Vor 80 Jahren

Trauung v Luckner Schulenburg mit Gneisenau 1933schreibt die *Freiburger Zeitung*, am 22. Mai 1933, und wir müssen uns immer wieder sagen, wenn damalige Journalisten sich dem System andienten, dann hatten sie ebenso ihre Gründe, wie die heutigen Journalisten,  und wer nun sagt, die könnten auch auf ehrliche Weise ihr Brot verdienen, der hat das Wesen dieses Berufsstandes nicht begriffen:

Neuyork, 20. Mai. (W.T.B.) Der aus Deutschland zurückgekehrte ehemalige amerikanische Botschafter Hougton erklärte Pressevertretern, er habe in Deutschland nur Ruhe und Frieden vorgefunden. Er habe nie gesehen, daß Juden belästigt worden seien, oder gehört, daß gegen Juden agitiert worden sei. Die Stimmung in Deutschland sei heute erheblich besser als bei seinem letzten Besuch im Vorjahre. Damals seien die Menschen niedergeschlagen gewesen. Das sei jetzt alles anders geworden: es herrsche jetzt unter ihnen die tiefe Überzeugung, daß Deutschland wieder hochkommen werde. Nirgends sei von Krieg die Rede. Die Deutschen dächten nur an Frieden, und obwohl sie empfänden, daß der polnische Korridor eine schwere Belastung darstelle, werde er sie nicht in einen Krieg hineinziehen.

Scharfe Maßnahmen gegen Wucherer. München 20. Mai. (W.T.B.) In den letzten Tagen haben verschiedene Geschäftsinhaber bei Gegenständen des täglichen Bedarfs ungerechtfertigte Preiserhöhungen vorgenommen. Die Staatsregierung hat daraufhin an die Öffentlichkeit nachdrücklich Warnungen ergehen lassen.

Im Laufe des Samstags wurde in eine Reihe von Geschäften, die Überpreise für ihre Waren verlangt hatten, scharf zugegriffen. Die Polizei erschien in einer großen Zahl von Lebensmittelgeschäften und nahm etwa 100 Personen fest. Die Festgenommenen wurden im Auto zum Polizeigebäude gebracht. Die beanstandeten Geschäfte wurden geschlossen und mit einem Plakat folgenden Inhaltes versehen: „Geschäft wegen Preiswucher polizeilich geschlossen. Geschäftsinhaber in Dachau in Schutzhaft.“

Die Zahl der festgenommenen Geschäftsinhaber, die unberechtigt Preiserhöhungen bei Gegenständen des täglichen Bedarfs vorgenommen hatten hat sich bis gesern abend auf 220 erhöht. Unter den Festgenommenen befinden sich etwa 100 Frauen. Während die Männer in das Dachauer Konzentrationslager abtransportiert wurden, wurden die Frauen in das Strafvollstreckungsgefängnis Stadelheim gebracht.

Gerichtshalle. Hitlergruß gilt als Nationalgruß. Karlsruhe, 20. Mai. Der Einzelrichter des Amtsgerichtes Karlsruhe hat am Freitag ein Urteil gefällt, das wegen seiner grundsätzlichen Bedeutung von weitgehendem Interesse ist. Ein früherer Bankangestellter hatte sich wegen groben Unfugs zu verantworten, dadurch begangen, daß er beim Absingen des Horst – Wessel – Liedes die Hand nicht erhob. Er wurde damals von der Hilfspolizei in Schutzhaft genommen und am gleichen Tage zu sieben Tagen Haft verurteilt. Der Angeklagte erhob Einspruch und beantragte gerichtliche Entscheidung. Das Gericht  verurteilte ihn wegen groben Unfugs zu einer Haftstrafe von zwei Tagen und der Tragung der Kosten. In der Urteilsbegründung heißt es unter anderem, es sei richtig, daß bis vor kurzem der Hitlergruß nur in der nationalsozialistischen Bewegung gebraucht wurde. Aber seit dem 1. Mai müsse man annehmen, daß dieser Gruß über die Grenzen der Parteibewegung hinaus Gemeingut des ganzen deutschen Volkes geworden sei. Das habe sich auch bei der Eröffnung des Badischen Landtages gezeigt, wo auch andere Parteien den Hitlergruß erwiesen und damit zum Ausdruck gebracht wurde, daß er ein Symbol des ganzen deutschen Volkes geworden ist. Der Anstoß zur Störung der öffentlichen Ordnung liege im vorstehenden Falle darin, daß der Angeklagte auch dann nicht die Hand zum Gruß erhob, als er dazu aufgefordert worden war.

Bild: Seit dem Richterspruch eines Einzelrichter gelten soziale Gesten, wie die von den SA – Leuten zelebrierten, als deutscher Nationalgruß. Es ist müßig, darüber nachzugrübeln, was diesen Richter zu seinem Urteilsspruch veranlaßt hat, zweifellos aber war es sein Gewissen, so wie wir das auch von heutigen Richtern kennen, die Mördern mit Migrantenbonus einen wohlwollenden Klaps geben, um sie dann wieder unter ihre Opfer zu schicken.

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4 Responses to “Vor 80 Jahren”


  1. 1 eulenfurz 22. Mai 2013 um 10:34

    Wucherer in Dachau eingekerkert … wann gibt es endlich ein Denkmal für die verfolgten Wucherer?

    Und auch schrecklich, daß man in der Nazidiktatur für das Unterlassen eines Hitlergrußes verurteilt wurde.

    Was aber unterscheidet die Demokratie von der Diktatur? Richtig, in der Demokratie wird man verurteilt, wenn man den Hitlergruß NICHT unterläßt.

  2. 2 Karl Eduard 22. Mai 2013 um 10:58

    Das Denkmal für die vom Naziregim verfolgten Wucherer, wie auch für die vom Naziregime verfolgte Diebe und Hehler, ist schon lange überfällig. Es fehlt aber derzeit noch die Organisation der vom Naziregime verfolgten Wucherer, die das fordern könnte. Vielleicht gibt es aber eine Arbeitsgemeinschaft innerhalb des V V N? Arbeitsgemeinschaften sind ja in Mode. Dann müßte der V V N das auf seine Agenda setzen. Wucher ist gelebter Antifaschismus. 🙂

  3. 3 Kersti 22. Mai 2013 um 12:25

    Sieht alles verdammt nach Sozialismus aus. Der Staat bestimmt die Preise und nicht der Markt, Symbole einer Ideologie (Hitlergruß), bei dessen Unterlassung gibt es ein politisch motiviertes Urteil.

    Das Denkmal für die vom Naziregime verfolgten Wucherer kommt spätestens nach den mahnenden Worten des ZDW (Zentralrat der Wucherer)

  4. 4 Karl Eduard 22. Mai 2013 um 13:12

    Deswegen nannte sich das ja auch National Sozialismus.

    Jetzt nehmen wir aber mal an, es gibt kein HARTZ IV und nur ganz magere Wohlfahrtsleistungen, weil die sich der Staat nicht leisten kann, weil er zuvor alles dafür getan hat, die Forderungen seiner derzeitigen Freunde und ehemaligen Kriegsgegner zu bedienen. Gleichzeitig gibt es aber Millionen und Millionen Arbeitsloser, die mit schmalem Geldbeutel ihre Existenz bestreiten müssen und davon abhängen, daß die Waren des täglichen Bedarfs sich nicht verteuern, das wäre nämlich eine existenzielle Katastrophe für die. Nix zu Essen heißt zu hungern. Unfreiwillig, weswegen es auch nicht Fasten genannt wird. Und die heutigen Tafeln gab es auch nicht, die hätten die Millionen Arbeitslosen auch gar nicht versorgen können.

    Und dann schauen wir mal, was im Gegenzug die Regierung Merkel treibt: die verteuert mit ihrem Stromhumbug nicht nur das Essen, sondern auch das Wohnen, denn auch die Vermieter werden zu allerlei Energiesparnonsens genötigt, den sie auf die Mieter natürlich umlegen. Oder die Vorgängerregierung Schröder, die HARTZ IV eingeführt hat. Da können wir wirklich froh sein, daß wir in solch finsteren Zeiten, wie oben, heute nicht leben müssen. Wo die freie Preisgestaltung so reglementiert wird.


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