Bergrutsch im Kreise Bernburg

Naturkatastrophe an der Saale 1933Dessau 31.Mai. (1933) Eine schwere Naturkatastrophe ereignete sich heute im Kreise Bernburg. Die Kalkberge bei Eiserfurth sind in einer Breite von 500 Meter in die Saale gerutscht und haben das Bett des Flusses vollkommen gesperrt, so daß die Saale ihren Lauf durch die große Aue nehmen muß. Das Wasser stieg innerhalb 20 Minuten um einen halben Meter. Ringsumher besteht kilometerweit größte Hochwassergefahr. Die Katastrophe ist vermutlich durch die ungeheuren Regenmengen zurückzuführen, die in den letzten 48 Stunden niedergingen. *Freiburger Zeitung vom 31.05.1933*

*Das interessante Blatt vom 8.06. 1933* schreibt dazu … handelt es sich um Ablagerungen der Sodafabrik der Solvay – Werke, die dort in großen Bassins aufbewahrt werden. Infolge der großen Regengüsse, die un den vorhergehenden 48 Stunden niedergegangen sind, brachen die Schutzdämme, so daß das ungeheure Material in die Saale rutschte. Zahlreiche Arbeitslose sind beschäftigt, eine Abflußrinne auszuschaufeln, um vorerst den verwüstenden Fluten einhalt zu gebieten …

Zur Verbreitung verbotener Flugblätter schreibt die *Freiburger Zeitung* vom 31.05.1933 in ihrer ersten Abendausgabe: Mannheim, 30. Mai. Von der Schweiz her über Waldshut und Lörach wurde ein dort hergestelltes Flugblatt nach Deutschland geschmuggelt, mit dem namentlich der Hochschwarzwald und Oberbaden überschwemmt wurde. Es forderte zum Kampf im Massenselbstschutz gegen den Faschismus auf und enthält den schweren Vorwurf, daß die Regierung den Brand des Reichstages veranlaßt habe. Dieses Flugblatt in Bammenthal am 28. April nachts verbreitet zu haben waren angeklagt der 30 Jahre alte ledige Arbeiter Emil Rapp aus Kehl, der 26 Jahre alte ledige Hilfsarbeiter Sch. Georg Schmitt aus Bammenthal; der 28 Jahre alte ledige Arbeiter Otto Räder aus Baden in der Schweiz und der 31 Jahre alte ledige Hilfsarbeiter Georg Binder aus Bernreut sind der Beihilfe beschuldigt. Der Hauptangeklagte ist Rapp, ein ehemaliger Fremdenlegionär. Das Urteil lautet: Rapp zwei Jahre, Schmitt ein Jahr drei Monaste, die beiden anderen Angeklagten wegen Beihilfe je vier Monate Gefängnis wegen Zuwiderhandlung gegen den § 3 der Verordnung des Reichspräsidenten vom 21. März 1933. Erschwerend kam in Betracht die unheilvolle Wirkung, die solche verlogenen Flugblätter haben können; sie wurden eingezogen.

Bild: Abgerutschte Kalkmassen sperren den Lauf der Saale, das Wasser breitet sich in den Flußauen aus.


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