Archiv für 30. Januar 2013

Vor 100 Jahren

Die Kinder des deutschen Kronprinzen 1913

berichtet die *Coburger Zeitung vom 30.01.1913*: Sonneberg, 28. Jan. Einen eigenartigen Beschluß faßte kürzlich der Gemeinderat inbezug auf die Unterbringung der Urnen, welche die Überreste der Verstorbenen enthalten. Danach wird den Familienangehörigen in Zukunft nicht mehr gestattet, die Urnen zuhause oder in besonderen Anlagen aufzustellen, sondern sie dürfen sie nur auf dem Friedhof beisetzen. Ausnahmen können nur vom Herzogl. Staatsministerium in Einzelfällen gestattet werden.

Halle a. S. , 28. Jan. Eine „kostbare“ Auster. Beim Austernessen im Restaurant „Tulpe“ in Halle a. S. fand ein Referendar in einer Auster zwei große und zwei kleine Perlen. Der Fund erregte in Kreisen der Gelehrtenwelt und auch sonst großes Aufsehen. Nach Schätzung von Sachverständigen haben die Juwelen einen Wert von 2000 Mark.

Messmers Tee

Halle a. S. , 28. Jan. Ein Studentenkonflikt zwischen der korporierten und der freien Studentenschaft ist an der Technischen Hochschule in Dresden ausgebrochen und hat bereits zu mehreren Duellforderungen Veranlassung gegeben. Die studentischen Korporationen hatten die freie Studentenschaft sozialdemokratischer Neigungen beschuldigt.

Moskau, 28. Jan. Ein Duell zwischen Mann und Ehefrau bildet hier das Tagesgespräch. Der Fechtmeister Potokin hatte einen seiner Schüler, auf den er eifersüchtig war, gefordert. Als beide die Klingen im Duell kreuzten, erschien Frau Potokin, die als gute Florettfechterin bekannt ist und in der Fechtschule ihres Mannes Unterricht erteilte. Als sie die Ursache des Duells erfuhr, forderte sie ihren eifersüchtigen Mann , da sie sich von dessen Eifersucht beleidigt fühlte. Im dritten Gang erhielt der Mann vom Florett seiner Frau einen Stich ins Herz, an dem er kurze Zeit darauf verschied.

*Danzers Armee Zeitung vom 30.01.1913*In Rußland kam Anfang Januar ein Fliegererlaß heraus: Wer die russische Westgrenze vom 01. Januar a. St. bis 1. Juli überfliegt, muß sofort landen, wer nicht gleich landet, wird herabgeschossen. Deutschland antwortete im selben Tone, nur etwas schärfer. Wer, von Rußland kommend, die deutsche Grenze überfliegt, muß sofort landen, wer nicht gleich landet, wird herabgeschossen. Und das nicht bloß vom 1. Januar bis 1. Juli, sondern bis auf weiteres. Auch Österreich – Ungarn gab darauf seinen Fliegererlaß heraus, nur etwas sanfter. Wer die österreichisch – ungarische Grenze überfliegt, muß sofort landen, wer nicht landet, wird – verhaftet.

Aus einem Konstantinopler Brief. Ein Offizier stellte uns den Brief eines Freundes zur Verfügung, der in den letzten Monaten als Arzt in einem Konstantinopler Spital tätig war und durch den langjährigen Aufenthalt in der Hauptstadt der Türkei Land und Leute gründlich kennt. In dem Brief heißt es:

„Der Verwundetenrummel ist jetzt ziemlich vorüber, wir haben derer nur mehr 22, lauter schwere Fälle, die, wenn sie überhaupt durchkommen, noch wochenlang bei uns liegen müssen. Wir halten im ganzen gegen 150 Soldaten, die letzten kamen aus der Tschataldschalinie, fast alle mit Schrapnell – und Granatverletzungen, weöche letztere ganz abscheulich waren und oft direkte Zermalmungen von Gliedmaßen herbeigeführt hatten. Der türkische Soldat ist ein prächtiger Patient, ruhig, still, klagt wenig und hält die größten Schmerzen stoisch aus. Eine Hauptsache für ihn ist, daß er eine Zigarette hat. Ihre Äußerungen über ihre Offiziere waren nichts weniger als schmeichelhaft. In den letzten Tagen haben wir zahlreiche Erfrierungen von Zehen und Füßen gesehen bei Leuten, die in der Tschataldschalinie bei verhältnismäßig geringer Kälte im Schlamm steckend in steter Feuchtigkeit gewesen sind. Die verantwortlichen Offiziere, die ihre Soldaten so gänzlich ohne Vorkehrungen für Verpflegung, Unterkünfte, Sanitätshilfe u.s.w. in die Schlachten schickten, sollte man füsilieren. …

Elternführerschein immer dringender

Altmark WocheNach einem Artikel in der Altmark – Woche will der Landtag Sachsen – Anhalts noch im nächsten Monat zusammenkommen, um über die Notwendigkeit eines Elternführerscheins zu beraten. Der Elternführerschein, der voraussichtlich „Erlaubnisschein zum Zeugen von Nachwuchs und seiner Betreuung“ heißen wird, erlaubt das Zeugen von Kindern und ihre weitere Aufzucht unter Aufsicht der Zeugenden.  Es gehe, so ein Sprecher des Landtages, nicht darum, Menschen den Sex zu verbieten, sondern die Gesellschaft und die Kinder vor der mangelnden Intelligenz ihrer Eltern zu schützen. Wer sein Kind Deyna – Doreen nenne, oder Finnley – Fernando, brandmarke das Kind nicht nur für alle Zeiten, sondern gefährde auch die Gesellschaft in höchstem Grade, kann man doch gerade aus der Namensgebung für ein Kind auf die Geistesgaben der Eltern schliessen, die bekanntlich beim Zeugungsakt an das werdende Leben freigiebig weitergereicht werden. Bekannte Doppelnamenträgerinnen aus Politik und Medien kündigten inzwischen Protest dagegen an. Es gibt, argumentierten sie, ein Recht auf Dummheit.


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