der „Schuld der Deutschen“ an allem möglichen beruht. In der Beziehung sind wir alle noch immer vereint in einem „Großdeutschen Reich der vorauseilenden Schuldübernahme“.

  5. 5 Westphale 29. Januar 2013 um 15:27

    Ich habe die Zahl „6.000.000“ ständig als Erinnerung auf meinem Handrücken stehen. Sollte ich einen vergessen, habe ich es möglicherweise mit der Justiz zu tun.

    Durch die Luftangriffe der Allierten sind angeblich 500.000 deutsche Zivilisten ermordet worden. Ich behaupte aber in keiner Weise, daß es sich damit um ein Kriegsverbrechen handelt. Ich möchte einfach keinen Ärger mit dem Unrechtsstaat haben.

  6. 6 Grafenwalder 29. Januar 2013 um 17:01

    Habe vor Kurzem mal stichprobenartig diese Liste durchgeschaut. Da gibt es noch viel zu erforschen. Oft wird als Beleg eine „Todesliste“ angegeben, aber dann kein Quelldokument mitgeliefert (Was theoretisch hochgeladen werden könnte und sollte). Meiner Einschätzung nach könnte man die Opferzahlen viel genauer ermitteln, wenn man über solche Namenslisten tatsächliche, konkrete Todesopfer relativ sicher ermitteln und damit beziffern würde. Man könnte auch schauen, welche „Opfer“ z.B. über 70 Jahre alt waren oder einfach mal überschlagsweise „natürliche“ Alterssterblichkeit mit einrechnen.

    Man könnte auch mal die jüdische Bevölkerung „vorher“ namentlich erfassen (das müsste selbst für weniger bürokratische osteuropäische Staaten der 40er Jahre möglich sein) und dann schauen, wer natürlich verstarb, wer nachweislich in Lager verbracht wurd und dort zu Tode kam, wer verschollen ist und wer nachweislich eine Lagerhaft oder den Krieg allgemein überlebt hat, vielleicht nach Israel oder die USA auswanderte oder innerhalb Europas im Zuge von freiwilliger oder erzwungener „Migration“ an anderem Ort wieder ansässig wurde.

    Schließlich könnte man von den sterblichen Überresten her Opferzahlen genauer ermitteln. Und diese mal exhumieren, wenn möglich. Ach ich vergass, die wurden ja alle verbrannt (teils auf Freiluftgrills mit lachenden und tanzenden Wärtern beim Picknick anwesend). aber selbst dafür müsste es Dokumente geben, und es -gibt- reichlich Dokumente, wie auch gerade die neue Yad Vashem-Seite zeigt.

    Ich schätze aber, dass man nicht wirklich -zu- genau hinschauen möchte und Opferzahlen -zu- genau ermitteln will. Denn wir alle können uns denken, in welche Richtung die Opferzahlen dann möglichwerweise korrigiert werden müssten.

    Aber dennoch ist die Einrichtung dieser öffentlichen Datenbank ein begrüßenswerter Schritt, auf dem man weiter aufbauen kann.

  7. 7 Gutartiges Geschwulst 29. Januar 2013 um 19:19

    @Meschuggener Goj
    In meinem Schulbuch „Schuld oder Verhängnis“, geschrieben 1962 von Hannah Vogt, wird die Zahl der ermordeten Juden bereits mit 6 Millionen angegeben.

  8. 8 Grafenwalder 29. Januar 2013 um 19:52

    Auf dem ORF kam einmal eine Sendung über „Mythen der Geschichte“, es ging um die Festsetzung der Opferzahlen in Jugoslawien. Erst als das Regime in den 90ern unterging, war eine objektive Auseinandersetzung mit dem Thema möglich, vorher hatten Wissenschaftler mit ernsten Konsequenzen zu rechnen, sollten sie es gewagt haben, gewisse Dogmen zu hinterfragen.

    Wer Analogien zu anderen Regimen findet, darf sie behalten…

  9. 9 Grafenwalder 29. Januar 2013 um 19:53

    Achso, hier die Sendung auf YT:

  10. 10 Meschuggener Goj 29. Januar 2013 um 22:25

    Grafenwalder: „dann schauen, wer … nach Israel oder die USA auswanderte …“

    Ein gewisser Ferenc Hoffmann reiste aus Ungarn aus. Bei seiner Einreise in Israel wurde er bereits als „Ephraim Kishon“ registriert (und hat über diesen abrupten Namenswechsel später in einem seiner Bücher geschrieben).

    Üblicherweise ist durch so eine Namensänderung die Spur verwischt.

  11. 11 eulenfurz 30. Januar 2013 um 11:35

    Etwa 1948, also kurz nach dem Krieg, war auch von 8 oder 10 Millionen die Rede. Das waren Bücher aus der sowjetischen Besatzungszone. Leider habe ich die Schriften alle verbrannt, welche derartig brachiale kommunistische Propagandaweisheiten verbreiteten. Heute haben sie schon fast Kuriositätenwert.


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