Archiv für 24. Mai 2013

Die Kapitulation der Zitadelle von Spandau

Gefecht bei Hochheim am Main  9 November 1913

1813. Der Österreichische Beobachter schreibt dazu: Bericht des General Baron von Bruny, Commandant von Spandau Sr. Durchl. den Fürsten von Neuschatel, Major-General der großen Armee.

Osterburg, den 2. Mai 1813. Monseigneur! Ich habe die Ehre, Ihnen durch die Hrn. Majors Jobin de Villeroche und Baron Michalowski eine Abschrift der Capitulation zu übersenden, welche ich mich genöthigt fand, für die Stadt und Citadelle von Spandau abzuschliessen. In der Nacht vom 4. auf den 3. März erhielt ich Befehl, mich nach Spandau zu verfügen, um das Commando dieser Festung zu übernehmen, ich habe alles daselbst gethan, was ich thun konnte, und thun mußte, ich habe weder einen Augenblick verloren, noch irgendeinen Theil des Dienstes vernachlässigt.

Der Feind hatte am 6. April bei Ruhleben die Laufgräben eröffnet und am 7. angefangen, zu feuern, womit er bis zum 12. fortfuhr. Ich hielt es nicht der Mühe werth, dieses Feuer zu erwiedern, da die feindliche Batterie von 3 12Pfündern und 12 Haupitzen 450  Toisen  (umgerechnet 900 Meter lt Wikipedia)  vom Hauptwall der Citadelle entfernt war. Am 16. errichtete der Feind links, hinter der Oranienburger Vorstadt, dem Brandenburger – und Fürsten – Wall gegenüber drei Batterien; am 17. fing er an zu feuern, und warf 300 Bomben in die Citadelle. Am 18. um 10 Uhr geriethen durch das feindliche Feuer die Magazin – Gebäude, wahre Holzstöße, die ich nicht abbrechen lassen konnte, in Brand. Ein äußerst heftiger Wind vereitelte alle meine Anstrengungen, der Flamme Einhalt zu thun, welche sich unter der großen Wölbung der Bastion Königinn fing. Der Feind warf Bomben in Menge, als der Commandant des Ingenieurswesens mich am Mittag benachrichtigte, daß diese Bastion springen würde, weshalb ich Vorsichtsmaßregeln für die Garnision ergriff. Das Feuer ergriff die Pulvermagazine; die Explosion erfolgte, und sprengte die Bastion in die Luft, wodurch die Citadelle unhaltbar wurde, der Feind wird sie lange nicht brauchen können, und lieber gänzlich schleifen, als die Bastion wieder erbauen.

Am 20., nach der Aufforderung vom 19. und der hierauf erfolgten Antwort (Aufforderung zur Kapitulation) fing der Feind um halb 8 Uhr die Stadt von neuem zu beschiessen an; er steckte ein Drittel derselben in Brand, und suchte vergebens die Verbindung mit der Citadelle abzuschneiden. Um 9 Uhr stellte er sein Feuer ein, machte Angriffe auf allen Punkten, wovon drei ernsthafte gegen das Hornwerk, gegen Stresow und gegen die Potsdamer Spitze gerichtet waren; da sich aber Jedermann auf seinem Posten befand, ward er so gut empfangen, daß er unserm Feuer nicht widerstehen konnte, und sich eiligst und in Unordnung zurückzog. er muß bei diesem Angriff viel Leute verloren haben.

Tags darauf erfolgte eine abermalige Aufforderung. Ich beantwortete sie, wie sichs gebührte. Allein, in Rücksicht des Zustandes der Citadelle mußte ich endlich in Unterhandlung treten, und am 24. ward die Capitulation geschlossen und ratificiert.

Durch die Explosion der Bastion Königinn, auf der meine Wohnung war, habe ich alles verloren; ich bin damit beschäftigt, ein neues Belagerungs – Journal abzufassen. Ich habe jedoch beim Nachsuchen unter dem Schutte das Tagebuch des Vertheidigungs – Committee und meiner Correspondenzen wieder gefunden; aus beiden werden Ew. Durchl. den Zustand ersehen, in welchem die Citadelle befand, und welche Vorsichtsmaaßregeln wir ergriffen hatten.

Jeder hat so viel gethan, als er konnte; und wenn die Garnision stark genug gewesen wäre, um aus der Tapferkeit und dem Eifer der Offiziere gehörigen Vortheil zu ziehen, so hätte ich durch einige Ausfälle dem Feind Schaden thun können.

Ich habe die Ehre, Ew. Exellenz zu benachrichtigen, daß ich es für Pflicht hielt, an den Hrn. General v. L Èstocq, Gouverneur des Landes zwischen der Elbe und Oder das in Abschrift beiliegende Schreiben zu erlassen.

Ich habe die Ehre ec. Unterz. der General Baron v. Bruny.

Abschrift des Schreibens des General Baron Bruny an den preußischen General L Èstocq. Osterburg, den 2. Mai 1813.

Herr General! Als ich im Augenblicke der Räumung Spandaus die Ehre hatte, Sie zu sehen, und über das Verhalten meiner Garnision von Ihnen zu empfangen, durfte ich allerdings, nach den Buchstaben der Capitulation, darauf zählen, ruhig bis an die Elbe ziehen zu können. Aber es geschah nicht so, und ich muß Ihnen unser Erstaunen und unseren Unwillen über die Art, wie wir behandelt wurden, im vollen Maaße bezeigen.

Der Pöbel von Berlin, der an die Thore von Spandau kam, hat sich übel daselbst aufgeführt, und ist wegen der Reden, die er führte, und die der gemeinste Soldat nicht ohne die tiefste Verachtung anhören konnte, nicht gehörig im Zaum gehalten worden.

Auf dem ganzen Wege haben wir Leute mit Piken und Gabeln, als ob sie die Kinder schrecken sollten, lächerlich bewaffnet, angetroffen; sie hatten sich, wie man uns sagte, auf Befehl der Obrigkeiten eingefunden, um uns den allgemeinen Volksaufstand anschaulich zu machen, worüber die Grundbesitzer seufzen, wie sie uns durch ihr Benehmen sattsam zu erkennen gegeben haben.

Alle Arten von Verführung wurden angewendet, um Unteroffiziere und Gemeine zur Desertion zu verleiten; Geld, Worte, Getränk, alles ward gebraucht, und die preußische Escorte, statt diese Kniffe zu verhindern, unterstützte sie gegen ihre Pflicht nach allen ihren Kräften. Das russische Unlanenregiment, unter Commando des Hrn. Gurieff, war darüber entrüstet. Man hatte niederträchtigerweise den Plan gefaßt, meine Colonne Nachts in ihren Quartieren zu überfallen, und sie zu entwaffnen; der Landsturm von Havelberg, Sandau und der umliegenden Gegend sollte diesen schimpflichen Plan ausführen. Dergleichen hatte ich wahrlich nicht erwartet, und ich bin es meiner Garnision, die all diesem mit kaltblütiger Verachtung begegnete schuldig, meinem Souverän Bericht hierüber zu erstatten.

Ich hielt es gleichfalls für meine Pflicht, dieses Schreiben an Sie, Herr General, zu erlassen. nach der Art, wie sie sich gegen mich benommen haben, und ihren bekannten rechtlichen Grundsätzen zufolge hätte ich sehr sehnlich gewünscht, Ihnen das Gegentheil schreiben zu können. Ich habe die ehre ec.

Unterz. Baron v. Bruny, ehemaliger Commandant von Spandau.

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