Archiv für 13. Juni 2013

Vor 90 Jahren

Die Ursachen des kalten Sommers 1923Schreibt die *Coburger Zeitung am 12.06.1923*: 5 Deutsche erschossen! In Dortmund sind Sonnabend abend in der Wilhelmstraße zwei französische Offiziersaspiranten von unbekannten und bisher nicht ermittelten Tätern aus nächster Nähe erschossen worden. Der eine war sofort tot, der andere starb nach seiner Einlieferung ins Krankenhaus. Zwei Zivilisten, die den Vorfall auf der französischen Kommandantur anzeigten, wurden sofort von den Franzosen in Haft genommen. – Im Laufe des Abend und in der Nacht sind in Dortmund fünf Zivilpersonen aus Rache erschossen worden. Ein Mann wurde durch mehrere Schüsse schwer verletzt. …

Und am *13.06.1923* Die Bluttat in Dortmund. Zu der Mordtat an den zwei französischen Offizieren wird von zuständiger Stelle mitgeteilt, daß die Tat nicht von Deutschen verübt wurde. Die Geschosse, mit welchen die Offiziere getötet wurden, entstammen Gewehren oder karabinern. Die sechs ohne Anruf erschossenen Deutschen wurden am Boden liegend auf viehische Weise umgebracht. An Vielen Stellen zeigen große Blutlachen die Stelle des Mordes. Ferner wurden Hunderte von Leuten, denen die Verhängung des Belagerungszustandes unbekannt geblieben war, über Nacht im Freien hinter Stacheldraht festrgehalten. Die Nachforschungen nach den Tätern, die die beiden Franzosen erschossen haben, werden durch die Festnahme der leitenden Persönlichkeiten (der Stadt – Anmerkung des Blogwarts) außerordentlich erschwert. Uebrigens soll ein Alpenjäger als mutmaßlicher Täter verhaftet worden sein. – Bei der Ueberführung der Leiche des erschossenen Franzosen kam es zu einem neuen Zwischenfall. Ein Deutscher, der beim Vorüberziehen des Trauerzuges den Hut nicht absetzte, wurde von den Franzosen auf schlimmste Weise mißhandelt, so daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird. – Soweit bisher festgestellt werden konnte, handelt es sich bei den erschossenen Personen um den Studienrat Wuschank, Dr. Schoene, den Elektriker Heinrich Strothmann und den 19jährigen Kaufmann Buschoff, sämtlich aus Dortmund. …

Dollar gestern 84039, heute vormittag 90000.

Bild: Warum der Sommer des Jahres 1923 kalt ist, ist den damaligen Wetterexperten klar: Es sind, berichten die *Wiener Bilder* die riesigen Eisberge im Atlantischen Ozean, die sich von der grönländischen Küste gegen Europa zu in Bewegung gesetzt haben.

Und, sagt der Blogwart, es gibt in Dortmund natürlich Straßen, die nach den von Franzosen ermordeten Zivilisten benannt wurden. Oder zumindest Stolpersteine. Alles andere wäre – nunja. Sicherlich wurden die französischen Täter auch verurteilt. Frankreich war immerhin eine Kulturnation.

Erwischt!

Neues von der Germanophoben Flutbrigade:

germanophobe Flutbrigade

Bild: „Wenn wir hier den Sandsackwall durchstechen, könnten wir maximalen Schaden an unseren  Wählern anrichten. Völlig ohne lästige Kabinettsberatungen oder langwierige  Haushalts – oder Landtagsdebatten. Und dann fordern wir die Erhöhung des Solidaritätszuschlages. Daß den auch die Flutopfer blechen müssen, höhö, merkt sowieso keiner und wenn, ist es längst zu spät. So tragen sie doppelten Schaden davon. Solidarität ist die Zärtlichkeit der Völker, hihi!“

Alternativ: „Und hier, Herr Meyer stellen wir drei Iraker aus Möhlau hin, die gebannt auf das Wasser schauen, während einer die Hilfe Allahs herabfleht. Schreiben wir dazu. Und dann machen Sie schöne Aufnahmen davon. Als Beleg für den überwältigenden Einsatz unserer ausländischen Mitbürger in der Stunde der Not.“ Oder: „Wenn ich jetzt vor den Kameras über das Wasser gehe, ist unsere Wiederwahl doch gesichert?“ Auch: „Wenn noch irgendwo Noteingangsaufkleber herumliegen, lassen Sie die an den Häusern anbringen, damit das Wasser weiß, daß der Zutritt nur rassistisch, faschistisch und von Fremdenfeindlichkeit Verfolgten gestattet ist. Hoffen wir, es hilft.“  Eventuell: „Scheuchen Sie mal die Bundeswehr da hinten weg, da haust eine seltene Libellenart, nicht, daß mich die Bürgerinitiativen steinigen!“ 

Vor 100 Jahren

Wilhelm II 25 jähriges RegierungsjubiläumDie  *Österreichs/Wiener Illustrierte Zeitung* schreibt:  Fünfundzwanzig Jahre Deutscher Kaiser! Welche Summe an Mühen und Sorgen, welche Fülle stolzer Freude und freundlichem Lächeln des Schicksals bergen sich in diesen Worten! Fünfundzwanzig Jahre trägt Wilhelm II. des Deutschen Reiches Kaiserkrone, trägt er die Verantwortung für Deutschlands Geschick. Mit sicherer Hand hat er das Steuerrrad des Reiches all die Zeit geführt, immer persönlich zugreifend, wenn kühner Mut und geistesgegenwärtige Entschlossenheit notwendig waren.

Nicht leicht ist es dem Kaiser geworden, die Aufgaben zu erfüllen, die sein hohes Amt an ihn stellte. Als am 15. Juni 1888 der Tod seines Vaters, des Kaisers Friedrich I., den Neunundzwanzigjährigen an die Spitze des zwar gegründeten aber durchweg noch nicht vollständig gefestigten Deutschen Reiches berief, da mochte wohl manchem Deutschen vor der Zukunft gebangt haben. An der westlichen Grenze lärmte das wildeste Revanchegelüst, im Osten drohte der russische Koloß und die Beziehungen zu England waren nichts weniger als gut. Kaiser Wilhelm, der als Kronprinz für überaus kriegerisch gesinnt galt, bewies schon bei seinem Regierungsantritt, daß er in der Regierungskunst nicht nur ein gelehriger Schüler gewesen, sondern in derselben bereits ein Meister geworden war. Nachdem er gleich am ersten Tage seines Regierungsantrittes in einem Erlasse an das Heer und die Flotte die enge Zusammengehörigkeit der Armee mit dem obersten Kriegsherrn betont und so bewiesen hatte, daß er furchtlos allen Eventualitäten entgegentreten wolle, welche sich ohne sein Zutun und gegen seinen Willen aus den kriegerischen Aspirationen der geheimen und offenen Gegner Deutschlands ergeben könnten, versprach er in dem drei Tage später erlassenen Aufruf „An mein Volk“, ein Fürst des Friedens zu werden, Frömmigkeit und Gottesfurcht zu pflegen, die Wohlfahrt des Landes zu fördern, den Armen und Bedrängten ein Helfer, dem Rechte ein treuer Wächter zu sein.

Wilhelm hat sein Versprechen redlich gehalten Die stärkste Armee Europas und die mächtigste Flotte des Kontinents waren ihm Bürgschaften des Friedens und die fortschreitende Entwicklung der Macht Deutschlands zur Ersten im Rate der Völker vollzog sich durchaus auf friedlichem Wege.

Freilich, die Interessen seines Staates waren ihm immer das Leitmotiv seines Handelns. Da zögerte er nicht, eventuell auch zu zeigen, daß er bereit sei, seine Forderungen auf das nachdrücklichste zu vertreten und die letzten Konsequenzen zu tragen. Gerade bei solchen Anlässen zeigte sich die staatsmännische Klugheit Kaiser Wilhelms im hellsten Licht. Es ist zwar klar, daß die Person des Monarchen bei politischen Gelegenheiten im Hintergrund blieb. Aber man spürte die feste Hand, die alles leitete, man wußte, wer der eigentlich Handelnde war und wem man in erster Linie den endlichen Erfolg verdankte.

In glanzvoller Weise wird allüberall im Deutschen Reiche das 25jährige Regierungsjubiläum Kaiser Wilhelms gefeiert werden. Auch bei uns in Österreich wird der Festjubel lebhaften Widerhall erwecken. Verehren wir doch in dem Deutschen Kaiser den erlauchten Verbündeten unseres Monarchen, der uns in 25jähriger Waffenbrüderschaft in gefahrvollen Situationen stets die oft gerühmte Nibelungentreue gehalten hat. … (vom Blogwart leicht gekürzt)

Ergänzend findet sich in der Preussischen Allgemeinen Zeitung folgende Lobeshymne eines Zeitgenossen, die der Blogwart teilweise zitiert, falls sie im virtuellen Nirgendwo verschwinden sollte.:

… Im Jahre 1888 konnte das Fahrrad noch Sinnbild der aufsteigenden Verkehrsentwicklung heißen; wie weit ist es inzwischen überholt vom Automobil, Luftschiff, Flugapparat und elektrischen Lokomotivbetrieb. Vor 25 Jahren sind asphaltierte Straßen noch Ausnahmeerscheinungen der Großstädte gewesen; heute fangen sie an, sich über die Vorstädte bis auf das Land hinaus vorzuschieben. Vor 25 Jahren waren kaum unsre deutschen Hauptströme im Unterlauf notdürftig reguliert; heute ist in der Regulierung ihrer meisten Zuflüsse immense Arbeit geleistet und in den dabei angelegten Staubecken noch immensere Arbeitskraft aufgespeichert, die durch die Überlandzentralen bald selbst den Hinterwäldlern übermittelt werden kann. Es ist keine Frage, dass das persönliche Interesse des Kaisers, sein modernes Aufgeschlossensein für Probleme dieser Art der Entwicklung förderlich gewesen ist, dass ohne sein Interesse nicht so viel Köpfe und Hände mitgeschaffen hätten. …

Bild: So sahen ihn also seine Zeitgenossen, die wohlgesinnten. Die Feinde, die heute unsere Freunde genannt werden, weil wir einfach zu doof sind zu begreifen, daß es immer noch Feinde auf der Welt gibt, die uns ans Leder wollen oder wenigstens an unser Geld, oder weil die Regierungen uns aus Gewohnheit belügen und es diplomatischer klingt, werden ihn anders gesehen haben. Wir Zuspätgeborenen hätten auch Vieles, wenn nicht Alles besser gemacht, als Wilhelm II., denn wir kennen ja den Ausgang! Das ist wie im Film, den man im Kino zum wiederholten Male sieht, da kann man auch nicht begreifen, warum die taffe Studentin dem fiesen Messerkiller nicht dem Briefbeschwerer über den Kopf knallt, anstatt sich kreischend und fotogen abstechen zu lassen.

Gleich nach unserem Regierungsantritt hätten wir uns bei Frankreich für den aufgezwungenen Krieg 1870/71 enschuldigt, sämtliche Reparationen zurückgezahlt und jährliche Entschädigungssummen bis ins Jahr 2013 bindend zugesagt. Und wenn Frankreich ein bissel deutsches Land hätte haben wollen, Stück um Stück, wir hätten es ihm gegeben. Das hätte Frankreich zufriedengestellt. Oder auch nicht. Wir wissen es nicht. Hoffen aber, daß es geholfen hätte, so wie es ja auch der Merkel hilft, wenn sie eine Milliarde nach der anderen verschleudert, in der Hoffnung, nun sind sie aber bald satt. Unsere Freunde. 

Das Heer und die Marine hätten wir aufgelöst, im Vertrauen auf die Friedfertigkeit unserer Nachbarn, die ihre kriegerischen Ambitionen außerhalb Europas austobten,   und wenn wir dann jemals wieder aus der Nervenheilanstalt entlassen worden wären und nicht in irgendeinem See ertrunken,  erfreuten wir uns an den französischen, englischen und russischen Zungen, die die Straßen und Wege Deutschlands mit ihrem Geplauder erfüllten, Kosmopolit, der wir sind.

Und natürlich hätten wir auf den Beistandsvertrag gespuckt, den wir mit der Habsburger Monarchie geschlossen hatten, als diese sich 1914 dem Angriffe Rußlands ausgesetzt sah. Denn es ist höchst unklug, in der Diplomatie ehrenhaft zu handeln und zum gegebenen Wort zu stehen, außerdem völlig unmodern. Weshalb wir auch die parlamentarische Demokratie vorziehen, wo Wortbruch ein Muss ist. Nicht zu vergessen, die Innovationen, die Deutsche entwickelten und deretwegen England völlig verschüchtert auf seiner Insel und in Indien kauerte. Die kämen natürlich alle in den Panzerschrank oder den Ofen  oder würden gleich England übergeben und die Welt hätte nichts von unserer ökonomischen Macht zu fürchten. Wären wir Wilhelm II. gewesen. Na, und den komischen Schnurrbart hätten wir auch nicht getragen. Das ist ja wohl klar. 

Dummerweise besaß dieser Wilhelm aber nicht unser heutiges Wissen, unsere Unehrenhaftigkeit und Verschlagenheit, die unabdingbare Eigenschaft von Volldemokraten ist,  gerade, wenn sie sich in der Politik tummeln, und so nahm das Schicksal seinen Lauf. *Heil Dir, im Siegerkranz*


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